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ELENI MANDELL
 
Händchenhalten
Eleni Mandell
Eleni Mandell hat mit "Miracle Of Five" ihren eigenen Stil gefunden, so scheint es. Orientierten sich die bisherigen Scheiben immer gerne an bestimmten Fixpunkten der Musikhistorie, so erscheinen die neuen Songs unter einem ganz eigenen Aspekt. Obwohl bereits die noch leicht verstiegenen Songs ihrer CDs "Wishbone" oder "Snakebite" ihren eigenen Charme hatten und sie auch mit klassischen Country-Songs und straighten Jazz-Nummern (wie z.B. auf der EP, die der letzten CD, "Afternoon" als Bonus beilag) immer gut aussah, waren es aber letztlich immer wieder die Stücke, die sich keiner bestimmten Stilrichtung zurechnen ließen, bei denen Eleni - auch als Sängerin - ihre größte Wirkung entfaltete. Und davon finden sich eben auf der neuen Scheibe viele. Die Stücke sind darüber hinaus allesamt leichter als gewohnt in der Anmutung und zuweilen auch recht humorvoll.
"Das ist auch gut so", meint Eleni bestimmt, "ich hatte ungefähr 24 Songs geschrieben, die mich irgendwie interessierten. Die habe ich dann meinem Produzenten, Andy Kaulkin, vorgespielt und er hat diejenigen ausgesucht, die seiner Meinung nach am besten zusammenpassten. Ich habe zwar noch um einige andere gekämpft, muss aber im Rückblick feststellen, dass seine Auswahl genau richtig war." Kaulkin war es auch, der vorschlug, die Songs zunächst einmal solo mit Gitarre aufzunehmen - und erst dann die Musiker hinzuzuholen. So gibt es mehr Raum für Eleni, die Sängerin, sich zu entfalten. "Ja, denn ich habe mich immer schwer getan, gegen eine Band anzusingen", gesteht sie, "es war vielleicht für die Musiker ziemlich schwer, da sie nicht mit den anderen Musikern interagieren konnten, da wir alles schrittweise aufnahmen, weswegen auch alles ziemlich lange dauerte. Dafür konnte mein Drummer so laut spielen, wie er wollte - was er ziemlich gut fand." Und wie war die Scheibe konzeptioniert? "Andys Ansatz war der, die Atmosphäre für die ganze Scheibe festzulegen - was eigentlich auch ganz gut funktioniert hat. Es ist also eine Stimmungs-Scheibe geworden, die dich auf eine Reise mit den gleichen Stimmungen, Gefühlen und Sounds nimmt. In der Vergangenheit bin ich immer zu viel herumgesprungen, wie sich nun herausstellte." In Anbetracht dessen, dass die Stücke so optimistisch klingen: Gab es dieses Mal mehr Anlässe, Songs zu schreiben? "Ich schreibe nur dann Songs, wenn die Songs auch zu mir kommen", führt Eleni aus, "ich warte auf die Inspiration. Außer vielleicht, wenn ich einmal gebeten werde, etwas für einen konkreten Anlass wie einen Film oder so etwas zu schreiben. Meistens schreibe ich aber nur dann, wenn ich mich danach fühle. Das braucht natürlich ein wenig Geduld. Es gibt aber immer genug Songs. Ich habe jetzt schon wieder welche für die nächste CD." Inwieweit wirkt sich die Umgebung auf Elenis Songwriting aus? Eigentlich müssten die Songs doch ein wenig hektischer sein - stammt sie doch immerhin aus Los Angeles. "Nun, Los Angeles ist ziemlich einzigartig. Es ist keine offensichtlich schöne Stadt, aber es gibt versteckte Schönheiten, die man entdecken muss. Es gibt die Film-Industrie mit ihren oberflächlichen, schönen Leuten auf der einen Seite, aber auch viele echte, warmherzige Menschen auf der anderen Seite. Ich denke, dass diese Art von Komplexität mich beeinflusst hat. Und auch der Umstand, dass LA sehr groß ist, dieses Gefühl der Weite. LA ist zwar hektisch - aber nur, wenn man von einem Job zum nächsten hetzen muss. Ich bin glücklich genug, dass ich außer meiner Musik keinen zweiten Job machen muss, so kann ich mir ein wenig mehr Muße nehmen. In meiner Nachbarschaft gibt es alles, was ich brauche in meiner Nähe. Ich kann sogar in den Hügeln spazierengehen."
