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THE DEARS
 
Das Leben ist das Größte
The Dears
The Dears kommen aus Montreal, Kanada, und befinden sich damit momentan in allerbester Gesellschaft. Wie viele ihrer Landsleute auch, begreifen sie Musik aus einem eher kommunalen Gedanken heraus: Die Band um Songwriter Murray Lightburn besteht immerhin aus minimal sechs Personen, darunter Murrays Partnerin Natalia Yanchak, und zuweilen helfen auch Gäste aus anderen Bands wie z.B. den Stars aus. In ihrer Heimat zählen die Dears bereits zu den Eckpfeilern der Szene und nach einer kleinen Babypause legen The Dears nun mit "Gang Of Losers" ihr drittes Studioalbum vor. Und es ist eine ziemlich energische Angelegenheit geworden. Das mitten im Winter im heimischen Studio eingespielte Werk enthält eine bunte Mischung von ruppigen Gitarrenpop-Songs mit alternativer Note, die - entsprechend der Möglichkeiten einer sechsköpfigen Truppe - keine Mühen und Möglichkeiten scheuen was Arrangements und Stile betrifft - allerdings auch nicht mehr direkt ausufern oder in Extremen schwelgen, wie noch auf dem Vorgängeralbum "No Cities Left".
Die Entstehungsgeschichte dieser Aufnahmen kann man auf der Website auf Murrays Studio-Tagebuch nachlesen. Was uns aber interessiert ist, was hinter den 12 neuen Songs stecken mag. Doch es ist gar nicht so einfach, das herauszubekommen, denn Murray leidet fürchterlich an einem Jet-Lag und ist dementsprechend schläfrig aufgelegt. Auf die Frage, wer denn die im Titeltrack besungene Verliererbande sei, antwortet er - als sei dies ein brillantes Stück Enthüllungsjournalismus: "Ich habe herausgefunden, dass es kein 'wer' in der Verliererbande gibt." Hm - dabei heißt es doch "You and I are the gang of losers" in dem betreffenden Song. "Das ist mir natürlich schon klar", weicht Murray aus, "ich meine aber, dass das Konzept des Albums ist, dass es um mehr als diesen einen Song geht. Was das Album stattdessen tut, ist eine Menge Fragen zu stellen. Antworten gibt es allerdings nicht allzu viele. Also gibt es keine Verliererbande, sondern nur einen abstrakten, philosophischer Ansatz." Was war denn der Ausgangspunkt des Albums? "Das ist eine schwere Frage", überlegt Murray, "der erste Song, den wir nach dem letzten Album geschrieben haben, 'Lake Of Fire', hat es nicht mal auf die neue Scheibe geschafft. Es war alles ziemlich abstrakt. Wir haben eine Sammlung von Songs aufgenommen und dann hat sich ein gemeinsamer roter Faden herausgeschält. Es ging um verschiedene Themen aller Art. Dann stellten sich aber einige Wiederholungen ein. Also Songs, in denen es um dieselben Themen ging. Hier haben wir dann jeweils den mit der größten Wirkung ausgesucht. Wenn nun alles verschieden klingt, ist das das Ergebnis dieser Vorgehensweise."
Wie entstehen denn Murrays Texte? "Als Texter habe ich auf diesem Album aus meiner persönlichen Erfahrung heraus geschrieben", verrät er, "einfach deshalb, weil das das einzige ist, was ich wirklich kenne. Ich mag es nicht, vorzugeben zu wissen was jemand anderes denken könnte. Die Tendenz meiner Texte ist die, dass es kein Selbstmitleid gibt, dass es immer eine Lösung gibt und dass alles ehrlich und aufrichtig ist. Das haben wir immer schon so gehandhabt, auf diesem Album gibt es aber nicht mal den Versuch, etwas zu verschleiern. Gerade weil alles so persönlich ist, geht es am Ende weniger um mich, als vielmehr um den Zuhörer. Ich hoffe, dass der Zuhörer sich auch fühlt, als sei er das Thema des Songs, als ginge es um ihn." Muss Musik größer als das Leben sein? "Musik größer als das Leben?", fragt Murray erstaunt, "ich weiß nicht. Ich glaube eher, dass das Leben größer als die Musik ist und das spiegelt sich auch in unserer Musik wider. Eben weil es um das Leben geht. Und weil das Leben groß ist, macht es auch die Musik groß. Hm. Das ist ja ein Teufelskreis, oder?" Entstehen denn die Songs gemeinsam? "Also bei dieser Scheibe habe ich an den Songs bis zu einem bestimmten Punkt gearbeitet", gähnt Murray, "dann habe ich die Songs in den Probenraum mitgenommen und dort wurden sie dann von den anderen zusammengematscht. Jeder hat seinen Senf dazugegeben. Es ist schon eine Team-Arbeit. Ich bin lediglich der Initialzünder, der Fidibus."
The Dears
Auf "Gang Of Losers" scheint sich Murray gesangsmäßig besonders reinzusteigern. "Nun. Ich habe das Beste getan, dessen ich fähig war", meint Murray, "wenn sich der Gesang dieses Mal ein wenig intensiver anhört, dann vielleicht deswegen, weil wir so viel getourt sind. Ich habe versucht, ein wenig dieser Intensität ins Studio zu retten. Wir haben versucht, bestimmte Momente einzufangen und haben uns nicht so sehr um technische Perfektion bemüht. Bei den meisten Tracks habe ich mich einfach gehen lassen, die Augen geschlossen, die Musik auf mich einwirken lassen - und bevor ich es realisierte, waren die Aufnahmen im Kasten. Die meisten Tracks haben wir in einem Take aufgenommen. Nun gut - manchmal half auch ein halbes Glas Rum, das gebe ich zu." Woran merkt man denn, wann der Moment der Wahrheit gekommen ist; was macht einen guten Song aus? "Nun, die größte Herausforderung als Songwriter ist die, einen guten Song zu schreiben", lacht Murray, "und was einen guten Song ausmacht, ist für mich das Gefühl, der Menschheit etwas Sinnvolles beitragen zu können. Und das sollte auf eine Art passieren, die bei anderen eine Reaktion auslöst. Ich glaube nicht daran, dass man miesepetrige Musik machen sollte. Nun ist es ja zum Glück so, dass die Dears keine Mainstream-Band sind - und so können wir uns selbst und unsere Zuhörer auch ein wenig herausfordern. Und somit haben wir die Möglichkeit, Songs zu kreieren, die bei anderen 'mitschwingen'..." Auch wenn Murray sich und die Dears ein wenig von dem kanadischen Gedanken abgrenzt: "Gang Of Losers" ist wieder ein Mal ein Beleg für die kreative Energie, die momentan aus kanadischen Studios quillt. Wenn schon Loser, dann bitte nur solche...
Weitere Infos:
www.thedears.org
www.myspace.com/thedears
www.bellaunion.com/artist.php?artcode=thedears
en.wikipedia.org/wiki/The_Dears
de.wikipedia.org/wiki/The_Dears
Interview: -Ullrich Maurer-
Fotos: -Pressefreigaben-
The Dears
Aktueller Tonträger:
Gang Of Losers
(Bella Union/Cooperative Music/Rough Trade)




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