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RACHAEL YAMAGATA
 
Vom Vampir zum Buchhalter
Rachael Yamagata
Angesichts des Portfolios, das Rachael Yamagata präsentiert, könnte man auf den Gedanken kommen, die smarte Songwriterin sei auf die Rolle des "speziellen Gaststars" abonniert. So trat Rachael nicht nur in unzähligen US-Fernsehserien und -Shows auf, sondern bereicherte auch die Projekte ihrer Kollegen Conor Oberst, Jason Mraz, Ryan Adams, Ray LaMontagne und Mandy Moore mit eigenen Beiträgen. Umgekehrt spielen auf ihrer neuen Scheibe - neben ihrem langjährigen musikalischen Partner Mike Mogis (Bright Eyes) auch Maria Taylor, James Valentine, Kevin Salem und Ray LaMontagne als Gäste. Doch dahinter steckt kein Masterplan, wie Rachael fast entschuldigend erklärt.
"Das sind eher Bekanntschaften, die sich zufällig ergeben haben", meint sie, "Conor habe ich z.B. durch Mike Mogis, meinen Produzenten, der ja auch in Bright Eyes ist, getroffen. Ryan Adams und ich sind zusammen getourt. Er hat mir eine eMail geschrieben, weil er meine Scheibe mochte, Rhett Miller hatte ich vorher noch nie getroffen und Jason Mraz ist auch eine neue Bekanntschaft. Für mich ist das natürlich ein glücklicher Umstand, weil ich in der Phase, in der ich auf die rechtlichen Dinge warten musste, etwas zu tun hatte." Wie man es nimmt: Diese zahlreichen Kollaborationen sind sicherlich teilweise der Grund, warum zwischen ihrem ersten Solo-Album, "Happenstance" und dem neuen Werk "Elephants... Teeth Sinking Into Heart" fast fünf Jahre ins Land gingen. "Der Zeitsprung zwischen den beiden Veröffentlichungen hat mit Business-Routine zu tun", erklärt Rachael, "die erste Scheibe kam 2004 raus und ich bin damit bis gegen Ende 2005 getourt. Dann habe ich mir neun Monate Zeit genommen, um neues Material zu schreiben. Damit sind wir dann im März 2006 ins Studio gegangen und haben es zwei Monate später fertiggestellt. Im Herbst 2006 war alles komplett fertig. Zu genau diesem Zeitpunkt verließ mein A&R-Manager die Plattenfirma, um sein eigenes Label zu gründen. So stand ich dann ohne Plattenvertrag da. Ich brauchte anderthalb Jahre, mir ein neues Management zu suchen, ein neues Label zu finden und meine ganze Mannschaft zusammenzusuchen. Obwohl ich Anfang 2008 ein neues Label fand, dauerte es noch bis Juni, bis alles vertraglich unter Dach und Fach war und ich mein Album herausbringen konnte." Gab es denn da nie die Versuchung, das Material zu verändern? "Nun, ich war öfters in Versuchung, es zu verbrennen", scherzt Rachael, "aber dann haben wir doch nichts geändert."
Das neue Album stellt eine Besonderheit dar: Es ist dies dabei weniger eine klassische Doppel-CD, als vielmehr ein Album in zwei Teilen. Der erste, "Elephants", dokumentiert auf neun Stücken (plus Hidden-Track) eher düster-balladesken Charakters den Zerfall einer Beziehung, während der zweite mittels fünf eher ruppiger Pop-Rock-Nummern den "emotionalen Rückstoß" illustriert. Der zweite Teil ist dabei erheblich kürzer als der erste. Rachael ist aber eine sehr produktive Songwriterin und sitzt auf einem Katalog von 150 unveröffentlichten Songs. Warum ist das Verhältnis dann nicht ausgewogener? "Wir haben für die Scheibe sogar 25 Songs aufgenommen", gesteht sie, "aber diese passten nicht alle. Und ich schrieb auch mehr Balladen als Rocksongs und wollte diese dann nicht unbedingt auffüllen. Betrachte es also eher als Album und EP. Das stört mich zwar ein wenig, aber ich wollte es nicht übertreiben mit dem Herumdoktern." Es gibt einen Hidden-Track auf der ersten Scheibe. Was hat es damit auf sich? "Ich mag Hidden Tracks - das sind immer kleine Extras. Es ist so, dass dieser Song sehr gut zum Konzept passte. Der erste Song ist wie ein Märchen, eine Fabel - und im Folgenden geht es um die Erklärung dieses Themas, bis es im letzten Song von Teil 1, 'Horizon', als eine Art bittersüßes Resümee. Die Erkenntnis ist, dass es aber keine Auflösung der Situation gibt - deswegen auch der Hidden Track. Das Einzige, was ich bereue, ist, dass ich keinen Hidden Track für die ganze Scheibe habe. Aber die Aussage des Songs - dass ich nicht zu sehr an mir selbst festhalten will - passte besser an diese Stelle." Rachaels Songs stellen sich meist in der Form eines Gespräches dar - jedenfalls adressiert sie in ihren Songs immer ein Gegenüber. "Das stimmt wohl, bestätigt Rachael, "wenn ich schreibe, dann denke ich oft an Gespräche mit einer bestimmten Person - oder aber ich beziehe und projiziere alles auf ein Gespräch. So komme ich am besten zu recht. Ich habe durchaus versucht, andere Songs zu schreiben - politische Songs, universelle Songs oder Songs mit anderen Themen. Ich finde diese jetzt nicht unbedingt schlecht, aber mir kommt es so vor, als glaube ich mir diese selber nicht so ganz richtig. Ich kann diesen jedenfalls nicht denselben Status einräumen, wie den anderen. Also bleibe ich lieber bei meiner Methode: Alles, was ich in einer bestimmten Beziehung nicht ausdrücken konnte, kann ich so in einem Song sagen. In den Songs geht es ja um das Zerbrechen einer Beziehung." So gesehen, wird da inhaltlich vergleichsweise wenig angeklagt oder Schuld zugewiesen. Wie sieht Rachael denn diesen Aspekt? "Mir geht es darum, all diese Bemühungen zu beleuchten, die wir durchleben, obwohl wir sie gar nicht durchleben müssten. In einer perfekten Welt hätten wir die Möglichkeit, mit jedermann auf Herzensebene Verbindungen aufnehmen zu können. Es gibt aber so viele soziale Regeln und Strukturen, die dieses erschweren. Ich kann also nicht irgendjemand anderem die Schuld an irgendetwas zuschieben, an dem ich selber auch Schuld bin. Schließlich ist ja niemand perfekt. Zugegeben: Auf dem zweiten Teil der CD gibt es mehr Augenzwinkerndes - aber das ist nur eine Facette."

