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DE ROSA
 
Die Musikheiler
De Rosa
Nachdem die Delgados - nicht zuletzt aufgrund der widrigen Umstände, die ein Musikerkollektiv behindern, das längst nicht so erfolgreich ist, wie die künstlerische Qualität es verheißen mag - bis auf weiteres zunächst mal aufgegeben haben, ist es um so erfreulicher, dass auf dem hauseigenen Label Chemikal Underground nach wie vor interessante Veröffentlichungen erscheinen. Das Debüt-Album "Mend" des Glasgower Trios De Rosa ist zum Beispiel so eine. Nicht, dass De Rosa dabei genau klingen wie die Delgados, aber "Mend" scheint von den gleichen Qualitäten und Werten zu zehren. Songwriter Martin John Henry und die Gebrüder James und Neil Woodside als Rhythmusgruppe arbeiten mit vergleichsweise vertrackten Gritarrenpop-Strukturen, bei denen Power, Melodie und intelligente, wortreiche Texte gleichermaßen im Zentrum stehen. Dass die Scheibe unter der Regie von Andy Miller dann auch noch im Chemikal Underground "Hausstudio" Chem 19 aufgenommen wurde, rundet das Bild ab.
Allerdings erklärt es nicht, wieso das Trio zwei Jahre brauchte, um die Scheibe zusammenzuschrauben. "Das ist ganz einfach", erklärt Martin, "denn während der Zeit, während der wir das Material aufgenommen habe, war ich als Student der Fotografie an der Glasgower Kunsthochschule und musste mein Studium mit dem Songwriting und der Zusammenstellung der Band verbinden. Und als wir die Scheibe aufnahmen, haben wir alle den ganzen Tag gearbeitet. Wir haben also alles in kleinen Schüben nach Feierabend aufgenommen." Welches Konzept verfolgt das De Rosa-Projekt dabei? "Okay, fangen wir mal mit dem Namen an", erzählt Martin, "De Rosa war ein Lehrer am Gymnasium, das wir alle gemeinsam besucht haben. Wir brauchten irgendeinen Namen - einen besonderen Grund, warum wir uns De Rosa genannt haben, gibt es eigentlich nicht. Der Name des Albums - 'Mend' [genesen, heilen] - ist einfach ein positiv besetztes Wort mit beinahe reinigender Qualität. Ich denke nämlich, dass 'Mend' unter dem Strich eine optimistische Scheibe geworden ist und wir diesen Eindruck auch vermitteln wollten. Das Titelbild zeigt ein Gemälde des Glasgower Künstlers Henry Combs, dessen Werk ich gerne mag und er hatte angeboten, ein Bild zur Verfügung zu stellen. Es zeigt auf seine Weise eine Art häuslicher Tragödie, ein Drama aus der Kindheit. Es ist aber nicht zu unserer Musik entstanden. Was unsere Musik betrifft, ist Aufrichtigkeit und eine gewisse emotionale Motivation und Inhalt am Wichtigsten. Das soll die Musik antreiben. Und was die Texte betrifft, ist es so, dass, obwohl nichts wirklich Persönliches beschrieben wird, ich doch einen persönlichen Antrieb habe." Wie entstehen die Songs? Diese sind ja ein wenig komplexer als die "Drei Akkord Gitarren-Pop-Songs", die momentan en Vogue sind. "Ich muss gestehen, dass die Texte meist als Improvisationen beginnen und ich sehr lange brauche, die Texte fertig zu stellen. Die Musik ist ziemlich feinfühlig arrangiert, obwohl wir zuweilen auch laut und dynamisch spielen, das ist so beabsichtigt." Geht es darum, die Musik intuitiv zu erschaffen? "Ja, denn die Struktur ergibt sich erst im Nachhinein", meint Martin, "ich tendiere dazu, meine Sachen sehr spontan zu Hause aufzunehmen. Es ist dann die Aufgabe der Band, zu der jetzt auch noch ein neuer Gitarrist hinzukommt, daraus etwas zu machen. Ich kann dann meine Ideen vortragen, und es macht den Jungs viel Spaß, damit zu arbeiten. Dazu gehört zu jeder Zeit auch das Ausprobieren und Improvisieren. Das ist nicht immer so beabsichtigt, aber es ergibt sich so. Im Studio schließlich ist dann alles so weit, dass wir die Sachen ausgearbeitet haben."
