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THE MISSION
 
"Ich bin als Mensch inzwischen viel entspannter"
The Mission
Wayne Hussey ist kaum wiederzuerkennen. Als wir ihn unlängst in seiner südamerikanischen Wahlheimat anriefen, um ihn zum neuen The-Mission-Album "God Is A Bullet" zu befragen, hatten wir einen gut gelaunten Frontman in der Leitung, der viel lachte, selbst kritische Fragen ehrlich beantwortete und so gar nichts mehr mit dem Mann gemein zu haben schien, der in der legendären Frühphase der britischen Goth-Ikonen stets den Rockstar raushängen ließ. "Ich bin als Mensch inzwischen viel entspannter", bestätigt er. "Dass ich jetzt in Brasilien lebe, hat viel damit zu tun. Das Leben hier läuft viel langsamer ab als das in Europa. Es ist nicht so, dass ich faul geworden wäre, aber inzwischen weiß ich, dass man nicht alles sofort heute erledigen muss. Wenn ich einen Song singe, weiß ich, dass es nicht der letzte sein wird, den ich in meinem Leben singe. Früher hatte ich die Tendenz, die Dinge etwas zu wichtig zu nehmen, und ich denke, dass ich das auf dem neuen Album abgelegt habe."
Das merkt man auch der Ende April erschienenen neuen Platte an, von der nicht wenige sagen, dass sie das beste Werk der zuletzt oft umbesetzten Band seit mindestens 15 Jahren ist. Trotzdem: Nur ein Aufguss der vielbeachteten Frühwerke ist "God Is A Bullet" dennoch nicht, auch wenn mit Gitarrist Simon Hinkler und Juliette Reagan von All About Eve zwei Musiker als Gäste beteiligt waren, die in der Anfangsphase von The Mission eine wichtige Rolle spielten. Husseys relaxte Herangehensweise an die neue Platte lässt sich auch daran ablesen, dass er seine Position als Diktator der Band inzwischen aufgegeben hat und seinen derzeitigen Mitstreitern Mark Gemini Thwaite an der Leadgitarre, Rich Vernon am Bass und Steve Spring am Schlagzeug ein ungewohnt großes Mitspracherecht bei Songwriting und Produktion einräumte. "Ich vertraue heute den Mitgliedern der Band und ihrem Input mehr", erklärt Hussey. "Ich habe in der Vergangenheit Platten praktisch im Alleingang aufgenommen, aber ich habe festgestellt, dass sie letzten Endes etwas eindimensional sind, weil nur ein Einziger bei den Aufnahmen den Ton angibt. Kein Wunder also, dass die neue Platte musikalisch wie textlich viel entspannter ist. Gegen Ende der Aufnahmen habe ich morgens einen Text geschrieben und ihn nachmittags eingesungen. Es blieb mir also gar keine Zeit, mir einen Kopf um jedes einzelne Wort zu machen."

Das Interessante dabei: Trotzdem vergingen seit dem 2001er Comeback-Album "AurA" mehr als fünf Jahre, bis nun "God Is A Bullet" in den Läden steht. Nie musste Husseys Fangemeinde länger auf ein neues Album warten! "Nun ja, es ist nicht so, dass ich faul auf meinem Arsch gesessen und nicht nichts getan hätte", erwidert Hussey lachend. "Ich habe fast ein Jahr damit verbracht, unsere DVD zusammenzustellen, und wir waren ja auch viel auf Tour. Außerdem bin ich von Kalifornien nach Brasilien umgezogen, und ein Heim zu finden und mich häuslich einzurichten, hat auch viel Zeit verschlungen. Außerdem musste ich mir mein Studio hier völlig neu einrichten, deshalb konnte ich nicht immer so arbeiten, wie ich mir das gewünscht hätte. Während der ganzen Zeit hatte ich allerdings viele musikalische Ideen. Nur die Fertigstellung der Songs ist lange gescheitert."

The Mission
Erst Anfang 2006 setzten sich Hussey und seine in alle Himmelsrichtungen verstreuten Mitstreiter endlich an die Vorproduktion von "God Is A Bullet". "Wir haben unsere Demos als mp3s hin- und hergeschickt, bevor wir uns für die eigentlichen Aufnahmen trafen. Wir haben die erste Hälfte des letzten Jahres damit verbracht, die Songs aus Parts, die ich, Mark und Rich hatten, zusammenzusetzen. Sogar Steve hat eine Nummer beigesteuert, die wir leider, leider nicht verwenden konnten - später vielleicht! Du lachst jetzt, aber der Song ist ziemlich gut! Er ist der Schlagzeuger, also erwartet man nicht, dass es sich um ein musikalisches Meisterwerk handelt, aber das Stück ist nicht schlecht. Na klar, die Idee 'Und jetzt kommt der Song des Schlagzeugers' hat schon etwas von Spinal Tap!"

Vielleicht spielen The Mission den Song ja auf ihrer derzeit laufenden Konzertreise. Schon bei unserem letzten Treffen hatte uns Hussey vor Jahren gesagt, dass lange Tourneen für ihn ob der negativen Nebeneffekte der Vergangenheit angehören würden – so fällt die aktuelle Europareise der Band in der Tat sehr kurz aus. Gerade einmal zweieinhalb Wochen sind The Mission unterwegs, in Deutschland stehen lediglich zwei Termine in der Woche vor Pfingsten in Bochum und Herford auf dem Programm. "Wir haben Ende 2005 eine achtwöchige Tournee absolviert - und auch die war wieder einmal zu lang", lacht Hussey. "Das ist einer der Gründe, warum die aktuelle Gastspielreise so kurz ausfällt. Das Schräge am Auf-Tour-Sein ist, dass du dich in eine Art Zeitkapsel begibst. Dein Zeitgefühl verändert sich völlig. Dinge, die gestern passierten, kommen dir vor, als seien sie einen Monat her, und umgekehrt. Die letzte Tournee war gegen Ende schon eine Qual. Wir hatten schon noch Spaß an den Shows, aber wir erreichten nicht mehr die gleichen Höhen wie noch in den ersten zwei Wochen. Für mich ist das Beste an einer Tournee die zweite und dritte Woche. Du kannst entspannt auf die Bühne gehen, weil du weißt, dass die Songs sitzen, aber gleichzeitig ist das Gefühl des Neuen immer noch da. Wenn du länger unterwegs bist, geht dir das ein klein wenig verloren."

Die Deutschlandkonzerte liegen übrigens zu Beginn der zweiten Tourwoche - zwei große Konzertabende sind also nicht nur ob des feinen neuen Albums praktisch garantiert!

Weitere Infos:
www.themissionuk.com
www.myspace.com/themissionuk
Interview: -Simon Mahler-
Fotos: -Pressefreigaben-
The Mission
Aktueller Tonträger:
God Is A Bullet
(Oblivion/SPV)




The Mission

 
 

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