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DEATH CAB FOR CUTIE
 
Den Song im Blick
Death Cab For Cutie
Auch wenn man es tunlichst vermeiden sollte, unbedingt für jede Band die passende Ecke finden zu wollen oder - wenn dies nicht möglich sein sollte - aus dieser Ratlosigkeit heraus neue Begriffe zu kreieren, und auch wenn wir anlässlich der "Transatlanticism"-Platte die Band als "Jenseits der Schubladen" beschrieben hatten, darf man im Falle von Death Cab For Cutie auch mal ein lange nicht mehr gehörtes Wort hervorholen: Wimp. Die Musik von DCFC ist definitiv etwas für die Art von Menschen, die in den 80ern verächtlich als Wimps betitelt wurden, bloß weil sie so großartige Bands wie The Smiths & Konsorten zu ihren Favoriten zählten. Bands, denen die Musik ebenso wichtig ist wie der Songtext. Bands, die etwas zu erzählen haben, denen man gerne zuhört und die dafür sorgen, dass man sich in den Tagträumen dieser Welt davontragen lassen kann. Für genau solche Menschen ist Death Cab For Cutie.
"Plans", das neue Album der Band aus Bellingham, Washington, es ist der Nachfolger der fantastischen "Transatlanticism"-Platte, die hierzulande noch vom Grand Hotel van Cleef vertrieben wurde - nun wurde mit Warner Music ein größerer gefunden, denn schließlich gilt es, die Wohlfühl-Songs noch bekannter werden zu lassen - wobei die Band heutzutage sich nicht mehr um alles kümmern muss, wie noch in der Vergangenheit. Chris Walla sagte gegenüber Gaesteliste.de beim letzten Treffen, dass alle in der Band verschiedene Aufgaben übernommen hatten, die vor allem außerhalb der Musik stattfanden. "Es ist schon so, dass wir jetzt in der Lage sind, uns auf das zu konzentrieren, was uns wirklich am Herzen liegt - die Musik", erzählt Sänger Ben Gibbard. "Zum Glück haben wir inzwischen genug Leute um uns geschart, die sich um all die logistischen Fragen kümmern. Natürlich sind wir immer noch ziemlich eingebunden, denn wenn du so lange wie wir dein eigener Manager warst, kannst du nicht plötzlich alles in fremde Hände geben. Wir haben ja auch erst seit weniger als zwei Jahren einen Manager." Das hört sich ganz nach einem bestens eingespielten Team an, das auf der einen Seite sehr viel Familiäres bietet, aber auf der anderen vielleicht auch so etwas wie Verantwortung beinhaltet. "Natürlich spielt das bis zu einem gewissen Grad auch eine Rolle, wenn dir jemand wichtig ist", erklärt Nick Harmer. "Abgesehen davon, sind wir alle gegenseitig aufeinander angewiesen, um die Sache am Laufen zu halten. Allerdings klingt es so 'ernst', wenn du von 'Verantwortung' sprichst. Uns sind diese Menschen wichtig und wir sind in der glücklichen Situation, dass wir es uns leisten können, mit ihnen zusammenzuarbeiten. Wir haben ja auch eine breit gefächerte Beziehung zu diesen Menschen. Eine geschäftliche ebenso wie eine freundschaftliche." Bei "Transatlanticism" hatte es eine Neuerung insofern innerhalb der Band gegeben, dass man vor der Aufnahme-Session die Songs nicht live gespielt hat - diesmal war es laut Gibbard ähnlich, es waren vor dem Studio-Besuch nur einige spartanische Demo-Versionen vorhanden. Auffällig ist, dass es auf "Plans" nicht nur mehr Keyboards als zuvor gibt (ohne dass die Band einen ausgewiesenen Keyboarder in ihren Reihen hätte) und sogar eine reine Gibbard-Solonummer es auf das Album geschafft hat. Sind das die Ergebnisse von Lernprozessen oder wäre ein solches "Abweichen von der Norm" auch schon früher denkbar gewesen? "Es wäre immer schon möglich gewesen", meint Harmer. "Es gibt kein Vertun, der Kern der Band war und ist Ben als überwiegender Songwriter. Die Band hat ja als Sideprojekt für Ben angefangen, deshalb kommt von ihm der Großteil der Ideen für die Songs und dann setzt sich Chris als Produzent daran, auszutüfteln, was