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TILMAN ROSSMY QUARTETT
 
Ein alter Bekannter kehrt zurück
Tilman Rossmy Quartett
"'In einem fremden Land' kommt einem schon nach dem ersten Hördurchgang wie ein lange verschollener alter Bekannter vor, was vielleicht daran liegt, dass es auch auf diesem Output wieder Tilman Rossmys einzigartige Stimme ist, die alles zusammenhält. Diese mitunter nölige, lakonische, ja manchmal schelmische Art und Weise zu singen, manchmal auch nur rhythmisch zu sprechen, machen diesen Mann zu einer Ausnahmeerscheinung im Musikgeschäft." Das schrieb der Kollege Carsten Wilhelm unlängst an dieser Stelle über das hervorragende neue Album des Tilman Rossmy Quartetts.
Vier Jahre mussten wir auf "In einem fremden Land" warten, vier Jahre, die Rossmy nicht zuletzt damit füllte, seine alte Band Die Regierung in komplett runderneuerter Besetzung an den Start zu bringen. Ihr Debüt feierte sie mit einem viel beachteten Auftritt beim Immergut Festival 2006. Die Zukunft des Tilman Rossmy Quartetts, jener gut geölten Landstraßenkapelle, mit der Rossmy in den letzten 15 Jahren so spielend die Kurve vom Rumpelklang der alten Regierung über countryeske Lässigkeit zu einem authentisch eigenen Sound geschafft hatte, schien - zumindest für Außenstehende - lange ungewiss. "Ja, das haben alle gedacht, inklusive der Band, dass ich mich auf die neue Regierung konzentrieren würde, aber das war von mir eigentlich nie so beabsichtigt", erklärt Rossmy im Gespräch mit Gaesteliste.de. Vielmehr sei die neue Regierung vor allem eine gute Entschuldigung gewesen, nach dem Arbeitstag im Home Office noch vor die Tür zu kommen.

Dennoch deuten verschiedene Songs auf der neuen Platte, nicht zuletzt ob des Gesangs, in Richtung von Rossmys Frühphase. "Nun, ich hab ein paar Chöre gesungen, was ich auf den bisherigen TRQ-Platten eigentlich nie gemacht hab, auf den Regierungs-Platten aber immer. Ansonsten ist meine Stimme halt meine Stimme. Viele kommen damit nicht so gut klar. Ein paar Leute gibt's auch, die sie mögen. Singen kann ich sicher nicht..." War die klangliche Erneuerung denn eine beabsichtigte Veränderung? "Das ist einfach so passiert", antwortet Rossmy. "Wir machen ja keine großen Pläne, wir stehen irgendwann im Studio, und dann kommt's so raus, wie es rauskommt. Folke und Ralf bearbeiten die Tracks anschließend noch ein wenig, sodass es mal etwas mehr arrangiert und produziert ist, mal weniger. Ich hab das irgendwann aufgegeben, einen bestimmten Sound erreichen zu wollen. Es kommt halt immer anders, solange man nicht alles selbst machen will."

Einige Formulierungen und Themen tauchen gleich in mehreren Songs auf. Zufall oder Konzept? "Zufall ist das nicht, aber es ist auch kein Konzept. Ich seh das so, dass meine Songs mantrahafte, wiederholende Variationen des immergleichen Themas sind, mit ein paar überraschenden Ausbrechern, die aber im Prinzip auch wieder ein und dasselbe ansprechen", erwidert Rossmy augenzwinkernd. Neu dagegen sind in jedem Fall die Fußballmetaphern beim ersten Song des neuen Albums, "So können wir auch sein"! "Okay, das ist dann vielleicht so ein Ausbrecher, inspiriert von der Weltmeisterschaft 2006, die mich wiederum sehr an meine Zeit erinnert hat, in der ich eine Gestalttherapie gemacht habe, wo es oft darum ging, sich die Sachen, von denen man glaubte, dass sie nicht für einen taugen oder dass man sie nicht kann, zu eigen zu machen, und so war's dann ja auch. Die alte Gurkentruppe war auf einmal die geilste Mannschaft des Turniers, jung, spielerisch, inspiriert, so wie wir alle in Wirklichkeit sind (lacht)."

Genauso überraschend wie der "Fußballsong" zu Beginn dürfte für viele auch "Let There Be Mercy" sein, die englischsprachige Nummer (Rossmys erste selbstverfasste), die das Album beschließt. Ein Signal für die Zukunft? "Nein, den hab ich in meiner Zeit in Schottland geschrieben, und da spricht man halt (so eine Art) Englisch. So lange ich mich im deutschsprachigen Raum aufhalte, wird's wohl bei deutschen Texten bleiben."

Neu ist auch, dass es mit "In einem fremden Land" erstmals seit Jahren mit Bookingagentur (Buback), Verlag (Sempex) und dadurch auch dem Schreiber des Presseinfos (Ale Dumbsky) wieder einige unübersehbare Verbindungen in Rossmys langjährige Heimat Hamburg gibt. "Das hat mich genauso überrascht wie dich", gibt Rossmy zu. "Die ganze HH-Connection hat allerdings Folke an den Start gebracht. Das ist ins Rollen gekommen durch die Van-Morrison-Coverversion, die wir uns ja vom Verlag genehmigen lassen mussten, und da hat Arne geholfen. Ist schon ein wenig obskur, nach all den Jahren auf einmal mitten drin in der ganzen Zitronen-Mafia ..."

Eine weitere wichtige Veränderung wird es derweil bereits auf der von Gaesteliste.de präsentierten Tournee geben, die das TRQ im Mai durch Deutschland und die Schweiz - wo Rossmy übrigens seit einiger Zeit heimisch ist - führen wird. Nach zehn Jahren in identischer Besetzung hat sich Schlagzeuger Rob Feigel wegen "musikalischer Differenzen" vom Quartett verabschiedet. Vorläufig wird er vom Drummer der neuen Regierung vertreten. Mittelfristig könnte sich Rossmy allerdings noch eine weitere Umbesetzung in der Band vorstellen, wie er uns abschließend verrät: "Ich spiel immer noch mit der Idee eines Tilman Rossmy Quartetts mit einem anderen Sänger oder einer Sängerin, vielleicht bei der nächsten Tour. Dann steh ich auch im Publikum, wenn sie nach Bern kommen!"

Weitere Infos:
www.tilman-rossmy.de
www.myspace.com/tilmanrossmyquartett
Interview: -Carsten Wohlfeld-
Foto: -Pressefreigabe-
Tilman Rossmy Quartett
Aktueller Tonträger:
In einem fremden Land
(Popappeal/Broken Silence)




Tilman Rossmy Quartett

 
 

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