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ORANGER
 
Die englischen Amerikaner kommen!
Oranger
"Eine Ami-Band, die ziemlich englisch klingt", schrieb der Kollege Ullrich Maurer vor fünf Jahren zu "The Quiet Vibration Land", dem zweiten Album der Band aus San Francisco. Waren es damals die Melodien der Beatles und die unbändige Energie von The Who, an die Oranger erinnerten, sind es auf ihrem neuen, inzwischen vierten Werk wieder in erster Linie britische Bands, die als Einflüsse herhalten, allerdings merklich andere: Roxy Music, Wire oder Sparks heißen nun die Referenzen, die einen Schritt weg vom leicht angeschrägten Power Pop bedeuten, den es 2003 noch auf dem letzten Album "Shutdown The Sun" zu hören gab.
In den USA verkaufte sich das dort schon vor einigen Monaten veröffentlichte aktuelle Werk "New Comes And Goes" unerwartet oft - ein gutes Omen auch für Europa? "Das will ich schwer hoffen", sagt Bassist und Produzent Matt Harris im Gespräch mit Gaesteliste.de. "Wir haben uns ohne Frage ein Stück weit von dem wegbewegt, was wir vorher gemacht haben. Inzwischen haben wir eher einen glamy, poppy Sound. Deshalb gibt es auf der neuen Platte im Vergleich mit den früheren auch mehr Songs, die sich als Singles anbieten würden." Doch auch wenn der Sound hörbar anders ist, heißt das nicht, dass die Amerikaner das Band zur Vergangenheit völlig zerschnitten hätten. Dafür hat Sänger und Hauptsongschreiber Mike Drake, neben Harris das einzig verbliebene Gründungsmitglied des inzwischen durch Keyboarder Patrick Main, Drummer John Hofer und Gitarrist Bob Reed komplettierten Quintetts, einfach eine zu eigene Handschrift. "Definitiv. Mike hat schon eine sehr spezielle Art, Songs zu schreiben", bestätigt Harris. "Ich denke allerdings, dass er sich in all den Jahren weiterentwickelt hat und sein Songwriting und sein Gesang inzwischen viel besser geworden sind. Ich sehe das als natürliche Evolution. Wir haben einfach immer das gemacht, was wir machen wollten. Wir haben uns immer einen Scheiß um das gekümmert, was uns die Leute von außerhalb gesagt haben. Genau darin liegt ja der Spaß!"

Nachdem Harris mit seiner Zweitband The Posies letztes Jahr deren Album "Every Kind Of Light" in kürzester Zeit und in einem sehr kollaborativen Klima aufgenommen hatte, färbte diese Arbeitsweise auch ein wenig auf "New Comes And Goes" ab. "Ich schreibe ja für gewöhnlich nicht viele Songs für Oranger, aber auf dieser Platte haben wir alle mehr Anteil am Songwriting gehabt. Das war eine Premiere, denn sonst hat Mike immer die Songs geschrieben und mit mir zusammen die Basics aufgenommen, erst dann haben wir den Song den anderen präsentiert. Der gesamte Prozess war viel kollaborativer, das war cool." Und weil sich Oranger letztes Jahr so schön warm gespielt hatten, nahmen sie gleich noch ein Album auf - mit Countrysongs! "Wir hatten über eine solche Platte schon länger gesprochen, denn einige der Songs sind Outtakes von 'Shutdown The Sun', die dort stilistisch nicht gepasst hatten. Wir haben die Aufnahmen eher als Herausforderung gesehen und es des Spaßes wegen gemacht. Ich war für zwölf Tage in San Francisco, also sagten wir uns: 'Lasst uns die Platte so schnell wie möglich raushauen!' Die Basics für die elf Songs haben wir in drei, vier Tagen fertig gehabt, und anschließend haben wir noch sechs Tage damit verbracht, den Gesang und ein paar Kleinigkeiten hinzubekommen. Ob und wann die Platte jemals rauskommt, steht allerdings noch nicht fest. Wir überlegen im Moment, sie exklusiv über unsere Website zu veröffentlichen."

"New Comes And Goes" wird dagegen beim französischen Label Fargo dieser Tage auch regulär in Europa veröffentlicht. "Reiko Condo von unserem US-Label Eenie Meenie Records in L.A. hat die Verbindung zu Fargo hergestellt", sagt Harris über das Zustandekommen des Deals. "Zuerst wurden wir gebeten, das Cover zu ändern, weil sie es nicht besonders mochten. Sie hielten es für zu seltsam. Wir haben aber nicht mit uns reden lassen und letzten Endes haben sie nachgegeben. Darüber bin ich sehr froh, denn ich finde, das Cover spiegelt den Vibe der Platte ziemlich gut wider. Unser Freund Jett Drolette, der schon das Cover für unser Debüt 'Doorway To Norway' designt hat, hat es gestaltet. Er hat eine sehr eigene Vorgehensweise. Er lässt sich das Referenz-Master der Platte geben und sagt: 'Gebt mir nichts vor, wir sprechen uns in einem Monat'. Nach vier Wochen kommt er dann mit einem ganzen Sack voll Ideen zurück. Die ursprüngliche Idee eines gestellten Fotos hatten Jett und ich schon früher mal diskutiert - ein bisschen wie auf den Covern von Def Leppard, Led Zeppelin oder Roxy Music."

Mit der Veröffentlichung in Europa hoffen Oranger auch, ihren Bekanntheitsgrad in unseren Breiten etwas steigern zu können. Immerhin können sie zwar schon auf europaweite Tourneen im Vorprogramm von R.E.M. und Elliott Smith (mit dem sie im Herbst 2000 ihre bisher einzigen beiden Deutschlandkonzerte absolvierten) zurückblicken, dennoch sind sie ja bei uns auch weiterhin immer noch ein gut gehütetes Geheimnis. "Das wird sich aber in diesem Frühjahr hoffentlich alles ändern. Im März und April wollen wir ausgiebig in Europa touren. Das ist unsere Priorität. Das und ein Trip nach Japan!", erklärt Harris, in der Hoffnung, dass diese Gastspielreise besser läuft als die ziemlich desillusionierende US-Tour letzten Herbst. "Ich denke, es waren nicht nur wir, die zu kämpfen hatten. Bei all den Wirbelstürmen hatten vor allem die Menschen im Süden der USA natürlich andere Prioritäten. Wir hatten trotzdem unseren Spaß und haben großartige Shows gespielt. Und es hat sicherlich auch geholfen, auf Pollstar zu lesen, dass Snoop Dogg für ein 35 000-Sitze-Stadion in Atlanta nur 2 000 Tickets verkauft hat. Da denkst du schon: 'Das ist großartig, wir sind nicht alleine. Es liegt nicht daran, dass die Leute uns nicht mögen!'"
Weitere Infos:
www.oranger.net
www.xanga.com/Oranger_theband
Interview: -Simon Mahler-
Foto: -Peter Ellenby-
Oranger
Aktueller Tonträger:
New Comes And Goes
(Fargo/Rough Trade)




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