man mit den Stücken anstellen könnte. Es ist schön, ein Stück wie 'I Will Follow You Into The Dark' zu haben, bei dem wir uns alle einig sind, dass wir ihm nichts hinzufügen müssen." - "Nimm doch nur mal '405' vom zweiten Album. Das entstand auch als Akustiknummer, aber als es dann an die Aufnahmen ging, hatten wir das Verlangen, etwas Seltsames damit anzustellen", erinnert sich Gibbard. "Vielleicht haben wir damals übersehen, in welche Richtung der Song wollte, weil es uns wichtiger war, etwas Verrücktes zu machen. Allerdings hat das auch zu einigen sehr interessanten Arrangements geführt... Ich würde sagen, dass wir inzwischen besser im Blick haben, was gut für einen Song ist."
Eine weitere Neuerung bei Death Cab For Cutie ist die Tatsache, dass erstmals zwei Platten hintereinander mit der gleichen Besetzung eingespielt wurden. "Ja, aber wir haben einfach auch sehr viel von den Aufnahmen zu 'Transatlanticism' gelernt", meint Harmer. "Wir haben gelernt, dass es besser ist, die Songs zuvor nicht auf Tour zu spielen, wir haben gelernt, dass es in Ordnung ist, wenn Ben sich zurückzieht, die Stücke schreibt und uns dann seine Demos vorstellt, die wir dann Track für Track durchgehen konnten. Wir wollten an diesem Prozess nichts ändern, weil wir beim letzten Mal so sehr 'wir' waren, dass es keinen Sinn gemacht hätte, neue Wege zu gehen." Wer noch mehr über die Band erfahren möchte, sollte sich die vor Kurzem veröffentlichte DVD "Drive Well, Sleep Carefully" zulegen. "Es ist keine richtige Dokumentation wie beispielsweise Wilcos 'I'm Trying To Break Your Heart'", erzählt Gibbard. "Es handelt sich größtenteils um Liveaufnahmen und, was mir anfangs gar nicht aufgefallen ist, jeder Song stammt von einem anderen Konzert. Das unterstützt den Eindruck, dass es sich hier um eine Band auf Tour handelt, ganz ausgezeichnet. In gewisser Weise ist es das Gleiche, aber dennoch anders." - "Was Ben selbst nie sagen würden, was aber trotzdem erwähnt werden sollte: Es gibt auf der DVD einige Extras, und darunter befindet sich eine Menge unglaublich witziges Zeug wie Ben mit unserem Bühnenmanager Andy und einer hand-held-camera herumläuft. Das alleine ist schon den Preis der kompletten DVD wert!", verrät Harmer.
In letzter Zeit haben sich eine ganze Reihe Hochkaräter, die früher selbst großen musikalischen Einfluss auf Death Cab For Cutie ausgeübt haben, als Fans der Band geoutet: Mac von Superchunk zum Beispiel, Lou Barlow oder auch Teenage Fanclub. Ist es nicht seltsam, mit diesen Leuten nun auf einem Level zu sein, bzw. kommerziell sogar weit über ihnen? Gibbard: "Oh, ja, das ist sogar sehr seltsam. Ich finde es völlig verrückt, dass wir auch nur daran denken dürfen, mit Teenage Fanclub zusammen auf Tour zu gehen. Vor allem, weil sie unser Supportact wären, wenn die Tour in den Staaten stattfände. Das ist eine der besten Effekte, in einer populären Band zu sein: Die Möglichkeit, mit den Helden unserer Jugend in Kontakt zu treten und dabei oft festzustellen, dass sie Fans unserer Musik sind. Manchmal triffst du auch Leute, mit deren Musik du aufgewachsen bist und es herrscht ein gewisses Gefühl der Verlegenheit, und vielleicht schwingt auch ein wenig Neid bei ihnen mit, aber die meisten Bands, die wir früher mochten und nun treffen konnten, stellten sich als großartige Menschen heraus." Mindestens genauso großartig wie Death Cab For Cutie.
Weitere Infos:
www.deathcabforcutie.com
www.barsuk.com/dcfc/
www.livejournal.com/community/deathcutie/
www.dcfc-tour.net
www.warnermusic.de/artist/18279/
Interview: -Martin Nowak-
Foto: -Autumn DeWilde-
Death Cab For Cutie
Aktueller Tonträger:
Plans
(Barsuk Records/Atlantic Records/Warner Music)




Death Cab For Cutie

 
 

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