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ADAM FRANKLIN
 
Tiefgang auf leisen Sohlen
Adam Franklin
"It makes you wanna smoke cigarettes", erwidert Adam Franklin auf unsere Frage, warum wirklich jeder ein Exemplar seines dieser Tage erscheinenden neuen Soloalbums "Spent Bullets" im Schrank stehen haben sollte. Doch nicht nur die Tabakindustrie darf sich freuen, denn was der Brite auf seinem zweiten Werk unter eigenem Namen abliefert, darf schon jetzt zu den schönsten Veröffentlichungen des Jahres gezählt werden.
Mit Swervedriver, einer der am sträflichsten ignorierten Rockbands der 90er, formte der Brite aus den psychedelisch-spacigen Gitarrenwänden der Shoegazer-Generation und dem ungeschliffenen Keine-Gefangenen-Rock von Bands wie The Stooges einen ganz eigenen Sound, der - nicht zuletzt ob seines so ungemein innovativen und brillanten Gitarrenspiels - bis heute unerreicht ist. Mit dem Nachfolgeprojekt Toshack Highway verlegte er sich zusehends aufs Experimentieren und entwickelte so eine gedämpftere Version des urgewaltigen Swervedriver-Markenzeichensounds. Das einzige Album von Toshack Highway erschien allerdings bereits im Jahre 2000. Danach siedelte Franklin zeitweilig nach New York über, veröffentlichte einige EPs auf US-Kleinstlabels und startete erst 2007 mit seinem auf dieser Seite des Atlantiks leider völlig untergegangenen Solo-Erstling "Bolts Of Melody" ein Comeback. Seitdem ist er allerdings kaum noch zu bremsen. Gleich nach Ende der Tournee zu besagtem Solodebüt gingen Swervedriver auf ihre erste - allenthalben umjubelte - Gastspielreise seit zehn Jahren, außerdem machte Franklin mit Sam Fogarino von Interpol gemeinsame Sache. "A.M.", das erste Album des Magnetic Morning benannten Duos, erblickt ebenfalls in Kürze das Licht der hiesigen Plattenläden.

Dennoch fand der inzwischen wieder in England lebende Ausnahmegitarrist noch Zeit, sein zweites Soloalbum aufzunehmen. Dem merkt man die Geschäftigkeit seines Protagonisten allerdings überhaupt nicht an. Im Gegenteil. "Spent Bullets" (der Titel ist eine Hommage an den großen Elliott Smith, dessen Musikverlag so hieß) ist leiser Indierock mit viel Seele, inspiriert von Scott Walker, französischen Filmsoundtracks und natürlich immer wieder Jimi Hendrix zu "Electric Ladyland"-Zeiten. Im Info zur Platte heißt es, Franklins neue Songs zielten direkt auf das Herz der Hörer. Eine sehr schöne, sehr treffende Beschreibung, denn vieles auf "Spent Bullets" klingt - sowohl was das Songwriting als auch die Performances angeht - ruhig, ja fast schon besänftigend und dürfte sich bestens als Medizin gegen Liebeskummer eignen. "Ich finde es ziemlich lustig, dass einige Leute der Meinung sind, die Platte sei sanft und rocke nicht!", zeigt sich Franklin etwas verwundert. "Ich habe das Gefühl, dass einige Menschen einen Song lediglich als rockig oder heavy ob des Tempos oder ob verzerrter Gitarren einstufen."

