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DAWN LANDES
 
Cowgirl-Fantasien
Dawn Landes
Dawn Landes ist eine dieser Musikerinnen, die selbst der Interessierte nicht sofort auf dem Schirm hat, wenn es um ausgezeichnetes, alternatives Songwriting aus dem Americana-Sektor geht; die aber immer mal wieder - etwa durch Kollaborationen (zum Beispiel mit Ben Weaver) auf sich aufmerksam macht. Nun legt sie mit "Sweetheart Rodeo" eine neue, eigene Scheibe vor, die sich durch eine bemerkenswerte Bandbreite und ein klares musikalisches Konzept auszeichnet. Sie hat übrigens nichts mit der Ur-Country-Rock-Nummer "Sweetheart Of The Rodeo" von den Byrds zu tun, sondern bezieht sich auf eine reale Person - der Freund ihrer Großmutter, der sich davon machte, um im Rodeo-Zirkus sein Glück zu versuchen. Obwohl nun der Gedanke nahe liegt, dass Dawn hier ein Konzept-Album konstruierte, war es dann doch mal wieder anders.
"Die ganzen Rodeo-Bilder schlichen sich einfach in meine Songs", erklärt Dawn, "das war ein totaler Zufall, aber ich bin nun umso glücklicher, dass es passiert ist, weil ich so meine Cowgirl-Fantasien im Namen der Kunst ausleben kann." Wer die zierliche Person kennt, der fragt sich natürlich, welche Art von Fantasien das sein mögen. Wie wirkt sich so was denn musikalisch aus? "Nun, wie gesagt, tauchte das Rodeo-Thema in den Songs von selbst auf", führt Dawn noch mal aus, "musikalisch hatte ich eine ziemlich reiche Palette, mit der ich arbeiten konnte. So habe ich zum Beispiel Waldhörner und Streicher auf meinem Album - was für mich ein Novum war. Um es mal so zu sagen: Ich hörte riesige Trommeln und verzerrte Sounds, die sich vor sehr delikaten Tönen verneigten." Das mag sich jetzt ein wenig zu poetisch anhören, hat aber einen bestimmten Hintergrund: In den letzten Monaten baute sich Dawn ein eigenes Studio, in dem sie die Songs zusammen mit ihren Musikern dann auch aufnahm. Inwieweit hat sich das auf die Songs selbst niedergeschlagen? "Das Studio hat einen riesigen Einfluss auf den Sound der Scheibe", meint Dawn denn auch bestimmt, "ich darf mit einigem Stolz sagen, dass ich die Wände selbst hochgezogen und gestrichen habe, das ganze Dämmaterial mit meinen beiden Partnern aufgezogen habe und diesen Raum dann mit dieser Scheibe getauft habe. Ich habe mich darin so wohl gefühlt, dass ich meine Couch zu meiner Studio-Couch gemacht habe. Da kannst du mal sehen..." Warum hat die Arbeit an dem neuen Album dann aber so lange gedauert? Die Veröffentlichung wurde ja gleich mehrfach verschoben. "Hat sie gar nicht", erklärt Dawn, "ich bin mit den Aufnahmen schon im Januar fertig gewesen. Veröffentlichungsdaten und diese Dinge stehen aber wohl in den Sternen, denke ich. Das Album ist aber eine Kämpfernatur. Ich bin sicher: Wenn es jemand nach hinten geschoben hat, dann hat es bestimmt zurückgeschoben."
Dawn Landes
Neben den eigenen Nummern gibt es auch Fremdkompositionen auf dem Album - zum Beispiel einen Song namens "Love" von Margo Guryan. Nach welchen Kriterien wählt Dawn Coverversionen aus? "Ehrlich gesagt suchen mich die Songs aus - und nicht umgekehrt", meint Dawn irgendwie pikiert, "Ich hörte diesen Margo Guryan-Song und er hat mich einfach gepackt. Ich wollte ihn sogleich für jedermann spielen und ich kann heute auch immer noch nicht damit aufhören. Klanglich ist er ein solches Abenteuer und ein solcher Text regt mich an, ihn auf die Badezimmerkacheln zu schreiben - so inspirierend ist