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M. Ward - Transistor Radio

M. Ward - Transistor Radio
Matador Europe/Beggars Group/Rough Trade
Format: CD

Das gute alte Transistor-Radio steht für Matt Ward offenbar für eine Zeit, in der noch echte Musikredakteure in den Radiostationen das Sagen hatten und dort ihre - aus Stapeln von Vinyl heraus geklaubten - Lieblingssongs auflegten. Insofern ist das vierte Album von Matt Ward auch eine politische Platte, die den Kulturverlust beklagt, der mit der Vorherrschaft des Formatradios mit seinen zentral diktieren Rotations und computergesteuerten Playlists einhergeht. Vor allem aber liegt hier ein Konzeptalbum vor, das dem soliden Songwriting vergangener Tage huldigt und der eigenen musikalischen Sozialisierung vorm elterlichen Empfänger gedenkt.

Was die stilistische Ebene angeht, sind die Songs auf "Transistor Radio" demzufolge und schlüssiger Weise ziemlich inkonsistent. Auf den Spuren der Geschichte der amerikanischen Popularmusik rezipiert Ward die Anfänge von Folk, Country, Blues und Rock und bringt außerdem noch abwegig schöne Interpretationen von Songs der Beach Boys, der Carter Family und Louis Armstrong. Das Ergebnis ist eine Platte, die wie die beiden Vorgänger zwar nichts wirklich Neues bringt, aber dennoch äußerst frisch klingt. Das liegt zum einen an der unverwechselbaren, etwas knarzig-melancholischen Singstimme, die verhallt und gedoppelt, oft auch zweistimmig, den Songs eine so noch nicht gehörte Anmutung verleiht. Zum anderen an der ausnehmend hübschen LoFi-Produktion, die mit allerlei interessanten Effekten, wie Parts, die wirklich aus einem alten Transistor mit schlechtem Empfang zu kommen scheinen, aufwartet. Wer möchte, hört ein wenig Neil Young oder Tom Waits und auch "Giant Sand"-Mastermind Howe Gelb heraus - der Entdecker unseres Protagonisten ist eine sichere Bezugsgröße. Der absolviert übrigens, genauso wie Vic Chesnutt und Jim James von My Morning Jacket einen Gastauftritt.

Mit letzterem und Conor Oberst aka Bright Eyes hat M. Ward im vergangenen Spätsommer eine gemeinsame US-Tour absolviert. Dabei versuchten die drei, die sich auf ihren Konzerten jeweils gegenseitig begleiteten, die Songs von allem überflüssigen Ballast und Zierart zu befreien. Die Aufnahmen des aktuellen Longplayers scheinen von dieser Rückbesinnung zu profitieren. Verglichen mit dem Vorgänger "Transfiguration Of Vincent" ist "Transistor Radio" noch runder und unprätentiöser, allerdings auch etwas weniger leicht zugänglich geraten.



-Dirk Ducar-




 
 
 

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