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THE DONNAS
 
Keine Nudeln, bitte!
The Donnas
Die Donnas machen keine halben Sachen. Seit nunmehr 14 Jahren halten Brett Anderson, Allison Robertson, Torry Castellano und Maya Ford die Fahnen des unverfälschten, klassischen Rock'n'Roll hoch. Das tun sie auch auf dem neuen Werk, "Bitchin'", das satte 15 polternde, knackige Rocknummern enthält. Mit Balladen und ähnlichem Mädelskram geben sich die Damen nach wie vor nicht ab. Nicht nur, dass die glasklar an den Großen des Genres orientierten, von Jay Ruston produzierten Rock-Pop-Hymnen zu den besten gehören, die das Quartett bislang zusammenschraubte - sie hören sich auch großartig an. Und was für das Selbstverständnis der Donnas fast noch wichtiger ist: Sie wurden auf dem neuen, eigenen Label, Purple Feather (die bezeichnenderweise aus der Hosentasche des Cover-Models ragt) veröffentlicht. Wie es dazu kam, erzählt uns Allison - und es ist ein Teil der nie enden wollenden Geschichte "Die Major Companies und die Musik als Solche"...
"Also wir hatten bei unserem letzten Label, Atlantic, eine Option, ob wir bleiben wollten oder lieber gehen. Sie hatten dort aber gerade das ganze Personal ausgetauscht und sich ein neues Konzept für das Marketing, das Radio und so ausgedacht. Da passten wir als Rockband nicht mehr so richtig rein. Es wäre uns also möglich gewesen, dort zu bleiben - aber wahrscheinlich hätten wir dann mehr in Richtung einer Pop-Band verändern müssen und das wollten wir nicht. Ich denke auch, dass man das bei Atlantic nicht unbedingt wollte. Wir haben dann irgendwann damit begonnen, selbst Demos aufzunehmen und waren uns nicht sicher, wie wir die Songs veröffentlichen sollten. Natürlich hatten wir immer im Hinterkopf, unser eigenes Label zu gründen, aber das wollten wir zunächst nicht unbedingt, weil es doch mehr Arbeit und Ärger bedeutet. Je länger wir aber darüber nachdachten, desto mehr Sinn schien es zu machen - nicht nur für uns, sondern auch für eine Menge anderer Leute. Schließlich haben wir uns dazu entschlossen es zu wagen und ich denke, dass es letztlich der richtige Schritt ist." Ja, aber wie Allison bereits andeutete: Das ist doch eine Menge Arbeit, oder? "Es ist nicht so, als gäbe es ein Gebäude, wo man hingehen kann", lacht Allison, "das Label ist für uns mehr ein Name. Für den Verlag und den Vertrieb haben wir ja bereits etablierte Kanäle und beide unsere Managerinnen haben eine Menge Erfahrung. Es ist also nicht so schwer, wie man meint. Ich möchte auch irgendwann einmal die Musik von anderen Künstlern herausbringen." Und man trifft als Künstler seine eigenen Entscheidungen - was ja auch nicht ganz unwichtig ist.
