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MUFF POTTER
 
Ungeduldig und geil
Muff Potter
Als wir uns das letzte Mal mit Muff Potter zum Interview trafen, "zerstörte" Nagel einen Mülleimer. Diesmal machten wir es uns vor dem Konzert mit ihm - sicher ist sicher - im Tourbus gemütlich. Der Sänger sorgte für Bier und Weißwein, Gaesteliste.de stellte die Fragen. Denn wenn Muff Potter eine neue Platte fertig haben und mit einer Band wie der Terrorgruppe auf Tour sind, besteht Redebedarf.
GL.de: Das Package The Movement / Muff Potter / Terrorgruppe klingt auf den ersten Blick etwas seltsam, scheint gleichzeitig aber auch eine spannende Sachen zu sein.

Nagel: Ich finde es auch seltsam, keine Frage. Wir haben vor ein paar Jahren schon mal mit der Terrorgruppe gespielt und da hat sich heraus gestellt, dass das echt nette Leute sind. Auch wenn die schon ein sehr, sehr merkwürdiges Publikum haben. Aber wir haben uns eben gedacht, es könnte interessant werden. Denn wir als Band haben immer versucht, unterschiedliche Sachen zu machen. Wir haben keinen Bock, immer vor dem selben Publikum zu spielen. Vor ein paar Jahren, als wir das erste Mal mit Hot Water Music auf Tour waren, da galten wir in der Wahrnehmung noch als so eine Deutschpunkband und spielten eben vor diesem Emo-Publikum oder wie man das nennen soll. Heute nimmt man uns nun eher als Indie-Emo-Band wahr und nun ist es natürlich genauso interessant, vor einem Deutschpunk-Publikum zu spielen.

GL.de: Hat man Angst oder Befürchtungen, dass es nicht klappen könnte?

Nagel: Ja klar. Wir wissen ja selber, dass uns der Großteil der Leute scheiße findet und es scheiße findet, wenn wir wie gestern in Köln zwei Minuten über den Film "Mein liebster Feind" von Werner Herzog reden, weil wir den gerade gesehen hatten. Das hat die natürlich gar nicht interessiert, die dachten nur "Was will der Typ da? Halt's Maul und spiel!" Und natürlich keine Liebeslieder, besser was gegen die Bullen [lacht]. Aber man muss das für sich selbst machen und darf nicht zu viel auf sein Publikum achten.

GL.de: Macht man aber trotzdem manchmal Zugeständnisse, um den Leuten nicht völlig vor den Kopf zu stoßen?

Nagel: Nein, eigentlich nicht. Ich habe keine Lust darauf, an diesem Spielchen mitzumachen. Als wir zum Beispiel die Playlist für diese Tour gemacht haben, da haben wir nicht gedacht, dass wir die "Schwulen Säue und dreckigen Säcke" (Zeile aus "Fernbedient") spielen müssen. Wir wissen natürlich, dass das besser ankommen würden, aber über diesen Punkt sind wir drüber hinaus. Ich glaube, dass würde nichts bringen, so zu tun, als ob. Wir wollen uns hier nicht nach dem Publikum richten, das Publikum muss sich eben nach uns richten. So ist eben auch unsere Einstellung zu Platten. Wir haben mit jeder Platte, die wir raus gebracht haben, 'ne Menge Fans verloren. Aber das kennt ja fast jede Band, wenn die Leute einem gleich unterstellen, man wolle "jetzt auf so und so machen". Das war bei uns von der ersten Platte an. Und seitdem wissen wir, dass es eben so ist und wir nehmen da keine Rücksicht drauf. Denn sonst könnten wir nicht die Musik machen, die wir machen wollen.

GL.de: Geht man anders auf die Bühne, wenn man Headliner ist?

Nagel: Ja, das schon. Wenn die Leute Eintritt zahlen, um Muff Potter zu sehen, hat man natürlich viel mehr Verantwortung. Als Vorband ist es so, dass man sich die Leute erspielen muss. In den ersten Reihen stehen die Leute, um sich Plätze für den Headliner zu sichern, das wissen wir auch. Aber wenn wir gut sind, wird es eben lauter und voller. Und das ist immer eine neue Herausforderung. Ich mag es, Vorband zu sein.

GL.de: Ist man enttäuscht, wenn es mal nicht so klappt?

