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THE RACONTEURS
 
"Wenn einer fehlt, sind es nicht die Raconteurs"
The Raconteurs
Eigentlich verkaufen sich The Raconteurs ja gerne als das kleine neue Projekt von Jack White, Brendan Benson und der Greenhornes-Rhythmsection Patrick Keeler und Jack Lawrence und keinesfalls als DIE Detroiter Rock-Supergroup schlechthin. Mit ihrer hörenswerten ersten Platte "Broken Boy Soldiers" (an dieser Stelle bereits zur "Platte der Woche" gekürt) gelingt ihnen das auch ganz ausgezeichnet, doch spätestens, wenn es an die Interviews geht, merkt man schnell, dass es hier um mehr geht als vier Freunde, die ihre Instrumente zusammengepackt haben und in einem - bezeichnenderweise rot-weiß gestreiften - Tourbus durch die Gegend fahren.
Vor dem auf eher unübliche 15 Minuten begrenzten Gespräch nimmt uns - auch das keinesfalls die Regel - nämlich der Presseattaché der Band beiseite und lässt uns wissen, dass wir ja nicht auf die Idee kommen sollten, Fotos zu machen, um Autogramme zu bitten oder Fragen zur Fußball-WM oder zu den White Stripes zu stellen. (Fragen zu Bensons Solokarriere waren demnach interessanterweise erlaubt!) Und weil Kontrolle besser ist als Vertrauen, postiert sich der Angestellte der Band während des kurzen Gesprächs auch noch vor der geöffneten Tür des kleinen Backstage-Kabuffs im Keller des Kölner E-Werks, jederzeit bereit einzuschreiten, sollten die Interviewer die Spielregeln missachten. So läuft's Business! Dass ein Interview beiden Seiten durchaus auch Spaß machen kann, wenn der Rahmen stimmt, wollte man hier anscheinend von Anfang an unter dem Denkmantel der Professionalität ausschließen. Doch genug davon!

"Wir haben darüber schon seit Ewigkeiten gesprochen, und jetzt hatten wir alle endlich die Zeit für die Band", sagt White über die Entstehungsgeschichte der Raconteurs. "Wir haben auch gar nicht daran gedacht, die Musik zu veröffentlichen, aber das Ergebnis war so gut, und wir waren davon so begeistert, dass wir es nicht für uns behalten wollten." Dass die Gleichung "Brendan Benson + White Stripes + Greenhornes = Erfolg" nur am Reißbrett funktionieren könnte, kam den vieren also nie in den Sinn? "Das Missverständnis dabei ist, dass die Band nicht am Reißbrett entstanden ist", erwidert White. "Es gab zu keiner Zeit einen Plan. Es passierte einfach, und wir haben uns nicht dagegen gewehrt. Wir hätten den Fehler machen können und sagen können: 'Nee, lass mal, ich bin eh zu beschäftigt', aber das wäre eine schlechte Idee gewesen, denn dann hätten wir verhindert, der Kreativität freien Lauf zu lassen."

Der allererste Raconteurs-Track überhaupt war gleich die Monstersingle "Steady, As She Goes", die nicht nur bei Presse und Publikum ein hymnisches Echo ausgelöst hat, sondern auch für die Band richtungsweisend war. "Es fühlte sich großartig an, und das war der Auslöser, der uns weitermachen ließ", bestätigt White. "Brendan und ich hatten zuvor ja noch nie einen Song gemeinsam geschrieben. Wir hatten uns gegenseitig ein paar Ideen vorgespielt oder mal bei einem Song des anderen ein paar Akkorde verändert, aber wir hatten uns nie gemeinsam zum Songschreiben zusammengesetzt", erklärt White ("Er kam in mein Haus uns sagte: 'Lass uns hinsetzen und einen Song schreiben'", wirft Benson ein). "Das war das erste Mal, dass wir zusammen von Anfang bis Ende an einem Song gearbeitet haben. Dass gleich der erste Versuch so gut gelang, haben wir als gutes Omen gesehen und weitergemacht." Die Gefahr, sich hinzusetzen und nichts funktioniert, bestand also nie? "Nee, das Gefühl kenne ich gar nicht", erwidert White trocken, bevor er anfügt: "Im Ernst: Das ist bei dieser Band wirklich nicht vorgekommen, das gute Gefühl blieb von Anfang bis Ende."

Da alle Beteiligten vor Beginn der Arbeiten an "Broken Boy Soldiers" gerade wichtige Platten mit ihren anderen Bands bzw. als Solist aufgenommen hatten, liegt die Vermutung nahe, dass sie völlig entspannt an die Aufnahmen herangehen konnten in der Gewissheit, das, was zu sagen gewesen ist, gerade mit den White Stripes, Greenhornes und Benson solo gesagt zu haben. "Um ehrlich zu sein, ich fühlte mich freier bei der Arbeit an 'Satan' und konnte dort noch viel mehr genau das machen, was ich wollte, weil ich wusste, dass diese [Raconteurs-] Platte danach anstand", sagt White. "Im Endeffekt ist es also genau umgekehrt gewesen!"

