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ELEMENT OF CRIME
 
Unter Banditen
Element Of Crime
"Das ist mein Medium", meint EOC-Gitarrenspieler Jakob Friderichs, als er den Mini-Disc-Walkman entdeckt, mit dem beigefügter virtueller Gruß aufgezeichnet wurde, und schwärmt dann davon, wie toll man mit diesem Medium doch seine alten Tape-Sammlungen konservieren und wie super man Sampler damit zusammenstellen kann. Die Begeisterung für die Möglichkeiten der modernen Kommunikation werden bei EOC eh GROSS geschrieben. Überall stehen Laptops mit Anschluß ins Internet herum, werden Online-Chats gefahren und das aktuelle Tour-Tagebuch auf der EOC-Homepage (www.element-of-crime.de) kontrolliert. Dortselbst sind soeben die Fotos vom vergangenen Abend zu bestaunen - aufgenommen mit einer digitalen Kamera. Überhaupt spielt die Technik momentan bei EOC eine große Rolle. Allerdings nicht des Selbstzwecks wegen, sondern um musikalische Visionen zu verwirklichen. Sicherlich ein Grund, warum man sich zur Produktion des aktuellen Albums "Psycho" ins legendäre Can-Studio zurückzog.
"Ja, das war schon was besonderes", schwärmt Jakob, "wir waren zum ersten Mal da. Es hat diese ganz besondere Atmosphäre. Ich würde sogar soweit gehen zu sagen, daß es einen eigenen Klang hat. Es ist ein großer Raum in dem alles zugleich passiert. Und hier sind auch viele unserer Stücke entstanden - z.B. beim Jammen am Küchentisch. Es ist hier einfach alles möglich."

Das deutet bereits die momentane Herangehensweise an's Medium an. Die Songs der neuen Platte erscheinen vielschichtiger und moderner als bisher. Das liegt z.T. an den bereits angesprochenen Möglichkeiten des Can-Studios, z.T. am Wegfall des zwar immer wieder gerngehörten, aber auch prägenden Akkordeons und letztlich wohl auch an der Art, wie die Stücke zustandekamen.

"Wir sind dieses Mal zum ersten Mal ohne Stücke ins Studio gegangen", erläutert Jakob, "das war neu für uns. Sven machte seine Texte wie üblich und wir hatten diese und jene Idee. Der Rest ergab sich dann aber erst durch unser Zusammenspiel und das gegenseitige Reagieren aufeinander. Das war sehr spannend und so entstanden Strukturen, auf die wir sonst nicht gekommen wären."

Diese Art der Herangehensweise ist sicherlich auch erst dadurch möglich, daß EOC schon ewig lange zusammen spielen und alle Höhen und Tiefen bereits durchlaufen haben. EOC sind mittlerweile einer der beständigsten deutschen Acts des musikalischen Mittelstandes. Das meint: Mit einer soliden Fangemeinde, ordentlichen Erfolgen aber noch außerhalb des unnötigen Mainstream-Stadien-Superstar-Zirkus. Sowas verlockt natürlich zur gefährlichen Routine. Vor einiger Zeit überlegte man sich gar, aufzuhören. Auf die Frage, warum dies nicht passierte, und ob Jakob vielleicht für deutsche Bands einen Tip habe, wie man den hierzulande beinahe üblichen Kollaps nach der zweiten Platte vermeiden kann, antwortet er:

Element Of Crime
"Nun ja, in jeder Band stellt sich irgendwann mal die Frage, ob es noch Sinn macht, weiterzumachen. Einen richtigen Tip für andere Bands habe ich eigentlich nicht. Es hat uns sicherlich geholfen, daß wir Erfolg hatten. Und für mich hat es sich herausgestellt, daß es wichtig ist, neben der Musik noch irgendetwas anderes zu haben. Was auch wichtig ist, ist sich gut streiten zu können. Wir reiben uns immer mal wieder aneinander und dann gibt es richtig Zoff. Wir können uns aber darauf verlassen, daß dann nachher auch wieder alles klar ist. Das ist wichtig. Es kommt bei der Musik halt darauf an, sich immer wieder neu zu begeistern. Im Augenblick sind wir jedenfalls gut drauf. Sven (der Sänger) hat eine ganz neue Art gefunden, mit dem Publikum umzugehen. (Früher sagte er z.B. zwischen den Stücken kein Wort, mittlerweile hat er sich mit charmanter Eloquenz zu einem unverbindlich-unterhaltsamen Conferencier entwickelt). Und wenn wir jetzt live spielen, dann spielt sich auch untereinander unheimlich viel ab. David (Young - Produzent, Freund und zweiter Gitarrist der Band) und ich ergänzen uns z.B. unheimlich gut. Unser Gitarrenspiel ist miteinander verwoben und da ergeben sich ganz neue Klangwelten. Sowas macht einfach Spaß."

Diese lockere Herangehensweise schlug sich, wie gesagt, auch auf die neuen Stücke nieder. Ebenso wie die Atmosphäre des Can-Studios. Zusammen mit den rätselhaften Inhalten der Tracks (Sven erklärte während des Konzertes in der Krefelder Kulturfabrik - nur halb scherzend - daß dieses oder jenes Stück mehr oder minder sinnlos sei) ergibt sich so ein ganz neues EOC-Bild. Da ist z.B. dieses Cover, mit dem schlafenden Mini-Pferd und der Titel "Psycho".

"Ja, das Cover. Da gibt es diesen Typen, der züchtet Pferde, bei denen kann man schon nicht mal mehr von Pony reden. Die sind so klein, daß sie als Haustiere durchgehen. Diese Idee faszinierte uns. Deswegen das Cover-Foto."

Element Of Crime
Okay, aber was hat denn das mit EOC zu tun.

"Nichts. Muß es das? Nimm z.B. den Titel "Psycho". Mich erinnert der an Psychedelic. Ich denke, das paßt auch ganz gut zu unseren neuen Stücken, wo sich soundmäßig eine Menge abspielt. Wie gesagt: Das ist mein Eindruck. Der ist aber nicht definitiv und soll es auch gar nicht sein. Da kann sich jeder drunter vorstellen, was er möchte. Das gilt auch für unsere Musik und besonders für Sven's Texte."

Das hilft ja nun nicht gerade weiter. Allerdings kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, daß es das auch gar nicht soll. EOC sind keine Prediger und keine Bilderstürmer. Sie haben eine Nische im Rockbusiness für sich entschlossen und bauen diese ständig aus. So kommt - weder bei den Platten, noch bei den (erfrischend "unrockigen") Konzerten - jemals dieses ungute Gefühl der Austauschbarkeit oder Beliebigkeit auf, welches man bei anderen Bands schon mal hat. Und das ganz ohne andererseits kopflastig und verstiegen zu wirken. Wenn das der goldene Mittelweg ist, dann haben ihn EOC gefunden.

Ein Gruß per MP3-Datei von Element Of Crime (61KB, gezipped)

Weitere Infos:
www.element-of-crime.de
Interview: -Ullrich Maurer-
Fotos: -Ullrich Maurer-
Element Of Crime
Aktueller Tonträger:
Psycho
(Motor Music)


Element Of Crime

 
 

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