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MOJAVE 3
 
Rätselhafte Klarheit
Mojave 3
Wer die Historie von Mojave 3 kennt - von den Anfängen nach der Beendigung des Slowdive-Projektes über die Solo-Alben von Neil Halstead und Rachel Goswell bis zur neuen Scheibe - der hatte zwar vielleicht insgeheim immer gehofft, dass es mal ein Mojave 3-Album mit Uptempo-Songs geben würde, aber sicher nie so richtig daran geglaubt. Denn obwohl Neil Halstead, der Motor und Kopf des Projektes, immer wieder davon erzählte, wie sehr er doch die Rockmusik liebe und wie gerne er das mal auf CD umsetzen würde: Bislang schien immer seine melancholische Ader zu überwiegen, die dazu führte, dass Mojave 3-Alben eher romantisch und verträumt daherkamen. "Puzzles Like You", das neue Album, ist da tatsächlich ein großer Schritt in eine andere Richtung. Natürlich gibt es auch hier die typischen, sanftmütigen Halstead-Balladen, aber das Gros der Stücke sind grandiose, heitere Gitarrenpop-Songs, die man in dieser Form bislang noch nicht von Halstead & Co. gewohnt war.
Was hat denn zu diesem Sinneswandel geführt? "Das Wichtigste war uns dieses Mal, im Studio ein wenig Spaß zu haben und etwas anderes zu machen, als auf unseren letzten Alben", meint Neil, "einen Masterplan gab es nicht." Neils zurückhaltend / lakonische Art, Interviews zu geben, scheint sich noch nicht seinem neuen Musikverständnis angepasst zu haben. Okay - aber auch wenn es keinen großen Plan gab, gab es doch zumindest die Idee, etwas ändern zu wollen. Wie begann das Unterfangen dann also? "Wir hatten die Songs so ungefähr halb fertig, bevor wir mit den Aufnahmen begannen. Im Studio arbeiten ich, Ian [McCutcheon] und Al [Forrester] dann zusammen an dem Material. Wir haben dafür ungefähr ein halbes Jahr gebraucht. Wir haben auch daran gedacht, das Material selbst zu mischen. Aber wir haben so viel Zeit damit verbracht, dass wir betriebsblind waren. Also haben wir es Victor Van Vugt gegeben, der zur Zeit in New York arbeitet. Er hat die Songs dann auf eine Weise gemischt, die wir selbst nicht hätten realisieren können." Zu einem früheren Zeitpunkt hatte uns Neil einmal erzählt, dass er eine ganz bestimmte Sound-Idee im Kopf habe. Wie verträgt sich das denn mit einem externen Mixer? "Das einzige, was wir Victor eigentlich gesagt haben, ist, dass er die Songs so energisch und offensiv wie möglich mischen sollte, um das Bestmögliche aus der Performance herauszukitzeln. Es ist auch so, dass sich eine Menge Zeugs auf den Tracks angesammelt hatte, das wir im Laufe der Arbeit angehäuft hatten und es war ziemlich schwierig für uns, da herauszuhören, was wirklich wichtig ist. Victor ist ziemlich gut, da die Spreu vom Weizen zu trennen und die Essenz des Songs herauszuschälen." Nicht, dass man das den Stücken anhört, die - wie gesagt - eine heitere Gelassenheit und Verspieltheit ausströmen und das Album so zur perfekten Sommer-Scheibe gedeihen lassen. Was hat denn eigentlich dazu geführt, dass die Stücke schnell wurden. Neil beichtete ja früher ein Mal, dass er schon des Öfteren vergeblich versucht habe, schnelle Stücke zu schreiben, was ihm aber bislang nie so richtig gelang. "Ja, das stimmt schon", gesteht er, "und als wir die Aufnahmen begannen, waren die Songs auch wesentlich langsamer. Sie haben sich aber selbst für uns zu langsam angefühlt. Also haben wir uns bewusst gezwungen, sie schneller und schneller zu machen. Es ist, wie gesagt, nichts, was wir für gewöhnlich machten, aber dieses Mal machte es einfach Sinn und wir stellten fest, dass es auch Spaß macht."
