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TEGAN AND SARA
 
Buch ohne Siegel
Tegan And Sara
Tegan And Sara sind wieder da. Nachdem sie auf ihrer letzten Scheibe "So Jealous" bewusst in eine Richtung arbeiteten, die simpler war, als das, was wie vorher produzierten, langen sie auf dem fünften Album, "The Con", wieder richtig hin. Unter anderem auch deshalb, weil sich die kanadischen Zwillinge heutzutage besser verstehen denn je, wie Sara, die mittlerweile genauso gerne redet, wie ihre Schwester, erklärt. So schickten sich die beiden Mädels erstmals ihre - mit bis zu 30 Spuren ziemlich aufwendig produzierten - Demos hin und her, arbeiteten gemeinsam an den Songs und legten auch viel Wert darauf, mehr und intensiver miteinander zu singen. Musikalisch gingen Tegan And Sara gleich mehrere Schritte weiter und schufen eine vergleichsweise komplexe, auf ihre Weise aber dennoch zugängliche Power-Pop-scheibe, die stilistisch deutlich vielseitiger ist als das, was sie bislang machten und neben Gitarren-Pop auch Elektronik, Folk, Rock und sogar Art- bzw. Kraut-Rock-artiges bietet.
Daran hat auch Produzent Chris Walla einen gewissen Anteil. "Ja, Chris hat z.B. darauf bestanden, dass wir das, was wir selber spielen können, auch selber machen sollten", erklärt Sara, "es sollte ein sehr lebendiges Album werden." Dadurch klingt die neue Scheibe auch gleich eine Spur persönlicher, nicht wahr? "Ja, denn es ging uns nicht darum, alles perfekt zu machen", gesteht Sara. Gehört zu diesem Prozess auch der verstärkte Einsatz von Elektronika? "Nun, wir hatten für acht oder neun Jahre Klavierunterricht, so dass uns das Hantieren mit Keyboards keine Schwierigkeiten bereitet", erklärt Sara, "wir hatten nur nie auf Keyboards geschrieben. Und Matt Sharp, mit dem wir zuerst mit Keyboard-Sounds experimentierten, hatte den Gedanken, Synthesizer zu verwenden - was wir cool fanden, da wir so etwas noch nicht gemacht hatten. Auch das haben wir auf der neuen Scheibe selber gemacht. Matt spielt noch ein wenig Bass - was auch cool ist. Es ist so, dass wir bei einigen Songs, wie z.B. 'Ten Years Ago' auch mit der Elektronik komponiert haben. Tegan hat hier - glaube ich - zuerst die Musik und die Drumbeats geschaffen und dann den Song dazu geschrieben. In meinem Fall ist es eher so, dass ich eher mit einem Folk-Song angefangen habe, den wir dann mit den Mitteln der Elektronik verfremdet haben." Auf ihrer letzten Scheibe "So Jealous" gingen Tegan And Sara in eine andere Richtung: Die Songs und die Texte sollten simpler sein. Dieser Prozess wird bei "The Con" ja auf den Kopf gestellt, oder? "Ich denke, dass bei der letzten Scheibe eher der Fokus darauf lag, eine kluge Pop Scheibe für junge Leute oder jung gebliebene ältere Leute zu machen", führt Sara aus, "auf dieser Scheibe haben wir mehr herumexperimentiert, gejammt und sogar Songs zusammen geschrieben - auch indem wir uns unfertige Songs hin und hergemailt haben und dann zusammen daran herumexperimentierten." Und dabei entstand dann eine eigene Melange.
