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TRICKY
 
Smoker's Delight
Tricky
Es ist kurz vor zehn Uhr morgens im Hyatt Hotel zu Köln und Tricky, der kleine englische Giftzwerg, der inzwischen in New Jersey heimisch geworden ist, hat bereits das Gesetz gebrochen. Und nach seinem außerweltlichen Lächeln zu urteilen, mit dem er knapp, professionell und nicht gerade enthüllend die Fragen der Gästeliste beantwortet, ist das auch nicht seine erste Tüte des Tages.
Zehn Jahre, nachdem Tricky als Kollaborateur von Massive Attack auf deren "Blue Lines"-Album seine ersten Lorbeeren verdienen konnte, und sechs Jahre nach seinem ersten Solowerk "Maxinquaye", mit dem Tricky für sich beanspruchen darf, TripHop (mit-)erfunden zu haben, ist er für einen Tag nach Deutschland gekommen, um sich als runderneuerter Superstar von nebenan zu präsentieren. Die Vergangenheit interessiert ihn dabei angeblich nicht mehr, er erinnere sich eigentlich kaum noch an etwas, gibt er zu Protokoll: "Ich habe kaum mitbekommen, wie alles anfing. Es ging Bäng, Bäng, Bäng und das nächste, was ich mitbekam, war 'Maxinquaye' als Nummer 3 in den Charts".

Der neue Tricky fährt zweigleisig. Zum einen wird er nicht müde, beim Interview darauf hinzuweisen, dass er in New York mit den Ghettokids abhängt und auch sonst keine Starallüren (mehr) hat, zum anderen hat er für "Blowback", seine eingängige (und beste) LP seit seinem Debut, eine lange Liste von Superstars von Alanis Morrissette über die Red Hot Chili Peppers und Ed Kowalczyk bis hin zu Cyndi Lauper ins Studio geholt und sich auch nicht nur auf sein eigenes Songwriting verlassen, sondern auch in die Coverkiste gegriffen. So oder so, die Stücke sind wesentlich mehr "in-your-face" als das düstere Gemurmel vergangener Tage. Als Comeback sieht Tricky das Album dennoch nicht. "Eine Rückkehr ist es nur in dem Sinne, dass die neue Platte kommerzieller ist. Ich bin ja nicht weg vom Fenster gewesen, ich wollte nur keine Musik für's Radio machen. Ich hatte gehofft, dass ich schon mit dem letzten Album, "Juxtapose", auf diesen Pfad zurückkehren könnte, aber dann kam die große Umstrukturierung bei Island Records und alles lief schief. Das Einzige, was mir bei dem neuen Label wichtig erschien, war, weiterhin völlige künstlerische Freiheit zu haben."

Die Wahl fiel auf Anti, den neugegründeten Experimentierzweig des Bad-Religion-Labels Epitaph, bei dem sich Tricky vor genau den großindustriellen Umstrukturierungen sicher fühlt, die er für den Misserfolg seiner letzten Platten noch vor seiner künstlerischen Desorientierung verantwortlich macht. "Zuerst einmal musste ich aus meinem alten Vertrag rauskommen, weil Island sich so sehr verändert hatte. Das Label hat mehrere Male den Besitzer gewechselt und alle, mit denen ich dort zusammengearbeitet hatte, waren ausgetauscht worden. Dann begab ich mich auf die Suche nach einem neuen Label. Diese Umstrukturierungen bringen mich um!"

Tricky
Anti garantierte ihm die gewünschte völlige künstlerische Freiheit, und schon packte Tricky bei Island die Koffer. Ganz hat er die Verbindung zu seiner Vergangenheit aber nicht abgeschnitten. Nachdem der Labelgründer Chris Blackwell bei Island ausgestiegen war, konnte Tricky ihn als Manager gewinnen. "Er ist jetzt mein Manager, aber ich kenne ihn schon ewig. Er hat sich schon immer um meine Karriere gekümmert. Als ich Island verließ, wollte ich trotzdem weiter mit ihm zusammenarbeiten, also haben wir uns darauf geeinigt, dass er mein Manager werden sollte", erklärt Tricky lapidar und hat auch wenig Muße, sich zu einzelnen Tracks des Albums zu äußern. Was ihn beispielsweise außer einem ausgeprägten Hang zu Depressionen mit Kurt Cobain verbindet, ist unklar, dennoch ist Nirvanas "Something In The Way" für den Meister selbst kein besonders auffälliges Stück. "Für mich ist das nur einer von 13 Tracks auf dem Album. Etwas Ähnliches ist ja auch mit 'Black Steel' [von Trickys Debutalbum] passiert. Alle haben sich darauf gestürzt, aber für mich war es nur ein Stück unter vielen. Ich habe zu wenig Abstand dazu."

Eines ist jedenfalls sicher, der Umzug von Bristol in den Schatten der Großstadt New York hat nichts mit der Neuorientierung zu tun. "Der Umzug hatte eigentlich keinen großen Einfluss auf meine Arbeit. Mit einem bestimmten Alter hat sich deine Persönlichkeit soweit entwickelt, das so etwas nicht mehr wirklich eine Rolle spielt. Die Musik kommt aus dir selbst. Du BIST deine Musik." Einen Einfluss hatte da schon eher die Bekämpfung seines labilen Gemütszustands, der jahrelang fehldiagnostiziert wurde, nun aber wohl medizinisch in den Griff bekommen wurde. Und am Ende des Tages - und da schließt sich der Kreis dann wieder - habe sich sowieso an seiner Musik nicht viel verändert, befindet Tricky selbst abschließend: "Ich gehe an meine Musik immer noch genauso wie damals heran. Eigentlich hat sich nichts verändert. Musikmachen ist ganz einfach Teil meines Lebens, genauso wie essen, schlafen - und rauchen!"


RealVideo "Evolution Revolution Love"
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RealAudio "Blowback"
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RealAudio "Something In The Way"
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RealAudio "You Don't Wanna"
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RealAudio "Over Me"
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RealAudio "Girls"
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Weitere Infos:
www.trickyonline.com
Interview: -Carsten Wohlfeld-
Fotos: -Anton Corbijn-
Tricky
Aktueller Tonträger:
Blowback
(Anti/Connected)


Tricky

 
 

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