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MARIA TAYLOR
 
Planlos glücklich
Maria Taylor
"Damenglück" heißt das neue Album von Maria Taylor. Und das umschreibt dann auch ganz gut ihren momentanen Gemütszustand. Zwar hieß es im Vorfeld, dass die zierliche Songwriterin auf diesem Werk eine zerbrochene Beziehung verarbeite, aber davon ist nicht viel zu spüren. Und außerdem möchte Maria das auch gar nicht bestätigen. Zwischenzeitlich ist sie nach Los Angeles umgezogen und dieser Tapetenwechsel macht sich definitiv auch musikalisch bemerkbar. Zwar ist die Hälfte der Songs nach wie vor eher melancholischen Charakters - dafür gibt es auf der anderen Seite aber auch einige gutgelaunte Pop-Momente - wie die aktuelle Single "Time Lapse Lifeline" oder das Duett mit Michael Stipe, "Cartoons And Forever Plans", das die CD beschließt. Damit sind wir auch schon beim Thema, denn wer Maria ein wenig kennt, der weiß, dass sie eigentlich gar keinen großen Wert auf Pläne jedweder Art legt.
"Nun ja, das einzige, was ich mir vorgenommen hatte, war, das neue Album ein wenig aufwendiger zu arrangieren - mit Streichern und Holzbläsern", erklärt sie den Ansatz, "und zwar deswegen, weil das letzte Album so zurückhaltend und sparsam ausgefallen war. Ansonsten habe ich meine Songs wie immer geschrieben." Und was hat es mit der Beziehungs-Dokumentation auf sich? "Sagen wir mal so: Es geht hier um den Wechsel. Es geht eigentlich um alles. Das mit der Beziehung hätte ich vielleicht besser gar nicht sagen sollen - dann hätte ich jetzt auch nicht drüber reden müssen." Und wie gesagt: Das neue Album klingt ja eher gut gelaunt. "Ich denke, das liegt an der Aufregung den Umzug betreffend", erklärt Maria, "für mich geht das um einen Neuanfang und die Möglichkeiten, die die Zukunft bietet - auch, wenn auch noch ein wenig Trauer über Verluste, die so etwas mit sich bringt, mitschwingt. Ich mag aber auch das Gefühl, verletzlich zu sein - einfach weil so alles passieren kann und man immer die Möglichkeit hat, zu wachsen. Hoffentlich kann man das alles heraus hören." Was war denn der Auslöser für den Umzug nach LA? "Mein Management ist dort", führt Maria aus, "viele meiner Freunde leben dort und ich wollte auf jeden Fall an einem warmen Ort am Strand wohnen. Ich lebe jetzt in Silverlake, das ist zehn Minuten von Hollywood entfernt. Das hat sich auch auf das Songwriting niedergeschlagen. Ich hatte drei Songs fertig, bevor ich umzog und habe den Rest dort geschrieben. Einige beziehen sich direkt darauf - zum Beispiel 'Green Butterfly'. Wenn ich von meinem Balkon runterschaue, sehe ich tatsächlich Schmetterlinge und höre die Vögel zwitschern. Viele dieser Bilder kommen direkt daher. Du kannst diese Referenzen also wörtlich nehmen. Ich mag es ja sowieso, Bilder aus der Natur zu nehmen."
Auf ihrer letzten Tour mit Andy LeMaster verkaufte Maria eine Akustik-EP mit dem Titel "Savannah Drive", auf der auch einige der neuen Songs bereits zu hören waren. Muss man sich so ein Maria Taylor-Demo vorstellen? "Nein, da ging es darum, dass Andy und ich mochten, wie wir zu zweit klingen und das irgendwie dokumentieren wollten. Wir hatten keine Zeit, neue Songs zu schreiben und haben dann vorhandene aufgenommen - so, wie wir sie auch live spielten. Ich finde es auch interessant, wie auf diese Weise Songs vollkommen anders klingen können." Maria sprach ja schon die Arrangements an. Wie entstanden denn diese? "Ich hatte da schon ein paar Ideen", erklärt sie, "Mike Mogis ist dann in der Lage, diese umzusetzen - zusammen mit meinem Freund Tom Nate, der die Streicher arrangierte." Auf dem Album gibt es auch einige interessante Rhythmen. "Ich habe auf dem Song 'It's Time' selbst Drums gespielt", erzählt Maria, "ansonsten meinem Freund Mckenzie Smith von Midlake gewähren lassen. Er ist ein großartiger Drummer. Dem würde ich nie sagen, was er zu tun hat, weil er so einen sicheren Instinkt hat. Ich hatte einfach die Songs zu Hause mit Garageband aufgenommen und den anderen vorgespielt, damit sie eine Idee bekamen, worum es mir ging. Wir haben dann die Stücke zusammen aufgebaut." Dabei haben sich die Songs wohl stark verändert. Woher kamen dann die Ideen zur Instrumentierung - Streicher, Flöten, Mellotron etc.? "Das hat mehr mit dem Charakter des Stückes, dem Sound, der Melodie und den Akkordwechseln zu tun", beschreibt Maria den Prozess, "wir sind ja alle Freunde im Studio und probieren einfach Dinge aus." Warum arbeitet Maria eigentlich immer mit mehreren Produzenten? "Das mache ich immer so - es sind ja meine Freunde", erklärt sie, "ich arbeitete mit Mike Mogis und Andy LeMaster, einen Song hat Lukas Burton und einen Nik Freitas produziert. Er ist ein Freund von mir. Er spielt in Conor's Mystic Valley Band und ich bin mit ihm getourt. Ich hoffe, dass ich ihn auf der nächsten Tour mitbringen kann."

