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STARSAILOR
 
Weniger Dringlichkeit
Starsailor
Dass es einfach sein würde, mit dem großen Erfolg einer Debüt-Platte umzugehen, hat niemand behauptet und auch Starsailor mussten dies feststellen, nachdem ihre "Love Is Here"-Scheibe überschwänglich abgefeiert wurde. Der Nachfolger "Silence Is Easy" wurde flugs hinterhergeschoben, konnte zwar überzeugen, wurde allerdings nicht direkt so zum Klassiker wie der Vorgänger. Einige der Tracks wurden von Phil Spector produziert, aber einen richtigen Wall Of Sound gibt es eigentlich erst auf dem neuen Album, "On The Outside". Ohne Spectors Mitwirkung. Denn die Band hat sich diesmal Zeit gelassen, neue Einflüsse zugelassen und mehr über den Song an sich nachgedacht. Starsailor 2005 steht zwar immer noch für Rock-Pop-Melancholie, aber auch für viel Selbstbewusstsein und Direktheit.
"Das musikalische Grundklima war schon verschieden, und der Druck war heftig", berichtet Sänger James Walsh im Gaesteliste.de-Interview. "Nach dem Erfolg des ersten Albums hatte sich ja unser Bekanntheitsgrad enorm gesteigert, jeder erwartete damals einen absolut überwältigenden Nachfolger und jetzt sind wir ja schon so etwas wie eine etablierte Band geworden, wir selbst gehen mit der Situation viel entspannter um und von daher waren wir uns eigentlich relativ sicher, dass wir die Leute mit der neuen Platte überraschen können." Schlagzeuger Ben Byrne ergänzt: "Es hat auch weniger Dringlichkeit gegeben - nach der Tour für unserer erstes Album sind wir praktisch sofort ins Studio gegangen mit der Ansage, neue Songs zu schreiben. Diesmal haben wir es gemütlicher angehen lassen, haben uns mehr darauf konzentriert, an den Songs zu feilen. Bevor wir letztendlich ins Studio gegangen sind, haben wir eine Woche mit unserem Produzenten Rob Schnapf [Beck, Elliott Smith, The Vines] verbracht, haben Demo-Versionen aufgenommen und gemeinsam mit ihm neue Ideen eingefügt oder Details verändert. Außerdem haben wir in L.A. aufgenommen, und dort herrschte einfach eine sehr entspannte Atmosphäre." Das kann man der Platte auch deutlich anhören, sie klingt auf der einen Seite direkter, auf der anderen aber auch organischer als bisher. Das mag damit zu tun haben, dass sich die Band den Luxus leisten konnte, Familie und Freunde einfliegen zu lassen, an den Wochenenden Strand- und andere Kurz-Trips zu unternehmen und auf diese Weise viel ausgeglichener an die Aufnahmen herangehen konnte. Und prominente Studio-Nachbarn hat es auch gegeben: Britney Spears und Stevie Wonder. "Wir fühlten uns da schon wie so eine kleine Band aus England, von der in Amerika niemand gehört hat", meint Walsh kleinlaut. "Wenn wir es zuhause gemacht hätten, wäre der Druck sicherlich größer gewesen, denn die Leute hätten darüber Bescheid gewusst, wo wir zu finden gewesen wären. Die Umgebung dort in L.A. hat auch sehr dazu beigetragen, dass sich das Album so anhört wie es letztendlich geworden ist - wenn man die Möglichkeit hat, einfach mal in den wunderschönen Garten zu gehen oder kurze Trips zu unternehmen, einfach um mal den Kopf freizukriegen, ist das schon viel zuträglicher, wenn man gute Musik machen will. Wenn man hingegen in einer eher abgeschiedenen Gegend in Schottland oder Wales ein Album aufnimmt, man nur das Studio, den Kontroll-Raum und vielleicht eine kleine Lounge hat, dann kann es sich des Öfteren mal ein wenig klaustrophobisch anfühlen. Wenn man dann bei der Aufnahme an der Reihe ist, hängt man vielleicht vorher in Lounge herum, fühlt sich eher unsicher, knabbert an den Fingernägeln herum und geht mit einem unguten Gefühl im Bauch an die Sache heran. In L.A. hingegen waren wir viel im Garten, haben Fußball gespielt oder hatten Besuch von vielen Freunden aus der Heimat, und wenn dann zwischendurch Rob einen von uns ins Studio rief, ging man einfach gut gelaunt und locker an seine Aufgabe heran." Dabei wurden dann auch viele Instrumente und verschiedene Sounds angetestet, vor allem hat es diesmal die Hammond Orgel der Band angetan, die mehr als jemals zuvor in die Songs eingebracht worden ist.
