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GUS BLACK
 
Der Unbeugsame
Gus Black
Als Gus Black hierzulande sein Album "Uncivilized Love" veröffentlichte, da hatte er schon eine halbe Karriere als Songwriter hinter sich und fühlte sich bereits ein wenig vom Business enttäuscht und hintergangen. Mit dem nächsten Album, "Autumn Days", beschritt er einen anderen Weg und orientierte sich mehr in Richtung Indie-Rock. Bereits hier zeigte sich, dass Gus dann doch einen eigenen Kopf hat und nicht unbedingt das tut, was man von ihm erwartet. Es folgte eine akustische Aufarbeitung des "Autumn Days"-Materials und eine US-Tour. Anschließend hieran ging Gus mit seiner Band ins Studio, um an neuem Material zu arbeiten. Das jetzt vorliegende, neue Album mit dem prägnanten Namen "Today Is Not The Day To F@ck With Gus Black" hat jedoch mit diesen Aufnahmen nichts zu tun. Es ist vielmehr ein akustisches Solo-Album geworden, das Gus mit ein wenig Hilfe seiner Freunde, den Eels, und den beiden Sängerinnen HT Heartache und Constance Baker einspielte.
Was ist denn nun wieder los, Gus? "Nun, ich hatte tatsächlich ein ganzes Album mit meiner Band eingespielt", erklärt er, "als ich es mir aber anhörte, stellte ich fest, dass das wirklich nicht das war, was ich eigentlich tun wollte. Ich hatte nämlich schon begonnen, an Material zu arbeiten, das ich alleine erstellte. Ich entschloss mich also, etwas Neues zu versuchen. Ich wollte immer schon eine akustische Scheibe mit Frauenstimmen machen - nun war der Zeitpunkt dafür gekommen." Nun ist dieses Album aber doch eine ziemliche Abkehr von Gus' bisherigen Alben. Alle Stücke klingen ähnlich, sie sind sehr leise und obwohl sich nach und nach immer weitere Details offenbaren, sind sie weniger eingängig als Gus' bisherige Songs. Warum hat Gus dieses Konzept gewählt? "Einfach weil Alben in dieser Art - die also linear erscheinen - immer meine Lieblingsalben gewesen sind. Cat Stevens oder Nick Drake haben so gearbeitet - schnell und linear. Heutzutage hast du all diese elektronischen Möglichkeiten, die dich vom Wesentlichen abbringen. Das wollte ich nicht. Wenn das jemand nicht verstehen oder nachvollziehen kann, dann ist das für mich okay. Ich musste diese Scheibe einfach für mich selbst machen." Das Album klingt dabei nur oberflächlich gesehen gleichartig. Wenn man sich damit beschäftigt, entdeckt man als Zuhörer - wie gesagt - immer Neues. "Das heißt also, ich habe keine musikalische Tapete gemacht?", freut sich Gus - mit einem ironischen Unterton, "das Album ist also eher etwas für Leute, die sich gerne Musik anhören und eignet sich nicht als Hintergrundmusik? Nun, ich kann die Probleme anderer Leute nicht lösen, sondern ich wollte einmal eine Scheibe nicht für andere Leute machen. Es ist okay für mich." Wie kamen denn die Damen an Bord? "Ich habe HT Heartache durch einen Freund in einem Restaurant kennengelernt und war daran interessiert, mit ihr zusammenzuarbeiten. Constance Baker habe ich in einem Café kennengelernt. Wir haben zusammen gesungen und es hat funktioniert. Da brauchte ich gar keine anderen Sängerinnen mehr auszuprobieren. Ich suchte nach jemandem mit einer bestimmten Essenz, einer bestimmten Einstellung. Es war alles ganz natürlich."
