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Momentaufnahmen
Editors
Er könne die Frage, warum seine Band so düster sei, langsam nicht mehr hören. Für ihn gäbe es einfach keine Alternativen, ließ Editors-Frontmann Tom Smith unlängst in einem offenen Brief an Fans und Medien verlauten. Dennoch wird ihm die Frage auch in Zukunft wohl des Öfteren gestellt werden. Der Grund dafür ist das nun erscheinende dritte Werk seiner Band, "In This Light And On This Morning". Musikalisch orientieren sich die Briten zwar hörbar neu - Indierock und Gitarren sind nun tabu, dafür regieren Synthesizer-Klänge und 80s-Pop-Flair -, die Atmosphäre bleibt aber auch weiterhin betont düster.
Neun oft recht lange Songs haben es auf das ganz ausgezeichnete neue Album geschafft. Aufgenommen wurden allerdings deutlich mehr. "Für Editors-Verhältnisse waren die letzten Monate eine ziemlich produktive Songwriting-Zeit", erzählt Tom beim Gaesteliste.de-Interview in Hamburg. "Für die letzte Platte haben wir elf Songs geschrieben, von denen zehn auf dem Album landeten. Dieses Mal hatten wir mehr Material als je zuvor zur Verfügung, ohne dass ich genau weiß, warum. Ich glaube, wir haben 19 Songs fertiggestellt. Zwei davon wird man Ende dieses Jahres oder vielleicht nächstes Jahr zu hören bekommen, und fünf werden auf einer Bonus-CD enthalten sein, die zusammen mit der Erstauflage des Albums erscheint. Es war keine leichte Entscheidung, aber wir fanden, dass diese neun Songs ein schlüssiges Album ergeben. Wir hatten nicht das Gefühl, dass es länger sein müsste. Trotzdem gab es einige Songs, die für uns mehr waren als nur B-Seiten, deshalb werden diese wie gesagt auch in den kommenden Monat noch veröffentlicht werden."

Um die angedachte Neuausrichtung des Sounds erfolgreich in Angriff nehmen zu können, war es zunächst unabdingbar, einen geeigneten Produzenten zu finden, der die Band auf ihrem Weg unterstützen würde. Die Wahl fiel auf den Tausendsassa Flood. "Nachdem wir die Tournee zur letzten Platte hinter uns gebracht hatten, war uns allen klar, dass wir etwas Neues ausprobieren wollten", erinnert sich Tom. "Flood zu treffen, zu sehen, wie begeistert er von unserem Vorhaben, war und seine positive Rückmeldung zu erhalten, als er die Songs in einem sehr frühen Stadium zum ersten Mal in unseren Proberaum hörte, war eine große Sache für uns - vor allem, weil wir eine solche Hochachtung vor den Platten haben, die er produziert hat: die frühen Alben von Nick Cave, dann natürlich [Depeche Modes] 'Violator' - das ist eine unglaubliche Platte! - und ebenso das Zeug, das er mit Nine Inch Nails gemacht hat. Dann arbeitest du dich zu dem Album mit PJ Harvey vor und dir fällt ein, dass er auch des Öfteren mit Placebo zusammengearbeitet hat. Außerdem bin ich ein großer Bewunderer der neuen Sigur Rós-Platte, und in meinen Ohren ist 'Sam's Town' das beste Killers-Album!"

Der Produzent ermunterte die Band dazu, die neuen Songs trotz des vermehrten Elektronik-Einsatzes größtenteils live aufzunehmen, um die Energie und die besondere Atmosphäre der vielgerühmten Editors-Liveshows endlich auch auf Platte einzufangen. "Dass wir im Studio live gespielt haben, lässt uns viel lebendiger klingen. Außerdem verleiht es unserem Sound mehr Charakter, mehr Persönlichkeit", glaubt Gitarrist / Keyboarder Chris Urbanowicz, und Tom ergänzt: "Flood war maßgeblich daran beteiligt, dass wir unser Hauptaugenmerk bei den Aufnahmen auf den Vibe und den Groove gerichtet haben. Man kann sich in den Songs richtig verlieren, und genau darum ging es uns. Weil wir im Proberaum und bei den Aufnahmen selbst völlig vom Groove gefangen waren, sind viele der Songs ja auch vier oder fünf Minuten lang. Manch einer wird vielleicht sagen, das sei zu lang, aber es ging uns um die Momentaufnahme."

