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THE WALKMEN
 
Groß, aber distanziert
The Walkmen
Nach einem vergleichsweise durchwachsenen Gastspiel in Oberhausen im Jahre 1999 haben sich R.E.M. geschworen, nie wieder ein Konzert am Tag nach dem Glastonbury-Festival anzusetzen. In abgewandelter Form möchte man das auch The Walkmen empfehlen: Vielleicht sollte die hochgelobte US-Band, die einst aus der Asche von Jonathan Fire*Eater und The Recoys hervorging, einfach am Tag nach einem Auftritt in Amsterdam eine Pause einlegen. Dieses Mal allerdings machte das Quintett im Kölner Gebäude 9 Station, und auch wenn der Auftritt musikalisch durchaus beeindruckend war, deutet das Drumherum doch an, dass wir "nur" The Walkmen-by-numbers erleben durften.
Das war ziemlich schade, schließlich war die Show in Köln - wenn wir nicht irren, die erste seit November 2002 - lang erwartet, und mit dem ausgezeichneten neuen Album "You & Me" als zusätzliche Empfehlung hatte man eigentlich das Gefühl, dass gar nichts schiefgehen konnte. Wohl auch, weil ausgerechnet die Songs, die laut Forumsberichten auf der unlängst in den USA zu Ende gegangenen Tournee für feuchte Augen bei den Fans gesorgt hatten, in Köln praktisch komplett fehlten, zündete der Auftritt allerdings leider nie richtig. Das lag vor allem auch am hünenhaften Frontmann Hamilton Leithauser, der das Konzert zwischen den Songs fast völlig stumm, dafür aber auch beim Singen Kaugummi-kauend absolvierte und damit das Publikum kaum für sich einnehmen konnte. Da half es auch nichts, dass die New Yorker per Annonce zwei zusätzliche Kräfte verpflichtet hatten, die mit Trompete und Posaune eine Handvoll Songs von "You & Me" und den heimlichen Hit aus dem Jahre 2006, "Lousiana", effektvoll veredelten.
Das alles hatte sich vor dem Konzert allerdings schon angekündigt, denn bereits bei unserem Interview einige Stunde vor Showtime zeigte sich Leithauser äußerst einsilbig. Erst als wir ihn auf die eindrucksvolle Daytrotter-Session (www.daytrotter.com) im vergangenen Frühjahr ansprachen, bei der The Walkmen gleich vier zumeist eher obskure Leonard-Cohen-Songs brillant coverten, taute er ein wenig auf. "Das war eine völlig spontane Idee, die uns erst auf dem Weg zum Studio gekommen war", erklärt er. "Eigentlich war nämlich gar nicht geplant, Coverversionen zu spielen, aber nur neue Versionen unserer eigenen Songs dort aufzunehmen, wäre ja zu langweilig gewesen. Proben mussten wir dafür nicht, denn nachdem wir die Songs in den letzten rund zwanzig Jahren wieder und wieder gehört haben, können wir sie einfach spielen!"
Das erklärt vermutlich auch, warum es The Walkmen auf "You & Me" erneut mühelos schaffen, trotz vertrackter Ansätze und scheinbar wirrer musikalischer Ideen nie den Kontakt zum klassischen Drei- oder Vier-Minuten-Popsong zu verlieren und trotz eines schweren Teppichs aus Melancholie, der sich über ihre Songs legt, dennoch viel Wärme auszustrahlen. Oder, wie es ein Kollege in der Westzeit auf den Punkt brachte: "Niemand anders kann derzeit so schön leiden, flehen und das Licht am Ende des Tunnels suchen wie sie."
In Amerika hat sich das inzwischen herumgesprochen, und nicht nur in ihrer Heimatstadt New York, wo The Walkmen zuletzt gleich zwei Konzerte im rund 700 Menschen fassenden Bowery Ballroom absolvierten, um dem Fanansturm gerecht zu werden, erfreut sich die Band steigender Popularität. Hierzulande sind die fünf Herren bisher dagegen vor allem Presselieblinge. Letzteres ist allerdings etwas, das Leithauser durchaus zu gefallen scheint. "Daheim stehen wir kurz vor dem großen Sprung, und eine Menge Leute hat uns inzwischen schon wirklich oft live gesehen. Viel schöner finde ich es allerdings, vor einem Publikum zu spielen, das uns noch nicht kennt. Deshalb spiele ich sehr gerne in Europa", lässt er uns wissen. Schade eigentlich, dass unser Gespräch vor dem Konzert stattfand, sonst hätten wir ihn fragen können, warum man davon bei der Show in unserem Kölner Lieblingsclub vergleichsweise wenig merken konnte. Aber wir haben ja zum Glück noch die Platten, und an der Tatsache, dass "You & Me" zu den schönsten Werken des ausklingenden Jahres gehört, ändert auch das Auftreten der Band in Köln nichts.
Eine letzte Frage noch an Herrn Leithauser: Wen - tot oder lebendig - hätten The Walkmen denn gerne mal auf der Gästeliste eines ihrer Konzerte? "Elvis!", entgegnet der Frontmann. "Warum? Na, ist doch klar, weil er der King ist!"
Weitere Infos:
www.marcata.com/walkmen
www.myspace.com/thewalkmen
Interview: -Simon Mahler-
Foto: -Pressefreigabe-
The Walkmen
Aktueller Tonträger:
You And Me
(Talitres/Rough Trade)




The Walkmen

 
 

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