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THE DISCIPLINES
 
Kein Ballast
The Disciplines
In Norwegen sind es derzeit vornehmlich weibliche Singer/Songwriter, die angesagt sind: Zerbrechliche Interpretinnen, sanfte Musik. Doch was läuft im norwegischen Radio rauf und runter? Die von den Plattenfirmen hofierten Folk-Pop-Songs der holden Weiblichkeit? Nein! Stattdessen lief diesen Sommer vor allem das garagig-raue Demo einer völlig unbekannten Band auf Hochtouren: die ersten Aufnahmen von The Disciplines! Hinter dem neuen Namen verstecken sich alte Hasen: Frontmann und Sänger Ken Stringfellow (The Posies, Big Star, R.E.M.) sowie drei Viertel der norwegischen Band Briskeby, Gitarrist Björn Bergene, Bassist Baard Helgeland und Drummer Claus Larsen.
Kennengelernt hatten sich die Musiker im November 2001 auf der Aftershow-Party der MTV Music Awards in Frankfurt. Rund fünf Jahre und diverse Tourneestops und Trinkgelage in Oslo später fand sich Stringfellow dann als Duettpartner auf dem Briskeby-Song "Joe Dallesandro" wieder. Die Nummer wurde ein Single-Hit in Norwegen, und Stringfellow flog gleich mehrfach ein, um das Stück gemeinsam mit Briskeby zu performen. Aus der Idee, für eine Norwegen-Tournee im Februar 2006 The Posies als Supportact für Briskeby zu engagieren, wurde zwar nichts, dafür trat Stringfellow solo im Vorprogramm auf. Allerdings spielte er nur einen Teil seines Sets wirklich solo, für einige Nummern lieh er sich nämlich Briskeby (minus Sängerin Lise Karlsnes) aus, die ihn bei drei seiner Songs auf der Bühne unterstützten. Sogar den Namen The Disciplines hatte Stringfellow für das neue Quartett, das es zu dem Zeitpunkt eigentlich noch gar nicht richtig gab, bereits spontan parat.
"Als wir auf die Bühne kamen, stelle uns Ken, vermutlich ohne groß darüber nachzudenken, kurzerhand als The Disciplines vor", erinnert sich Björn, als wir das Quartett vor seinem Deutschland-Debütkonzert in Berlin treffen, und Claus ergänzt: "Wir hatten vorher überhaupt nicht darüber gesprochen. Ken sagte einfach: 'Bitte, heißt recht herzlich The Disciplines willkommen!' Wir schauten uns an - The Disciplines? Das sind dann wohl wir!" Auch wenn Stringfellow seine neuen Bandkollegen mit dem Namensvorschlag zugegebenermaßen ziemlich überrumpelt hatte, blieb es bei dem Namen. "Ich fand, er hatte dieses Science-Nerd-Mäßige, was mir gut gefiel", erklärt Ken. "Außerdem gibt es nicht besonders viele Ein-Wort-Bandnamen, die es noch nicht gibt. Disciplines scheint noch niemand benutzt zu haben - und ich hab wirklich überall geschaut. Es gibt einen Hip-Hopper in den Staaten, der noch nicht einmal als Künstler, sondern nur als MySpace-Adresse diesen Namen benutzt, aber das ist auch schon alles."

Die spontane Vorprogramm-Kollaboration sorgte bei allen Beteiligten für geradezu unerwartet viel Begeisterung. Diese drei Songs mit Ken zusammen zu spielen, fühlte sich völlig natürlich an", erinnert sich Björn. Allerdings sind weder Stringfellows noch die Briskeby-Songs mit dem vergleichbar, was nun von The Disciplines laut und herrlich roh aus den Boxen schallt. Wie kam es zu dieser Hinwendung zum Garagen-Sound? "Ich habe keine gute Erklärung dafür", gesteht Björn. "Allerdings ist es bei Briskeby so, dass es von meiner ersten Idee bis zum letzten Endes fertigen Song unglaublich viele Schritte gibt. Bei den Disciplines sind die Wege viel kürzer."