Editors
Nicht nur beim Songwriting, bei dem sich die Band vermehrt auf Keyboards und Synthesizer stützte, auch mit der Herangehensweise bei den Aufnahmen betraten die Engländer also Neuland. "Ein wenig erinnerte mich unsere Arbeitsweise an die Sessions für B-Seiten", sagt Tom. "Du gehst einfach in ein Studio und machst dir schlichtweg weniger Gedanken, da du oft auch nur wenig Zeit hast. Zeit hatten wir für diese Platte zwar genug, aber trotzdem gab es Parallelen in der Arbeitsweise." Dennoch war es für die Band nicht immer einfach, den einmal eingeschlagenen Weg weiterzuverfolgen. Gerade die Einarbeitungszeit in die Welt des Programmings verschlang eine Menge Zeit. "In solchen Situationen hilft es, viele Technikfreaks um sich zu haben", glaubt Drummer Ed Lay, der mit Bassist Russell Leetch die Band komplettiert. "Die Menschen, die in Tonstudios arbeiten, lieben Equipment, und für sie gibt es nichts Schöneres, als an technischen Gerätschaften herumzuspielen und das Letzte aus ihnen herauszuholen. Von so viel Enthusiasmus umgeben zu sein, war sehr hilfreich!"

Schließlich stellte sich heraus, dass der auf dem Papier simple Plan, auf die Gitarren zu verzichten, in der Realität gar nicht immer so leicht umzusetzen war. "Natürlich dauerte es bei manchen Songs etwas, bis ihre Persönlichkeit richtig herausgearbeitet war", erklärt Tom. "Andere dagegen passierten nahezu augenblicklich. Die Aufnahme des Titelstücks entstand beispielsweise schon vor den eigentlichen Sessions, als wir Demos machten. Alles, was wir mit dem Album erreichen wollten, fasst dieser Song zusammen. Die Stimmung ist ohne Frage komplett anders als die unseres letzten Albums, außerdem hat das Stück eine Energie, eine Schmutzigkeit und eine Boshaftigkeit, die uns von der Sekunde der Aufnahme an zusätzlich angespornt hat." Während das Titelstück, das die neue LP auch eröffnet, also nahezu unverändert blieb, wurden andere Songs komplett umgekrempelt. "'Eat Raw Meat = Blood Drool' war das Stück, das sich am stärksten verändert hat", erinnert sich Tom. "Es begann als hektische Akustikgitarrennummer und niemand von uns mochte es - wir nicht, unser Management nicht, nur Flood hatte etwas dafür übrig. Es waren seine Ideen, die es letztlich völlig auf den Kopf stellten!"

Als im Frühjahr die ersten Gerüchte über den "neuen Sound" im Hause Editors die Runde machten, war des Öfteren die Rede davon, dass einige der Songs von der Filmmusik zu Sci-Fi-Streifen wie "Terminator" oder "Blade Runner" inspiriert seien... "Das filmische Element bedeutet für mich, dass der Song den Hörer auch noch berührt, wenn man den Text weglassen würde", erklärt Tom. "Das heißt, dass die Melodien, die wir abseits der Gesangslinien und Texte schreiben, besonders wichtig sind. Das galt zwar bereits auch für die ersten beiden Platten, aber vermutlich kommt das bei der Klangkulisse, die wir für die neuen Songs gewählt haben, noch deutlicher zum Vorschein." Eine Klangkulisse, in der Toms einnehmende Bariton-Stimme übrigens noch besser zur Geltung kommt als beim gitarrenorientierten Sound der nicht nur in England immens erfolgreichen ersten beiden Alben, "The Back Room" und "An End Has A Start".

Auch wenn die Band verständlicherweise in Gedanken noch bei ihrem dieser Tag erscheinenden Album ist - bedeutet die soundtechnische Neuorientierung wohl, dass die vierte Editors-Platte wieder vollkommen anders klingen wird, oder kann sich die Band vorstellen, den nun eingeschlagenen Pfad erst einmal weiterzuverfolgen? "Ich denke, wir werden einfach unseren Weg weitergehen und uns auch in Zukunft von nichts und niemand hemmen lassen. Das ist natürlich noch weit weg, aber ich könnte mir schon vorstellen, ein weiteres Mal mit Flood zusammenzuarbeiten, und ich denke, den anderen geht es ähnlich", antwortet Tom. Chris dagegen sagt: "Ich würde gerne eine Platte machen, die richtig heavy ist!" Eine Aussage, die völlig erstaunte Blicke seiner Bandkollegen erntet. "Ich hab darüber noch mit niemandem in der Band gesprochen, aber ich würde als Nächstes gerne etwas machen, das wirklich heavy ist. Nicht im Sinne von Metal, sondern eher so wie die Queens Of The Stone Age. Das würde allerdings bedeuten, dass wir wieder zu den Gitarren zurückkehren müssten..."

Will meinen? Auch in Zukunft dürfen wir uns auf spannende Editors-Musik freuen, egal, wie auch immer sie klingen wird!

Weitere Infos:
www.editorsofficial.com
www.myspace.com/editorsmusic
Interview: -Simon Mahler-
Fotos: -Kevin Westenberg-
Editors
Aktueller Tonträger:
In This Light And On This Morning
(Kitchenware/Pias/Rough Trade)




Editors

 
 

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