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SUSAN JAMES
 
Auf Reisen mit Susan James
Susan James
"Fantastic Voyage" heißt das aktuelle Album von Susan James. Es ist zwar nicht ihr erstes, dafür aber das erste, welches hier legal zu haben ist. "Fantastic Voyage" heißt auch dieser Film aus den 60ern, in dem ein Mini-Uboot in einen menschlichen Körper eingeschleust wird. Den Film hat Susan aber nicht gesehen und so muß der Titel als Einführung in Susan's musikalische Welt gesehen werden. So ist er auch gedacht. Susan James einfach als Folksängerin abtun zu wollen, täte ihr ein wenig unrecht. Denn einerseits ist auf der Platte eine Band zu hören und andererseits sind selbst ihre akustischen Live-Performances weder richtig akustisch noch folkselig. Susan ist eine virtuose (und energische) Gitarristin, was z.B. auch ihre Vorliebe für Instrumentals erklärt, mit denen "Voyage" aufgefüllt ist.
"Ja in den USA war das eine eigene Platte", erklärt sie, während ihr Handtaschenartiger Hund Miles (nach Miles Davis) eher schlapp auf ihrem Schoß hängt, "ich bin ein absoluter Fan von Instrumentals. Ich finde es so schade, daß es keine Instrumental-Hits mehr in den Charts gibt."

Die angesprochenen Instrumentals gehen ein wenig über das hinaus, was man gemeinhin damit verbindet. Sie sind von der Songstruktur her recht vertrackt, komplex arrangiert und haben Stimmen (wenngleich nur Lala-Chöre). Außerdem recht ungewöhnliche Titel.

"Ja, das ist das letzte, was wir gemacht haben. Ich wollte, daß sie recht witzig klingen. Manchmal hängen sie sogar mit dem Song zusammen - "Dong Dong Song" - weißt du: Der Song der geht wie (singt) "Dong Dong Dong"."


Nun sind ja die Instrumentals ja schön und nett, nur geht es bei Susan's Musik aber doch um mehr. Ihre Songs sind - wie bereits angedeutet - komplexe Kleinode, mit denen man sich schon mal auseinandersetzen muß. Z.B. der Opener, "Manna", ein vergleichsweise eigenartiges Stück, um eine CD zu eröffnen. Über einem nervösen Led Zeppelin-Riff verbreiten sich flatternde Vocals und ein hochtöniges, melodieähnliches Etwas. Dazu gibt's rätselhafte Texte um Manna (Himmelsbrot).

Susan James
"Wieso eigenartig? Meinst Du ich hätte mit einem anderen Stück anfangen sollen? Nun, ich wollte die Leute auf das vorbereiten, was dann alles folgt. "Manna" ist dabei mein Sinnbild für etwas, was Dich aus heiterem Himmel trifft. Wie z.B. Liebe auf den ersten Blick. Das ist dann auch etwas Positives. Nachher gibt's dann ja diese ganzen depressiven Trennungs-Songs."
Nun ja, so richtig depressiv sind sie nicht gerade, da sie von einer vergleichsweise gefestigten Position aus erzählen. Es fragt sich aber, ob die Sachen alle autobiographisch sind oder ob das einfach eine Technik ist.

"Nein, nein, ich hatte zig kaputte Beziehungen. Natürlich übertreibe oder verändere ich hin und wieder etwas aus dramaturgischen Gründen, lasse auch mal was weg. Aber grundsätzlich müssen alle Songs die ich schreibe, einen autobiographischen Background haben. Aber sag mal, sie sind doch nicht zu depressiv, oder?"

Nä. Susan's Songs sind klassische Songwriter-Themen. Immerhin liegen dort ja auch ihre musikalischen Wurzeln. Immerhin gibt's allerelei Einflüsse aus allerlei Richtungen (siehe "Voyage"). Dazu paßt auch das schöne Cover, welches sie durch vielgestaltige Landschaften wandelnd zeigt. Was war denn der Gedanke dabei? Das Cover so teuer wie möglich zu machen?

"Von wegen. Die Aufnahmen sind alle innerhalb eines Tage entstanden. Sie wurden alle im Death Valley gemacht (Susan lebt in Los Angeles). Da gibt es halt diese unglaublichen Landschaften. Und ich dachte das paßt sehr gut zum Thema der Platte: Eine Reise durch verschiedene Landschaften."

Noch eine Sache gibt es zu ergründen: Da gibt es immer wieder allerlei seltsame Loops, Samples oder sonstigen Störgeräusche, die den Songs beigegeben werden. Vielleicht mögen dort die seltsamen Vergleiche mit Stereolab herrühren, die man in der Presse zuweilen schon mal findet. Was soll denn das?

"Das mache ich absichtlich. Ich liebe es, etwas Strukturiertem - wie z.B. einem Song - etwas vollkommen unstrukturiertes beizumengen. Wir haben da mit - illegalen - Polizeifunk-Geräten, selbstgefertigten Loops und Samples gearbeitet. Das könnte auch eine Richtung sein, in die ich mich weiterentwickeln werde. Ich werde mich zwar niemals vollkommen von der traditionellen Songwriter-Basis lösen, aber ich denke, daß ich diese Elemente zukünftig stärker in meine Songs integrieren werde."

Bis dahin gibt es jede Menge gute Songs zu entdecken. Diese funktionieren übrigens total unterschiedlich. Auf Platte - also mit Band - überwiegt das melodische Element, welches besonders durch die transparente Produktion sehr deutlich zur Geltung kommt. Susan's Stimme wird hierbei besonders viel Spielraum zugebilligt. Bei den Live-Performances ist dann eine wesentlich stärkere Verbindung von Stimme und Gitarre zu beobachten, wodurch sich eine stärkere Betonung des Rhythmischen ergibt - und das, obwohl Susan solo auftritt. Man muß das allerdings einmal selbst erlebt haben, denn Susan's Art Gitarre zu spielen ist - zumindest heutzutage - recht ungewöhnlich. Insofern überrascht denn eine geradezu halsbrecherisch virtuose Cover-Version von "Eight Miles High" nicht besonders.

Susan ist bis Ende März mit Granfaloon Bus auf Tour. Weitere Konzertaktivitäten sind geplant.

Interview: -Ullrich Maurer-
Fotos: -Ullrich Maurer-
Susan James
Aktueller Tonträger:
Fantastic Voyage
(Trocadero/TIS)


Susan James

 
 

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