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GET WELL SOON
 
Gute Besserung
Get Well Soon
Gäbe es Konstantin Gropper nicht, so müsste man ihn wohl erfinden. Da haben wir nämlich einen jungen Songwriter aus Oberschwaben, der in eigenbrötlerischer Kleinarbeit ganz alleine im stillen Kämmerlein eine Debüt-Scheibe zusammenschraubte, die es in dieser Art bei uns noch nicht gegeben hat. Das Werk mit dem kryptischen Titel "Rest Now, Weary Head! You Will Get Well Soon" - dem Konstantin dann auch gleich noch den Namen für sein Projekt entnahm -, hat nämlich bislang wirklich jeden aus den Socken gehauen, der es gehört hat. Die Songs, die sich Konstantin erarbeitet hat, sind dabei vom Feinsten, was das Genre hergibt und obendrein ließ Konstantin keine Möglichkeit aus, das ganze mit Verve, Grandezza und Dramatik in Szene zu setzen. Das klingt dann keineswegs nach Lagerfeuer- oder Bedchamber-Romantik, sondern nach einer großartigen, klassischen Pop-Oper, die auch die Großen der Szene zu ihrer Blütezeit nicht besser hinbekommen hätten. Kein Wunder also, dass Konstantin in Vorschusslorbeeren quasi erstickt und auch gerne mit Kollegen aus dem englischsprachigen Raum verglichen wird, die ähnliches leisten, wie er: Mit Thom Yorke (der Stimme wegen), mit Conor Oberst (der Dramatik wegen), mit Ryan Adams (des Songwritings wegen) oder mit Phil Spector (des Walls Of Sound wegen).
Und um den Kritikern möglichen Wind aus den Segeln zu nehmen, sind Get Well Soon mittlerweile auch als Live-Band (oder besser: Live-Orchester) beliebt und erfolgreich. Mal ehrlich: Muss man größenwahnsinnig sein, um hierzulande überhaupt so etwas zu versuchen? "Vielleicht bin ich sogar ein wenig größenwahnsinnig", räumt Konstantin ein, "es gibt aber in Deutschland eher nicht so viele, die sich so weit aus dem Fenster lehnen, wie ich. Man darf eben nicht davor zurückschrecken. Ich habe sehr lange an den Sachen gearbeitet, bis sie so klangen, wie sie es jetzt tun. Die Songs sind teilweise schon vier Jahre alt und ich habe zu Hause in einem halben Jahr intensiv daran gearbeitet. Die Scheibe hat nichts gekostet, weil ich alles selber gemacht habe - mit Unterstützung von meiner Schwester, meinem Cousin und einem Gastbeitrag der irischen Songwriterin Wallis Bird." Konstantin mischt in seinen Songs munter alles Mögliche - von klassischem Songwriting über Indie-Rock und Klassik bis hin zur Elektronik. Mit welchem Hintergrund ging er denn die Sache an? "Ich komme von der Klassik her", gibt Konstantin zu, "mein Vater ist Musiklehrer und ich bin ausschließlich mit Klassik aufgewachsen. Bis ich dann wirklich auch selbst angefangen habe, Musik zu kaufen - womit ich mich emanzipiert habe. Das ging dann mit Grunge los, wo ich mich wohlgefühlt habe. Und dann über ein Paar Ecken - über die elektronische Musik bis zu dem hin, wo ich heute bin." Von der Klassik her fühlt sich Konstantin von Wagner inspiriert, oder? "Nicht grundsätzlich - ich habe eine EP zu diesem Thema gemacht", erklärt er, "was mich von der Klassik her inspiriert, ist die eher ernste Herangehensweise. Musik nicht nur als Unterhaltung, sondern mit künstlerischem Anspruch. Das mag sein, dass deswegen die Musik etwas getragen klingt."
Eine weitere Inspirationsquelle ist König Ludwig von Bayern? "Ja, das ist so, dass ich mich einmal mit Ludwig dem II. auseinandergesetzt habe", erzählt Konstantin, "ich hatte ein paar Schlösser besucht und war fasziniert von seiner Persönlichkeit. Darüber habe ich ein paar Texte geschrieben. Visconti ist für mich dabei derjenige, der Ludwig entromantisiert dargestellt hat." Das erklärt auch den Ludwig-Sticker auf Konstantins Gitarre und den Songtitel "Visconti 72". Wie ist denn das Konzept des Projektes Get Well Soon? "Der Name ist programmatisch für die Scheibe", erklärt Konstantin, "die Scheibe ist ja nicht gerade fröhlich. Sie beschreibt einen eher negativen Zustand, soll aber schon hoffnungsvoll klingen. 'Gute Besserung' für mich und den Hörer sozusagen." Wovon singt Konstantin eigentlich? In seinen Texten tauchen allerlei Bilder auf, die aber keine stringenten Stories erzählen. "Das übergeordnete Thema ist ja 'Get Well Soon' - es ist mir nämlich wichtig, dass eine bestimmte Idee zugrunde liegt und die einzelnen Songs beleuchten das von verschiedenen Seiten. Es gibt schon immer diese Frage: Wo finde ich Halt, in der Welt. Welt da draußen, ich hier drin - eine Umarmung. Das ist vielleicht auch eine Therapieform - aber deswegen habe ich es nicht angefangen. Als ich die Songs zu diesem Thema zusammengestellt habe, ist mir das immer erst hinterher aufgefallen." Wie ist die Herangehensweise beim Songwriting? "Mittlerweile schreibe ich auch immer gleich mit dem Arrangement im Kopf - weil teilweise Songs auch auf einer Arrangements-Idee beruhen können - wie natürlich auch auf einer Melodie, einer Textzeile oder einer grundsätzlichen Idee. Es kann also alles sein, was einen Song auslöst. Es gibt kein Patentrezept." Deswegen klingen die Songs wohl auch so unterschiedlich, oder? "Das kann sein", pflichtet Konstantin bei, "das ist aber auch Absicht - ich brauche ja nicht zwei gleiche Stücke auf der Scheibe. Es ist nicht mein Ansatz, eine bestimmte Idee zu perfektionieren, sondern ich suche nach vielen verschiedenen Einflüssen, Ideen und Referenzen."
