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NILS KOPPRUCH
 
Vogelsterben
Nils Koppruch
Bereits im letzten Jahr gab Fink-Gründer und Frontmann Nils Koppruch erste Konzerte außerhalb des gewohnten Band-Kontextes. Damals sah das aber noch alles ziemlich harmlos aus, doch jetzt ist klar: Fink ist tot, es lebe Nils Koppruch. Mit "Den Teufel tun" präsentiert Nils nicht nur seine erste Solo-Scheibe, sondern auch eine neue Perspektive: "Die Entscheidung, ob es Fink weiter geben würde oder nicht, lag bei mir", nimmt Nils die Schuld auf sich, "es hatte wieder eine Neubesetzung geben müssen und da musste ich ein wenig länger drüber nachdenken, ob ich das will - und das wollte ich nicht. Es ist so, dass wir sehr viel musikalisch zusammen abgesteckt haben und ich habe mir gedacht, dass das da auch ein Ende haben könne. Ich habe nämlich zuletzt dann ein Problem bekommen, wenn ich auf der Bühne 'Hallo wir sind Fink' gesagt habe und mich dann fragen musste, für wen ich da eigentlich spreche. Ich wollte natürlich immer für die Band Fink sprechen, aber wenn ich dann auch für Leute sprechen musste, die schon lange nicht mehr dabei waren und die auch gar nichts mehr mit dem Projekt zu tun haben wollten, führte dazu, dass es immer schwieriger wurde, die Band als solche zu definieren."
Es war ja so, dass Fink zeitlebens vom Schreckgespenst des Personalkarussels verfolgt wurde und die Band zuletzt fast nur noch aus Mitgliedern von anderen Bands (z.B. Missouri) bestand. "Das hat auch ziemlich geschlaucht, auch wenn es nach außen nicht so ausgesehen hat", fügt Nils hinzu. Ein witziger Zufall: Nils ist ein großer von von Bill Callahan, der genau zu dem Zeitpunkt, zu dem Nils das tut, auch seinen Bandnamen, Smog, ablegt und als Solo-Künstler reüssiert. Kommen wir mal zur neuen CD: Diese ist ja im Vergleich zu den Fink-Werken sehr viel zurückgenommener. Ohne Nils etwas unterstellen zu wollen, klingt diese gar auf gewisse Weise wie ein modernes Folk-Album. Ist das jetzt das Maß aller Dinge, oder ist "Den Teufel tun" so etwas wie eine Übergangs-Scheibe? "Also für mich war das gar nicht von Anfang an so super-selbstverständlich, dass ich so schnell wieder eine Platte machen würde. Ich hab erst mal angefangen, Songs zu schreiben und mich damit beschäftigt, was ich ich eigentlich machen wollte, nachdem ich die Home-Base verlassen habe und worum es mir eigentlich geht. Ich glaube auch, dass man das aus dem neuen Material heraushören kann. Ich sehe das jetzt nicht als Übergang, aber das muss man später beurteilen. Ich habe nach wie vor nicht so einen Plan davon, was ich in fünf Jahren machen möchte. Jetzt weiß ich, dass ich die Songs möglichst wenig ausschmücken und vom Grundgerüst des Songs ablenken wollte." Da stellt sich doch gleich eine Interessante Frage: Ist es eigentlich zwangsläufig so, dass, wenn man einen Song auf seinen wesentlichen Kern zurückführt, das unbedingt akustisch erfolgen muss? "Das ist ein bewusster Schritt gewesen, der auf einer theoretischen Idee beruht", erklärt Nils, "denn eigentlich wollte ich Songs machen, die auch jeder nachspielen kann. Es ist wirklich eine abstrakte Idee: Dieser Tonträger, diese CD wird es irgendwann nicht mehr geben. Aber diese Songs kann man mit geringsten Mitteln nachstellen - und zwar mit Mitteln die schon seit hunderten von Jahren verwendet und auch weiter verwenden wird. Mit elektronischer Musik wäre das nicht möglich."
Nils Koppruch
