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QUASI
 
Keine Zukunft, nur Gegenwart
Quasi
Frischer Wind im Hause Quasi: Nach weit mehr als zehn Jahren als Duo machen Gitarrist, Keyboarder und Sänger Sam Coomes (ehemals Heatmiser, auch aktiv bei Pink Mountain und gern gesehene helfende Hand bei Built To Spill) und Ausnahme-Schlagzeugerin Janet Weiss (früher bei Sleater-Kinney und inzwischen aus Steve Malkmus' Band nicht mehr wegzudenken) nun gemeinsame Sache mit der Bassistin Joanna Bolme, die einst bei The Minders und The Spinanes spielte und wie Janet auch bei Steve Malkmus aktiv ist. Auf ihrem vor wenigen Monaten erschienenen Album "American Gong" nimmt die Band aus Portland, Oregon, ihre Indierock-Wurzeln und möbelt sie mit unüberhörbaren Versatzstücken aus Psychedelic und Prog gehörig auf, ohne dabei die beiden wichtigen Eckpfeiler Melodiosität und blindes Verständnis im Zusammenspiel außer Acht zu lassen.
Die - ausgezeichnet umgesetzten - Veränderungen kommen nicht von ungefähr, wie Sam bei unserem Treffen vor dem großartigen Auftritt seiner Band in Köln gleich zu Beginn gesteht: "Vor einigen Jahren wurde mir bewusst, dass ich alles, was ich je erreichen wollte, bereits geschafft hatte. Alles, was ich wollte, war, in einer Band zu sein, Musik zu machen, Platten aufzunehmen und durch die Weltgeschichte zu touren, um für die Menschen zu spielen. Natürlich ist das alles ganz anders abgelaufen, als ich es mir früher ausgemalt hatte, doch unter dem Strich hatte ich alles erreicht. Weil die Wirklichkeit so anders war als meine Träume, brauchte ich lange, um zu realisieren, dass es bereits passiert war. Das ist schon ziemlich seltsam, wenn dir das klar wird, weil du dich fragst, was nun wird. Sollte ich etwas anderes machen? Oder sollte ich weiter Musik machen? Letztlich entschied ich, dass ich es zu sehr liebe, Musik zu machen, deshalb gibt es die Band auch weiterhin. Es macht auch immer noch viel Spaß - meistens zumindest."

Die Erkenntnis, bereits all seine Träume verwirklicht zu haben, hatte für Sam allerdings auch etwas Gutes. Schließlich konnte er sich so den kommenden Aufgaben viel entspannter widmen, in der Gewissheit, nicht mehr irgendwelchen Kindheitsidealen nachjagen zu müssen, die es galt, in ferner Zukunft in die Tat umzusetzen. "Mir wurde klar, dass es keine Zukunft mehr gibt, nur noch die Gegenwart", sagt er und muss lachen. "Deshalb konnte ich mich viel intensiver mit dem auseinandersetzen, was Tag für Tag geschieht, anstatt mir Gedanken zu machen, was nächste Woche, nächsten Monat oder in fünf Jahren sein wird. Das hat vieles einfacher gemacht."

Mit Sams veränderter "Geisteshaltung" gingen in den letzten Jahren auch eine ganze Reihe musikalischer Veränderungen bei Quasi einher. Die auffälligste ist sicherlich der Einstieg von Joanna als Bassistin, nachdem die Band zuvor mehr als ein Jahrzehnt als Duo gespielt hatte - von einigen Gastauftritten Elliott Smiths am Bass einmal abgesehen. Sam sagt zwar abwehrend, dass er nicht objektiv genug sei, um über die Veränderungen in der Musik von Quasi zu sprechen, versucht dann aber doch, die aus seiner Sicht wichtigsten Neuerungen zu nennen: "Die meisten Veränderungen, zumindest die, die mir auffallen, sind für mich eher praktischer Natur. Wir sind jetzt ein Trio, ich spiele mehr Gitarre als Keyboards und wir haben an ein paar Kleinigkeiten in unserer Herangehensweise gedreht, aber der Kern dessen, was die Band ausmacht, hat sich meiner Meinung nach überhaupt nicht verändert."