Die einzelnen Sounds sind kunstvoll miteinander verwoben, so dass am Ende ein ganz eigenes Klanguniversum entsteht. "Ja, ich mochte den Gedanken, dass man so tun kann, was man möchte, ohne sich an Genre-Vorgaben halten zu müssen. Da wurde mir auch klar, dass die Scheibe gar nicht perfekt werden müsste. Darin hat uns Chris Walla unterstützt. Ich z.B. habe lange Zeit damit verbracht, die Sounds auf meinen Songs zu verfremden und zu verbiegen, damit sie nicht so klingen, wie man das erwartet. Ich weiß im Nachhinein gar nicht mehr, warum ich das gemacht habe, aber es bekam so etwas wie ein Thema." Woran erkennt man dann als Songwriter, wann ein Song fertig ist? "Ich denke, darum hat man einen Produzenten", überlegt Sara, "Chris Walla wurde zu so etwas wie ein Editor. Als wir ihm unsere Demos einreichten, waren das schon Sachen, auf denen wir 30 bis 40 Spuren zusammengemischt hatten. Wir haben das dann zusammen durchgeforstet und dann gemeinsam entschieden, was wir rausnehmen oder hinzufügen sollten." Das neue Album hat definitiv auch mehr Worte als "So Jealous". Mantraartige Slogans gehören somit wohl der Vergangenheit an. Hatten Tegan And Sara dieses Mal mehr zu sagen? "Ich auf jeden Fall", räumt Sara ein, "Texte waren für mich immer am Schwierigsten. Ich weiß gar nicht warum, aber ich habe immer gezögert, meine Worte in Songs zu packen. Dieses Mal habe ich mich aber sehr angestrengt." Wovon handeln Saras Texte? Es sind ja weder stringente Geschichten noch zusammenhanglose Bilder. "Ich sehe sie gerne als aufgereihte Ideen", beschreibt Sara, "näher an der Poesie als anderes. So in etwa wie eine kurze Nachricht, die man jemandem hinterlässt, wenn man es eilig hat - mit genügend Infos, dass sie Sinn macht - so etwas wie Hinweise auf das eigentliche Thema." Nun ist es ja so, dass Tegan And Sara nach eigener Aussage sehr unterschiedlich arbeiten. Woran liegt es denn, dass die Scheiben - und besonders diese - so einheitlich klingen? "Nun, auch wenn wir unterschiedlich arbeiten, so senden wir uns doch ständig Songs hin und her und arbeiten so doch zusammen", erklärt Sara, "was Chris uns vorgeschlagen hat, war, dass wir die Songs für die Scheibe aussuchen und in eine Reihenfolge bringen sollten, bevor wir mit den Aufnahmen begännen. Und dann sollten wir die Songs auch der Reihe nach abarbeiten. Das war so eine Art Offenbarung für uns, denn so hatten wir immer ein Ziel vor Augen und wussten, was wir am jeweiligen Tag machen wollten. Fast so, als hätten wir an einem Buch geschrieben. Deswegen hat diese Scheibe auch diesen natürlichen Flow. 'I Was Married' stellt z.B. das Thema vor und das Ende ist eine Einladung wieder zum Anfang zurückzukehren." Die Idee mit dem Buch spiegelt sich auch im Artwork wider. Die Songs nennen sich "Kapitel" und das Cover zeigt ein Buch namens "The Con" (wobei damit die (leicht betrügerische) Person bezeichnet, als die man sich selbst anderen gegenüber ausgibt), aus dem ein Teil herausgeschnitten ist. Was hat es denn mit der Buch-Idee auf sich? "Das gehört alles zusammen", berichtet Sara, "da gibt es eine Zeichnung von uns auf einem Baumstumpf im Booklet. Darüber haben wir uns lange unterhalten. Wir haben viel über das Leben als solches gesprochen - die Entscheidungen, die man treffen muss, die Wege, die man einschlägt und so weiter. Und da kam unsere Grafikerin mit diesem Bild von uns auf dem Baumstumpf, nachdem sie uns eine Weile zugehört hatte. Für sie ist der Baumstumpf eine Chronologie des Lebens. Wenn man einen Baum durchschneidet, kann man ja die Jahresringe sehen - das ganze Leben des Baumes. Diese Idee gefiel uns." Und was hat dann das mit Erde gefüllte Loch in dem Buch auf dem Cover zu bedeuten? "Wir haben uns lange über das Buch unterhalten", meint Sara, "wir wollten unbedingt ein Geheimfach in dem Buch haben - so wie in einem Krimi. Dann haben wir uns überlegt, was in dem Geheimfach sein könne. Da hatten wir diesen Song namens 'Soil' - ein Stück über den Tod und die Idee, etwas zu beerdigen. Da haben wir uns überlegt, dass dies das richtige für unser Geheimfach sei. Die Erde ist ja auch der Ursprung allen Lebens und der Ort, an den man irgendwann zurückkehren muss."