Constance und HT sind dabei übrigens keine Profis. Sie sind nicht ein Mal Songwriterinnen, obwohl Gus das anders sieht: "Constance und HT haben mir Ideen vermittelt, die zu ganzen Songs führten", erklärt er, "ich habe ihnen das hoch angerechnet, und deswegen tauchen sie auch in den Credits auf. Ich finde sowieso, dass man so etwas nicht genügend anerkennt. Sie haben diese Songs mit geschrieben." Worüber singt Gus Black auf dem neuen Album? "Es geht zumeist um eine Art Sehnen", überlegt er, "desto mehr ich darüber spreche, desto mehr wird mir klar, dass es dabei um ein Sehnen, mir gegenüber aufrichtig und ehrlich zu sein, geht. Es ging darum, das festzumachen." Nun verwendet Gus ja eine recht blumige Sprache. "Meinst du das 'f@cking' im Titel?", schmunzelt er, "das ist nur der Titel - und das Artwork kam dann noch hinzu. Das ist ein ziemlich starkes Bild. Das war aber 100% so beabsichtigt. Was hätte ich denn sonst machen sollen? Blumen auf das Cover packen? Das hat es doch schon alles gegeben - und das ist meine ernsthafteste Scheibe bisher überhaupt." Gus verwendet aber doch immer wieder gerne Metaphern, oder? "Ich denke, dass ich dieses Mal doch ziemlich geradlinig geschrieben habe", zögert er, "ich beschreibe zum Beispiel den Verlauf eines Tages - wie in 'Out On The Amsterdam' - was übrigens ein Fahrrad ist. Direkter geht es doch nicht mehr, oder?" Eine Songwriterin sagte einmal, dass man Gus durch seine Texte nicht wirklich kennenlernen könne. "Das ist aber nett gesagt", meint Gus mit einem zynischen Unterton, "vielleicht ist das Teil meines Make Ups? Aber ich denke, dass es auf der neuen Scheibe ziemlich viele spezifische Referenzen gibt. Vielleicht habe ich in der Vergangenheit mehr blumige Metaphern verwendet. Aber auf dieser Scheibe bin ich sehr klar, wie ich finde. Ich vermeide blumige Begriffe und komme schneller zum Punkt." Gab es eine musikalische Inspiration bei den neuen Songs? "Das waren die Stimmen und die live gespielte Gitarre. Alles andere musste einfach nachgeordnet sein, da es sich ansonsten erzwungen angefühlt hatte. Wie gesagt: Es sollte alles wirklich und ehrlich klingen."
Was hat es mit der eher ungewöhnlichen Songstruktur auf sich, bei der Gus, wie es scheint, geradezu konventionelle Strophe / Vers-Kombinationen vermeidet. "Ach, das macht doch jeder", grummelt er, "ich versuchte wirklich nichts anderes zu tun, als eine Scheibe für mich selbst zu machen. Wenn dies nicht unbedingt den Regeln folgt, dann sei es eben so." Was muss ein guter Gus Black-Song denn haben? "Eine Melodie und ein emotionales Zentrum", überlegt Gus, "ich muss damit jedenfalls emotional verbunden sein." Warum flüstert Gus auf der neuen Scheibe vornehmlich? "Das ist meine bevorzugte Art zu singen", verrät er, "ich denke, dass ich in meinem Leben als Sänger zu stark übertrieben habe. Wenn ich mir heutzutage meine Live-Vorträge anhöre, dann kann ich das nicht ab. Ich fühle einfach, dass es so richtiger ist." Was war denn die größte Herausforderung bei dem neuen Material? "Es zu beenden", meint Gus, "es ist eine einfache Scheibe und es gab nicht viel, hinter dem ich mich verstecken konnte. Also wollte ich, dass genügend da ist, um es für mich interessant zu halten - aber nicht sehr viel mehr. Das war ein schmaler Grat." Woher wusste Gus denn, wenn ein Song fertig ist? "Wenn er mich nicht mehr belastete", sagt er wie aus der Pistole geschossen, "so lange er nicht fertig war, hatte ich ihn dauernd im Kopf und ich musste daran arbeiten. Es war wirklich eine Erleichterung, wenn die Songs fertig waren." Was passiert denn mit dem Material, das er mit der Band einspielte? "Ich will mal sehen, wo mich diese Scheibe hinführt, bevor ich mir überlege, wie es weitergeht", zögert Gus, "es ist nämlich so, dass ich normalerweise immer gleich mit einer Scheibe abschließe, wenn ich damit fertig bin - und das möchte ich in diesem Fall noch nicht." Warum arbeitet Gus auf der neuen Scheibe mit anderen Musikern als sonst? "Weil ich mich an einer anderen Position im Leben befinde und ich fühlte, dass meine Musiker sich mit dem neuen Material nicht wohl fühlten. Die Leute, mit denen ich arbeite, sind alles meine Freunde und wir hatten immer schon mal zusammen arbeiten wollen." Wie funktioniert das Ganze denn im Live-Kontext - insbesondere mit den älteren Stücken? "Meine älteren Stücke interessieren mich momentan nicht besonders. Es ist sowieso so, dass ich nach einer gewissen Zeit meine älteren Sachen verdränge und freigebe. Ich konzentriere mich momentan auf die Präsentation der neuen Songs. Und diese werde ich auf jeden Fall mit den Ladies zusammen vortragen. Und dann werden wir ja sehen, wie es weiter geht, wie die Fans die Scheibe aufnehmen und was als nächstes passiert." Eines ist Gus Black auf jeden Fall jetzt schon gelungen: Mit "Today Is Not The Day" hat er ein bemerkenswert aufrichtiges und auch mutiges, integeres Album geschaffen, das ihm garantiert, dass er - egal was auch passieren mag - jeden Morgen in den Spiegel schauen kann. Und das muss man auf jeden Fall anerkennen.
Weitere Infos:
www.gusmusic.com
www.myspace.com/gusblack
Interview: -Ullrich Maurer-
Foto: -Pressefreigaben-
Gus Black
Aktueller Tonträger:
Today Is Not The Day To F@ck With Gus Black
(India Records/Rough Trade)




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