Nun, das hätten die Jungs ja auch schon früher mal herausfinden können. Vielleicht halfen ja auch die "Gäste" ein wenig mit? Während der Aufnahmen hatten Neil & Co. nämlich mit einer Mäuseplage zu kämpfen. "Ja, das stimmt wohl", lacht Neil, "das Studio befindet sich in einer alten Farm mit einer Menge Außen-Gebäuden und da muss man schon mal mit rechnen. Wir hatten bislang noch nie ein Problem damit, aber dieses Mal sind wir praktisch von den Viechern überrannt worden. Zum Glück ist das bloß eine saisonale Sache..." Zwischenzeitlich produzierte Neil noch das Album der dänischen Songwriterin Sarah Hepburn in seinem Studio. Ist das vielleicht auch mit der Grund, warum es fast drei Jahre brauchte, bis das neue Album im Kasten war? "Nicht wirklich", zögert Neil, "wir haben das Album ja bereits im November fertig gestellt und gehofft, es im März rausbringen zu können. Dann gabs aber Probleme mit dem Artwork und die Plattenfirma hatte dann auch gemeint, dass es besser sei, die Scheibe erst jetzt rauszubringen. Deswegen mussten wir länger als gewöhnlich warten. Die Scheibe mit Sarah haben wir im Frühjahr letzten Jahres gemacht. Sarah ist eine sehr gute Songwriterin mit einer schönen Stimme und wir haben uns angefreundet, nachdem ich mal eine Solo-Show in Kopenhagen spielte, auf der sie Support spielte. Ich habe die Scheibe produziert, Ian spielte Drums und ich Keyboards." Könnte das vielleicht ein neues Standbein für die Zukunft sein? "Keinesfalls", überlegt er, "eigentlich sehe ich mich ja gar nicht als Produzent. Ich helfe höchstens Leuten, wenn sie mich bitten. Mir geht es beim Aufnahmen eigentlich immer nur darum, die Sache so einfach wie möglich zu halten. Es soll nichts geben, worüber man nachdenken muss. Das ist auch der Grund dafür, warum ich nie ein Produzent sein werde - weil Produzenten nämlich in Konzepten denken müssen. Für mich wäre es am Schönsten, wenn man einfach alle zusammen mit einem Mikrofon in einem Raum aufnehmen könnte. Leider ist es ja nie so einfach. Wir haben z.B. für das neue Album die Basic Tracks zusammen live eingespielt und den Rest dann peu a peu im Overdub dazu eingespielt. So ist die Aufnahme dann viel komplizierter geworden, als ich mir das vorgestellt habe." Was bedeutet der Titel des neuen Albums, "Puzzles Like You", wer ist denn da so rätselhaft? "Es bedeutet gar nichts Besonderes", meint Neil auf seine typisch lakonische Art, "es gibt ein Stück gleichen Namens auf der Scheibe und ich dachte, das klänge ganz nett und sei ein guter Titel. In dem Stück geht es um eine Person, die sehr undurchsichtig ist, jemanden, den man nicht durchschauen kann." Nun ist das Album selbst aber doch ziemlich eindeutig und überhaupt nicht rätselhaft. Ist das Ganze ein Witz? "Ich weiß nicht", meint Neil - muss dann aber doch lachen, "kann sein. Ich dachte nur, es wäre ein netter Titel und es passt ganz gut zum Covermotiv, das ein Freund von uns extra für uns malte." Auf dem Album gibt es einen Song namens "Big Star", auf dem Neil darüber singt, kein großer Star sein zu wollen. Das ist autbiographisch, gell? "Ja, es geht darum, ein vernünftiges Leben und eine vernünftige Beziehung haben zu wollen", weicht Neil aus, "es ist eigentlich selbst erklärend. Es ist natürlich ziemlich persönlich, mehr möchte ich aber nicht dazu sagen."
