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GUS GUS
 
Die Übermenschlichen
Gus Gus
"Superhuman" heißt ein Track des neuen Albums "This Is Normal" des isländischen Künstlerkollektivs. In der Tat ist dies eine recht treffende Beschreibung, denn in vielerlei Hinsicht klingt dieses neue Werk noch organischer, homogener und eben menschlicher als das überraschende Erstlingswerk "Polydistortion". Vielleicht liegt das daran, daß dieses Mal viel mehr Wert auf das Songformat als solches gelegt wird. Das soll nun nicht heißen, daß man auf die neuen Gus Gus nicht mehr tanzen kann, oder das sich das Material nicht wieder für wilde Remixes eignen würde. Daneben gibt es aber vor allen Dingen jede Menge Tracks, die man ohne weiteres als Popsongs bezeichnen darf. Was ist denn da passiert? Daniel Agust und Siggi Kjartansson waren jetzt vor Ort um diese und ähnliche Fragen zu klären.
Siggi: "Das ist richtig, das neue Album ist schon ziemlich anders als das erste. Das ist so zu verstehen, daß das erste praktisch ein Zufall war. Wir arbeiteten damals an einem Filmprodukt und die Platte war eher ein Nebenprodukt. Wir hätten niemals damit gerechnet, daß die so ein Erfolg würde. 1000 CD's zu verkaufen war damals der Masterplan - erst dann kam 4AD auf uns zu. Jetzt hat sich die Sache quasi umgekehrt. Wir machen Filme nur noch für unsere Live-Shows, die so eine Art Mischung aus Film, Musik und Performance werden sollen. Daran arbeiten wir gerade. Für das neue Album haben wir uns nun mehr Zeit genommen, insbesondere für's Songwriting. Wir haben alle Stücke fertig gehabt, bevor wir ins Studio gegangen sind."

Das mit der Filmgeschichte überrascht nicht direkt (was soll man in Island auch sonst machen?) - zumal die Musik von Gus Gus eh immer klingt, als sei sie direkt einem Soundtrack entsprungen. Bestes Beispiel auf dem neuen Album ist der märchenhaft schöne Track "Bambi".

Siggi: "Genau. Den Song hatten wir schon fertig und überlegten, wie wir ihn umsetzen könnten. Es ging darum, dieses Gefühl wiederzubeleben, daß man hat, wenn man einen Disney-Film gesehen hat - deswegen auch "Bambi". Uns wurde sehr schnell klar, daß wir den Song total zerstören würden, wenn wir ihn in eine elektronische Umgebung setzten. Deswegen haben wir uns diese Streicher-Arrangements schreiben lassen und ihn akustisch aufgenommen."

"Bambi" und andere Songs wie "Ladyshave" zeugen zudem von einem ganz spezifischen Humor der Band.

Siggi: "Ja, das war uns immer schon wichtig. Ich denke, daß in der Vergangenheit kaum jemand unseren Humor so richtig bemerkt hat. Im Gegenteil, wir haben immer zu hören bekommen, wir seien zu ernst."

Nun, zumindest bei den Live-Shows war doch das Unterhaltungselement immer schon ziemlich vorhanden. Schon dort konnte man merken, daß Gus Gus nicht immer alles todernst meinen. Was sich auf "This Is Normal" fortsetzt - insbesondere bei den Texten, die sich zuvorderst mit den kleinen Unwägbarkeiten von Beziehungskisten beschäftigen.

Einer der Gründe, warum "This Is Normal" desweiteren so anders daherkommt als "Polydistortion" ist der, daß Gus Gus es dieses Mal geschafft haben, die Songs in genau der richtigen Länge zu plazieren. Auf "Polydistortion" zerfaserten die Sachen doch zuweilen unkonzentriert im Nichts.

Siggi: "Zum Teil ist das richtig, zum Teil aber nicht. Es hing damit zusammen, daß das Album, welches wir bei 4AD veröffentlichten, ein anderes ist, als das, was wir ursprünglich aufnahmen. Da waren die Tracks eher noch länger - es war halt ein ganz anderes Konzept. Jetzt stand in der Tat der Song im Vordergrund. Indem wir die Texte vorher fertig hatten, hatten wir auch ein Gerüst, an dem wir uns orientieren können. Der Rest kam dann peu a peu dazu."

Wie funktioniert denn überhaupt die Arbeit im Studio?

Gus Gus
Siggi: "Nun, wir hatten dieses Mal, wie gesagt mehr Zeit. Das größte Problem war, daß wir diese Unmenge an Möglichkeiten hatten. Wir mußten also zunächst mal das Wesentliche des Songs herausarbeiten, um uns nicht zu verzetteln. Dabei hatte uns die Struktur schon sehr geholfen. Dann packte halt jeder seine Ideen dazu. Es mußte halt viel ausprobiert werden."

Dennoch oder deswegen gibt es auch auf "This Is Normal" jede Menge Details zu entdecken. Da sich Gus Gus geschickt in dem Grenzland zwischen Tanz- und Popmusik bewegen, überwiegt keiner der beiden Aspekte übermäßig, sodaß die Angelegenheit in der Tat ziemlich homogen daherkommt. Und für Remixes ist ja immer noch Zeit und Raum. Gus Gus sind ja auch nicht ganz unbeschlagen auf diesem Gebiet. Machen Sie sowas eigentlich wegen des Geldes?

Siggi: "Nein. Wir machen Remixes eigentlich aus einem bestimmten Grund: Es reizt uns, aus vorgegebenem Material etwas Neues zu schaffen. Insbesondere dann, wenn das Ausgangsmaterial nicht besonders gut ist."

Ein interessanter Aspekt, den sich viele Remixer mal hinter die Löffel schreiben sollten. Leider ist es ja meistens so, daß bei Remixen gute Stücke eher verschandelt werden.

Wie dem auch sei: Gus Gus präsentieren sich als kompetenter Ideenpool mit Herz und zeigen trotz des einschneidenden Erfolges, der das Leben der ganzen Bandmitglieder ziemlich auf den Kopf stellte, nach wie vor Begeisterung am Tun und an der Musik. (Das zeigte sich auch am Abend, wo Siggi und Daniel auf Einladung von Furslide auf deren Showcase zugegen waren). Wir aber dürfen auf eine neue Gus Gus Show gespannt sein, die das bisher gezeigte, was ja wahrlich nicht von schlechten Eltern war, noch bei weitem in den Schatten stellen soll.

Interview: -Ullrich Maurer-
Fotos: -Pressefreigaben-
Gus Gus
Aktueller Tonträger:
This Is Normal
(4AD/Zomba)


Gus Gus

 
 

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