Trotzdem, der Einstieg Joannas ist zumindest für einen Außenstehenden auf den ersten Blick doch ein gravierender Einschnitt, zumal Janet im letzten Interview mit Gaesteliste.de vor vier Jahren noch die besondere, geradezu telepathische Verbindung zwischen sich und Sam betont hatte. "Wenn du nachher die Show siehst, wirst du merken, dass es uns gelingt, auch zu dritt noch sehr viel davon beizubehalten. Wir sind immer noch ziemlich 'loose', auch wenn wir einige Dinge etwas mehr strukturieren mussten. Der Hauptgrund, warum das Ganze so gut funktioniert hat, ist natürlich, dass Joanna uns schon seit vielen Jahren kennt, uns eine Million Mal live gesehen hat und weiß, worum es bei uns geht. Außerdem hat sie ja zuvor schon in Malkmus' Band mit Janet zusammengespielt. Allen war also von Anfang an klar, auf was sie sich einließen." Joannas Einstieg passierte zudem eher beiläufig. Zumindest gab es kein Bandmeeting, bei dem Janet und Sam beschlossen hätten, nach einem dritten Bandmitglied zu suchen - und auch diesen organischen Übergang vom Duo zum Trio sieht Sam rückwirkend als großes Glück an. "Wenn wir eine große Sache daraus gemacht hätten und es dann nicht funktioniert hätte, wäre das ganz schön peinlich gewesen", sagt er lachend. "Letztlich blieb Joanna einfach bei uns, weil es funktionierte."

Wer als Nichtmusiker nun vielleicht vermutet, dass Joanna den Improvisationsdrang von Janet und Sam zwangsläufig gezügelt habe, weil die zwei jetzt schlichtweg weniger Platz haben, um sich auszutoben, wird von Sam eines Besseren belehrt: "Nein, ich habe jetzt sogar mehr Raum, weil ich nun nicht mehr der bin, der ständig für den Rhythmus und den harmonischen Hintergrund sorgen muss. Wenn ich gesagt habe, dass wir einige Dinge stärker strukturieren mussten, meinte ich damit auch nicht die Arrangements, sondern eher das Set und die Art und Weise, wie die Songs auf der Bühne aufeinanderfolgen oder ineinanderfließen. Mir macht es auch viel mehr Spaß, zu dritt live zu spielen, nicht zuletzt deshalb, weil ich jetzt mehr mit der Gitarre machen kann. Früher, im Duo, hab ich mich immer dazu verpflichtet gefühlt, simple Sachen auf der Gitarre zu spielen, was letzten Endes dazu geführt hat, dass ich kaum Gitarre spielt habe, weil ich das Keyboard vom harmonischen Standpunkt aus für die Duo-Situation geeigneter fand."

Letzter Kommentar ist vor allem deshalb interessant, weil der Kollege Ullrich Maurer in seinem Review zu "American Gong" schrieb: "Sam spielt jetzt etwas besser Gitarre als früher." Richtiger wäre es vielleicht zu sagen, dass er nicht besser spielt, sondern sich mehr zutraut. "Ja, ich denke, das stimmt. Bevor Quasi starteten, habe ich ja ausschließlich Gitarre gespielt, und damals hielt ich mich eigentlich für einen ganz ordentlichen Gitarristen", erinnert sich er lachend. "Allerdings kann man wohl auch sagen, dass meine Fähigkeiten an der Gitarre über die Jahre etwas nachgelassen haben, weil ich fast nur noch Keyboards gespielt habe."

Das bringt uns natürlich zu der Frage, ob das Können an den Instrumenten für Quasi wirklich so wichtig ist. Ohne damit die ohne jeden Zweifel vorhandenen Qualitäten des Trios infrage stellen zu wollen - es geht bei der Band doch viel mehr um das allgemeine Gefühl, die Freude am kreativen Zusammenspiel als um makellose fünfminütige Schlagzeug-, Bass- oder Gitarrensoli, oder? "Ja, unbedingt!", nickt Sam. "Das ist das, was uns interessiert, das Gefühl, wie du es genannt hast, man könnte es auch Charakter nennen."

Deshalb konzipieren Quasi ihre Platten auch weiterhin als echte Alben, wenngleich natürlich auch sie wissen, dass sich heute immer mehr Hörer auf einzelne Songs konzentrieren, anstatt sich zehn Stücke in einer von der Band vorgegebenen Reihenfolge anzuhören. "Ein richtig gutes Album ist mehr als die Summe der einzelnen Teile", ist sich Sam sicher, wenngleich er abschließend zugibt, dass es ihm, nicht zuletzt aus Zeitgründen, auch immer schwerer fällt, sich auf ganze Alben wirklich einzulassen. "Am liebsten setze ich mich in einen Sessel und höre einfach zu. Ich mache dann keine Hausarbeit nebenher und checke auch nicht meine eMails. Oft ist es dann spät abends und ich brauche Kopfhörer. Aber das ist es wert!"

Weitere Infos:
www.theequasi.com
www.myspace.com/theequasi
quasi2x2.com
Interview: -Carsten Wohlfeld-
Foto: -Pressefreigabe-
Quasi
Aktueller Tonträger:
American Gong
(Domino Records/Indigo)




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