Welche treibende Kraft steckt denn - Rachaels Meinung nach - hinter dem Ganzen? "Da gibt es viele Theorien", überlegt sie, "es ist witzig, dass du danach fragst. Aber ich hatte mal diesen Freund - ein Psychiater -, der dieses Projekt mit mir machte. Das war insofern bemerkenswert, als dass das Ergebnis aussagte, dass ich turbulente Situationen geradezu anziehe und mich auch selbst zu diesen hingezogen fühle. Ich selbst glaube gar nicht, dass ich Pech in der Liebe habe. Ich verliebe mich immer recht schnell und heftig. Aber ich fühle mich zu introspektiven Seelen hingezogen, die selber für sich versuchen, herauszufinden, worum es im Leben überhaupt geht. Warum das so ist, weiß ich nicht. Ich würde mich gerne mal in einen Buchhalter verlieben - das wäre sicherlich weniger schwierig." Nun, inhaltlich mangelt es Rachael offensichtlich nicht an Inspirationen. Wie sieht das denn musikalisch aus? "Ich interessiere mich für alles mögliche - verschiedene Genres. Zum Beispiel mag ich, wie Tom Waits organische Instrumente als Perkussion einsetzt. Ich liebe Led Zeppelin-Gitarrensoli. Ich mag cinematische Themen. Ich liebe Rufus Wainwright und seine Art Instrumente zu schichten. Ich mag Jeff Buckleys Gesang und die Art, wie er seine Songs aufbaut und strukturiert und die Drumparts mit dem Gesang verwebt. Ich mag aber auch simples, klassisches Songwriting - Stevie Nicky, Carole King oder Paul Simon. Einfach die Möglichkeit, mit einer simplen Zeile etwas aussagen zu können." Von Laura Nyro hat Rachael hingegen erst aus zweiter Hand gehört. "Ja, mein A&R gab mir eine Scheibe von ihr, weil ich ihn an sie erinnerte. Sie ist brillant, denn ich war immer davon fasziniert, wie sie mit den Wechseln in Ihren Songs umgeht und ich mag ihre raue Art zu singen."

