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FOLK IMPLOSION
 
Frösche und wichtige Schlaflieder - neue Erkenntnisse von Folk Implosion
Folk Implosion
Lou Barlow kämpft seit dem Mittagessen erfolgreich gegen die gar nicht mal so kleine Mini-Bar und John Davis ist seit dieser Zeit spurlos verschwunden. Es geht jetzt stramm auf's Abendessen zu und es stehen noch etliche Interviews an. Darunter auch unseres. Das ist das, was man gemeinhin als Alptraum eines jeden Rock'n'Roll-Promoters bezeichnet. Doch dann ist wieder alles halb so schlimm. In letzter Sekunde taucht John auf, als sei nix gewesen und Lou kann immerhin noch Flaschen öffnen und ohne danebenzuklecksen eingießen. Ob sie denn etwas über die Entstehungsgeschichte des neuen Albums, "One Part Lullabye", erzählen möchten, lautet die unverbindlich in den Raum gestellte Frage an die beiden Folk Implosion Impresarios. Während Lou das Albumartwork sucht, wasserfällt John drauflos:
"Dieses Mal war alles total anders als beim letzten Album", erklärt er, "Lou ist nach L.A. gezogen und wir hatten vergleichsweise wenig Zeit, die Sache fertigzustellen. Wir wollten nicht in ein großes Studio gehen, wegen des Drucks und der Atmosphäre, und so entschlossen wir uns denn, die Sache großteils zu Hause aufzunehmen. Wir haben mit Pro-Tools gearbeitet..."

Pro-Tools ist eine Computersoftware auf MAC-Basis, mit Hilfe derer sich im Rechner die Tracks zusammenfriemeln lassen und die darüber hinaus auch den Einsatz von Samples ermöglicht. Ben Lee hat z.B. damit gearbeitet.

"Ja genau", stimmt John zu, "das witzige ist, daß Ben sein Album ungefähr zur selben Zeit aufgenommen hat, wie wir. Das Gute an Pro-Tools ist, daß es billiger ist, als auf Band aufzunehmen, da kannst Du mehr ausprobieren. Dadurch kannst Du auch die Spontaneität beibehalten, was wichtig ist. Der einzige bremsende Faktor ist, daß die Tracks so lange zum Abspeichern brauchen."

Trotz des Einsatzes des Computers klingt "One Part Lullabye" aber ziemlich organisch.

"Es kommt immer darauf an, was Du daraus machst. Uns ging es jetzt vor allem um unser Konzept: Lou hat alle Tracks gesungen und sich um die Lyrics gekümmert, und ich um die Gitarren und den Rest."

"Das ging auch schneller", meint Lou, "denn wenn wir noch die Lyrics diskutiert hätten, wären wir nie fertig geworden. Und noch was (schließlich hat er das Artwork gefunden, welches allerlei seltsame Instrumente zeigt - Harfen, Dulcimer, eine elektronische Autoharp): Schau Dir das mal an. Das haben wir alles verwendet."

"Wir beide lieben Folk-Musik", ergänzt John, "und deshalb lag es nahe mit diesen Instrumenten rumzumachen. Wir wollten aber nicht, daß es wie Folk klingt. Deshalb gab's dann ja noch die Samples - z.B. die Frosch-Samples auf dem Instrumental..."

Welche Funktion hat dieses eigentlich? Gibt's einen neuen FI-Soundtrack (à la "Kids")?

"Nein. Wir haben bloß keine Lyrics dafür hingekriegt", lüftet Lou das Geheimnis, "ich meine, ich hatte ungefähr ein Buch voll dafür geschrieben, aber nix paßte. Und dann haben wir es so gelassen."

Folk Implosion
"Nun ja, es hat schon eine ordentliche Entwicklung durchgemacht", wendet John ein, "jetzt klingt es ja nach James Bond, aber ursprünglich - mit den ganzen Frosch-Samples - klang es furchterregend. Schau mal auf unsere Homepage, da haben wir Rough-Mixes als MP3-Files drauf. Ein weiterer Grund, das Stück draufzunehmen, war, daß zunächst alles ziemlich monochromatisch klang."

Nun, eigentlich klingt die Scheibe doch recht abwechslungsreich ?!?

"Ich will ja jetzt nicht negativ erscheinen, aber ich singe alle Tracks", gibt Lou zu, "das hörte sich zunächst ganz schön gleichmäßig an."

"Das ist ja das Spannende", erklärt John, "daß sich die Tracks so stark verändern. Insbesondere mit allen Möglichkeiten, die Pro-Tools bietet. Wir sind dadurch effektiver. He, Mann, wir sind sogar unterhalb des Budgets geblieben. Das ist ungewöhnlich, für einen Major-Deal."

In den USA sind FI auf Interscope, was eigentlich ein Universal Label ist. Irgendwie kommt die Scheibe in Deutschland auf Domino raus. Das ist auch Rock'n'Roll. Pro-Tools hin und Pro-Tools her: Wie soll das denn live umgesetzt werden?

"Gar nicht", meint John, "wir betrachten die Sache als Studio-Projekt. Wir werden zwar ein paar akustische Promo-Shows absolvieren, aber nicht touren. Vielleicht machen wir noch ein Video. Dann gibt's noch die Homepage, ein paar Interviews - und das war's dann. Lou tourt ja mit Sebadoh und ich mache akustische Solo-Sachen. Das soll's denn sein."

Inhaltlich gibt's wieder Lou's seltsam-persönliche Beobachtungen, die jeweils aus bestimmten Betrachtungsweisen herrühren und dabei z.T. Verblüffendes zu Tage fördern. (z.B. "My Ritual") Was aber hat der Titel des Albums, "One Part Lullabye", zu bedeuten?

"Life's one part Lullabye and two parts Fear", erläutert John, "das ist ein Oscar Wilde Zitat, welches Lou's Frau irgendwo ausgegraben hat. Das paßte ziemlich gut zu unserer Platte. Wir versuchen ja immer, mit den Erwartungshaltungen des Zuhörers zu spielen - wie auch bei "Dare To Be Surprised"."

O.K. Da es bei Lou & Co. Jedoch immer eher um düstere Themen wie Enttäuschung, Frust oder eben Angst ging: Warum hat man denn gerade den "Schlaflied"-Teil des Zitats als Titel genommen und die Scheibe nicht etwa "Two Parts Fear" genannt?

"Weil Schlaflieder so viel wichtiger sind als Angst", meint Lou und liefert damit ein Schlußwort, wie es schöner nicht hätte sein können.

Ein Gruß per MP3-Datei von John Davis (76KB, gezipped)

Weitere Infos:
www.folkimplosion.com
Interview: -Ullrich Maurer-
Fotos: -Pressefreigaben-
Folk Implosion
Aktueller Tonträger:
One Part Lullaby
(Domino Records/Zomba)


Folk Implosion

 
 

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