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KIRA
 
Ausrufezeichen
Kira
Nach "Inauswendig" ist "Goldfisch" nun bereits das zweite Album für die Sonwgwriterin Kira. Und das zweite Album ist ja bekanntlich immer das schwierigste - eben weil man als Künstler hier mit Zeit- und Erwatungsdruck zu kämpfen hat. Das hört man der Scheibe allerdings keineswegs an. Obwohl hier gleich vier Produzenten-Teams tätig waren, klingt das Werk unbeschwert und sehr geschlossen. Das mag daran liegen, dass Kira hier extrovertierter zu Werke geht als auf "Inauswendig" (das sie selbst als Introvertiert bezeichnet) und auch mal den Blick nach außen richtet. Ging es darum, vielleicht auch einmal über andere Leute oder Charaktere zu schreiben? "Man schreibt ja immer auch über sich", zögert Kira, "wenn ich über andere Menschen schreibe, dann ist das ja immer meine Interpretation. Aber der Blick von innen nach außen ist halt ein anderer als wenn man immer nur auf sich selbst blickt. Das erste Album ist für mich ein Fragezeichen gewesen, dieses empfinde ich als Ausrufezeichen."
Gibt es für Kira eine bestimmte Technik beim Songschreiben? "Mir ist es beim Singen immer extrem wichtig, dass ich spreche - oder die Leute anspreche", führt Kira aus, "mein wichtigstes Bild beim Aufnehmen des Gesanges ist immer das, dass jemand direkt vor mir steht und mir sein Ohr hinhält, wo ich dann hinein singe. Es geht mir dabei nicht darum, schön zu singen, Töne zu präsentieren, zu reimen oder Akrobatisches zu veranstalten, sondern ich will erzählen und stelle mir unentwegt vor, dass es ein Gespräch ist, was sich da abspielt." War das immer so? Wie hat Kiras musikalische Laufbahn eigentlich begonnen? "Ich habe schon als Kind angefangen Musik zu machen - und zwar habe ich sechs Jahre lang Geige gespielt, weil ich das unbedingt wollte. Bis dann die ersten Freunde mit Proberäumen und Gitarren aufkamen. Da war ich so ungefähr 16 und bin dann umgeschwenkt. Ich habe meine Geige verkauft und für das Geld Gitarrenunterricht zu nehmen. Ich habe dann auch sofort angefangen, Songs zu schreiben - damals noch auf englisch und ohne Band, für mich alleine. Ich hatte einen Förderer - und zwar meinen Gitarrenlehrer. Anstatt Gitarre zu üben, haben wir uns hingesetzt und Songs geschrieben. Der hat mich dazu gebracht, bei einem Wettbewerb der Zeitung 'Gitarre und Bass' mitzumachen. Über diesen Wettbewerb habe ich den Produzenten meines ersten Albums, Michael Hage, kennengelernt. Dann war ich natürlich auch auf Plattenfirmensuche, was auch ziemlich lange dauerte, bis ich dann irgendwann im Büro von Grönland saß und sich die Probleme und Fragezeichen langsam auflösten." Das heißt Kira hat das Songwriting praktisch von der Pike auf gelernt? "Ja, nicht in dem Sinne", schränkt Kira ein, "mein Gitarrenlehrer hat mir einfach Feedback gegeben und Mut gemacht. Und dann hat er mir bewusst gemacht, dass man sich innerhalb eines Songs Fragen stellen kann. Fragen wie: Warum singst du das hier an der Stelle? Gibt es einen Grund dafür? Ist dir das wichtig? Willst du das nachher noch mal singen? Wo soll der Song hinführen? Was ist das für ein Gefühl? Was erzählst du da? Das waren alles Fragen, die ich mir selbst nicht gestellt hatte. Ich habe einfach irgendetwas geschrieben und war dann fertig und hatte keine weiteren Ambitionen. Bis ich dann das Gefühl vermittelt bekam, dass da mehr sein könne." Warum ist Kira von Englisch auf Deutsch umgeschwenkt? "Am Anfang war das gar keine bewusste Wahl, denn die Musik, die ich hörte, war englisch. Ich war auch ganz zufrieden, bis ich meinen Produzenten traf, der nur mit deutschen Künstlern zusammenarbeitete. Er hat mich immer wieder mit der Nase auf die Frage gestoßen, warum ich eigentlich englisch sang. Ich hatte nie eine richtige Antwort darauf und irgendwann hat er mich dazu überredet, eine Strophe auf deutsch zu singen und ich habe ihm eine Cassette geschickt. Da hat er mich dann ganz begeistert von der Autobahn aus angerufen und immer nur gerufen, dass es klappe und funktioniere. Von da an war mir das völlig klar, dass ich es machen wollte und kann im Nachhinein gar nicht mehr verstehen, warum ich mich ursprünglich gesträubt hatte."