Nagel: Also wenn ich ehrlich bin, kriege ich davon wenig mit. Ich singe und spiele Gitarre und dann gehen wir von der Bühne und die Leute erzählen mir, wie es war. Denn ich fahre auf der Bühne immer so einen Film. Mir passiert es auch regelmäßig, dass ich nach den Konzerten Bekannte treffe und sie frage, ob sie auch da waren und die sagen mir dann, dass sie in der ersten Reihe direkt vor mir standen.

GL.de: Eure Platte ist aufgenommen, aber noch nicht gemixt. Warum geht man dazwischen auf Tour?

Muff Potter
Nagel: Weil wir auf Labelsuche sind. Wir machen es im Prinzip wie bei der letzten Platte. Wir sprechen mit Labels und wenn sich was Sinnvolles ergibt, machen wir es, wenn nicht, machen wir es wieder selber. Ich war schon bei der letzten Platte der festen Überzeugung, dass wir es nicht selber machen sollten. Denn ich hab ja immer alles ganz alleine gemacht und es geht halt nicht, auf Tour zu gehen uns sich gleichzeitig um das eigene Label zu kümmern. Ich wollte ja auch nie ein Label haben, das gibt es ja nur, um unsere eigenen Platten raus zu bringen. Aber wir haben jetzt mit Florian einen Manager, der mich damals überzeugte, es doch wieder auf Huck's Plattenkiste zu veröffentlichen und er kümmert sich jetzt auch um das ganze Tagesgeschäft. Das ist natürlich super. Du hast die Kontrolle drüber, musst aber nicht die ganze Arbeit machen. Und mit diesem Wissen, dass wir es selber können, gehen wir natürlich auch in die Gespräche mit den Labels.

GL.de: Aber wenn ihr wisst, dass ihr es könnt und Florian die Arbeit für euch macht: Warum sucht ihr dann trotzdem ein Label?

Nagel: Das würde deine vorherige Frage beantworten: Es geht natürlich um Geld, da muss man nicht drum herum reden. Deshalb haben wir den Mix eben nicht gemacht, da wir nicht wissen, wieviel Budget wir zur Verfügung haben und wo und mit wem wir mixen können.

GL.de: In welche Richtung schaut ihr euch denn um? Kann es auch ein Major sein?

Nagel: Klar, wir haben alle möglichen Labels in Deutschland bemustert. So ein kleines Label würde sich für uns aber eher nicht lohnen, dann könnten wir auch selber machen.

GL.de: Aber es ist doch seltsam, dass die Labels bei euch nicht Schlange stehen. Euch gibt es seit über zehn Jahren, ihr habt eine solide Fanbase, habt sicher nicht die höchsten Ansprüche und es besteht wohl kaum die Gefahr, dass niemand eurer neues Album kaufen würde.

Nagel: Im Moment ist es eben schwer. Die Labels feuern ja die ganze Zeit Bands und Mitarbeiter und wollen eben kein Geld ausgeben. Aber ich will da jetzt auch nicht so lange drüber nachdenken, denn für uns war es jetzt erst mal wichtig, im Studio zu sein und 'ne gute Platte aufzunehmen. Wir wollten das auch vorher machen, damit wir nachher nicht drei Labelleute bei uns im Studio sitzen haben, die dann sagen, wir sollen den Refrain doch am Ende bitte noch dreimal spielen. Denn unsere künstlerische Freiheit würden wir niemals aufgeben.

GL.de: Wie klingt denn die neue Platte?

Nagel: Ähm, geil! Wir haben 17 Lieder aufgenommen und der Sound ist wahnsinnig gut. Sie klingt sehr wild und derb. Wir schleppen schon seit Jahren, wenn es um das Aufnehmen geht, die zweite Weezer-CD "Pinkerton" mit, weil das die für mich mit am besten klingende Rockplatte ist, weil die eben so brachial klingt. Wir haben natürlich nicht versucht, das zu kopieren, aber wir wollten das Rohe und das Wuchtige haben und das ist uns ganz gut gelungen. Sogar die ruhigeren Nummern klingen sehr lebendig und dreckig und genau das wollten wir. Die Platte ist lauter, die Songs sind wieder kürzer, die poppigen Sachen sind poppiger und die derberen Songs sind derber. Das liegt auch daran, dass ich letztes Jahr viel die "In Utero" von Nirvana gehört habe. Eigentlich klingt die ja soundmäßig gar nicht so gut, aber die hat dieses total krachige Moment, wo man sogar in einem sehr ruhigen Moment noch eine schiefe Gitarre hört und irgendwer schreit im Hintergrund herum. So was oder auch Sachen von den Bright Eyes, die irgendwelche Fetzen im Auto aufgenommen haben, finde ich total super und interessant, also wenn man versucht, dass es gut produziert ist, aber trotzdem nicht glatt klingt.