Ebenfalls eher eine Neuerung ist Politik in den Songtexten. War man bisher von James Walsh gewohnt, dass er über traurige und zugleich packende, nahegehende Dinge lamentiert, gibt es nun auch politische Zeilen zu hören. Doch allerdings nicht mit dem erhobenen Zeigefinger, sondern eher in dokumentarischer Form. "Es ist eine tolle Situation, in der wir uns befinden - man kann soviel davon aufnehmen, was um einen herum passiert", erzählt Walsh über die neue Herangehensweise an Songtexte. "Viele Menschen kommen einfach erst gar nicht dazu, sich um z.B. globale Politik zu kümmern, denn zuerst muss Essen auf dem eigenen Tisch sein. Da muss man als Künstler natürlich aufpassen, dass man nicht zu sehr ins Predigen gerät und den Leuten Vorschriften macht, wie sie ihr Leben zu führen haben, um die Welt besser zu machen. Wenn man schon etwas gefestigter im Musikgeschäft ist, kann man sich anderen Dingen gegenüber künstlerisch mehr öffnen und z.B. sich mehr damit beschäftigen, was andere Leute bewegt. Wir haben in der Vergangenheit viele persönliche Songs geschrieben, und inzwischen befinden wir uns in einer Situation, in der wir uns eigentlich gar nicht mehr über unsere eigenes Leben beschweren können. Wenn man es also vermeiden will, nur noch 'Friede, Freude, Eierkuchen'-Stimmung zu verbreiten und davon zu schwärmen, wie toll es ist, in dieser Rockband zu sein, dann muss man sich einfach für andere Dinge interessieren, um sich davon inspirieren zu lassen."
Starsailor
Viele dieser neuen Eindrücke lassen sich hervorragend während der vielen Auftritte rund um die Welt einfangen, aber natürlich dürfte auch Walshs neue Wahl-Heimat Belfast Spuren hinterlassen haben. Auch was das Selbstbewusstsein anbelangt, hat die Band ohnehin einiges dazugelernt - man erinnere sich nur mal an frühe Shows, bei denen nur ein zaghaftes und mit eher dünnen Stimme vorgetragenes "Thank you" von Walsh zwischen den Songs zu vernehmen war. Inzwischen packt er im Vergleich zu früher schon fast den Showman aus. "Es geht vor allem darum, den Kontakt zu den Leuten aufzubauen - was natürlich sehr unterschiedlich laufen kann", erzählt Walsh. "Wir haben mal als Support für einen italienischen Künstler im San Siro Stadion gespielt, das ist wahrscheinlich eine der zuschauerzahlenmäßig größten Gigs gewesen, die wir bisher gespielt haben, aber die Hauptband und wir waren zu verschieden, als dass das Publikum verstehen konnte, was wir eigentlich da spielen." - "Wir wollten dort aber unbedingt spielen, denn wir sind große Fußball-Fans und erzählen zu können, dass man im San Siro gespielt hat, ist schon toll!", meint Byrne, bevor Walsh fortführt: "Auf der anderen Seite gibt es z.B. das T In The Park-Festival in Schottland, wo man trotz 30 000 Menschen fast schon eine intime Atmosphäre aufbauen kann - man sieht sie dort alle, Arme in der Luft, die Bierbecher fliegen durch die Gegend, 30 000 betrunkene schottische Menschen - das ist doch toll! Sowas wirkt sich natürlich auch auf die Performance aus - bei einer großen Menge an Leuten muss man da schon mehr den Showman auspacken, das ist fast schon Spinal Tap-mäßig so mit Sprüchen wie 'Helloooo Cleveland!', bei 800 ist es schon herausfordernd, denn man reagiert mehr auf die Leute, man kann fast jedes Gesicht erkennen, man muss damit umgehen können, wenn eine Pause entsteht und sich jemand aus dem Publikum eine obskure B-Seite wünscht, die man seit Ewigkeiten nicht mehr gespielt hat. Alle anderen werden wahrscheinlich die Stirn runzeln und die Augen verdrehen, aber wenn dann anschließend jemand 'Lullaby' ruft und alle im Saal mit einstimmen, ist man ja fast schon gezwungen, den Song auch zu spielen - was auch zu lustigen Situationen führen kann, wenn man das Lied schon lange nicht mehr gespielt hat und alle in der Band erstmal darüber diskustieren müssen, an wieviel davon man sich noch erinnern kann... Das ist eine schöne Herausforderung bei den kleineren Shows."

Und falls es doch noch jemanden da draußen geben sollte, der noch keinen Song von Starsailor gehört hat und gerne wissen möchte, was es mit der Band auf sich hat, hier ist James Walshs Empfehlung für den schnellen Einstieg: "'This Time' wäre eine gute Wahl - es nicht unbedingt der beste Song, den wir bisher geschrieben haben, aber er beinhaltet alte, 'mittelalte' und neue Elemente von dem, was wir machen."

Weitere Infos:
www.starsailor.net
www.starsailor.de
ssfans.com
www.goodsouls.org.uk
Interview: -David Bluhm-
Fotos: -Kevin Westenberg-
Starsailor
Aktueller Tonträger:
On The Outside
(Chrysalis/EMI)




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