The Raconteurs
Mit welcher Erwartungshaltung sind eigentlich Patrick Keeler und Jack Lawrence an die Sache herangegangen? Was für Hoffnungen hat man, wenn man mit zwei solch anerkannten Könnern wie White und Benson in einer Band spielt? "Der erste Gedanke war: 'Großartig!', denn ich bin ein großer White Stripes- und Brendan Benson-Fan", erklärt Keeler. "Wir waren zu dem Zeitpunkt schon eng befreundet, deshalb war ich von der Idee ziemlich begeistert. Es ist schon etwas anderes, als wenn du auf eine Kleinanzeige in einem Musikmagazin antwortest und denkst: 'Hoffentlich sind die Typen keine Arschlöcher'. Die Fronten waren bereits klar." Und Benson gibt zu bedenken: "Bei dieser Band geht es um jeden Einzelnen von uns vieren. Wenn einer fehlt, sind es nicht die Raconteurs. Es wäre ein Fehler zu denken, dass diese Band eine Führungspersönlichkeit hat".

So gerne die Raconteurs darauf verweisen, dass sie als Quartett eine feste Einheit sind - so ganz stimmt das nicht. Immerhin gibt es da noch Dean Fertita, den aufmerksamen Lesern dieser Seiten bestens bekannt als Kopf der Detroiter Waxwings und als Musiker in Bensons Soloband, der allabendlich mit den Raconteurs auf der Bühne steht. Ist das womöglich so wie einst bei den Rolling Stones, die auf ihren Pianisten Ian Stewart angewiesen waren, der leider zu alt und angeblich zu hässlich war, um ein offizielles Bandmitglied zu sein? "Das Problem ist, dass Dean wirklich gut aussieht. Wir verstecken ihn nur, weil er mehr hermacht als wir!", erklärt White sehr zum Amüsement seiner Bandkollegen. "Dean geht mit uns auf Tour. Er ist unser Live-Freund!" White unterstreicht allerdings auch, dass die Raconteurs nie über ein festes fünftes Bandmitglied nachgedacht haben: "Ich denke, wir vier haben alles unter Kontrolle. Wegen der Overdubs auf dem Album machte es für die Konzerte einfach Sinn, einen supertalentierten Musiker wie Dean mitzunehmen, der jederzeit und an jedem Ort einfach jedes Instrument spielen kann."

Interessant sicherlich auch, dass alle Songs auf "Broken Boy Soldiers" dem Duo Benson / White zugeschrieben werden. Schließlich ist es für gewöhnlich so, dass Musiker, gerade wenn sie zuvor schon sehr erfolgreich waren, peinlich genau darauf achten, die Tantiemen auseinander zu dividieren. "Nach den ersten Songs wurde uns klar, dass es sich dabei nicht um meine Stücke mit einem kleinen bisschen von Brendan handeln würde oder umgekehrt, das würde nachher eh kompliziert, deshalb sagten wir: 'Okay, es gibt ein Songwriting-Team, und wir vier zusammen sind die Band'", erinnert sich White. "Beim Thema Songwriting auseinander zu halten, was zählt und was nicht, ist eh sehr schwierig. Bei Loretta Lynns Album zum Beispiel habe ich sämtliche Stücke arrangiert, ohne einen einzigen Songwriting-Credit dafür zu bekommen. Aber wo hört arrangieren auf, und wo fängt schreiben an? Du kannst für beides Argumente finden. Was sich bei den Raconteurs gut anfühlt war, dass wir eine Menge Ideen hatten und uns ständig gegenseitig inspirierten. Da machte es Sinn, ein für allemal alles zu teilen, anstatt zu sagen: 'Du hast 10% zu diesem Text beigetragen.'" - "Dass habe ich in der Vergangenheit, als ich mit anderen Leuten zusammengearbeitet habe, schon mal durchgemacht", ergänzt Benson. "Prozentedeals auszuhandeln ist ein Alptraum, deshalb wollte ich das hier auf gar keinen Fall machen. Jetzt ist alles ganz einfach."

Die gemeinsame Arbeit machte den vieren so viel Spaß, dass inzwischen eine Fortsetzung nicht nur möglich, sondern sogar wahrscheinlich erscheint. "Schon während der Aufnahmen zur ersten Platte haben wir uns gefragt, wie sich die zweite wohl anhören könnte", verrät White, und Benson ergänzt grinsend: "Wir haben sogar schon mit der Arbeit an der zweiten Platte angefangen, doch dann merkten wir, dass wir erst einmal die erste fertig stellen mussten!" Oder, wie Lawrence trocken sagt: "Die dritte ist schon im Kasten!"

Weitere Infos:
www.theraconteurs.com
www.theraconteurs.de
de.wikipedia.org/wiki/The_Raconteurs
www.myspace.com/theraconteurs
Interview: -Carsten Wohlfeld & David Bluhm-
Fotos: -Pressefreigaben-
The Raconteurs
Aktueller Tonträger:
Broken Boy Soldiers
(XL Recordings/Beggars Banquet/Indigo)




The Raconteurs

 
 

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