Die Blaupause für einen Song in der Art, wie ihn Nils beschreibt ist das Stück "Ein Mal". Es handelt sich hier um ein simples Mantra, das nicht nur immer wieder wiederholt wird - nein - der ganze Song ist auch komplett zwei Mal hintereinander geschnitten. Was ist denn die Funktion eines solchen Experimentes? "Das ist die Idee einer Endlos-Schleife", meint Nils, "wenn ich in dem Bewusstsein lebe, einen Moment wirklich einmalig wahrzunehmen, dann wird das nächste Mal das erste Mal sein. Und da habe ich mir den künstlerischen Spaß gemacht, den Song zwei Mal identisch hintereinander zu schneiden." Gibt es hinter dem Titel der CD auch eine mehrdeutige Bedeutung? "Ich habe den Titel, der auch der Titel eines Songs auf der Scheibe ist, genommen, weil er für mich die größte Bedeutung hat", führt Nils aus, "es ging ja darum, warum ich das mache und wonach ich suche. Und dann hat mich noch der Wortsinn des Titels interessiert; dem Teufel nicht nur eine Absage zu erteilen, sondern sich ihm auch zu stellen und ihn herauszufordern, zu versuchen. Damit habe ich herumgespielt. Die Geschichte des Liedes selbst habe ich geträumt. Natürlich noch nicht ausformuliert, aber die Geschichte von dem Mädchen, das so schön singt, dass sich der Teufel ertränken muss, hat mich im Traum dermaßen fasziniert, dass ich einen Song daraus machen musste. Und letztlich kannst du es einfach aus so verstehen, dass ich nicht aufgeben werde. Ich werde den Teufel tun. Ich werde meine Arbeit weiter zur Disposition stellen und dafür eintreten." Was macht ein Song denn für ihn aus? "Das kann ich technisch nicht sagen", überlegt Nils, "aber es muss ein Song sein, den du singen willst - zum Beispiel wenn du in den Keller gehst und Angst hast. Oder wenn die Sklaven den Löwen vorgeworfen werden - wie in 'Quo Vadis' - und dann anfangen zu singen, um sich gegenseitig Trost zu spenden. Nach so etwas suche ich." Was war denn die musikalische Inspirationsquelle für das neue Material? "Ich habe nicht etwas Bestimmtes gehört, was mich dann beeinflusst hätte", erklärt Nils, "es hat halt mit der Musik zu tun, die mich auch interessiert. Und das sind halt schon Leute wie Bill Callahan, die eine innovative Art haben, sich in so einer Tradition wie dem Songwriting sich seinen Platz zu suchen, und dann neues Hinzuzufügen und den Kanon zu erweitern." Nils ist im Zweitberuf ja auch Maler - hat aber bislang noch kein Cover selbt gestaltet. Was ist hierfür der Grund? "Nun, ich habe die Künstlerin, Nathalie Huth, deren Motive auf dem Cover sind, kennengelernt und schon vor einiger Zeit ein Bild von ihr gekauft. Ich fand, dass ihr geheimnisvoller und mythische Ausdruck gut zu meiner Musik passen. Ich glaube, dass diese Motive den Songs noch ein Moment hinzufügen, das ich mit meiner eigenen Arbeit nicht hätte erreichen können. Früher wollte ich meine Malerei immer von der Musik trennen, weil ich Furcht davor hatte, dass die Leute meine Malerei nach meiner Musik beurteilen oder umgekehrt. Aber im Laufe des letzten Jahres habe ich mir gesagt: 'Sorry, aber das bin ich.' Wenn das so ist, dann ist das eben so. Ein Plattencover würde ich dann machen, wenn es das unterstützt, was ich auch musikalisch mache. Aber in dem Fall denke ich dass die Arbeiten der Sache eher eine neue Dimension hinzufügt."
Weitere Infos:
www.nilskoppruch.de
Interview: -Ullrich Maurer-
Fotos: -Ullrich Maurer-
Nils Koppruch
Aktueller Tonträger:
Den Teufel tun
(V2/Rough Trade)




Nils Koppruch

 
 

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