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NORRIN RADD
 
The Right Stuff

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Norrin Radd
"Monsters & Angels" heißt das zweite Album, das Gandulf Hennig unter dem Projektnamen Norrin Radd herausbringt. Wie schon beim Debüt, "Where She Danced", ist dieses wieder unter tätiger Mithilfe der quirligen Honky-Tonk-Gitarristin und -Sängerin Rosie Flores entstanden, mit der Norrin Radd jetzt auch tourte. Seine Musik besteht im wesentlichen aus Americana-Versatzstücken - was angesichts der originären Konkurrenz auf diesem Sektor schon fast wagemutig erscheint. Doch das Konzept geht auf: Roger McGuinn, mit dem er - neben Tom Petty - häufig verglichen wurde, schickte ein Glückwunsch-Telegramm und Donovan schrieb gar ein Gedicht für ihn. "Jetzt ist es aber gut mit dem ganzen Namedropping", meint Gandulf bestimmt, "es soll doch klar sein, dass das zunächst mal mein Projekt ist. Ich habe z.B. alle Stücke geschrieben und arrangiert, bevor ich mich mit den anderen Musikern geroffen habe." Gandulf wirkt dabei keineswegs überheblich, sondern lediglich wie jemand, der genau weiß, was er will und was am besten für seine Musik ist. Das hat wohl auch mit seinen Erfahrungen als Musiker zu tun.
Vor Norrin Radd gab es ja z.B. die Band Supreme Machine, die stilistisch ganz anders gelagert war. "Ja, das war aber nicht meine Band", erinnert sich Gandulf, "ich hatte auch immer weniger Einfluss dort. Als unsere CD erschien, war mein Name zwar noch auf der Scheibe, habe aber praktisch nicht viel dazu beigetragen. Was mich diese Erfahrungen aber gelehrt haben, ist, das zu viel Kompromisse auch nicht gut sind. Du denkst dir zwar manchmal, 'Mensch, du hast doch so gute Musiker', aber letztlich bringt es nichts, zu versuchen, alles unter einen Hut zu bringen. Ich mag zwar manchmal wie ein Diktator rüberkommen, aber nur so funktioniert es für mich." Was nun nicht heißen soll, dass den anderen Musikern kein Platz für eigene Ideen gegeben wurde. "Nein, wir sind eine Band", stellt Gandulf fest, "als wir bei den Aufnahmen waren, hat Pat McGarvey [Norrin Radd's Londoner Bassist] z.B. die Sache mit den Vocal-Arrangements an sich gerissen. Das habe ich auf 'Where She Danced' noch selber gemacht. Er hat das aber so toll gemacht, dass es wirklich etwas gebracht hat. Das ist es, worauf es beim musizieren ankommt." Dass "Monsters & Angels" zunächst mal Gandulf's Album ist, kann man schon daran erkennen, dass die Songs doch alle sehr persönlich geraten sind. Es scheint um Liebe und Verlust zu gehen. "Das kann man so sagen", stimmt Gandulf zu, "der Verlust ist sicher der rote Faden, der sich durch das Album zieht. Es geht um Gegensätze. Ich wollte aufzeigen, dass nichts so ist wie es scheint - besonders nicht in der Liebe. 'Monsters & Angels' sind zunächst mal Gegensätze, die indes genauer betrachtet gar nicht so verschieden voneinander sind. Ich bekomme übrigens über meine Texte aus den USA ein vorwiegend positives Feedback, weil die dort sehr viel weniger Probleme mit meiner Bildsprache und meinen Metaphern haben, was hier oft kritisiert wird."
Das Ergebnis kann sich jedenfalls hören lassen: Sehr viel besser kann man Americana-Scheiben eigentlich nicht machen. Wie gelingt das denn ausgerechnet jemanden aus deutschen Landen so gut - wo sich doch viele amerikanische Artgenossen so schwer damit tun, etwas wirklich Memorables auf diesem Sektor hervorzubringen etwas, das über die bloße Routine hinausgeht. "Weißt du, ich bin ja ganz bewusst ein Genre-Musiker", räumt Gandulf ein, "ich will ja auch gar nichts Neues erfinden - obwohl ich natürlich schon meine, mich weiterentwickelt zu haben. Es wäre ja auch vermessen, auf diesem Gebiet etwas Neues machen zu wollen. Das ist aber auch etwas typisch deutsches, dass man hier immer von einem erwartet, sich ständig neu erfinden zu müssen. Ich kann ja jetzt nicht plötzlich 12-Ton-Musik machen und dann Jazz oder so. Man wirft ja auch Tom Petty, mit dem ich auch