Rachael Yamagata
Worauf konzentriert sich Rachael eigentlich beim Singen? Woran liegt es, dass Rachaels Vortrag so intensiv ist? "Das kann man technisch nicht beschreiben", weicht Rachael aus, "die Texte sind mir aber schon sehr wichtig. Ich bin okay als Sängerin und durchschnittlich als Musikerin. Texte sind hingegen meine Stärke. Ich lege also großen Wert darauf, viel Bedeutung in jede Phrase zu legen. Wenn ich mit mit den Texten identifizieren kann, dann denke ich immer an die Situation, in der diese entstanden. Auf der Bühne ist das anders, weil ich Lampenfieber habe. Ich denke dann meistens an meine Katzen, weil die mich glücklich und relaxed machen. Meistens versuche ich aber, irgendwelche Emotionen anzuzapfen, die in die Wörter einfließen können." Wie verhält sich das denn mit den titelgebenden Elefanten oder auch den Zähnen im Herzen? Ist das ein Song über einen Vampir? "Nein - es könnte aber wohl sein", erzählt Rachael, "das mit den Elefanten ist aber noch seltsamer. Ich dachte darüber nach, weil ich in dieser Beziehung war, die sich dem Ende zuneigte. Ich fand diese Karte mit Elefanten darauf. Die Person, die mir die Karte geschrieben hatte, sprach davon, dass Elefanten niemals etwas vergessen, weil sie dieses immense Gedächtnis haben. Ich mochte diese Idee. Ich lief also diesen Hügel in Woodstock rauf und plötzlich war da der ganze Text da. Als ich von dem Lauf zurück kam, hatte ich den ganzen Song fertig. Das war ein wenig seltsam, weil mir so etwas noch nie passiert war und ich habe auch noch nie einen Song mit Tier-Bildern geschrieben. Der Song sagte aber alles aus, was ich sagen wollte. Soweit 'Elephants'. Der andere Titel, 'Teeth Sinking Into Heart', ist eine Zeile aus 'Elephants'. Ich wählte den, weil er düsterer und schmutziger ist. Es ist aber kein Vampir. Es geht hier um eine Beziehung, bei der du von dieser anderen Person physisch und spirituell so ausgesaugt wirst, dass das als Metapher schon relevant wird. Es ist so, als verändere man sich für immer, wenn man sich zu lange damit auseinandersetzt." Aber ist das - abgesehen von den fehlenden Zähnen - nicht im Prinzip die Beschreibung eines Vampirs? "Nun ja, es könnte schon sein. Es ist lustig, weil mich die Leute auf diese Blut-Referenzen auf dem Album angesprochen haben. Und das stimmt ja auch - es war mir nur nicht bewusst."

Was gibt es musikalisch denn als nächstes? "Ich muss dringend wieder ein paar neue Songs schreiben", gesteht Rachael, "ich habe zwar eine Menge für das letzte Album geschrieben - ca. 160 Stück -, aber seither gab es erst ein Weihnachtslied. Dann muss ich natürlich erst wieder touren. Ich hoffe, dass ich im Spätsommer wieder ins Studio gehen kann." Moment mal: Wenn da noch 160 Songs fertig herumliegen, warum müssen es dann neue sein? "Nun, die sind ja nicht unbedingt fertig - sie sind auch nicht alle gut", erklärt Rachael, "ich hebe alles auf, höre mir es dann aber lange Zeit nicht wieder an. Manchmal denke ich mir, dass ich dieses und jenes verwenden sollte. Ich interessiere mich auch für Produktionstechnik. Vielleicht stelle ich ja mal was zusammen und veröffentliche etwas davon. Mal sehen. Aber es gibt da kein Konzept. Auch das aktuelle Album entstand nicht als Konzept. Mal abwarten, was die Zukunft bringt."

Weitere Infos:
www.rachaelyamagata.com
www.myspace.com/rachaelyamagata
de.wikipedia.org/wiki/Rachael_Yamagata
www.warnermusic.de/rachaelyamagata
Interview: -Ullrich Maurer-
Fotos: -Hilary Walsh-
Rachael Yamagata
Aktueller Tonträger:
Elephants... Teeth Sinking Into Heart
(Warner Music)




Rachael Yamagata

 
 

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