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Heidi Mortenson - Don't Lonely Me

Heidi Mortenson - Don't Lonely Me
Wired/MDM
Format: CD

Heidi Mortenson ist eine der schönen, schillernden Figuren der Berliner Queer Community. Kaum eine sieht so gut aus mit ihrem aufgemalten Bärtchen und singt so überzeugend davon, dass sie problemlos sowohl Junge als auch Mädchen sein kann. Zu den Klängen von Rhythmbox und Sampler erzählt sie von lesbischem Sex unter der Dusche, davon wie schwer es ist nach einer Show nein zu sagen (zu was auch immer) und überhaupt davon, was Musik und Frauen so grundsätzlich mit einem anstellen. Meistens scheint die Kombination von beiden Mortenson jedenfalls ziemlich glücklich zu machen, außer, wenn sie nicht anrufen, denn mit der Eifersucht fängt die Qual an ("Hurt Machine").

"Don't Lonely Me" ist bereits das zweite Album der Musikerin, die in der letzten Zeit viel zwischen Berlin und der dänischen Musikakademie hin- und hergejettet ist. Dazwischen fand sie noch Zeit, andere Bands zu produzieren, ein Compilation-Album auf Wire Records zu veröffentlichen und eigene Auftritte hinzulegen. An Energie mangelt ihr es also offensichtlich nicht, und auch nicht an Humor: Anrufbeantworterinhalte, Katzenmiauen und hysterisches Gekicher sind leicht in ihre Sounds zu integrieren. Die elektrofizierte Sexyness ihrer Darbietung speist sich aus lazy hingehauchten Lyrics und den zum Teil harten Beats aus dem Computer. Dass es (fast) keine schlechten Songs gibt, sondern nur schlechte Interpretationen, zeigt Mortenson mit "Music", dessen Refrain U2s "With Or Without You" verwendet: "Music" ist dabei sowas wie die gestrippte, coole Version von Madonnaschem Posertum, wie überhaupt Mortenson das perfekte Understatement für sich gepachtet hat.

Ebenfalls auf der CD enthalten ist ein Remix von "I Just Know", besorgt von Ben Adorable, der bereits Peaches, Mirah und Scream Club gemixt hat; Gastauftritte haben Kevin Blechdom und Monotekktoni. Apropos Peaches: So gern man sie haben muss und so wichtig sie war - in einer Kultur, in der sie plötzlich als das Nonplusultra der queeren Queen gilt, war so eine wie Heidi Mortenson längst überfällig. Die ganze Wucht ihrer experimentellen Performance kann man jedoch wohl nur bei einer ihrer Live-Shows erfahren. Ach ja: Nachdem der Vollbart in der schwulen Szene angekommen ist (s. Siegessäule, August 2007), sollte er endlich auch bei den Lesben mehr geschätzt werden.



-Tina Manske-




 
 
 

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