Den wunderbar ungeschminkten Sound der vier derzeit kursierenden Demo-Aufnahmen wollen die Musiker auch für ihr Debütalbum beibehalten. Allerdings wären sie nicht die Ersten, die bereits bei der Debüt-LP anfangen, Kompromisse zu machen. Wie also wollen sie die Aufnahmen zum Album angehen? "Am liebsten würde ich das Konzert heute Abend aufnehmen und das veröffentlichen", erwidert Björn. "Das ist jedenfalls der Sound, der uns vorschwebt: so wenig Produktionstechnik wie möglich." - "Es ist denkbar, dass wir ein Drittel der Songs für das Album bereits eingespielt haben, ohne es zu wissen, einfach, indem wir Demos der Stücke aufgenommen haben", ist sich Ken sicher. "Je mehr wir den Songs jetzt noch hinzufügen, desto weiter würden wir uns von ihrem wahren Gesicht entfernen. Einigen Aufnahmen, die wir mit einem Tontechniker in unserem Proberaum gemacht haben, fehlt die klangliche Qualität, um sie zu veröffentlichen, aber einige klingen genau so, wie sie sich auch auf dem Album anhören sollen."

Das klingt nach einem hehren Vorhaben, scheint aber doch ein großer Schritt für die Beteiligten zu sein. Immerhin haben sie bei ihren früheren Bands und Projekten immer ganz besonders auf eine ausgefeilte Produktion geachtet. Doch Stringfellow glaubt, dass Hi-Fidelity, wie sie uns durch teure Studioproduktionen suggeriert wird, in heutigen Zeiten weniger wichtig ist. "Die heutige Generation von Musikhörern hat bereits an sehr vielen Sachen Gefallen gefunden, die nicht in teuren Studios, sondern bisweilen sogar zu Hause aufgenommen worden sind. Das ist eine ganz andere Art von Fidelity, die viel näher an der Realität ist als der makellose Studioklang. Mir fällt ehrlich gesagt ein Stein vom Herzen, dass sich die Menschen mit diesem Sound arrangieren können, weil es so viel einfacher ist, ihn zu realisieren. Ich sehe sogar die Gefahr, dass, wenn man sich heute in ein großes Studio begibt und seine Musik auf Makellosigkeit trimmt, sie letzten Endes austauschbar klingt. Wenn wir bei uns im Proberaum aufnehmen, gibt es kein Vertun. Da gibt es nur uns!"

Für die Debütsingle auf dem österreichischen Weekender-Label fiel die Wahl auf den Song "Best Mistake". Ist der knackige Ohrwurm ein persönliches Lieblingslied der Band, oder warum fiel die Wahl ausgerechnet auf diese Nummer? "Das war unser allererster Song", verrät Baard. "Das heißt natürlich nicht, dass er deshalb die erste Single sein musste, aber uns gefiel der natürliche Sound des Songs." - "In gewisser Weise war das unser ganz persönlicher 'Best Mistake'", sagt Björn. "Wir wussten überhaupt nicht, in welche Richtung wir uns bewegen sollten, und plötzlich war dieser Song da, und als wir ihn spielten, war uns blitzartig klar, welchen Weg wir einschlagen würden!" Stringfellow sieht das ähnlich: "Er hat all die Elemente, die uns gefallen. Er ist kurz und höchstmelodisch. Außerdem hab ich es beim Text - anders als sonst – nicht übertrieben, er ist eher wie eine Konversation." Ein Song also, der als Blaupause für viele nachfolgende Disciplines-Nummern herhalten konnte: Unter Zweieinhalb Minuten lang, hohes Tempo, direkte, kaum verklausulierte Texte. Rund ein Dutzend scheppernder Rohdiamanten aus eigener Feder haben The Disciplines inzwischen im Programm, dennoch sind sie auch berüchtigt dafür, "Flavor Of The Month" zu covern. Eine Wahl, die nur auf den ersten Blick naheliegt, denn der Song stammt zwar von Stringfellows alter Band The Posies, wurde aber nicht von ihm, sondern vom zweiten Frontmann Jon Auer geschrieben. Warum ausgerechnet ein Auer-Song, wenn man Stringfellow in der Band hat? "Na ja, wenn man sich etwas von The Posies aussucht, liegt Jon einfach näher, oder?", fragt Claus schelmisch zurück und fügt abschließend hinzu: "Außerdem sind seine Songs schlicht und ergreifend einfacher zu lernen!"
Weitere Infos:
www.thedisciplines.com
www.myspace.com/disciplines
Interview: -Carsten Wohlfeld-
Foto: -Mathieu Zazzo-

Aktueller Tonträger:
Best Mistake (7
(Weekender Records)


The Disciplines

 
 

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