Gibt es sonst noch kreative Outlets für Kira? "Ja, ich male - auf möglichst große Leinwände mit möglichst knalligen Farben." Wie sieht sich Kira als Sängerin? Gibt es Gesangsunterricht? "Ich nehme dann und wann Unterricht - aber mehr um meine Technik aufzufrischen. Eigentlich sollte man als Sänger ja ständig Übungen machen, aber das tut kein Mensch, weil das sehr langweilig ist. Ab und an gönne ich mir dann also mal eine Auffrischung, aber klassischen Gesangsunterricht habe ich nicht genommen. Ich denke auch, dass das ein Fehler ist, wenn man das als Popsänger macht. Ich möchte authentisch sein. Ich möchte anbieten, dass da in der großen Menschenmenge ein weiterer Mensch steht, der einfach etwas sagen möchte. Ich möchte das so ehrlich, offen und genau wie möglich tun - ohne eine bestimmte Botschaft zu haben." Was ist der Ausgangspunkt eines Kira-Songs? "Also ich habe bestimmte Phasen, in denen ich einfach beschließe, mal wieder was zu schreiben. Für mich fühlt sich das an, bei null anfangen zu müssen, denke aber, dass sich das Gefühl, etwas schreiben zu müssen, erst dann einstellt, wenn sich im Kopf eh schon etwas diesbezüglich abspielt. Ich setze mich dann vor ein weißes Blatt Papier mit dem Vorsatz etwas zu schreiben. Wenn sich dann nicht ganz schnell ein Thema findet, der Kern der Sache, dann höre ich ganz schnell wieder auf, weil man ansonsten anfängt, mit Worten zu jonglieren." Gibt es bestimmte, auslösende Momente? "Ich schreibe Musik und Text gleichzeitig", erklärt Kira, "es fängt dann mit einem bestimmten Satz an, den ich irgendwo aufgeschnappt habe. Damit spiele ich dann immer ein bisschen, indem ich mir vorstelle, dass es den Song bereits gäbe und ich den nur spielen wolle. Dieser erste Satz bleibt auch oft die erste Zeile. Daraus entwickelt sich dann der Song."
Kira
Nun hat Kira auf der neuen Scheibe auch mit anderen zusammengeschrieben. "Ja, aber das war sehr unterschiedlich", gesteht Kira, "bei 'Wenn die Sonne schräg steht' und 'Deine Leine' war es so, dass ich Texte zu bestehender Musik geschrieben habe. Mit Michael Hage habe ich aber nächtelang mit zwei Gitarren im Studio gesessen und zusammen geschrieben. Oder aber, wenn das nicht klappte, einfach miteinander geredet, bis der Wille da war, etwas davon zu vertonen." Welche musikalische Inspirationsquellen gibt es für Kira? "Das ist immer eine Frage, die mich völlig aus der Bahn wirft, weil ich nicht wirklich Idole habe, die ich benennen könnte oder denen ich nacheifern würde. Wahrscheinlich ist einfach alles in meinem Kopf zusammengeflossen und hat den Willen ergeben, singen zu wollen. Meine Familie ist z.B. komplett unmusikalisch und unkünstlerisch. Bei uns gibt es immer den Witz, dass alles, was an künstlerischem Talent bei uns vorhanden ist, bei mir abgeladen wurde." Gibt es für Kira musikalische Visionen die Zukunft betreffend? "Also Visionen würden mich jetzt überfordern", muss sie einräumen, "ich bin mittlerweile zu dem Entschluss gekommen, dass ich das alles überhaupt mache, um zu ordnen und zu verarbeiten, was ich sehe und erlebe. Es ist eine Art vorbeugende Therapie für mich. Wenn ich keine Musik machen könnte, würde ich sehr schnell von der Spur geraten und durcheinander kommen. Weil ich - wie viele kreative Leute - sehr schlechte Filter habe, glaube ich. Es kommt immer alles ungebremst rein in meinen Kopf. Und ich mache das alles, um zu verstehen, was in mir vorgeht. Es ist eine Reflektion. Eine Vision zu entwickeln, wohin das führen sollte, würde mich in dem Sinne also überfordern." Was macht denn einen guten Kira-Song aus? "Ich glaube, dass es mir speziell bei diesem Album wichtig war, etwas festzutackern und konkret zu machen. Es gibt bei diesem Album für jeden einzigen Ton einen Grund. Ich habe mich bei jedem noch so winzigen Signal gefragt, ob das unbedingt sein muss. Nur wenn der Song zusammengebrochen wäre, weil ich dieses oder jenes weggelassen hätte, habe ich es zugelassen. Dadurch gab es das Gefühl, dass alles handfest und bodenständig ist." Und wann gefällt Kira ein Song? "Wie bei den meisten Hörern ist das bei mir wohl der Sänger, der mich gefangen nimmt", überlegt sie, "ich kann das wohl anerkennen, wenn jemand einen guten Song hat, aber wenn der Sänger nicht 'sendet', wenn der mir nichts erzählt, wenn ich dem nicht glaube, dann ist sofort alles andere egal. Ich muss dem Sänger glauben und ich muss wissen wollen, wer das ist und was der erzählt." Wie sieht sich Kira als Texterin? "Ich mag Ironie, weil ich finde, dass die im Leben und im Alltag überall drinsteckt, und ich mag Bilder rund Umschreibungen. Wichtig ist mir die Balance, dass man diese Bilder verwendet und andererseits auf einer gefühlsmäßigen Ebene sehr klar ist. Das fasziniert mich total. Wohin ich das weiter entwickeln möchte, weiß ich aber momentan noch nicht - das wird sich zeigen."
Weitere Infos:
www.kira-online.de
www.groenland.com/deutsch/g_kira.html
Interview: -Ullrich Maurer-
Fotos: -Pressefreigaben-
Kira
Aktueller Tonträger:
Goldfisch
(Grönland/EMI)




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