Welche Entscheidungen haben denn die Donnas getroffen, als es um das neue Album ging? Was war der musikalische Anspruch? Immerhin ist eine Donnas-Scheibe ja auch immer eine klassische Hardrock-Angelegenheit. "Ich will natürlich nicht sagen, dass wir das Rad erfunden haben", räumt Allison sympathisch freimütig ein, "aber wir wollten die Songs in unseren Augen so gut wie möglich zu machen und darauf achten, dass sie möglichst gut geschrieben und arrangiert waren - auch wenn man den Sachen jetzt nicht unbedingt anhört, wie viel Aufwand wir damit getrieben haben." Welches Rezept haben denn die Donnas, den Pop mit dem Hardrock zu verbinden - was ihr besonderes Anliegen ist, wie Allison meint? Auf dem neuen Werk fallen z.B. die ausgefeilten Vokal-Arrangements ins Auge, die es früher so bei den Donnas noch nicht gegeben hat. "Oh, danke", freut sich Allison, "damit haben wir nämlich sehr viel Zeit verbracht. Es sind ja auch immer Pop-Acts, wie die Pointer Sisters oder Cindy Lauper, die uns inspirieren - außer den Hardrock-Bands wie Def Leppard oder Judas Priest - und dort sind Vocals ja immens wichtig. Früher ging es mir bestenfalls darum, wie griffig meine Gitarrenparts waren. Um die Texte und Vocals habe ich mich nie gekümmert. Jetzt haben aber alle gemeinsam an solchen Dingen gearbeitet und auch ich habe mir Gesangsmelodien ausgedacht. Wir haben jede einzelne Textzeile demokratisch diskutiert und diese dann mit der Musik kombiniert. Es ist ja bei unserer Musik so, dass es nicht nur darum geht, was ein Text aussagt, sondern fast noch wichtiger ist es, wie er klingt und wie alles zusammenpasst. Wenn also etwas nicht so viel Sinn macht oder nicht so besonders originell klingt, dann ist das unter dem Gesichtspunkt zu sehen, dass es auch gut klingen soll." Diktiert denn dann der Song den Verlauf eines Songs? "Absolut", bestätigt Allison, "normalerweise beginne ich mit einem Gitarrenriff, das wir dann zu einer Strophe oder einem Refrain aufbauen. Was immer dann passt, wird gemacht. Und wir arbeiten alle zusammen an jedem Teil des Ganzen. Ich bin es dann meistens, die die verschiedenen Teile miteinander verbindet und das wird eben durch den Song, das Ganze, bestimmt." Was ist denn für Allison als Gitarristin besonders wichtig? Im Vergleich zu vielen ihrer Kollegen, hält sie sich ja doch eher zurück. Ihre Soli sind z.B. relativ kurz. "Kurz? Ja, das stimmt. Danke, das ist nett, dass du das sagst", freut sie sich, "es ist aber so, dass ich so spielen muss, weil wir ja keine zweite Gitarre haben und ich auch die Rhythmus-Gitarre spielen muss. Ich habe herausgefunden, dass es bei einem Gitarren-Solo darum geht, den Song zu vervollständigen und nicht, sich selbst darzustellen. Ergo macht es bei uns keinen Sinn, lange Soli zu spielem. Ich wäre denen aber gar nicht abgeneigt. Vielleicht gibt es ja auch mal so was auf den nächsten Scheiben. Ein Solo muss aber Sinn machen, ins Ohr gehen und darf dabei nicht ablenken. Ich betrachte mich auch nicht als grandiose Lead-Gitarristin. Ich verwende Soli nicht, um mich darzustellen. Nudeln ist nicht meine Sache."