Was macht denn einen guten Song aus? "Wenn die Bedeutung des Songs größer wird, als das, was ich mir ursprünglich vorgestellt hatte", erläutert Martin, "ich mag es, Risiken und Fehler einzubeziehen - das führt dazu, dass sich die Dinge zuweilen verselbständigen. Das ist dann immer sehr speziell." Was sind die musikalischen Eckpunkte, an denen sich der Songwriter Martin Hohn Henry orientiert? "Also momentan mag ich z.B. die Red House Painters, Leonard Cohen, schottischen Folk und sozialistischen britischen Folk wie z.B. Billy Bragg. Ich selbst komme eher von der Tradition amerikanischer Hardcore und Indie-Pop Bands wie den Pixies, Nirvana, Sonic Youth oder Fugazi. Ich mag auch die Chemikal-Sachen wie die Delgados, Arab Strap oder Mogwai. Das alles kommt in unserer Musik zusammen." Und woher kommen die Texte? "Nun, ich schreibe über das, was ich kenne. Zum Beispiel über 'Cathkin Braes', den Ort, wo ich herkomme. Dieser Song ist eine Metapher über meine Beziehung zu diesem Ort, den ich von den ihn umgebenden Hügeln betrachtete. Einige der Charaktere meiner Songs basieren auf Personen aus meinem persönlichen Umfeld. 'Evelyn' ist z.B. ein Name, der für mich viele Bedeutungen hat, den ich verwendete, um bestimmte Gefühle ausdrücken zu können. Es ist aber alles ziemlich subjektiv und es gibt nur wenige Songs, die wirklich wörtlich zu nehmen sind. Hoffentlich macht es trotzdem für andere Sinn. Deswegen verwende ich ja auch konkrete Referenzen wie z.B. ein Grubenunglück oder ähnliches."
Wie hat sich der Sound der Band entwickelt? "Nun, wir haben die Songs, die ein wenig amerikanischer klingen, vorher live gespielt. Die meisten Songs sind jedoch entstanden, geprobt und aufgenommen worden, bevor wir sie live spielten. Wir sind ja noch eine junge Band und haben unseren Sound ziemlich organisch entwickelt. Ich habe nie versucht, die Band zu einem bestimmten Sound hinzuführen, den ich etwa im Kopf hatte, sondern habe mich darauf beschränkt, mit den Jungs zusammenzuarbeiten und einer gewissen Dynamik Raum zu geben. Ich hoffe jetzt nur, dass das alles ein wenig originell ist. Ich habe es Andy Miller überlassen, die technischen Aspekte zu übernehmen, er hat auch zuweilen gute Ideen für gewisse Details, aber die meisten Aspekte sind von der Band ausgegangen." Nun erwähnt Martin ja immer wieder amerikanische Einflüsse. Was aber ist an seiner Musik spezifisch schottisch? "Ich habe nie versucht, eine amerikanische Stimme zu finden, wie das viele schottische Bands tun", meint Martin, ohne die Simple Minds ausdrücklich namentlich zu erwähnen. "Ich möchte meinen eigenen Akzent bewahren und damit arbeiten", fügt er hinzu, "als ich jung war, war ich ganz dem alternativen Rock verschrieben. Je älter ich wurde, desto mehr interessiere ich mich aber auch für Folk. Man kann damit auch gut Gitarre spielen lernen. Und ich kann durch die Hinwendung zu diesen alten, simplen Songs, Musik entdecken, die für mich neu ist." Und wohin kann das Ganze in der Zukunft führen? "Ich möchte jetzt nichts vorhersagen, da sich ja doch alles ändern könnte", zögert Martin, "das würde die Leute ja auch verwirren. Was mir aber am Herzen liegt, ist den Editierprozess besser in den Griff zu bekommen und dabei den Fokus nicht aus den Augen zu verlieren. Der Song 'Head First' war bislang unsere größte Herausforderung - einfach weil er so seltsam ist und Rhythmus, Melodie und Text unerwartet ändert. Wir haben den Songs live aufgenommen und es war sehr schwierig aber auch sehr befriedigend. Normalerweise ist es aber am Besten, so einfach wie möglich zu arbeiten. Ich mache Musik und Kunst jetzt seit der letzten Dekade und meine Erkenntnis ist, dass es am schwierigsten ist, die Sachen einfach zu halten - einfach weil sich so die Schwächen des Materials offenbaren." Nicht, dass sich allzuviele Schwächen im Material von De Rosa finden. Hoffentlich haben Martin und seine Jungs auf lange Sicht mehr Glück mit ihrer Musik, als die Delgados.
Weitere Infos:
www.wearederosa.com
myspace.com/wearederosa
Interview: -Ullrich Maurer-
Foto: -Pressefreigabe-
De Rosa
Aktueller Tonträger:
Mend
(Chemikal Underground/Rough Trade)




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