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LOWOOD
 
Auf der Straße zur Erkenntnis
Lowood
Heutzutage noch auf originelle, wohlklingende und Sinn machende englischsprachige Projektnamen zu kommen, ist gar nicht so einfach. Es gibt Untersuchungen, die besagen, dass z.B. schon alle einsilbigen, regulären, englischsprachigen Begriffe diesbezüglich belegt sind. Auch bei den zweisilbigen wird es langsam knapp. Therese Johansson aus Schweden, die zusammen mit ihrer Freundin und Kollegin Kicki Halmos das Projekt Lowood ausmacht, ging deswegen unkonventionell zu Werke. "Lowood ist einfach ein Name", erklärt sie, "ich habe es in 'Jane Eyre' von Charlotte Brontée gelesen. Und dann habe ich gegoogelt, um zu schauen, ob nicht sonst schon jemand so heißt. Es gibt noch eine Stadt dieses Namens in Australien und einen Herrn dieses Namens - es ist also einfach ein Name, der gut klingt."
Das Debütalbum von Lowood - atmosphärischer Indiepop mit New-Wave-Anklängen - heißt "Close To Violence". Nun ist die Musik von Lowood zwar durchaus melancholisch und emotional - nie aber irgendwie gewalttätig. Nicht ein Mal annähernd. Auch die Texte geben diesbezüglich keine Hinweise. Was hat es also mit dem Titel auf sich? "Es sind Jahre des Herzschmerzes, die hier verarbeitet werden", erinnert sich Therese, "ich kann mich gar nicht mehr genau daran erinnern, wann ich den Song gleichen Namens geschrieben habe. Ich denke, es war 2006. Und es geht nicht um physische, sondern emotionale Gewalt - Gewalt, die gegen das Herz gerichtet ist. Es ist der rote Faden, der sich durch die Songs zieht, deswegen dachte ich mir, dass das auch ganz passend als Titel wäre." Es geht hier also um autobiographisches Material? "Ja - es geht entweder direkt um selbst erlebte Sachen oder aber solche, die ich ein wenig ausgeschmückt habe - 'larger than life', du weißt schon..." Wenn man über sich selbst singt, dann muss man doch aufpassen, nicht zu viel über sich selbst Preis zu geben, oder? "Ja, ich weiß, was du meinst", pflichtet Therese bei, "auf gewisse Art habe ich beschlossen, mich hinter den Worten zu verstecken. Zum einen singe ich ja auf Englisch, das nicht meine Muttersprache ist und dann verwende ich auch Metaphern. Und es geht ja nur um eine Seite von mir, die ich irgendwie darstellen wollte."
Wie ist das Projekt Lowood entstanden - und wie kam die Verbindung zu Kristofer Aström zustande, der auf dieser Scheibe auch zu hören ist? "Lowood, das bin ich und Kicki Kalmos, meine beste Freundin", berichtet Therese, "der Sound baut also auf elektrischer Gitarre auf - die ich spiele - und Synthesizer, den Kicki bedient. Wir haben das auch als Kern beibehalten und dann zusammen mit Johannes und Matthias Friberg von der Band Logh das Ganze ordentlich produziert. Kristofer habe ich vor einigen Jahren über MySpace getroffen und wir sind jetzt über die Musik zusammen gekommen. Ich hatte ihn in Stockholm angesprochen und gefragt, ob er nicht auf einem meiner Songs mitsingen wolle. Er hat sich das Material angehört und vorgeschlagen, das ganze als Gespräch zwischen zwei Menschen anzugehen. Das passte mir sehr gut, da ich so erforschen konnte, wie man eines anderen Gefühle begreifen könnte." Gibt es denn eine musikalische Vorgeschichte von Lowood? "Ich denke schon", meint Therese, "ich habe mit einer Künstlerin namens Asha Ali gespielt. Wir sind Freundinnen. Ich habe auch bei Moneybrother gesungen. Dort habe ich aber nur versucht, mich zu finden. Das habe ich aber erst jetzt, auf dieser Tour mit Kristofer herausgefunden." Der Sound der Scheibe ist heutzutage ja recht ungewöhnlich - insbesondere, weil viele andere skandinavische Acts ja eher in Richtung Americana tendieren. "Der Sound der Scheibe ist tatsächlich ein Ergebnis der Produktion", bekennt Therese, "ich denke, dass vieles, was dort zu hören ist, von den Produzenten stammt - es passte aber sehr gut zu dem Material. Ich mag den großen Sound, den wir zu zweit erzeugen können. Meine Gitarre alleine klingt zuweilen ein wenig harsch, aber zusammen klingen wir sehr versöhnlich. Wenn wir zu zweit spielen, dann gibt es keine Drums und so - weil ich unsere Dynamik so mag. Jeder findet da etwas anderes, was ihm gefällt, und das funktioniert für uns sehr gut."

