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BEANGROWERS
 
Kinderkram
Beangrowers
Malta's beliebteste Musikkapelle ist wieder da. Nachdem Sängerin Alison letztes Jahr bei Phillip Boa ein überraschendes Gastspiel absolvierte, kommt das sympathische Trio nun mit einer neuen, selbstgebastelten Scheibe zurück. Und was für einer. Es braucht ca. 3 Durchläufe bis man überhaupt noch Gitarrensounds findet. Ansonsten klingelt, wabert, rasselt und blubbert es aus allen Richtungen und Ecken. Songtitel wie "Teen Titans" und kecke Tanzrhythmen paaren sich mit rätselhaften Pianofiguren und düsteren Baßläufen und alles rankt sich um Alison's ätherische Stimme. Das ist wahrlich eine einzigartige Mischung.
Wie haben die Malteken das denn bloß gemacht? "Spielzeug", meint Schlagzeuger Ian Schranz und zieht ohne mit der Wimper zu zucken ein zigarrenkistengroßes Spielzeug-Klavier aus der Tasche. "Na ja, wir haben schon alles mögliche verwendet", schmunzelt Alison, "alles, was wir im Studio gefunden haben. Meist analoge Synthesizer, viele Verzerrer, ein Piano - und eben auch Spielzeuginstrumente." Wie erklärt sich denn diese Abkehr vom Gitarrenpop der ersten Beangrowers-Scheibe - zumal die Gitarre live ja noch ein wichtiger Bestandteil bleibt. "Ich bin gitarrentechnisch an meine Grenzen gestoßen", erklärt Alison, die sich das Spielen selbst beibrachte, "und ich finde den Sound auch ein bißchen langweilig." "Hinzu kommt, daß es so viele Gitarrenbands gibt, die ihre Sache so gut machen, daß wir da nicht heranreichen können", ergänzt Ian. Deshalb wandte man sich einem elektronischeren Sound zu, der allerdings nicht unbedingt modern klingt. Gerade beim Live-Vortrag (unterstützt von einer befreundeten Keyboarderin) kann man gewisse Assoziationen zum 80er New Wave nicht wegdiskutieren. Hinzu kommt, daß die Beanies, die privat eine richtig lustige Rasselbande sind, auf der neuen Scheibe doch mächtig düstere Sounds auffahren. Arab Strap müssen ihre Pole-Position als Könige der Düsternis künftig noch mal überdenken. "Das hängt damit zusammen, daß das auch die Musik ist, die wir selber gerne hören. Wir sind mit Joy Division & Co. quasi aufgewachsen. Unser Bassist, Mark, z.B. steht ganz in der Tradition des Melodie-Baß, ich mag diesen hohlen Drumsound, den wir durch einen Verzerrer erreichten." Und Alison's Riffs kommen letztlich auch aus dieser Richtung.
Beangrowers
Das soll jetzt aber nicht heißen, daß es auf "Beangrowers" gotisch zugeht. Ihren Sinn für melodische Pop-Momente haben die Beanies nämlich keineswegs verloren. Und sind das gar Bläser, die man da hin und wieder hört? "Ja, das stimmt", erläutert Alison, "wir hatten versucht, das auf einem Keyboard zu spielen, aber das klang dann doch ziemlich bescheiden. Zum Glück kannten wir diesen Typen, der uns da aushelfen konnte. Ich denke, es hat sich gelohnt." In der Tat. Solche Kombinationen haben uns nämlich bisher noch gefehlt. Die erste Single, "Teen Titans", kommt dann sogar als Tanznümmerchen daher. "Wir hatten diese Phase, da haben wir fast nur Tanzmusik gehört", schwärmt Ian, "Malta hat nämlich eine große Tanzszene. Da gab's dann Sachen wie die B-52's oder Bis. Das ist jetzt unsere Variante davon." Was irgendwo auch Sinn macht.
Beangrowers
Inhaltlich gibt's wieder verqueren Maltekenhumor aus Alison's wunderlichen Gehirnwindungen. "Whitman" z.B. basiert auf einem ihrer Alpträume, in dem sie davon träumte, daß jemand namens "Whitman" eines ihrer Stücke VOR IHNEN im Radio aufgeführt habe. "Nude In Reclining Pose" verweist auf den fragmentarisch-exemplarischen Charakter des betreffenden Stückes - etwa wie ein Stück Genre-Malerei und "José Clemente" ist kein realer Charakter, sondern jemand, der nur in Beangrowers-Stücken auftauchen kann - dort aber zwangsläufig. Es bleibt die Frage, warum die Scheibe denn keinen Titel hat. Haben die Beanies denn - wie im Falle des Vorgängers "48k" kein obskures Keyboard mehr gefunden, nach der sie die neue Scheibe hätten benennen können? "Wir wollten nicht, daß uns die Journalisten wieder fragen, warum wir das Album nach einem obskuren Keyboard benannt hätten", meint Alison hierzu philosophisch eher notlösungsmäßig. Interpretieren wir es mal so: Die Scheibe spricht für sich. Freuen wir uns jetzt erst mal auf eine richtige Beangrowers-Tour. Support-Touren mit Boa oder Slut sind ja ganz nett - und als positive Erfahrung zu verbuchen, wie Alison bestätigt, aber wir wollen endlich mal die volle Dröhnung seltsamer Sounds, spacigen Gesangs und akkumulierten Spielzeug-Schabernacks!
Weitere Infos:
www.beangrowers.com
www.surf.to/beangrowers
Interview: -Ullrich Maurer-
Fotos: -Ullrich Maurer-
Beangrowers
Aktueller Tonträger:
Beangrowers
(Our Choice/Zomba)


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