Get Well Soon
Gibt es dabei irgendwelche Vorbilder? "Konkret nicht", antwortet Konstantin, "ich habe mal gelesen, dass Björk viel am Laptop arbeitet und dann habe ich das halt auch mal probiert. Es ist aber eher die technische Möglichkeit, die zu meiner Arbeitsweise geführt hat als bestimmte Personen." Mittlerweile existiert ja auch die Band Get Well Soon. Führt das dann zu einer anderen Arbeitsweise? "Nun, das wird bis auf weiteres auch mein Solo-Projekt bleiben, aber der Plan ist schon, als nächstes eine richtige Studioscheibe mit der Band machen möchte. Schreiben werde ich aber auch weiterhin alleine. Es ist so, dass die Stücke fertig sind, bevor wir sie live spielen." Ist denn das "alleine schreiben" die Maxime? "Ich denke, dass ich ein richtiges Band-Projekt, bei der die Musik aus Improvisationen oder Kollaborationen entsteht, eher nicht machen will, weil ich doch auf eine ziemlich rationale Art komponiere, bei der es mehr Wille als Zufall gibt. Ich bin da mehr eine Art Konzeptkünstler und Perfektionist." Für eine Sache, die im Heimstudio entstand, klingt die Sache aber doch ziemlich organisch. "Ja, ich habe ja doch sehr lange daran gearbeitet und die Songs haben auch mal anders - elektronischer - geklungen. Get Well Soon soll aber etwas erdiges, natürlicheres, organisches sein. Deswegen habe ich so lange an den Sachen herumgewerkelt, bis sie so warm klangen, wie sie es tut. Anfangs war das Ganze auch sehr reduziert. Als ich aber das Album aufnahm, ging ich daran, die Dramaturgie und Instrumentierung einzubeziehen." Wie wichtig ist der Humor bei der ganzen Sache? "Der ist auch wichtig, aber das wird manchmal übersehen", schmunzelt Konstantin, "ich stelle fest, dass ich oft zur Ironie neige. Wenn ich z.B. irgendwelche Pop-Referenzen habe, dann wird das bei mir ironisch und ein kleines bisschen übertrieben." Was ist Konstantin das Wichtigste? "Dass man meiner Scheibe anhört, dass ich mir viele Gedanken dazu gemacht habe und dass das Ganze Sinn macht. Für mich tut es das und ich hoffe, dass das auch erkannt wird. Es ist mir auch wichtig, dass ich verstanden werde. Vielleicht muss man sich ein wenig Mühe damit geben, aber die ersten Rückmeldungen bestätigen mich darin. Es gibt ja auch viele Ebenen in meiner Musik, mit denen man sich beschäftigen und der Musik nähern kann." Wozu gehören dann die Texte? "Texte vermitteln eine Botschaft", erläutert Konstantin, "wobei es mir weniger darum geht, mich selber darzustellen, als vielmehr eine Idee zu vermitteln. Texte können auch im Kontrast zur Musik bilden - das finde ich dann auch gut. Noch sind die Texte nicht gleichwertig mit der Musik, aber sie werden wichtiger für mich." Was muss denn ein guter Song haben? "Ein guter Song sollte auch nur mit Gitarre und Gesang funktionieren", überlegt Konstantin, "das ist es aber nicht alleine, auf dass es mir ankommt. Ein Song kann ja auf viele Arten gut sein: Die Melodie kann gut sein, der Text kann gut sein, das Arrangement und die Idee können gut sein. Bei einem richtig gutem Popsong stimmt einfach alles und macht Sinn - oder es macht eben keinen Sinn, funktioniert aber doch. So sollte ein Song sein. Man sollte dem Song anhören, dass der Songwriter immer bei der Sache war und wusste, was er tat." Nicht umsonst ist das auch genau der Eindruck, den Konstantins eigene Songs vermitteln. Mit Leuten wie Konstantin Gropper, braucht man sich über international konkurrenzfähiges Songwriting eigentlich keine Sorgen mehr zu machen. So etwas spricht sich natürlich rum: Get Well Soon spielten als erste ungesignte deutsche Band beim letztjährigen Glastonbury-Festival.
Weitere Infos:
www.youwillgetwellsoon.com
www.myspace.com/youwillgetwellsoon
www.cityslang.com/artist/50
Interview: -Ullrich Maurer-
Fotos: -Pressefreigaben-
Get Well Soon
Aktueller Tonträger:
Rest Now, Weary Head! You Will Get Well Soon
(CitySlang/Universal)




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