er." Was macht denn einen guten Song aus? "Was einen guten Song ausmacht? Das ist eine schwierige Frage", zögert Dawn, "ich würde mal sagen, dass es manchmal ein bestimmtes Bild ist, ein anderes Mal eine bestimmte Hookline. Und oft ist es eine Melodie, die für Tage in Deinem Kopf steckt." Was sollte man denn beim Songwriting vermeiden? "Sich selbst zu loben", sagt Dawn, "ich bin darin ziemlich schrecklich." Was ist Dawn beim Musikzieren am Wichtigsten? "Gehört zu werden", meint sie - mit Ausrufezeichen, "hoffentlich wird es irgendetwas für irgendjemanden bedeuten. Oder zumindest irgendwelche großartige Graffiti inspirieren." Gibt es einen roten Faden, nach dem ein Song zum nächsten führt? "Ich weiß nicht, ob Songs zueinander führen", überlegt Dawn, "zumindest nicht auf einer bewussten Ebene. Mir ist es nicht gegenwärtig, dass so etwas passiert. Ich schätze, Songs haben schon irgendwo dieselbe DNS - aber sie schauen für mich schon recht unterschiedlich aus." Vielleicht ist das auch der Grund, warum Dawns Songs so abwechslungsreich sind. Oder hat das mit der musikalischen Erziehung zu tun? "Mag sein - ich bin mit aller möglichen Musik aufgewachsen: The Traveling Wilburys, Blood, Sweat & Tears, Eazy-E, Madonna, Nirvana - und einer Menge klassischer Musik beim Ballet-Training."
Was macht dem am meisten Spaß beim Songwriting? "Ich liebe es, Songs zu schreiben", führt Dawn aus, "ich liebe es auch, im Studio zu arbeiten - das fühlt sich an wie im Labor. Und ich liebe es, mit meiner Band zu arbeiten. Es macht so viel Spaß, sich zusammen mit Ray Rizzo (meinem langjährigen Freund und Drummer), Josh Kaufmann und Annie Nero geradezu in die Musik zu bohren. Das sind solche Zauberer!" Dawn hat eine sehr interessante Art, ihre Songs zu singen - indem sie mal mit, mal gegen die Musik singt. Wie sieht sie sich denn selbst als Sängerin? "Ich liebe es zu singen - fühle mich aber eher als Songwriterin denn als Sängerin. Ich bin definitiv keine professionelle Sängerin. Ich habe keine Gesangsauszeichnungen oder so was - aber es macht mir Spaß zu singen. Ich kann mir auch gar nicht vorstellen, irgendetwas anderes zu machen." Und wohin geht die musikalische Reise in Zukunft? "Ich kann nicht vorhersagen, wohin es geht - nur, dass es Spaß machen wird. Ich würde gerne mal eine Scheibe mit einer Blaskapelle aufnehmen. Oder mal ein Arrangement für einen Chor schreiben. Alles ist möglich." Auch eine Headliner-Tour in Deutschland? "Das will ich doch hoffen. Ich erinnere mich gerne an die Tour in Deutschland mit Ben Weaver zurück, wo ich so viele interessante Leute getroffen habe. Arne Gosh (Ben's Drummer) ist zum Beispiel solch ein brillanter Musiker. Und ich habe Miss Platnum im deutschen Radio entdeckt. Sie ist unglaublich..." Das, was sich hier zwischen den Zeilen offenbart - dass Dawn Landes nämlich eine aufgeweckte, humorvolle und begeisterungsfähige Person ist -, schlägt sich auch auf den Songs von "Sweetheart Rodeo" nieder - und überträgt sich natürlich auch auf den Hörer. Und jede Wette. Das nächste Mal, wenn es um ausgezeichnetes, alternatives Songwriting aus dem Americana-Sektor geht, dann hat man Dawn Landes aber endgültig gleich auf dem Schirm...
Weitere Infos:
www.dawnlandes.com
www.myspace.com/dawnlandes
Interview: -Ullrich Maurer-
Fotos: -Pressefreigaben-
Dawn Landes
Aktueller Tonträger:
Sweetheart Rodeo
(Cooking Vinyl/Indigo)




Dawn Landes

 
 

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