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OCEANSIZE
 
Bestens aufgestellt
Oceansize
Die Musik der fünf Jungs aus Manchester ist definitiv nichts für Menschen mit kurzer Aufmerksamkeitsspanne - denn Oceansize haben sich auf die eher epischen Rock-Songs eingeschossen, die opulent ausgestattet aber dennoch nicht überladen wirken. Sie haben den Dreh raus, genau an dem Punkt aufzuhören, wenn alles stimmt. Ein großes Talent, das nicht viele Bands besitzen. Um die Musik von Oceansize zu begreifen, sollte man Zeit investieren - nebenbei hören ist einfach nicht drin. Nach dem vielbeachteten Debüt "Effloresce" folgte mit "Music For Nurses" eine EP, die einen eher metallischeren Sound andeutete - doch das neue Album "Everyone Into Position" beschreitet wiederum einen anderen Weg. Ausgefeilte Strukturen, Rock-Epen, Spannung, Entspannung, Gitarren-Gewitter - viele Zutaten, die nur ansatzweise beschreiben können, was Oceansize zu bieten haben.
Beim ersten Gaesteliste.de-Interview mit Oceansize im Jahre 2003 wurde eine vage Voraussage getroffen, in welche Richtung sich der Band-Sound möglicherweise entwickeln würde - damals hieß es, dass mehr mit Elektronik hantiert werden würde. "Na, das hat sich alles inzwischen ziemlich geändert", erzählt Sänger und Gitarrist Mike Vennart. "Damals wollte vor allem unser Ex-Manager, dass wir über ein Manifest sprechen sollten, wir sollten einen Plan aufstellen, in welche Richtung das nächste Album gehen sollte. Wird es 'The Bends' oder 'Kid A'? Solche Gespräche kamen dort auf, und das war eine absurde Frage! Wir wissen nicht, wohin wir musikalisch gehören - sobald du die Magie kategorisierst, ist sie für immer verschwunden! Damals hatte ich keinen Plan, wie die zweite Platte klingen würde, und jetzt, nachdem wir sie gemacht haben und ich verdammt stolz darauf bin, kann ich es kaum abwarten, bereits das nächste Album in Angriff zu nehmen - denn man weiß einfach nicht, wohin die Reise gehen wird und genau diese Spannung macht den Reiz aus. Und die Presse hat auch ein großes Problem damit, uns in eine bestimmte Ecke zu stellen - deswegen hat man angefangen, uns als eine Progressive Rock Band darzustellen! Als ob wir die neuen Yes wären! Als ob wir auch nur ansatzweise etwas mit dieser beschissenen Band zu tun hätten! Es gibt natürlich auch noch einen Unterschied zwischen Prog und Progressive Rock. Prog bedeutet für mich Slap-Bass-Soli, Texte über King Arthur, so ein Mist eben. Progressive bedeutet für mich Björk, Aphex Twin, einfach fortschrittlich. Aber dieses Wort wurde inzwischen zu etwas wirklich ekelhaftem gemacht." Auf "Everyone Into Position" wurde mehr Fokus auf den Gesang gelegt - selbst die Songtexte, um die in der Vergangenheit ein gut behütetes Geheimnis gemacht wurde, sind jetzt im Booklet zu finden. "Es hat da vielleicht so etwas wie ein unterbewusstes Ego-Problem gegeben, dass ich mal zur Abwechslung wollte, dass die Leute mitsingen konnten", überlegt Mike. "Man muss ja nicht so wie Coldplay oder Bon Jovi klingen, um das zu erreichen. Der Song mit dem größten Hymnen-Anteil auf dem Album ist im 7/8-Achtel-Takt - wieviele Bands machen so etwas? Es war keine bewusste Entscheidung, aber manche Stellen eignen sich wirklich gut dazu, von tausenden Menschen mitgesungen zu werden, z.B. an einem Samstagabend in Glastonbury um 22:00 Uhr."
