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LOW
 
Flying Low
Low
"Paß auf, die sind nett, aber nicht sonderlich interessant", warnte der hilfsbereite Kollege vor dem Termin mit Low. Daß eine Band, deren Songs so langsam sind, daß sie beinahe statische Qualitäten aufweisen und die so leise spielen, daß man am besten das Atmen einstellt, wenn man irgend etwas mitbekommen möchte, nicht eben adrenalinsprühende Derrwische sein können, ist beinahe selbstverständlich. Dennoch muß jemand, der sowas konsequent durchzieht, doch irgendwie interessant sein. Low, das ist das (Mormonen-) Ehepaar Alan Sparhawk (Gesang und Gitarre) und Mimi Parker (Gesang und Perussion) sowie Zak Sally (Bass & Keyboards). Low kommen aus Chicago.
Der beste Einstieg zu Low ist sicherlich ein Live-Konzert. Dadurch erklärt sich nämlich vieles, was auf den Platten passiert von selbst. Jegliches Bemühen der Band scheint darauf ausgerichtet zu sein, sich selbst überflüssig zu machen. Da gibt's keinerlei Gimmicks (einmal abgesehen von zwei Plastikfiguren in Alan's Hemdtasche, mit der er einen Song "visualiert", keinerlei Konzessionen an Mode oder Modernität und vor allen Dingen kein Rockkonzert im üblichen Sinne. Zak Sally spielt die ganze Zeit mit dem Rücken zum Publikum. Das Schlagzeug von Mimi Parker dient öfter zur Ablagefläche für Drumsticks denn als rhythmisches Zentrum des Geschehens und Alan's Gitarre wird so zärtlich gestreichelt, daß es schon beinahe obszön wirkt. Dennoch muß ja irgendwo diese Faszination herrühren, die es ermöglicht, eine Show, in der praktisch nichts passiert, überhaupt zu ertragen.

Da sind wir auch ganz schnell beim Kern der Sache angelangt. Auf die Einstiegsfrage nämlich, wie denn Mimi das Konzept "Rhythmus" überhaupt angehe, antwortet sie nach kurzem überlegen:

"Gar nicht. Bei uns gibt es Rhythmus in dieser Form eigentlich nicht. Das, was ich tue, ist als Teil des Songs zu sehen. Besonders auf unserer letzten Platte ("Secret Name")."

In der Tat zählen bei Low andere Werte, als bei anderen Bands. Dennoch kommt Mimi's Aussage ein wenig überraschend, denn zum Songformat entwickelte sich die Band erst nach und nach. Und nach wie vor ist auch immer noch der Soundaspekt wichtiger als andere Strukturen. Das merkt man, wenn man nach der Bedeutung der Texte fragt:

"Nun ja, unsere Texte haben schon eine Bedeutung", meint Mimi auf die Frage, ob die Sachen bei Low vollkommen assoziativ daherkommen, "nimm z.B. den Song 'Weight Of Water' auf der neuen CD. Da hatte ich das Bild eines Ertrinkenden im Kopf. Aber es ist schon so, daß die Texte dazu dienen, den Song zu vollenden. Es gehört alles zusammen."

Es ist schon schwierig, irgendwelche konkreten Stellungnahmen von einer Band zu erhalten, deren Selbstzweck die Musik ist. Das ist überhaupt nicht negativ gemeint, denn das alleine ist ja im Prinzip die ideale Selbstverwirklichung. Sowas braucht man nicht zu kommentieren. So laufen denn auch nachfolgende Fragen nach einem bestimmtem Sinn oder Zweck ins Leere.

Das Artwork z.B. - ein Blumenstrauß auf der Vorderseite, drei Stoffstreifen auf der Rückseite - kein besonderer Sinn. Es sollte etwas schönes, friedliches sein. Oder das Thema "Tanz", welches sich gleich auf mehreren Songs findet: Ein Zufall, denn in den Songs geht es um's Tanzen. Der Titel der Platte: "Secret Name" - eine Zeile aus einem Song, wie die meisten Plattentitel von Low. "Und jeder hat einen geheimen Namen", deutet Mimi an, ohne dies auszuführen - denn da gibt es - mangels philosophischem Unterbau - nichts auszuführen.

Nun gut, die zweifelsohne vorhandene Schönheit und Simplizität der Musik mal beiseite lassend: Wo kommt denn da der Spaß ins Bild? Irgendwo muß die Motivation doch begründet liegen, Musik zu machen - auch oder gerade dann, wenn sie Selbstzweck ist.

"Nun ja, wir haben schon Spaß", lacht Mimi (doch, doch), "wo wäre sonst der Witz sowas zu machen. Bei mir ist es die Liebe zu den Songs."

"Spaß ist vielleicht nicht das richtige Wort", schränkt Zak ein, "es geht eher um die Freude am Musizieren."

Was uns zu einem interessanten Punkt bringt: Die Musik von Low spielt sich innerhalb enger Grenzen ab. Wohin entwickelt sich die Band denn weiter? Die Möglichkeiten der Variation sind ja doch eher eingeschränkt.

Low
"So denken wir nicht", antwortet Mimi, "wir werden diese Musik wohl weiter machen, bis wir sie selbst nicht mehr ausstehen können. Wir haben uns ja selbst diese Grenzen gesteckt. Alan hat früher auch mal Rockmusik gemacht, aber für mich war es von Anfang an klar, daß ich diese Art von Musik machen wollte. Es ist ja auch eine interessante Herausforderung, innerhalb unserer Grenzen zu arbeiten."

Wie entstehen die Songs denn?

"Da gibt es kein fertiges Rezept", antwortet Zak, "Alan schreibt die meisten Songs. Dann versuchen wir irgendwie, sie in unser Konzept einzubringen. Wer die Songs dann singt, entscheidet sich meist aus der Situation heraus."

"Nun ja, manchmal muß man da auch ein wenig nachhelfen", schränkt Mimi ein, "wenn mir ein Song besonders gut gefällt, bin ich auch bereit, dafür zu kämpfen."

Innerhalb der Low-typischen Grenzen vermutlich. Diese spielen auch bei der beinahe asketischen Live-Darbietung eine große Rolle. Also nochmals: Ein Low-Konzert ist eine Sache, auf die man sich einlassen muß. Auch wenn Low festhalten möchten, daß sie dem Zuhörer nicht bewußt etwas abverlangen möchten, muß man doch zumindest die Bereitschaft zum Zuhören mitbringen. Was aber nicht unbedingt eine schlechte Sache ist.

Ach ja, eine Sache noch: Low klingen nicht wie Smog (heute weniger denn je) - auch wenn das überall zu lesen steht...

Ein Gruß per MP3-Datei von Low (150KB, gezipped)

Interview: -Ullrich Maurer-
Fotos: -Ullrich Maurer-
Low
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