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TUSQ
 
Auf Klassenfahrt
Tusq
Tusq haben ein neues Album und darüber muss man sprechen. Weil der Hamburg-Berlin-Connection mit den berühmten Mitgliedern ein wahnsinnig schönes Stück Musik gelungen ist. Ein so einfühlsames wie kräftiges Stück Indiekultur, das durchaus Rock ist, aber keine Angst vor Pop hat, das man so mal hören darf, dem man sich aber auch widmen, das man bewusst hören und mögen kann. Musik mit Geschmack also, Musik für Leute mit Geschmack und Musik mit Chor und Akkordeon. Und niemals langweilig. "Hailuoto" ist das zweite Album von Tusq und es ist besser als "Patience Camp". Und was sonst noch passiert ist, haben uns Gitarrist Timo und Schlagzeuger Holger an einem verregneten Winterabend in einer gemütlichen Kneipe im Hamburger Karoviertel erzählt.
Wie viele von euren alten Bands stecken in eurer jetzigen Band?

Timo: Das kann ich nicht wirklich sagen, das sollen andere beurteilen. Ich spiele eine ganz andere Rolle in der Band und finde schon, dass auch mein Stil ein ganz anderer ist, als ich ihn bei Schrottgrenze gespielt habe.

Holger: Mein Stil ist heute auch ganz anders. Ich hab früher in einer Hardcore-Band gespielt und viel mehr reingehauen, jetzt ist es ein ganz anderer Schuh. Musikalisch haben The Coalfield und Tusq nichts gemeinsam.

Nervt es euch, wenn es heißt: "Das ist die Band von..."

Beide: Ja.

Holger: Ich find das mega nervig.

Timo: Wir haben im neuen Info auch bewusst vermieden, die alten Bands zu nennen, weil wir dachten, dass es bei der zweiten Platte jetzt auch mal reicht. Aber das ist ein normaler Prozess, bei den ersten zwei Kettcar-Platten hat auch jeder von ...But Alive gesprochen und das macht heute kein Mensch mehr.

Gibt es eigentlich einen Unterschied, ob man Songs für eine erste oder eine zweite Platte schreibt und produziert?

Holger: Ja, schon, die Herangehensweise ist komplett anders. Man will sich nicht wiederholen - auch wenn man sich natürlich wiederholt. Denn man hat ja schon seinen Stil. Aber man versucht eben nicht genau das zu machen, was man vorher gemacht hat.

Timo: Es sind dazu ja auch zwei völlig verschiedene Ausgangssituationen. Bei der ersten Platte war die Band ja noch gar keine wirkliche Band. Wir hatten noch keine Konzerte gespielt, hatten uns gerade so zusammen gefunden und die Songs zusammen geprobt. Die Band ist eigentlich erst danach richtig entstanden. Nachdem wir dann zwei Jahre getourt sind, ist das alles mehr zusammen gewachsen. Also war es dieses Mal eine ganz andere Herangehensweise, weil man sich viel länger kannte und aufeinander eingespielt war, da konnte man ganz anders arbeiten.

Jetzt hat man bei einer zweiten Platte ja nicht die Zeit, wie bei einer ersten. Geht man da dadurch fokussierter an die Sache oder ist es ein Nachteil, weil man vielleicht nicht ganz so locker arbeiten kann?

Holger: Wir haben uns da keinen Druck gemacht. Davor ist ja auch noch unser Bassist ausgestiegen (Paul Konopacka verließ im Herbst 2011 die Band, der neue Viersaiter ist Florian Gelling) und wir haben dafür so eine Art Casting gemacht. Aber wenn du dann einen neuen in der Band hast, fängst du ja auch wieder irgendwie bei Null an.

Merkt ihr Florian jetzt in eurem Sound und wisst, dass ihr ohne ihn anders klingen würdet?

Timo: Absolut. Er hat sich genau so viel eingebracht, wie alle anderen auch.

Holger: Wie wir uns das auch gewünscht haben.