Kommen wir mal zu den Songs. Die erste Single heißt "Time Lapse Lifeline" - Zeitraffer Lebenslinie - und wird von einem verrückten Video begleitet, in dem Maria und ihre Freundinnen Brett Anderson (The Donnas), Neely Jenkins (Tilly & The Wall) und Morgan Nagler (Whispertown 2000) Briefkästen zertrümmern und Hauswände besprühen. "Das Video hat nichts mit der Musik zu tun", beeilt sich Maria zu erläutern, "es ist auch nicht ernst gemeint. Mein Mitbewohner Alan Tanner ist Regisseur und mein bester Freund auf der ganzen Welt. Ich habe ihn einfach mal machen lassen. Das darf man nicht ernst nehmen. Wir alles sind so lieb und nett, dass wir nicht mal einer Ameise etwas antun könnten. Ich wollte, dass alles Mädels in dem Video mitspielen, weil ich mich momentan als Frau sehr unabhängig fühle und das ausdrücken wollte. Es ging mir aber vor allen Dingen darum, mal zu zeigen, dass ich nicht diese ernste Person bin, für die mich viele halten, sondern dass ich auch mal richtig albern sein kann. So bin ich nämlich in Wirklichkeit." Das stimmt - zumindest, wenn Maria nicht auf der Bühne steht und sich auf ihre Songs konzentriert. "Was den Titel 'Time Lapse Lifeline' betrifft, den habe ich vor meinem Umzug geschrieben", erinnert sich Maria, "was genau eine 'Time Lapse Lifeline' ist, weiß ich auch nicht so genau. Wenn man sich aber Zeitraffer-Aufnahmen anschaut, dann kann man sich zuweilen des Eindruckes nicht erwehren, dass das Leben auch ein wenig so wie eine Zeitraffer-Aufnahme ist." Ja, aber das Leben ist doch ziemlich lang. "Ja, schon, aber das will ich ja gerade in dem Song aussehen - sieben Jahre können wie im Flug vergehen und man weiß gar nicht, wo die Zeit geblieben ist. Wo sind meine 34 Jahre geblieben? Und man kann sich gar nicht an alles erinnern - das ist schon ein wenig wie ein Zeitraffer." "Time Lapse Lifeline" ist einer der Pop-Songs auf dem neuen Album. Dann gibt es ganz anders strukturierte Stücke wie z.B. "Broad Daylight" - das mit seinen Streicherarrangements und dem leichten Swing fast jazzig daherkommt. "Ja, das stimmt", bestätigt Maria, "ich hatte da diesen Gitarrenakkord entdeckt, den ich vorher noch nicht gespielt hatte - und der klang jazzig. Da dachte ich mir 'Warum eigentlich nicht?' und daraus ist dann der Song entstanden. Die Streicher haben natürlich geholfen. Die Story handelt von einer Romanze in Europa und dem, was niemals sein konnte, weil die Umstände einfach nicht die richtigen waren."