GL.de: Dann tüftelt ihr gerne im Studio?

Nagel: Ja klar! Da haben wir natürlich den Vorteil, dass wir mit einem Freund aufgenommen haben und wir nicht dauernd auf die Uhr gucken mussten. Da war nicht um 18 Uhr Feierabend, wir saßen auch, wenn es gut lief, mal bis drei Uhr nachts, um irgendwelche Gitarren rückwärts abzuspielen. Das sind eben so Sachen, die wir schon immer machen wollten und jetzt zum ersten Mal richtig ausprobieren.

GL.de: Arbeitet ihr gemeinsam?

Nagel: Schon alleine aus Geldgründen und weil das Studio auch recht klein ist, war es schon so, dass am Ende nur noch Dennis und ich da waren, als es nur noch um den Gesang und die Gitarren ging. Aber das ist auch gut so, denn es bringt ja keinem was, wenn der Schlagzeuger zwei Wochen da rumsitzt und jede Gitarrenspur kommentiert.

GL.de: Wann kann man denn mit dem Album rechnen?

Nagel: Das hängt natürlich auch von der Labelsuche ab. Wir haben uns jetzt keine explizite Deadline gesetzt, aber im Januar sollte sich schon was herausstellen und dann schauen wir, was die Zukunft bringt. Ich als Musiker will sie natürlich am liebsten schon morgen raus bringen, aber das ist eben dieses Loch, in das man bis zur Veröffentlichung hinein fällt.

GL.de: Du bist sicher sehr gespannt und unruhig, schließlich sind sie Songs fertig und niemand kann sie hören.

Nagel: Ja total! Ich trag eben was in mir und kann es mit niemandem teilen. Ich erzähl dir jetzt, wie geil die Songs sind, aber mir wäre es natürlich viel lieber, dass du mir sagst, wie geil die sind [lacht]. Das ist natürlich schwierig und es gibt auch immer so Momente, dass einen das in den Wahnsinn treiben kann.

GL.de: Viele Musiker sagen, wenn sie mit den Aufnahmen durch sind, ist die Sache für sie erledigt. Ihr müsst die Songs aber wieder anfassen.

Nagel: Klar, denn wir hören natürlich die Rohmixe und haben schon wieder eine Liste mit Sachen, die wir machen wollen. Also gehen wir vor dem Mix noch einmal zwei Tage ins Studio. Aber das ist ja auch das Spannende am Musikmachen. Die Songs stehen und dann hat man die Möglichkeiten, vieles auszuprobieren. Und das ist für mich das Geilste am Aufnehmen. Ich hab mich diesmal auch echt aufs Studio gefreut. Sonst hab ich da ja immer etwas Bammel vor.

GL.de: Wieso Bammel?

Nagel: Weil es hauptsächlich eine Budget-Frage ist. Du hast eben eine bestimmte Anzahl an Tagen und in der Zeit musst du das eben schaffen. Und gerade als Sänger kannst du ja mal einen schlechten Tag haben und die Stimme klingt einfach nicht. Aber du hast dann eben nur noch eine begrenzte Zeit und musst es machen. Und du musst eben gut sein. Und bei solchen Punkten kommt eben wieder das Geld ins Spiel. Es geht gar nicht darum, dass man reich werden will, sondern dass man bessere Möglichkeiten zum Musikmachen und Aufnehmen hat. Wir schauen jetzt mal, was passiert und werden uns nicht unter Wert verkaufen. Denn wir sind nicht total darauf angewiesen, einen Deal zu bekommen. Wenn wir das Gefühl haben, jemand hat zwar Interesse, aber steht nicht wirklich hinter der Band und nachher stehen wir da und unser Album kommt nicht raus, dann werden wir es natürlich auch nicht machen.

Weitere Infos:
www.muffpotter.net
Interview: -Mathias Frank-
Fotos: -www.muffpotter.net-
Muff Potter
Aktueller Tonträger:
Heute wird gewonnen, bitte
(Huck's Plattenkiste/Indigo)




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