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RECOIL
 
"Was mache ich hier eigentlich?"
Recoil
Vor 24 Jahren veröffentlichte Alan Wilder, damals noch Mitglied bei Depeche Mode, sein erstes Album als Solist unter dem Namen Recoil. Dieser Tage erscheint unter dem Titel "Selected" eine Compilation, die die musikalisch wechselvolle Geschichte des britischen Elektronik-Tüftlers ausführlich Revue passieren lässt. Im Zuge der Veröffentlichung von "Selected" geht Wilder - erstmals überhaupt unter dem Namen Recoil und mehr als 15 Jahre nach seinem letzten Auftritt mit Depeche Mode - außerdem auch wieder auf Tournee rund um den Globus.
"Es gibt schon Momente, in denen ich mich frage: 'Was mache ich hier eigentlich?'", gesteht Wilder im Gespräch mit Gaesteliste.de. "Im Großen und Ganzen genieße ich es allerdings. Gerade jetzt bin ich etwas müde, aber die meiste Zeit ist es schön, wieder da draußen zu sein, denn ich mag es, herumzureisen und Menschen zu treffen. Schön ist auch, dass ich durch Twitter, Facebook etc. viele Namen der Leute, denen ich nun auf der Tournee begegne, bereits kenne."

Trotzdem war Wilder vor Beginn der Tournee ziemlich nervös, wie einige vor dem Tourstart in Barcelona aufgezeichneten und per Video-Update auf seiner Website veröffentlichten Statements beweisen. "Ja, anfangs war ich sehr nervös und fühlte mich nicht wirklich wohl in meiner Haut", bestätigt Wilder. "Dann beschloss ich aber einfach, mich zu entspannten und es zu genießen. Nach ein paar Shows fing es an, mir mehr Spaß zu machen." Als einer der ersten Termine stand auch ein Halt im eigentlich für Konzerte gar nicht genutzten Berliner Hansa Tonstudio auf dem Programm, wo Wilder einst mit Depeche Mode viele der größten Hits seiner alten Band produzierte. Für diesen speziellen Auftritt lud er zudem mit Daniel Miller und Gareth Jones die früheren Produzenten von Depeche Mode ein, die das Vorprogramm bestritten. "Sie haben die Multitracks von 'Construction Time Again' (Dieses Depeche-Mode-Album wurde 1983 im Hansa Tonstudio abgemischt - Anm. d. A.) ausgegraben, nahmen die Originalsounds und setzten sie neu zusammen", erzählt Wilder. "Das funktionierte mal gut, mal weniger gut, allerdings hatten sie auch nur wenig Zeit zur Vorbereitung, und ich denke, das Publikum hat das auch verstanden."

Er selbst bereitete sich zwei Monate auf die "A Strange Hour" überschriebene Gastspielreise vor, wenngleich der musikalische Teil des Abends die wenigsten Probleme bereitete. "Die Musik stellte uns nicht wirklich vor Schwierigkeiten, der Film dagegen benötigte mehr Zeit. Das Editing war selbst am Tag der ersten Show noch nicht beendet!", erinnert sich Wilder, fügt allerdings hinzu, dass der Prozess dennoch vergleichsweise schnell ging. "Noch vor ein paar Jahren, ohne Hilfsmittel wie billige Kameras und das Internet, wäre es unmöglich gewesen, das so schnell auf die Beine zu stellen." Sieht Wilder die technischen Neuerungen nur positiv, oder denkt er manchmal wehmütig an die frühen 80er zurück, als vieles mehr Zeit, aber bisweilen auch mehr Kunstfertigkeit verlangte und deshalb mehr Charme besaß? "Es ist charmant im Rückblick, damals dagegen fanden wir es nicht unbedingt charmant, dass alles so fürchterlich kompliziert war", antwortet er. "Wir hätten natürlich damals gerne größere technische Möglichkeiten gehabt. Aber ich weiß, worauf du hinauswillst. Natürlich sind nicht alle Neuerungen gut. Ich finde es gar nicht gut, dass heute alles sofort auf YouTube veröffentlicht wird. Deshalb gibt es einfach keine Überraschungen mehr. Jeder weiß schon vorher, was passieren wird, weil Ausschnitte der Show bereits online verfügbar waren. Das ist schade, aber wenn Technik als nützliches Werkzeug eingesetzt werden kann, bin ich natürlich dafür! Außerdem bedeutet der technische Fortschritt ja nicht, dass du die großen Errungenschaften der Vergangenheit nicht weiter nutzen kannst. Niemand verbietet dir, analoges Equipment zu benutzen oder auf altbewährte Art und Weise zu arbeiten und neue Technologien nur anzuwenden, wenn es dir sinnvoll erscheint."
Dass er mit dieser Herangehensweise bisher gut gefahren ist, beweist die nun erscheinende Compilation. Die Idee zu "Selected" kam von Wilders Label Mute Records und war für den Künstler eine willkommene Chance, den Namen Recoil im Gespräch zu halten, während er in gewohnt langsamem Tempo an neuen Tracks feilt. "Es gab keinerlei Restriktionen, und deshalb konnte ich einfach die Stücke auswählen, die in diesem Kontext am besten funktionierten", sagt Wilder. Nicht alle Stücke wollten passen, das Frühwerk zum Beispiel blieb außen vor. Dennoch: "Es gab keine Tracks, die ich dringend unterbringen wollte und die nicht funktioniert haben. Es gab einige weitere Tracks, mit denen wir herumgespielt haben, die aber letztlich der Zeitbeschränkung zum Opfer gefallen sind. Ich hätte gerne einen weiteren Track von Samantha Coerbell untergebracht, aber der Platz reichte einfach nicht und er hätte auch den Fluss des Albums gestört. Stücke wie 'Edge To Life' und 'Faith Healer' klingen zwar auch etwas anders, sie passen allerdings so gerade noch auf die Platte."

Und die Zukunft? Wilder hat abseits der Tourtermine derzeit lediglich bescheidene Pläne für die kommenden Monate, wie er uns abschließend verrät: "Ich habe vor einiger Zeit mit der Arbeit an neuem Material begonnen, nach diesem fürchterlichen Winter will ich nun allerdings erst einmal den Sommer genießen, endlich wieder Tennis spielen und schwimmen gehen, die Fußballweltmeisterschaft verfolgen - und dann werde ich mich vermutlich wieder der Arbeit zuwenden."

Weitere Infos:
www.recoil.co.uk
www,myspace.com/recoil
Interview: -Simon Mahler-
Foto: -Pressefreigabe-
Recoil
Aktueller Tonträger:
Selected
(Mute/EMI)




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