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TEENAGE FANCLUB
 
"Es ist masochistisch, dir deine eigenen Songs anzuhören!"
Teenage Fanclub
Teenage Fanclub haben es wieder geschafft: Auch ihr neues Album "Shadows" zeichnet sich durch genau jene unvergängliche Verbundenheit mit einschmeichelnden Melodien aus, die sich - wenngleich in verschiedenen musikalischen Schattierungen - wie ein roter Faden durch die inzwischen über zwanzigjährige Karriere der Schotten zieht. Dabei verfolgen die drei Songwriter Norman Blake, Gerry Love und Raymond McGinley auch auf "Shadows" durchaus unterschiedliche Ziele. Während sich Blake bei Songs wie die wunderbare Single "Baby Lee" klassischem Singer / Songwritertum mit 60s-Flair widmet, wie man es aus der "Songs From Northern Britain"-Ära kennt, knüpfen einige der Nummern von Love (allen voran "Shock And Awe") am ehesten an den Klang an, der in den frühen 90ern den Grundstein für die Legende legte, und McGinley widmet sich weiterhin der gewissermaßen postmodernen Variante des Bandsounds, der das Album "Howdy!" im Jahr 2000 beherrscht hatte.
Fast zwei Jahrzehnte nach der Veröffentlichung des Meilensteins "Bandwagonesque", das der Melody Maker in seiner Endjahresabrechnung damals höher als Nirvanas im gleichen Jahr erschienenes Album "Nevermind" einstufte, ist es somit gar nicht so einfach zu beschreiben, was Teenage Fanclub ist bzw. ausmacht. Das gilt auch für die Band selbst. Norman Blake macht bei unserem Gespräch zwar einen Versuch, richtig handfest ist seine Deutung aber auch nicht. "Teenage Fanclub ist in erster Linie ein Vehikel für Gerry, Raymond und mich als Songwriter", sinniert er. "Was uns von den meisten Bands unterscheidet, ist die Tatsache, dass jeder von uns dreien Songs schreibt. Für gewöhnlich gibt es nur einen Songwriter, der dann auch gleichzeitig die musikalische Richtung vorgibt und dessen Visionen umgesetzt werden. Bei uns ist das anders, allerdings verhindert es auch, dass wir uns radikal verändern, wenngleich wir natürlich versuchen, jedes neue Album anders als das vorangegangene klingen zu lassen." Dass Teenage Fanclub drei Songwriter in ihren Reihen haben, macht aber nicht nur den Unterschied zu anderen Bands aus, Blake betrachtet es auch als das ultimative Erfolgsgeheimnis im Hinblick auf die lange Karriere der Band: "Stell dir vor, wie groß der Druck wäre, der auf einem einzigen Songschreiber lasten würde! Bei zehn Alben sprechen wir da von ungefähr 120 Songs. Es wäre schwierig, den Standard hochzuhalten. Bei uns ist die Last auf drei Schultern verteilt, und das hat es uns leichter gemacht, ein hohes Niveau beizubehalten. Außerdem hat es uns ohne Frage geholfen, zwischendurch unsere eigenen Wege zu gehen. Gerry und ich haben mit den Pastels gespielt, ich habe eine Platte mit Euros Childs gemacht, Raymond hat ein Album für Snowgoose produziert."
Besonders auffällig an "Shadows" ist, dass Teenage Fanclub nach dem eher minimalistisch klingenden letzten Album "Man-Made" aus dem Jahre 2005 dieses Mal wieder in puncto Overdubs und Harmoniegesang aus dem Vollen schöpfen, um wie immer herrlich unaufgeregte Pop-Perlen zu kreieren. Der Grund dafür ist übrigens denkbar simpel: Während der Vorgänger in Chicago entstand und die Musiker ihre eigene Ausrüstung zu Hause ließen, karrten sie für die dieses Mal in Großbritannien abgehaltenen Sessions kurzerhand ihr komplettes Zeug ins Studio. Schließlich sind die Schotten nach all den Jahren immer noch richtig vernarrt in ihr Equipment, egal, ob es sich um bewährte Instrumente handelt oder neue Anschaffungen. "Wir haben über die Jahre immer wieder neue