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LOCAS IN LOVE
 
Liebe, Dackel und Raketen
Locas In Love
Die Locas in Love sind nicht einfach ein Ableger von Los Lobos oder Calexico - wie zum Beispiel der Name vermuten lassen könnte. Nein, viel besser: Die Locas In Love kommen aus Köln und definieren die deutschsprachige Amerikana in weiten Teilen ganz neu. "Blödsinn" mag man da ausrufen, und vielleicht noch: "So was gibt's doch gar nicht!" - aber nur wenn man die LIL noch nicht gehört hat. Björn, Stefanie und Niklas (vielleicht sogar bald noch ein festangestellter Drummer) haben es sich auf die Fahnen geschrieben, auf unsentimentale Art sentimentale Liebeslieder im angeschrammelten Low-Fi Amerikana Stil zu kredenzen. Das kann und wird sich vermutlich alles noch ändern. Momentan ist das aber schon mal ein schönes Standbein, auf dem die drei da auftreten können. Sie haben übrigens noch ein weiteres und das sind aberwitzige Cover-Versionen von den Monkees über die Beatles bis hin zu Dolly Parton.
Wer im allmächtigen Internet "Locas In Love" eingibt, der landet u.a. auf der Seite des Comic Zeichners Jaime Hernandez - oder auf der Seite, der in diesem Artikel besungenen. Das ist natürlich kein Zufall, wie uns Stefanie - Bassistin und Sängerin und Björns bessere Hälfte - erzählt. "Die Brüder Hernandez machen das Comic 'Locas In Love'", erzählt sie uns, "Wir haben irgendwann mal begonnen, uns für Comics zu interessieren. Die Hernandez Brüder haben eine große Serie, die heißt 'Love & Rockets' - danach hat sich auch dieser Bauhaus-Ableger benannt. Das ist so ein riesiges Universum, das in den 80ern anfängt und an verschiedenen Orten spielt. Da gibt's verschiedene Serien und eine davon heißt 'Locas In Love'. Zwei von den Protagonisten, ein lesbisches Liebespärchen, sind die 'Locas In Love'. Wir haben uns dann ein paar Sachen überlegt, als wir die Band gründeten und fanden dann, dass das cool klingt." "Außerdem sind wir ja auch ein Liebespaar", meint Björn und Niklas schaut irritiert drein. "Also Steffi und ich", ergänzt er schnell, "das, was diese Brüder im Comic machen, machen wir mit Musik. Und die Hernandez Brüder sind eigentlich genauso unbekannt, wie wir immer bleiben werden." Was Björn damit meint, ist, dass er da Parallelen zwischen dem Hernadez'schen und dem Loca'schen Ansatz sieht: "Wir sind dabei, ein eigenes Universum zu entwickeln, in dem wir alles machen, was wir gerne machen wollen und wie wir es gerne machen wollen. Wir haben deshalb auch immer mal wieder ein paar Stücke dabei, die rausfallen. Und so, wie die Love & Rockets-Comics eben immer Love & Rockets sind, egal an welchem der vielen Orte und mit welchen der vielen Figuren sie spielen, wollen wir uns die vielen Orte und Figuren quasi in Musik erlauben können und dabei immer dieselbe Band bleiben."
Locas In Love
Auf der Bühne äußert sich dieses Selbstverständnis darin, dass Björn das Publikum durch coole Sprüche in diesen Prozess einbezieht. Wer die LIL Konzerte verfolgt, findet sich in ebendiesem Universum wieder, wo alles möglich scheint. Dass Björn dabei manchmal ein wenig über's Ziel hinausschießt, gehört zum Programm. Mit Sachen wie "Der nächste Song ist über's Älterwerden - ist also für viele von euch interessant" gelingt es ihm schnell, das Publikum für sich zu gewinnen oder gegen sich aufzubringen - in jedem Fall aber Aufmerksamkeit zu erheischen - was ja für eine "Nachwuchsband" sicher ganz sinnvoll ist. "Das ist einfach so ein Auftreten, was mir manchmal angemessen scheint", schmunzelt Björn. Nennen wir es mal "Larger Than Life". Björn ist übrigens auch Vorstandssänger der ebenfalls musizierenden Truppe Unser Kleiner Dackel - die es bereits seit 1996 gibt. "Das war die erste Generation nach dem Durchbruch der Hamburger Schule", erinnert sich Björn, "das war aber ein bisschen härter, mit verzerrten Gitarren und so. Ich war dann mit UKD irgendwann an einen Punkt gekommen, wo ich nicht mehr alles machen konnte, was ich im Kopf hatte. Wir sind auf einen bestimmten Sound festgefahren - was ja für eine Band nichts schlimmes ist. Ich wollte mich aber loslösen und ein bisschen was anderes spielen. Das ging mit denen nicht, weil - das sind so Typen, die es mögen, wenn es ein bisschen mehr rockt. Die spielen gerne verzerrte Gitarre und hauen auf's Schlagzeug drauf und so was. Ich habe aber immer auch gerne alleine so Homerecording Geschichten gemacht und bin auch viel alleine aufgetreten. Ich wollte dann aber mit Steffi eine Band gründen... und wir haben dann irgendwann Niklas getroffen und wir haben uns dann entschieden ihn aufzunehmen."