Oceansize eilt der Ruf einer hervorragenden Live-Band voraus - vor allem wurden auf der damaligen Deutschland-Tour mit Aereogramme viele neue Fans hinzugewonnen. Auf welche Weise entdecken denn heutzutage die Leute die Band? Mike: "Viele Leute haben uns auf MTV gesehen, sind dann zum Konzert gekommen und ihr Leben war absolut erfüllt! [lacht] Es ist schon seltsam, wie die Leute auf uns aufmerksam werden - inzwischen passiert es allerdings nicht mehr so oft, dass sie uns irgendwo im Vorprogramm entdecken, denn viele Bands wissen inzwischen, dass wir live eine riesige Show abliefern und wollen uns gar nicht mehr als Support dabei haben!" - "Unser alter Manager hat sich Mitte letzten Jahres einfach verpisst, und es hatte irgendwie den Anschein, als ob wir für eine Weile verschwunden waren, denn niemand hat uns wirklich angetrieben etwas zu tun", verrät Gitarrist Gambler. "Wir haben zwar eine selbst organisierte und recht erfolgreiche Tour absolviert, und obwohl es sich nicht wie ein Schritt zurück angefühlt hatte, ging es aber auch nicht wirklich nach vorne wie es eigentlich sein sollte. Aber jetzt haben wir einen neuen Manager, die neue Website ist auch fertig, es geht endlich weiter und die Positionen sind besetzt!" Zuvor hatte die Band des Öfteren die Gelegenheit ergriffen, live einige neue Songs zu testen. Kommt es dadurch evtl. auch zu Änderungen der Song-Strukturen, weil man das Feedback der Zuhörer direkt miteinbeziehen könnte? Gambler: "Nein, nicht regelmäßig. Wenn wir im Studio sind, ändert sich manchmal etwas. Normalerweise stehen die Songs aber schon, bevor wir ins Studio gehen, denn dort haben wie sowieso nie so viel Zeit, um tagelang an einer bestimmten Stelle herumzuschrauben oder so etwas. Ein Song auf dem neuen Album war eigentlich als B-Seite gedacht, aber irgendwas passierte damit im Studio und wir waren alle der Meinung, dass er unbedingt aufs Album müsste. Aber sonst ändern sich eigentlich nur grobe Details wie die Songreihenfolge oder ein Mix hier oder dort." - "Wenn wir eine Major Label-Band wären, hätten wir natürlich auch mehr Studio-Budget", meint Mike. "Neulich hatte ich mal etwas über Iron Maiden gelesen - sie beenden ihre Tour, entschließen sich dazu, ein neues Album einzuspielen, und das passiert - und ich zitiere - 'innerhalb von drei Wochen'! Das erklärt doch einiges über diese verdammten drei Akkorde! Auf der anderen Seite gibt es natürlich Bands, die ihr ganzes Album im Studio schreiben. Wenn du die Kohle zum Fenster hinauswerfen willst, um drei Tage lang an einem Gitarren-Sound zu arbeiten - dann mach' es! Aber ich brauche so etwas nicht, ich brauche niemanden, der sich im Studio um meine Golf-Schläger kümmert. Als wir das Album Danton Supple zum Mixen gaben, fragte er uns, wie lange wir für die Aufnahmen gebraucht hätten - die Antwort: Eine Woche fürs Schlagzeug, vier Wochen für alles andere. Er ist fast umgefallen und konnte es nicht glauben - er meinte, es wäre ein verdammter Weltrekord! Für uns war es aber ein völliger normaler Prozess, wir haben das alles mehr oder weniger runtergespielt. 'Das klingt gut? Okay, fertig, nächster Song!' Du merkst, in welche Richtung der Song geht, und du folgst diesem Weg."
Oceansize
Die Band besitzt einen recht geräumigen Proberaum, der mit allerlei Aufnahme-Gerätschaften ausgestattet ist - insofern herrscht dort so etwas wie eine Studio-Situation vor. Und laut Mike spielt die Band bei den Proben besser, sobald jemand von außerhalb zu Besuch ist - ansonsten vertrauen sie aber nur sich selbst, wenn es darum geht, ein Urteil über einen Song zu fällen. Mike: "Wir sind da alle sehr engstirnig - wir wissen einfach, wenn der Song stimmig ist und alles zusammenpasst. Wenn ein Produzent oder jemand anders versucht, Teile zu verändern, lehnen wir das in neun von zehn Fällen ab. Wir hören uns zwar gerne andere Meinungen von außerhalb an und respektieren sie, aber wirklich beeinflussen lassen wir uns davon nicht." Hat es denn Tipps zum "schwierigen zweiten Album" gegeben? Mike: "Es ist schon ein Klischee, aber es trifft doch zu - es war verdammt schwierig. Das größte Problem dabei ist, dass du absolut nicht weißt, was du eigentlich machst! Du weißt, dass es unterschiedlich zum ersten Album sein wird, aber du weißt nicht, was genau den Unterschied ausmachen wird und wie man das anstellen soll. Außerdem soll es natürlich besser sein. Man fühlt sich einfach ein wenig verloren, und so hält man sich an jeder noch so kleinen Idee fest. Ich habe darüber auch mit Guy von Elbow gesprochen, und er meinte auch, dass das dritte Album viel leichter werden wird als das zweite. Ich zwei oder drei Monate lang an den Songtexten gesessen und dabei habe ich mir wirklich den Kopf zerbrochen - wenn ich jetzt auf die Zeit zurückblicke, war es doch eigentlich recht einfach. Es war eigentlich ein natürlicher Prozess, nur hat es eben eine gewisse Zeit gedauert, bis ich selbst den Durchblick hatte. Das gilt auch für die Musik - es schien damals teilweise eine große Anstrengung zu sein, aber wenn man jetzt alles Revue passieren lässt, war es halb so schlimm." Irgendwelche letzten Worte zum Album? Mike: "Es ist besser als 'With fucking Teeth' von Nine Inch Nails! Und es tut mir leid, das sagen zu müssen!"
Weitere Infos:
www.oceansize.co.uk
www.oceansized.co.uk
www.breedsiamese.com
www.oceansize.tk
siteofanocean.tk
Interview: -David Bluhm-
Fotos: -Steve Gullick-
Oceansize
Aktueller Tonträger:
Everyone Into Position
(Beggars Banquet/Beggars Group/Indigo)




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