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WHISTLER
 
Der Winter kann kommen
Whistler
Musikjournalisten sind bekannt dafür, dass sie sich immer neue abstruse Schubladen ausdenken und aberwitzige Vergleiche anbringen, in gewisser Weise werden sie ja genau dafür bezahlt. Wie allerdings Whistler in einen Topf mit The Cranberries geworfen werden können, will mir einfach nicht in den Kopf. Denn statt uninspiriertem Stadionpop liebt das junge Trio sanfte Akustiksongs, oft introvertiert und zerbrechlich, aber stets wunderschön.
"Ich denke, es geht den meisten Bands so, dabei klingen wir wirklich überhaupt nicht wie The Cranberries oder The Corrs. Ich selbst kann unsere Musik allerdings auch nur schwer beschreiben. Normalerweise überlasse ich das anderen", erwidert Sängerin Kerry Shaw beim Gespräch mit der Gästeliste. Wenn überhaupt, könnte man das zweite Album der drei vielleicht mit einer Unplugged-Variante der Velvet Underground (mit Nico) vergleichen. Zumindest erinnert Sängerin Kelly entfernt an die deutsche Chanteuse, und die immer etwas melancholischen und streckenweise auch gewollt monotonen Songs erinnern auch an die New Yorker Kultband, nicht nur, weil auch Whistler gerne auf die Viola zurückgreifen, um musikalische Akzente zu setzen. Und auf melancholisch-depressive Texte, die Kerry auf ihr desaströses Liebesleben zurückführt. Ein Problem, zu sehr ihr Privatleben nach außen zu tragen, hat sich nicht: "Es ist nur wichtig, dass mir die Dinge, von denen ich singe, etwas bedeuten. Wie könnten sie sonst jemand anders wichtig sein?"
Whistler
Letzten Winter hatten Whistler mit ihrer Coverversionen-EP "Intermission" einen Höhepunkt gesetzt, den viele für unübertrefflich gehalten hatten. Mit ihrem zweiten Album beweisen sie nun, dass sie auch mit eigenen Songs eine ähnlich emotionale Atmosphäre heraufbeschwören können. "Die Coverversionen entstanden eher zufällig. Wir hatten eine Residency im Londoner Water Rats und wollten schlicht und ergreifend bei jeder der vier Shows einen neuen Song spielen. Das Stück von Dusty Springfield haben wir beispielsweise vor allem deshalb ausgewählt, weil sie kurz zuvor gestorben war." Obwohl Whistler wohl leider vorerst nicht in Deutschland spielen werden, hält Kerry das Livespielen für einen der wichtigsten Gründe für das Funktionieren der Band und als Erklärung dafür, warum "Intermission" wesentlich näher an den Sound des neuen Album herankommt als die erste LP des Trios. "Als wir das Debutalbum aufgenommen haben, hatten wir zwar schon einige Zeit zum Songschreiben miteinander verbracht, aber erst das Livespielen nach der Veröffentlichung hat wirklich Bewegung in unsere Musik gebracht", weiß Kerry.
Überhaupt weiß die Band ziemlich genau, was sie will. So sind die drei Briten mit ihrem kleinen, aber feinen Label Wiiija, das sich mit Bands wie Cornershop und Brassy in den letzten Jahren aus seiner alten Riot Grrrl-Nische erfolgreich befreit hat, mehr als zufrieden. Große Verkaufszahlen können sie alleine aufgrund der Labelstruktur zwar nicht erwarten, aber ihre Zeit mit dem großen Business haben Kerry, Ian Dench und James Topham lange hinter sich. Kerry war vier Jahre lang als Popsternchen bei EMI unter Vertrag, Ian hatte vor fast zehn Jahren einen Überhit mit EMFs "Unbelievable" und James kann auf Kollaborationen mit Brian Eno zurückblicken. "Wir haben kein Problem damit, dass wir Zeit brauchen werden, um unser Publikum zu finden", erklärt Kelly bestimmt. "Es war sogar richtig nett, dass zu unseren früheren Showcases keine ach so wichtigen Majorlabelvertreter gekommen sind, sondern nur Leute, die unsere Musik wirklich verstanden haben. Wir sind alle schon viel zu lange im Geschäft, um uns noch von einem Major blenden zu lassen."

Und genau das macht "Faith In the Morning" zu einem ganz besonderen Album einer eigenwilligen, aber sehr eigenständigen Band. Eine potentielle Pflichtplatte für lange Winterabende.

Weitere Infos:
www.whistler-music.com
Interview: -Carsten Wohlfeld-
Fotos: -Wiiija Records-
Whistler
Aktueller Tonträger:
Faith In The Morning
(Wiiija Records/Connected)


Whistler

 
 

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