Mojave 3
Wie sieht sich Neil denn heutzutage als Musiker? "Eigentlich wie immer", überlegt er, "ich mag es, Musik zu machen und ich fühle mich nicht besonders wohl auf der Bühne. Es macht mir aber paradoxerweise Spaß, Musik zu spielen. Ich bin aber nicht das, was man einen geborenen Performer nennt." Was macht denn am meisten Spaß? "Mit der Band zu spielen macht Spaß", erklärt Neil, "und auch das neue Material live auszuprobieren. Einfach deswegen, weil das neue Material eine andere Dynamik als das alte hat." Heißt das, wir müssen Ohrstöpsel mitbringen? "Nur, wenn du möchtest. Schließlich sind wir ja immer noch Mojave 3 - nur, dass es dieses Mal ein paar Pop-Momente mehr gibt." Bei seinem ersten Interview erzählte Neil ja, dass er Künstler wie Neil Young oder Oasis möge und davon träume, mal eine Rock-Scheibe aufzunehmen. Hat er diesen Traum inzwischen drangegeben? "Ein Rock Album? Ich weiß nicht. Was immer man auch versucht: Es kommt ja nicht immer das dabei heraus, was man sich vorgestellt hat. Wenn ich versuchte, ein Rock-Album zu machen, dann hörte es sich vermutlich nicht wie eines an. Oder um es mal so zu sagen: Wenn ich ein Album in der Art von Black Sabbath machen könnte, dann würde ich es tun. Das würde sicherlich Spaß machen. Aber bislang habe ich es nur bis zu 'Puzzles Like You' gebracht. Das ist ja schon mal eine schöne Sommer-Scheibe, die du auch zum Auto fahren benutzen kannst." Was hat sich denn für Neil Halstead, den Songwriter, im Laufe der Jahre verändert? "Nun, einfacher geworden ist es für mich nicht gerade", meint Neil, "im Gegenteil: es wird sogar schwerer, weil immer die Sorge besteht, dass man sich selbst wiederholt. Ich denke auch, dass ich heutzutage weniger auf die Musik fixiert bin, als ich 18 war. Ich meine, ich liebe die Musik immer noch, aber es braucht immer länger, heutzutage in die Stimmung zu kommen, zu musizieren. Manchmal greife ich wochenlang gar nicht zu einer Gitarre. Vielleicht hängt das ja damit zusammen, dass ich faul bin? Musik machen ist für mich heutzutage mehr Arbeit." Und was inspiriert Neil Halstead musikalisch? "Ich höre mir kaum Musik an, wenn ich selber Musik mache", meint er zu diesem Thema, "einfach deswegen, weil es so ist, dass du das, was du magst, absorbierst und unbewusst in deine eigene Musik einfließen lässt. Das kann okay sein, behindert aber meistens doch eher. Wenn ich dann eine Scheibe fertig habe, höre ich mir eine Zeit lang auch gar nichts mehr an - bis ich dann zu einem Punkt komme, an dem ich einen gewissen Aufholbedarf habe und mir alles reinziehen muss, was mir in die Quere kommt." Und was kommt als Nächstes? "Nun, wenn du mit einer Band und einer Plattenfirma arbeitest, dann kannst du nicht immer tun, was du möchtest. 'Puzzles' ist aber zunächst mal die letzte Scheibe für 4AD. Ich denke, dass es jetzt ein wenig mehr Freiraum gibt. Ich würde gerne mal wieder eine Solo-Scheibe machen, die dann wieder ein wenig ruhiger werden soll, weil es hier ja nicht darum geht, eine Gruppe von Leuten glücklich zu machen. Ich hoffe, dass das jetzt klappen wird."
Weitere Infos:
www.mojave3online.com
www.4ad.com/mojave3/
de.wikipedia.org/wiki/Mojave_3
www.beggars.com/us/mojave3/index.html
www.myspace.com/mojave3official
Interview: -Ullrich Maurer-
Fotos: -Rebecca Miller-
Mojave 3
Aktueller Tonträger:
Puzzles Like You
(4AD/Beggars Group/Indigo)




Mojave 3

 
 

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