Time Out: Momentan ist die Sache nämlich ein wenig unübersichtlich. Unser Kleiner Dackel haben soeben zusammen mit dem Schweizer Aeronauten GUZ eine Split-CD herausgebracht. Auch wenn das eine dämliche Bezeichnung ist: Hierauf befindet sich mit "Die Apokalypse erreicht Mühlacker" nicht nur einer der lokaltechnisch verwegensten Songtitel der deutschen Musikgeschichte, sondern eben auch ein LIL-Titel. Auch bei den Locas In Love - z.B. auf der zweiten EP "A Robot Can Make A Hole In The Ground" - kann es mal lauter werden. Und wer die Locas mal live gesehen hat - zum Beispiel als Opener des zweiten Tages des legendären Glitterhouse Orange Blossom Special Festivals - der weiß, dass "Sweet Jane" in der LIL Version auch ganz gut rocken kann. Es ist aber schon klar, wohin die Reise gehen soll: Die LIL sind die sanftere Variante von UKD. "Ich habe früher diese härtere Musik gemacht, wo ich mich als Sänger öfters auch mal von der Musik habe übertönen lassen. Das hat mir mit der Zeit dann aber eine Sicherheit gegeben, dass ich mich auch mal getraut habe, leisere Töne zu machen und etwa vorzutragen und wirklich zu singen. Außerdem bin ich im Laufe der Jahre dann auch auf diese Folk-Sachen - Dylan und so - gestoßen, die mir dann mehr geeigneter erschienen das auszudrücken, was ich wollte." Zwischenzeitlich (s.o.) hatte Björn eine Solo-Karriere eingeschlagen, der er jedoch heutzutage mit gemischten Gefühlen hinterhersieht. Jedenfalls überwog dann das Begehren, mit Steffi eine Band zu gründen - was man ja irgendwie auch nachvollziehen kann. Wichtig ist es Björn noch, darauf hinzuweisen, dass diese Band dann - im Gegensatz zum Kleinen Dackel - ein basisdemokratisches Unterfangen ist. "Auch wenn ich das meiste schreibe, gebe ich zum ersten mal den anderen wirklich viel Platz. Ich sage zwar, dass ich evtl. gerne hätte, dass es so und so klingt - aber dann machen die anderen weiter. Vor allem bei Fragen, die nicht mit den Songs zu tun haben, wird immer zu dritt entschieden. Ich bestimme nicht mehr alleine die Richtung und die Entwicklung."

Locas In Love
Die Locas singen ja gemischtsprachig englisch und deutsch. Was hat es damit auf sich? "Ich würde gerne mehr englische Texte schreiben, aber ich habe das Gefühl, dass ich mit der deutschen Sprache ganz gut zurecht komme", meint Björn, "ich finde, dass das ja eigentlich auch eine ganz schöne Sprache ist, die sich ganz gut singen lässt." Björns Texte sind dann auch Gebrauchslyrik im besten Sinne. Im breiten Brei zwischen dümmlicher Hip-Hop Zweckreimerei und verquasten verbalen Kopfgeburten findet er genau die Mitte und reiht sich damit nahtlos ein in die immer noch zu dünne allgemeine Schar der Hoffnungsträger deutschsprachiger Rockmusik - von Tillman Rossmy über Sven Regener bis hin zu Fink (teilweise - weil da wird ja in letzter Zeit auch ganz schön kopfgeboren). Da kommt man sogar mit Titel wie "Stefanie sagt" ungeschoren weg. (Auch dann, wenn man Lou Reed im Hinterkopf hat). Björn erklärt diesen Text mit vielen Zufällen, rhythmischen Notwendigkeiten und kompositorischen Zwängen - und weist darauf hin, dass es in den Song natürlich nicht um die reale Stefanie geht, sondern dass es da um eine metaphorische Projektion - bla, bla, bla. Es ist aber doch eigentlich viel interessanter zu erfahren, was denn eine Bassistin namens Stefanie denkt, die in einer Band spielt, die ein Stück dieses Namens featured. "Also da weiß ich gar nicht, was ich sagen soll", überlegt Stefanie Erdnüsse kauend und Zeit schindend, während Björn Niklas mit und Bill Elm von den Friends Of Dean Martinez überlegt, wie man denn am besten "Daydream Believer" als Zugabe des eigenen Sets spielen könnte. "Ich trau mich gar nicht, das zu sagen", rafft sich Stefanie schließlich doch noch auf, "also wenn man auf der Bühne steht und den Song vor hunderten von Leuten spielt [das hat sie tatsächlich gesagt!], dann verdrängt man das; dann denkt man natürlich nicht daran, dass der Song über einen ist. Wenn man ihn aber abends auf der Bettkante vorgetragen bekommt, dann berührt es einen natürlich schon." Stefanie hat übrigens Bedenken, dass das dümmlich klingen könnte - was aber natürlich nicht der Fall ist; zeigt es doch sehr schön, WARUM die Locas ihre Songs machen. Locas In Love eben. Die Band hätten in einer besseren Welt sicherlich eine große, strahlende Zukunft vor sich. Mal sehen, wie das in unserer wird. Momentan sind sie jedenfalls damit beschäftigt, sich eine Reputation zu erspielen. Unter Musikerkollegen - siehe Bill Elm, Robert Scott von The Clean oder Chick Graning, der "Labelkollege", der auf Björns "Wald Und Wiesen" Label (WUWTON) veröffentlicht, ist ihnen das bereits gelungen. Und die trägen Massen beim Orange Blossom Festival um die Mittagszeit aus ihrer Lethargie zu reißen, gelingt auch nicht jedem. Es kommt jetzt darauf an, dass die Locas In Love ihr Publikum finden. Die nächste Gelegenheit hierzu gibt es auf der Popkpomm am 16.08. im Kölner Basement.
Weitere Infos:
www.locasinlove.de.vu
www.mp3.de/locas
Interview: -Ullrich Maurer-
Fotos: -Ullrich Maurer-
Locas In Love
Aktueller Tonträger:
A Robot Can Make A Hole In The Ground
(Kontraphon)


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