Adam Franklin
Vielleicht legt er aber auch einfach größeres Gewicht auf die Texte, die bisweilen einen deutlichen Kontrast zur Musik darstellen und der Platte die von ihrem Schöpfer angesprochene Schwere, ihren Tiefgang verleihen. Doch wie entscheidet Franklin bei aktuell drei parallel existierenden Bands und Projekten, wo seine neu geschriebenen Songs landen? Zumal es immer wieder äußerst spannend zu verfolgen ist, wie sehr sich seine Songs von den Demos bis zur fertigen Studioversion verändern. "Woher weißt du denn, wie sie ursprünglich klingen, Carsten? Hast du meine Demo-Tapes geklaut?", erwidert er augenzwinkernd, wohlwissend, dass er regelmäßig Demos auf MySpace veröffentlicht. "Natürlich hast du recht. Die Songs entwickeln sich oft erheblich vom ersten Inspirationsschub bis zur finalen Aufnahme, es sei denn, es sind akustische Solonummern, die zumeist naturbelassen bleiben. Ich glaube nicht, dass ich mir wirklich sicher sein kann, welche Songs für welches Projekt am besten geeignet sind. Das ist nur ein Gefühl. Ich denke, es gibt vermutlich textliche oder thematische Zusammenhänge, aber eigentlich hast du nur eine Vorstellung davon im Kopf, wie der Song klingen könnte und wie alle Songs zusammen klingen könnten." Letzteres spielt auf einen der größten Pluspunkte von "Spent Bullets" an. Anders als "Bolts Of Melody" klingt das neue Album nämlich wie aus einem Guss. Liegt das ausschließlich daran, dass die Platte in einem Rutsch aufgenommen wurde, oder auch daran, dass er beim Vorgänger mehr Zeit hatte, Songs zu sammeln, und die Stücke dieses Mal innerhalb recht kurzer Zeit entstanden sind? "Nun, 'Spent Bullets' profitiert klanglich sicherlich davon, dass die Platte in einer einzigen Session entstanden ist, und es war eine bewusste Entscheidung, sie so aufzunehmen", stimmt Franklin zu, fügt allerdings einschränkend an: "Die Songs sind keinesfalls innerhalb eines kurzen Zeitraumes geschrieben worden. Einige waren neu, andere wiederum lagen schon eine ganze Weile herum. Der älteste Song, 'End Credits', ist 15 Jahre alt und war ursprünglich in der Auswahl für Swervedrivers 'Ejector Seat Reservation'. Allerdings nimmt jeder Song die Charakteristika des Gemütszustands zum Zeitpunkt der Aufnahme an, will heißen, 'End Credits' hätte sich 1995 ganz anders angehört, ebenso, wenn die Nummer erst 2014 aufgenommen worden wäre."
Adam Franklin
Bei unserem letzten Gespräch vor fünf Jahren in Münster hatte Franklin noch gesagt: "Unter meinem eigenen Namen Platten zu machen, fände ich irgendwie seltsam." Inzwischen hat er sich allerdings dazu durchgerungen, auf den Bandnamen Toshack Highway zu verzichten. Seine Solokonzerte laufen unter "Adam Franklin", die Bandkonzerte der in Kürze anstehenden Tournee als Support für The Church in den USA dagegen unter "Adam Franklin & Bolts Of Melody". "Die Veröffentlichungen als Toshack Highway hätten rückblickend vermutlich besser nur auf das selbstbetitelte, orangefarbene Album beschränkt bleiben sollen", versucht er den Sinneswandel zu erklären. "Die 'Everyday Rock N Roll Is Saving My Life'-EP und die Split mit Sianpheric wären ja beinahe schon unter dem Namen Adam Franklin erschienen. Ich denke, es gibt viele Künstler, die etwas aufnehmen, was letzten Endes ein Soloalbum ist, sich damit aber nicht wohlfühlen. Das merkt man vor allem an Orten wie Autobahnraststätten, wenn du auf Tournee bist, frühstückst und die Bedienung fragt: 'Spielt ihr Jungs in 'ner Band? Wie heißt sie denn?' Dann ist es ziemlich seltsam, wenn du antwortest: 'Ähm, wir heißen wie der Typ, der da drüben sitzt!'"
Weitere Infos:
www.adamfranklin.com
www.myspace.com/toshackhighway
www.magneticmorning.com
www.myspace.com/magneticmorning
www.swervedriver.com
www.myspace.com/swervedriver
Interview: -Carsten Wohlfeld-
Fotos: -Johnny Moto-
Adam Franklin
Aktueller Tonträger:
Spent Bullets
(Second Motion/Hi-Speed Soul/Cargo)




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