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Porcupine Tree - Deadwing

Porcupine Tree - Deadwing
Lava/Atlantic Records/Warner Music
Format: CD

Seine Genialität Steven Wilson sind ja berüchtigt für stete musikalische Weiterentwicklung, ständige Veränderung und das fortwährende Setzen neuer Meilensteine. Wer sich mit dem Thema "New Artrock" beschäftigt, kommt um Porcupine Tree nicht herum. Und schon gar nicht um "Deadwing", das aktuelle Magnum Opus des charismatischen Briten.

Von der Single-Auskoppelung "Lazarus" zwar angetan, aber nicht hundertprozentig überzeugt, rotiert nun endlich das sehnsüchtig erwartete Komplettwerk im Player. Leichte Unsicherheit nach den ersten beiden Durchläufen. Hängen geblieben ist in der Hauptsache der Eindruck von noch etwas mehr vorherrschender Härte als auf dem Vorgängeralbum, die bislang für Porcupine Tree ohnehin eher untypisch war. Ist "Deadwing" also "nur" eine Fortsetzung von "In Absentia"? Ja und Nein - so ohne weiteres erschließt sich die komplexe Story nicht.

Das Konzeptalbum beruht auf einem Filmscript, das Steven Wilson mit seinem Freund Mike Bennion entworfen hat. Die Vorlage klingt melodramatisch. David, seines Zeichens Soundeditor, lernt eine Person kennen, die nicht das ist, was sie zu sein vorgibt, sein Leben jedoch entscheidend beeinflusst. Dabei verliert David sein Gehör - und somit seine Lebensgrundlage. Die filmische Umsetzung des Materials ist mit Sicherheit hoch spannend - wie schon von den Projektionen auf der aktuellen, von Gaesteliste.de präsentierten Tour zu schließen war.

Das Intro des die Platte eröffnenden Titelstücks erinnert ein wenig an Tangerine Dream. Der Song ist einprägsam, (noch) kein echter Knaller, zeigt aber schon auf, wohin die musikalische Reise gehen könnte. "Shallow" hingegen rockt von der ersten Sekunde an wie die sprichwörtliche Wutz. Fetter Rock und Metal in stetem songdienlichem Wechsel mit melodischen und verträumten Parts, welche den stetig wiederkehrenden stahlharten Eindruck wieder etwas relativieren. "Lazarus", als Single beinahe durchgefallen, wirkt im Kontext des ganzen Albums durchaus passend. Sehr dezent und einfühlsam, etwas an Coldplay erinnernd. Mr. Wilson genehmigt seinen Hörern jedoch keine Zeit zum Schwelgen. Mit "Halo" kommt ein ungeheuer modern wirkender Song zum Zug, der unter Umständen ebenfalls als Single geeignet gewesen wäre. Der mitreißende Groove zwingt selbst auf einem etwas unbequemen Bürostuhl zum Mitwippen. Verzerrter Gesang und gesprochene "God is"-Botschaften passen sich perfekt in einen satt rockenden Refrain ohne albern zu wirken.

Eines der beiden Herzstücke jedoch ist "Start Of Something Beautiful": Ein grandioses Prachtwerk im Stile von "Even Less" oder "Shesmovedon", voller Eindringlichkeit und Intensität, im Instrumentalpart tränenverdächtig schön. "Arriving Somewhere..." formt das andere Zentrum des Albums. Zunächst etwas verhalten beginnend steigert der Song beständig in Tempo und Härte, um im Mittelteil nahezu zum kompletten Thrasher zu mutieren. Überdehnte Nackenmuskeln scheinen unvermeidlich. Eine logische und konsequente Fortsetzung des Songaufbaus, die sich jedoch auch wieder zurückschraubt in die Nähe der Ausgangsposition der wunderbaren Gesangslinien und Gitarrenläufe und deren uneingeschränkten Genuss zulässt.

In der Gesamtheit wirken Porcupine Tree auf "Deadwing" so heavy wie noch nie. Doch der talentierte Mr. Wilson löst die metallische Härte auf seine unnachahmlich subtile Weise stets wieder auf und verleiht das sichere Gefühl, das eine könne ohne das andere nicht perfekt sein. Wieder einmal ein Meisterwerk der Stimmungswechsel.



-Maria Ortner-




 
 
 

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