Was inspiriert Therese denn musikalisch? "Oh, ich habe in letzter Zeit viel Musik gehört. Auf der einen Seite Neil Young und viel Americana auf der anderen Seite Post-Rock wie Explosions In The Sky oder Acts, mit denen ich getourt bin wie Tiger Lou oder Logh. So etwas gefällt mir in letzter Zeit am besten. Ich selbst fühle mich von Pop-Musik aus Amerika, Schweden und England inspiriert. Eine gute Melodie und eine schöne Stimme erregen meine Aufmerksamkeit, aber am Ende muss doch noch mehr da sein." Was ist das denn? "Ich weiß es nicht genau, das ist schwer zu sagen. Ich würde sagen, dass es ein rundes Ganzes ist." Wie entstehen die Songs denn? "Manche schreiben wir zusammen, die meisten schreibe ich aber alleine. Kicki mag es, Songs aufzubauen. Ich trage dann Teile dazu bei und sie fügt sie zusammen. Es ist aber immer ein wenig anders. Was ich mag, ist, wenn Stücke aus mehreren Teilen bestehen - ich suche nicht unbedingt nach einem Rahmen, sondern ich mag Teile, die zusammengefügt sind. Wie eine Suite etwa." Was ist die größte Herausforderung als Songwriterin? "Mich selbst zu überzeugen", antwortet Therese, "weil ich mir gegenüber sehr kritisch bin. Das wichtigste ist dabei, sich selbst zu trauen. Momentan erforsche ich gerade, wie das in Zukunft weiter gehen wird. Das ist die Straße, auf der ich gerade unterwegs bin. Meine Ansprüche an mich selbst und die von anderen wachsen ja auch und dem muss ich mich stellen. Das, was mir am meisten Spaß macht, ist auf Tour zu gehen."

Lowood
Was ist der musikalische Background von Therese? "Ich habe eine klassische Ausbildung, aber meinen Gesangslehrern gefiel meine Art zu singen nicht - bis ich jemanden fand, der sagte, dass das, was ich mache okay ist. Da habe ich dann aber mit den Lehrstunden aufgehört." Und was wird die Zukunft bringen? "Das wird von Tag zu Tag entschieden", überlegt Therese, "es ist sehr schwer, in Schweden ein Publikum für Indie-Musik zu finden, weil es nur so wenige Kanäle dafür gibt. Natürlich möchte ich das, was ich tue, auch weiter machen. Seit wir unsere Scheibe herausgebracht haben, wissen wir, dass das sehr schwer ist - weil man dabei arm wird und die Inspiration aus den Augen zu verlieren droht. Auf dieser Tour, auf der ich Kristofer Aström solo begleitete, ist mir aber klar geworden, worum es eigentlich geht und ich bin so glücklich mit dem, was ich tue, dass ich auf keinen Fall aufgeben werde. Ich möchte mindestens zwei oder drei Mal auf Tour gehen. Jedenfalls so lange ich meine Inspiration und Begeisterung nicht verliere. Einen Plan B habe ich momentan auch nicht. Ich wollte ursprünglich einen Pflegeberuf ergreifen, aber das hatte nicht geklappt. Nun, vielleicht hat es auch gar nicht klappen sollen…" Wahrscheinlich nicht - denn sonst hätten wir Therese ja auch gar nicht zu Ohren bekommen. Lowood - das ist das Richtige für Freunde des skandinavischen Indie-Pop jenseits der Americana-Schiene. Und da ist Kristofer Aström keine schlechte Messlatte...
Weitere Infos:
www.myspace.com/lowoodsweden
www.lowood.se
www.lastfm.de/music/Lowood
Interview: -Ullrich Maurer-
Fotos: -Pressefreigaben-
Lowood
Aktueller Tonträger:
Close To Violence
(G-Records/Intergroove)




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