The Donnas
Was ist der Grund dafür, dass das Album "Bitchin'" heißt? "Ich weiß nicht, inwieweit das bei euch bekannt ist, aber das ist ein kalifornischer Ausdruck, der in den 60ern und den 80ern seinen Höhepunkt hatte", erläutert Allison, "im Surfer-Slang heißt es einfach 'cool'. Wir haben ein Set gespielt und jemand hat es auf der Bühne verwendet. Das klang einfach gut und es bringt mich immer zum lachen. Normalerweise verwendet man es für ein Auto oder einen Song - das passt also irgendwie zu uns." Wie nehmen es die Donnas denn überhaupt mit dem Humor? Auf der Bühne kommen sie ja z.B. immer sehr ernsthaft rüber."Nein, ich denke doch, dass Humor wichtig ist", überlegt Allison, "wir nehmen uns selbst ja längst nicht so ernst, wie die Leute das immer glauben. Das liegt vermutlich daran, dass wir unsere Musik selbst ernst nehmen. Als Leute sind wir aber schon recht fröhlich. Wenn die Fans zu einer Show kommen, dann sollen sie schon lächeln. Wir mögen es, die Leute ein wenig zu kitzeln. Auf der anderen Seite soll es nicht in Fäkalhumor ausarten. Wenn also etwas albern klingt, dann soll das schon lustig sein. Es ist auch eine gewisse Ästhetik." Heißt das dann, dass die Donnas gar nicht so viel Party machen wie sie immer singen? "Neiiiiin, wir hauen schon ganz schön auf den Putz", widerspricht Allison ganz energisch, "wir sind Party-Mädels. Wir trinken und wir rauchen. Ich meine - wir sind eine Rockband, Mann! Wir bleiben auch lange auf oder schauen nach den Jungs, wenn wir gerade single sind. Wir sagen also schon die Wahrheit. Es ist nur so, dass unser Lifestyle im Vergleich kein ernsthafter Lifestyle ist. Für mich bedeutet Party zu machen, eine gute Zeit zu haben. Ich muss damit Leuten, die mich nicht kennen, nichts beweisen. Das ist eine lockere Sache, wir machen damit kein Statement." Gibt es inhaltlich einen roten Faden auf dem neuen Album? "Also in dem Sinne, dass wir die Texte alle vier zusammen erarbeitet haben", führt Allison aus, "es waren also alle zugegen, als die Texte entstanden. Und in diesem Sinne stellen die Texte auch nicht so sehr die Erfahrungen eines Einzelnen dar, sondern gehen darüber hinaus. Manchmal könnten die Leute glauben, dass es in unseren Songs um spezifische Momente oder Personen geht. Für mich ist aber eher jeder Song so eine Art kollektives Gedächntnis, der viele Momente aus vielen Perspektiven enthält. Wenn es also einen Song über eine Trennung, wie 'When The Show Is Over' gibt, dann geht es darum praktisch um jede denkbare Trennung. Bei 'Better Off Dead' geht es darum, irgendein Hindernis zu überwinden - es ist nicht ein spezifischer Boyfriend gemeint. So ist das zu verstehen. Man kann jeden Song also wörtlich nehmen, oder aber in dieser Weise betrachten. Das war auch das Ziel. Jeder da draußen sollte die Songs auf seine Weise sehen können." Welche Aufgabe hat eigentlich ein Produzent bei den Donnas? "Einige der Songs klingen vielleicht dieses Mal anders, weil ich diese schon mit meinem Midi-Keyboard vorbereitet hatte, bevor wir uns überhaupt dem Studio genähert hatten", erklärt Allison, "die Art, auf die die Songs also produziert wurden, war die, dass sie schon arrangiert waren, bevor noch alle Texte fertig waren. Wir hatten also eine Art Landkarte. Und das hat auch bestimmt, wie sie nachher klingen. Zum Glück gefiel das dem Produzenten, weil wir schon eine Idee hatten, wo die Reise hingehen sollte. Dann kamen noch die Melodien und die Stimmen und die Keyboards hinzu. Der Produzent musste dann nur noch ein paar Einstellungen verändern - die aber alle im Rahmen blieben. Wir sind also sehr glücklich mit der Art, wie die Songs klangen. Im Studio ging es dann nur noch darum, den Studiosound einzustellen und die Sachen aufzunehmen." Und wie geht es jetzt weiter? "Wir können nicht erwarten, die neuen Songs live zu spielen - denn die sind ja alle neu. Im November werden wir dann auch in Deutschland auf Tour sein." Das übringens wieder in sympathisch kleinen Clubs, in der sich die volle Wirkung eines Donnas-Auftrittes optimal entfalten kann.
Weitere Infos:
www.thedonnas.com
www.myspace.com/thedonnas
de.wikipedia.org/wiki/The_Donnas
en.wikipedia.org/wiki/The_Donnas
Interview: -Ullrich Maurer-
Fotos: -Pressefreigaben-
The Donnas
Aktueller Tonträger:
Bitchin'
(Purple Feather/Cooking Vinyl/Indigo)




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