Timo: Genau. Das war auch die Idee dahinter. Die Band hat keinen Songwriter, sondern wir treffen uns mit Ideen und bauen die Songs dann gemeinsam zusammen und lassen sie entstehen. Und da muss halt jeder mitarbeiten. Und wenn nur jemand rum steht und wartet, dann kommen wir nicht voran.

Was passiert denn, wenn jemand mit einer Idee kommt und die anderen finden das doof - ist die Idee dann gestorben?

Holger: Unser Glück ist, dass unser Sänger aus Berlin kommt und wenn er da ist und wir arbeiten, sind alle immer sehr fokussiert und haben Bock was zu machen. Da wird dann wirklich alles ausprobiert. Und wenn es dann am Ende einfach nicht gut ist, dann hören wir auch auf. Aber wenn das wächst, dann schockt das auch, daran zu arbeiten.

Timo: Man merkt schon, während der Song entsteht, ob er gut wird oder nicht. Und wenn nur einer an einer Sache festhält, muss er die anderen halt überzeugen. Manche Songs sind zum Beispiel erst in Finnland rund geworden, die haben da einen riesigen Sprung gemacht, nachdem sie vorher nicht so überzeugend waren.

Habt ihr musikalische Grenzen?

Holger: Wir haben einen Song aufgenommen, den jeder gut findet, der ihn hört, der aber nicht auf der Platte ist, weil er musikalisch leider nicht zum Rest passt, der würde einfach aus dem Rahmen fallen.

Timo: Diese krasse Genre-Überschreitung, die du vielleicht ansprichst, die gibt es bei uns nicht. Aber natürlich haben auch wir Sachen, die besser zusammen passen als andere. Wenn man heutzutage schon ein Album macht und nicht nur einzelne Songs veröffentlicht, dann finden wir, dass es schon homogen sein soll. Wir gucken auf die Reihenfolge, schauen, wie es sich aufbaut und so und wenn dann ein oder zwei Songs nicht dazu passen, dann nehmen wir die einfach nicht mit drauf.

Habt ihr also für euch festgelegt, was ihr für Musik macht?

Timo: Darüber denken wir gar nicht nach. Wir machen das, was aus uns raus kommt.

Holger: Wir haben da aber schon eine klare Linie, die seltsamer Weise von jedem eingehalten wird.

Seid ihr denn eher so die Bastler und Perfektionisten und jede Note muss genau passen oder lässt man auch mal Dinge durchgehen?

Timo: Das entwickelt sich, die Songs wachsen und dann kommt ja auch noch der Einfluss vom Produzenten (erneut arbeitete die Band mit Jürgen Hendlmeier), den wir dieses Mal viel mehr einbezogen haben als letztes Mal. Bei der ersten Platte haben wir die Songs geschrieben und er hat sie nur aufgenommen, dieses Mal hatten wir ständige Skype-Konferenzen nach Finnland (Jürgen Hendlmeier lebt in Helsinki) und haben Songs geschickt, er hat uns dann Änderungsvorschläge gemacht, wir haben sie ausprobiert, teilweise angenommen, teilweise nicht angenommen. Und so haben wir über einen Zeitraum von vier, fünf Monaten die Lieder in Hamburg geschrieben und dann vieles in Finnland fertig gemacht.

Der normale Mensch denkt ja über einen Produzenten, der würde nur hinter seiner Glaswand sitzen und hier etwas lauter machen und da sagen, dass sich die Band verspielt hat.

Timo: Er nimmt nicht nur auf, er ist auch in den Prozess mit eingebunden, wie ein Song arrangiert wird. Einerseits was den Sound betrifft, andererseits was die Arrangements betrifft. Also wie der Song angeordnet wird, Strophe, Refrain. Er arbeitet halt richtig mit und hat uns auch Anweisungen geben. "Versucht mal so", "Macht den Beat mal andersrum" oder "Spielt den Bass mit einer anderen Dynamik".

Holger: Und da entsteht dann auch ganz viel Reibung. Und das ist eine ganz große Vertrauenssache. Denn als Musiker ist man ja auch eitel und möchte nicht, dass sich andere da einmischen. Aber Jürgen hat das geil gemacht.