öfters verglichen werde, obwohl ich ihm gar nicht so ähnlich bin, zuweilen vor, dass er immer noch Rock'n'Roll macht - obwohl er sich weiterentwickelt. Warum kann man denn nicht mal anerkennen, dass jemand seine Stimme gefunden hat und sich dort entfaltet? Ich denke, das Wichtigste für mich ist, dass das Album auch wie ein Album klingt - abwechslungsreich mit einem ordentlichen Spannungs-Bogen. Denn so was wird heutzutage kaum noch gemacht und deswegen mag ich z.B. Leute, die auf so etwas achten, wie z.B. Steve Earle." Es gibt noch ein weiteres Moment, das Gandulf mit Leuten wie Earle verbindet. "Ja, ich schreibe z.B. keine Songs auf Halde", erläutert Gandulf, "wenn es an der Zeit ist ein Album aufzunehmen, setzt man sich hin und schreibt in ein paar Wochen die Songs. Ich könnte zwar monatelang daran herumfeilen, das bringt es aber nicht. Ich möchte auch, dass die Sachen veröffentlicht werden und dass wir sie live spielen können. Denn ansonsten ist das alles sinnlos, finde ich." Es kommt ja hinzu, dass die Sachen bei dieser Arbeitsweise auch wesentlich mehr Spontaneität behalten, nicht? "Ganz gewiß", stimmt Gandulf zu, "dieses Album klingt zudem auch viel rauher als das letzte. Ich habe jetzt auch festgestellt, dass das viel schwieriger ist, als ein Album mainstream-mäßig zu produzieren. Denn so musst du ehrlicher und sauberer spielen und kannst weniger mit Technik überdecken." Dabei klingt das Album so, als habe es überhaupt keine Probleme bei den Aufnahmen gegeben. "Oh, wir hatten Probleme", erzählt Gandulf, "ganz gewaltige sogar. Wir haben das Album ja in Spanien aufgenommen. Durch den Transport und die Temperatur-Unterschiede hatten sich z.B. meine Gitarren total verzogen, so dass ich sie nicht mehr richtig stimmen konnte. Und im Studio schlugen die Funken aus den Steckdosen. Das war ein ganz schöner Stress." Hat sich das denn auf die Aufnahmen ausgewirkt? Ist die Scheibe dadurch besser geworden? "Am Ende vielleicht sogar ja", gibt Gandulf zu, "sie ist dadurch ein bisschen lauter, ruppiger und kämpferischer geworden. Ganz besonders unsere Streitgespräche im Studio haben sich da niedergeschlagen." Aber jetzt ist wieder alles im Lot.
Norrin Radd live sind eine Band wie aus einem Guss - was nicht heißen soll, dass hier jeder Ton richtig sitzt, sondern dass man - im klassischen Rock'n'Roll-Sinne aufeinander eingeht und mit Feuer im Herzen spielt. Das muss u.a. auch die Americana Ikone Rosie Flores bewogen haben, sich der Band sogar live anzuschließen. "Rosie habe ich getroffen, als ich mit Syd Griffin, mit dem ich gut befreundet bin, das Debüt-Album aufnahm. Er meinte: 'Da ist diese Freundin von mir, Rosie Flores, und sie könnte doch auf deinem Album mitspielen'. Da habe ich natürlich gleich zugesagt und Rosie hat ihre Parts in einem Rutsch eingespielt. Sie sagte dann, wenn ich wieder mal ein Album aufnehmen würde, wäre sie wieder dabei. Ich habe das damals für eine höfliche Floskel gehalten, doch als ich sie dann fragte, hat sie gleich zugesagt. Das hat mich sehr geehrt." Gandulf hat mittlerweile auch sein eigenes Label, Calico-Records, auf dem er dann auch Rosie's neues Album hierzulande veröffentlichen wird. Was gibt es darüber hinaus für Pläne? "Zur Zeit suchen wir Künstler. Aber wir werden auch weiter aufnehmen - demnächst z.B. mit Alex Hacke von den Einstürzenden Neubauten, um mal zu sehen, was in dieser Richtung möglich ist. Es wird auch ein neues Norrin-Radd-Album geben, es ist aber jetzt der falsche Zeitpunkt, darüber zu reden, wie es sein wird. Ich habe da schon ein paar Ideen und werde mich auch weiterentwickeln - allerdings werde ich mir verkneifen, etwa so was wie Weltmusik-Einflüsse einzubringen..." Was ja auch nicht nötig ist.

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Weitere Infos:
www.norrinradd.de
Interview: -Ullrich Maurer-
Foto: -Pressefreigabe-
Norrin Radd
Aktueller Tonträger:
Monsters & Angels
(Calico/Alive)


Norrin Radd

 
 

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