Maria Taylor
Wie fordert sich Maria als Songwriterin heutzutage heraus? "Nun, ich sollte mich wahrscheinlich ein wenig mehr herausfordern", scherzt sie, "nein, ich fordere mich heraus, indem ich für Freunde Drums spiele oder meine Gitarrentechnik verbessere. Was das Songwriting betrifft, weiß ich es nicht. Das ist ja nicht wie College oder so was. Ich will da gar nicht drüber nachdenken. Wenn es von Herzen kommt, dann mag ich es. Wenn ich das zu sehr mit dem Kopf angehe, dann funktioniert das nicht." Und wie kam die Zusammenarbeitet mit Michael Stipe zustande? "Nun, ich kenne ihn seit zehn Jahren, weil Andy LaMaster ja in Athens, Georgia, stationiert ist. Er war gerade im Haus, als ich mit Andy an dem Song arbeitete und fragte, ob ich etwas Hilfe gebrauchen könnte. Wir haben uns also alle drei zusammen hingesetzt und den Song bis sechs Uhr am nächsten Morgen fertig gestellt - jedenfalls fast. Ich hatte eine Melodie im Kopf und die Zeile 'Did You Know... My Love Will Never Die'. Michael hat dann den Rest ausgefüllt. Er ist ein sehr sorgfältiger Songwriter. Es gab ja gar nicht so viel Text zu schreiben - aber es brauchte ewig, bis er zufrieden war. Er hat auch nachdem wir den Song aufgenommen hatten, den Text noch mal umgeschrieben, so dass ich zurückfliegen musste und wir den Gesang neu aufnehmen mussten. Er ist halt ein Perfektionist. Deswegen ist er auch so erfolgreich. Wir werden den Song auch als Single herausbringen. Das Video wird dieses Mal aber nicht so albern werden, wie das für 'Time Lapse Lifeline'."

Was ist für Maria denn am Wichtigsten bei der neuen Scheibe? "Das ist für mich die Tatsache, dass ich weiterhin Musik schreiben kann und das genieße", antwortet Maria, "und dass mir diese Scheibe besser gefällt, als alles, was ich zuvor gemacht habe. Ich bin also auf der richtigen Spur. Meine Freunde, die alle so talentiert sind, wollen weiter mit mir zusammen arbeiten - was ein gutes Zeichen ist. Und ich treffe weiterhin erstaunliche Leute. Ich denke einfach, dass ich glücklich bin. Ich mache das, was ich mache nicht, weil ich es tun muss. Wenn das mal nicht mehr der Fall ist, werde ich es aufgeben." Und was tun? "Äh - eine Mutter werden und Kinder bekommen", überlegt Maria, "nein - Moment mal, das bringt ja kein Geld. Ich denke, ich gehe dann erst mal wieder zur Schule." Nun, momentan ist dafür ja auch kein Anlass. Was bringt denn die Zukunft? "Nun, ich werde zunächst natürlich mit der Scheibe touren. Dann habe ich vor, mit Andy zusammen eine richtige eigene Band zu gründen und es wird auch eine neue Azure Ray-Scheibe geben." Moment mal, hat Maria das denn nicht zuletzt ausgeschlossen? "Nein, ich habe nur gesagt, dass man niemals nie sagen soll", bestreitet sie das, "es ist nur so, dass dieses Projekt jetzt leichter möglich ist, weil ich jetzt näher bei Orenda wohne. Sie ist mittlerweile verheiratet und ich denke, dass wir jetzt Muße haben, wieder zusammen zu arbeiten."

Weitere Infos:
www.myspace.com/mariataylor
www.maria-taylor.com
www.lastfm.de/music/Maria+Taylor
Interview: -Ullrich Maurer-
Fotos: -Pressefreigaben-
Maria Taylor
Aktueller Tonträger:
Ladyluck
(Nettwerk/Soulfood)




Maria Taylor

 
 

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