Timo: Einem selbst fehlt auch häufig der Blick auf die Sache. Wir spielen einen Song ja seit wir ihn haben zum Beispiel in einem Tempo. Und dann kommt der Produzent und sagt: "Nö, das muss viel langsamer."

Und was ist am Ende dabei für eine Platte raus gekommen?

Timo: Na ja, wir haben schon in einer Gegend aufgenommen, die schon recht...

Holger: Fragwürdig ist! (Lachen)

Timo: Die schon eine eigene Stimmung erzeugt. Wir waren vier Wochen auf einer abgeschiedenen Insel, an einem zugefrorenen Meer, eingeschneit und völlig alleine und dementsprechend melancholisch wird man dann auch. Und das ist mit Sicherheit auch zu hören und das sind die Stimmung und der Sound, die wir gut finden.

Aber ich finde die Platte jetzt nicht traurig.

Holger: Find ich super, dass du das sagst.

Eine gewisse Leichtigkeit ist schon zu spüren.

Timo: Wir sind ja auch keine traurigen Menschen, wir hatten ja auch Spaß gehabt und viel gelacht. Das war eine super Zeit.

Wie viel Zeit nimmt die Band in eurem Leben ein?

Holger: In seinem sicherlich mehr als in meinem.

Timo: Wir haben eben unterschiedliche Aufgaben in der Band. Ulli (Sänger) und ich machen schon mehr die organisatorischen Sachen, was sich so ergeben hat.

Holger: Weil ihr das am besten könnt.

Timo: Das ist manchmal schon sehr viel, weil wir quasi das Management für die Band machen. Und viele haben keine Vorstellung, wie viel Arbeit das ist, um es so zu machen, wie wir es machen wollen. Wir haben eben gewisse Vorstellungen und ein gewisses Niveau und davon wollen wir auch nicht runter. Unsere Idee war zum Beispiel schon immer, mit der Band viel zu reisen. Wir waren in Russland, Brasilien, Argentinien, Indien - und das sind so Sachen, mit denen wir uns dann belohnen.

Ihr kümmert euch dann also selbst um solche Touren?

Timo: Wir geben die Anstöße, aber es liegt an den Netzwerken, die wir uns erarbeitet hatten. Ich hatte einen Kontakt in Brasilien, Holger war mit seiner alten Band in Russland und so spinnt sich dann ein Netzwerk zusammen. Man muss halt ein bisschen Networking betreiben und seine Kontakte pflegen.

Holger: Eine befreundete Band - The Robocop Kraus - spielten in Russland und das fand ich so geil und war so neidisch, also hab ich mir die eMail-Adressen von Leuten aus Russland besorgt, sie angeschrieben und Musik geschickt und drei Monate später stand ich auch auf dem Roten Platz. Und so kann man das eben mal machen, es sich einfach mal zutrauen.

Timo: In Russland war die echt Technik miserabel, das war die schlimmste Backline, mit der ich jemals gespielt habe (Lachen). Aber die Leute waren so euphorisch und dann ist das halt das, warum ich die ganze Arbeit in Deutschland mache.

Holger: Man sollte halt Visionen haben. Wir haben ja noch viel mehr Pläne, wenn wir die sagen würden, denken alle, wir haben ein Rad ab (Lachen). Ich möchte zum Beispiel mal in Japan spielen und werde auch irgendwann in Japan spielen. Wann das der Fall sein wird, wissen wir nur noch nicht.

Seid ihr zufrieden, was ihr mit der Band bisher erreicht habt?

Holger: Alleine, dass man Musik machen kann, mit guten Leuten unterwegs ist und immer neue Leute kennen lernt - es gibt doch eigentlich nichts Schöneres. Ich fand schon als Kind Klassenfahrten geil (Lachen). Und im Grunde machen wir auch nichts anderes, nur das man nebenbei noch was Produktives macht.

Weitere Infos:
www.tusq.net
www.facebook.com/tusqmusic
Interview: -Mathias Frank-
Foto: -Pressefreigaben-
Tusq
Aktueller Tonträger:
Hailuoto
(Strange Ways/Indigo)




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