Wie kamen dann die Arrangements zustande, die für Eleni eine Abkehr von der reinen Lehre darstellen? "Alles, was mir nicht gefiel, landete auch nicht auf der Scheibe", fasst sie es zusammen, "Andy Kaulkin ist ein richtiger Produzent im klassischen Sinne. Er hörte sich meine Songs sehr genau an und hatte tolle Ideen, die ich selber nie gehabt hätte, weil er aus einer ganz anderen Welt kommt. Er ist selber auch ein Musiker und obendrein der Chef eines Plattenlabels und er arbeitet z.B. auch mit Hip-Hop-Bands zusammen. Er hat also Dinge vorgeschlagen und für gewöhnlich waren sie großartig. Ich war aber - wie auch beim Mischen - immer dabei und involviert. Ich bin schließlich der Boss." Das Interessante an der neuen Scheibe ist, dass man sie nicht mehr einem bestimmten Stil zuordnen kann. War das beabsichtigt? "Das ist halt wie ich bin", erklärt Eleni, "das Gute an dieser Scheibe ist, dass, obwohl man noch verschiedene Stile heraushören kann, doch alles gut zusammenpasst. Es ist eine Sammlung von Songs, die besser zusammenpassen, als früher." Hört man dabei vielleicht noch Elenis Vorliebe für Tom Waits heraus? "Nein, dieses Mal nicht", streitet sie ab, "früher wollte ich ja durchaus klingen wie er, und sogar so singen. Aber auf dieser Scheibe habe ich mich erstmals wie ich selber gefühlt und wollte überhaupt nicht wie jemand anderes klingen. Ich habe aber eine Menge von Tom Waits gelernt." Was waren denn die Inspirationsquellen für dieses Album? "Ich bekomme meine Inspirationen nicht davon, dass ich andere Musik anhöre", gibt Eleni zu bedenken, "aber ich habe mich von Harry Nilssons Ideen, seinen Arrangements und seinem Gesang inspiriert gefühlt. Des Weiteren war ich immer offen für Ideen meines Produzenten und meiner Musiker. Darüber hinaus wollte ich, dass die Stücke einfacher sein sollten." Inwiefern einfach? "Was die Texte betrifft und auch die Instrumentierung", spezifiziert Eleni, "es passiert zwar eine ganze Menge, es ist aber alles sehr straight und organisch. Das, was diese Scheibe ausmacht, ist, dass sie besser klingt als meine anderen Scheiben - fast dreidimensional - und mein Gesang besser zur Geltung kommt. Rob Schnapf, der auch mit Elliott Smith gearbeitet hat, hat einen großartigen Job beim Mixen gemacht und Dinge hervorgekitzelt, die sich auf meinen anderen Scheiben nicht finden. Ich finde, es ist wichtig, die Leute, die involviert sind, auch kreativ sein zu lassen. Dadurch sind sie an dem, was sie tun, einfach interessierter und engagieren sich mehr."
Eleni Mandell
Wovon handeln Elenis neue Stücke? "Von ganz verschiedenen Themen", antwortet sie ausweichend, "'Salt Track', das Stück über einen Streuwagen, handelt z.B. von einer Reise von Detroit nach New York, auf der ich zum ersten Mal in meinem Leben in einen Schneesturm, einen Blizzard, kam. So etwas hatte ich noch nie gesehen. Als ich den Streuwagen sah, wusste ich, dass wir es schaffen würden. Das ist auch so etwas wie eine Metapher. Viele Bilder wachsen mit der Zeit und ergeben am Ende Metaphern. 'Moonglow Lamplow' war eine Art Visitenkarte für die Scheibe, die mich auf romantische Weise an meine Heimat erinnert. Der 'Twin-Song' handelt von der Idee, dass jeder irgendwo da draußen seine andere Hälfte, seine Seelenverwandschaft hat - dass sie nur nicht jeder findet." Was war denn die größte Herausforderung, was das Songwriting betrifft? "Weil ich mich mit dem natürlichen Prozess des Wartens auf die Inspiration akzeptiert habe, versuche ich heutzutage gar nicht mehr erst, etwas zu erzwingen. Es ist immer enttäuschend für mich, wenn ich nicht schreiben kann, weil mir dieser Prozess viel Freude und spirituelle Genugtuung verschafft. Die Herausforderung war und ist also, zu akzeptieren, wenn es mal nicht so läuft wie es sollte. Ich betrachte den Prozess dabei gar nicht mal als Arbeit. Ich bin zuletzt aufgefordert worden, einen Song für einen Film zu schreiben - was eine Herausforderung ganz anderer Art ist - aber normalerweise ist Songwriting eher ein Privileg als eine Arbeit." Was ist denn Arbeit? "Das Herumreisen ist Arbeit", überlegt Eleni, "ich liebe es, aufzutreten. Aber man ist halt von zu Hause und von den Freunden und der Familie weg." Mit "Miracle Of Five" ist Eleni ihr bisheriges Meisterstück gelungen. Bezeichnete sie sich zur letzten CD, "Afternoon", noch als "hoffnungslos altmodisch", hat sie mit der neuen CD - ganz ohne sich zu verbiegen oder gar zur verleugnen - zweifelsohne den Anschluss an die Moderne geschafft und obendrein ihr Profil als wandlungsfähige Songwriterin gefestigt.
Weitere Infos:
www.elenimandell.com
www.myspace.com/elenimandell
Interview: -Ullrich Maurer-
Fotos: -Pressefreigaben-
Eleni Mandell
Aktueller Tonträger:
Miracle Of Five
(V2/Rough Trade)




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