Instrumente zu unserem 'Arsenal' hinzugefügt", verrät Blake. "Für 'Grand Prix' haben wir zum Beispiel einen kleinen Casio-MT-65-Synthesizer gekauft, den wir seitdem auf jeder Platte verwendet haben, denn der Orgelsound ist einfach großartig. Er klingt ungefähr so wie die Farfisa, ist aber viel einfacher zu transportieren! Die Entdeckung bei den Aufnahmen der neuen Platte war der Philicorda von Philips. Das ist eine Heimorgel aus den 60er-Jahren. Das Instrument ist ziemlich zerbrechlich und es ist gar nicht so einfach zu bekommen, aber es klingt wirklich unglaublich! Wir haben es auf der neuen Platte ziemlich oft eingesetzt. Ein ziemlich gutes Beispiel für den Philicorda 'in action' ist das letzte Stück der Platte, 'Today Never Ends'." Nicht unbedingt neu für die Band, aber durch den oft prägnanten Einsatz durchaus auffällig sind auch die schönen Streicherarrangements auf "Shadows". "Für die Streicher ist John McCusker verantwortlich, ein traditioneller schottischer Fiddle-Spieler, mit dem wir seit Jahren befreundet sind und der schon oft auf unseren Platten mitgespielt hat", erklärt Blake. "Er ist ungemein talentiert und hat ein unglaubliches Gehör. Vor allem aber mag er unsere Musik und hat sehr gut verstanden, wo wir hinwollten. John spielt jede einzelne Violine, die auf dem Album zu hören ist." Ebenfalls auffällig ist die Reihenfolge der Songs auf "Shadows". Den Anfang macht eine Nummer von Love, dann folgt eine von Blake und daran schließt sich eine von McGinley an. Ein Muster, das auch beim Rest der Platte strikt durchgehalten wird. "Es ist ja geradezu masochistisch, dir deine eigenen Songs anzuhören, deshalb haben wir diese Reihenfolge gewählt, damit wir, wenn wir In-Store-Auftritte haben und sie in den Läden unsere Platte im Hintergrund abspielen, nur alle drei Songs Bauchschmerzen bekommen", sagt Blake lachend. "Nein, im Ernst: Bei der Reihenfolge war Francis federführend, wir haben letztlich nur noch ein wenig daran gedreht."
Francis, das ist Francis McDonald, der aushilfsweise schon auf dem Teenage Fancub-Debüt "A Catholic Education" trommelte und - wie auch Keyboarder Dave McGowan - inzwischen seit rund einem Jahrzehnt fester Bestandteil der Besetzung ist. Als nicht am Songwriting Beteiligter fungierte er gewissermaßen als Referee, der mit unvoreingenommenem Blick die Songs sortieren konnte. Zu fünft gehen Teenage Fanclub auch auf Tour. Erste Konzerte in der britischen Heimat sind bereits absolviert, ausgewählte Festivalauftritte stehen in den Sommermonaten an, die USA werden im September bereist und Shows in Deutschland sollen im November stattfinden. Sowohl an die Tournee zu "Howdy!" als auch an die Gastspielreise zu "Man-Made" schlossen sich lange Phasen der Inaktivität an. Dieses Mal gibt es laut Blake zumindest Anlass zur Hoffnung, dass die Band nicht wieder eine halbe Ewigkeit von der Bildfläche verschwindet: "Wir haben jetzt einen neuen Manager, es gibt nun also jemanden, der uns ein bisschen auf die Füße treten kann", sagt er grinsend. "Nach Ende der Tourneen zu den beiden letzten Platten hatten wir eigentlich vor, nur ein Jahr Pause einzulegen, aber bevor wir uns versahen, waren zweieinhalb, drei Jahre ins Land gegangen! Dieses Mal haben wir uns fest vorgenommen, produktiver zu sein. Mein Ziel ist es schon, in zwei Jahren eine weitere Platte zu machen."

Nehmen wir's als Versprechen, denn "Shadows" macht wahrlich Lust auf mehr!

Weitere Infos:
www.teenagefanclub.co.uk
Interview: -Simon Mahler-
Foto: -Donald Milne-
Teenage Fanclub
Aktueller Tonträger:
Shadows
(PeMa/Pias/Rough Trade)




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