Tegan And Sara
Ein weiterer Aspekt, der musikalisch ins Ohr springt, ist der Umstand, dass die beiden Schwestern nun auch stimmlich zusammen gefunden haben. Auf "The Con" gibt es erstmals durchgängig echte Harmoniegesänge - eine Sache, die natürlich in diesem Fall auf der Hand liegt und von den Fans auch sicherlich gewünscht wird. "Ja, das stimmt", bestätigt Sara, "was mich beim Musik-Hören beeinflusst sind immer Dinge, die mich selbst einnehmen. Ich liebe Pop Musik als solche - auch Musik, die andere als Rockmusik bezeichnen würden, wie z.B. Bruce Springsteen oder Neil Young. Ich versuche also, so etwas mit meiner eigenen Musik auch erreichen. Musik zu erschaffen, die man singen möchte und die man mitsingen möchte. Dazu gehört natürlich auch der Gesang. Ich war dieses Mal auch ganz wild darauf, mit Tegan zusammen zu arbeiten. Bis jetzt war es oft so, dass wir einfach nur auf den Stücken der anderen mitgesungen haben. Dieses Mal haben wir uns schon weit im Vorfeld überlegt haben, was wir alles zusammen könnten. Das liegt auch daran, dass wir heutzutage ein sehr viel besseres Verhältnis haben. Die Gesangssätze als solche fallen uns dabei nicht sehr schwer. Wir haben einfach nur mehr Wert darauf gelegt." Was dürfen wir denn von der nächsten Tour erwarten? Immerhin scheint die neue Scheibe ja sehr viel egozentrischer und weniger bandorientiert zu sein als die letzten. "Nun, wir haben das Glück, drei Jungs in der Band zu haben, die sich sehr wohl fühlen", erzählt Sara, "sie sind zusammen aufgewachsen und spielen schon lange zusammen. Manchmal fühle ich mich ein wenig traurig, dass da so etwas wie ein Riss durch die Band geht, weil die Jungs ja nicht mitgeschrieben haben. Aber ich möchte ihnen doch das Gefühl vermitteln, dass sie dazu gehören. Wir legen ja viel Wert darauf, uns nicht als Rockstars aufzuführen - obwohl uns das Bühnengehabe ja schon Spaß macht. Aber wir möchten das Publikum einbeziehen und ihm nicht das Gefühl vermitteln, dass wir etwa etwas Besseres seien. Und dazu gehört, dass wir ihnen Songs vorsingen, die sie mögen und dass sie uns ein wenig kennen lernen, weswegen wir auch immer miteinander Geschichten erzählen. Ich denke, unsere Musik ist auf der Bühne doch anders als auf der Scheibe - einfach, weil wir nicht 30 Spuren reproduzieren können. Wir konzentrieren uns auf den Kern der Songs und die Elemente, die vermutlich jeder hören will. Für mich ist z.B. Dynamik auf der Bühne wichtiger als etwa der Sound-Aspekt." Gibt es noch Träume für Tegan And Sara? "Ach weißt du, einfach der Umstand, dass wir das machen können, was wir tun, fühlt sich schon wie ein Traum an. Inzwischen wissen wir ja, dass wir offensichtlich immer weiter Songs schreiben können und das fühlt sich gut an. Ich denke, man muss sich immer neue, realistische Ziele setzen muss und wenn man sich durch deren Erreichen bestätigen kann, dann ist das schon in Ordnung. Mein größter Traum wäre es, mit einer soliden Fanbasis alt zu werden - nicht notwendigerweise als Musik-Ikone, sondern als Teil eines Ganzen - so wie Neil Young oder Bruce Springsteen oder Tom Waits. Und musikalisch sind wir dabei für wirklich alles offen."
Weitere Infos:
www.teganandsara.com
www.tegan-and-sara.de
www.myspace.com/teganandsara
de.wikipedia.org/wiki/Tegan_and_Sara
en.wikipedia.org/wiki/Tegan_and_Sara
www.last.fm/music/Tegan+and+Sara
Interview: -Ullrich Maurer-
Fotos: -Pressefreigaben-
Tegan And Sara
Aktueller Tonträger:
The Con
(Sire/Warner Music)




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