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WARPAINT
 
Auf dem Kriegspfad
Warpaint
Kriegsbemalung ist ja gemeinhin eher ein männliches Attribut. Nun sind die Damen der All-Girl-Band Warpaint aus Los Angeles aber auch keine typische Mädels-Band. Ganz im Gegenteil: Emily Kokal, Theresa Wayman, Jenny Lee Lindberg und Neuzugang Stella Mozgawa betonen gerne die kämpferische Note in ihren Songs - auch wenn es sich in letzter Konsequenz am Ende nicht etwa um Tribal-Music handelt. Warpaint möchten nur etwas anderes als viele Kolleginnen. Das soll nicht unbedingt heißen, dass Warpaint es auf Krach oder Provokation abgesehen haben, sondern dass sie - insbesondere im Live-Ambiente - mehr auf Energie und musikalische Toughness stehen, als auf Schönklang oder Versöhnliches. Die Musik von Warpaint dabei exakt zu beschreiben, ist ziemlich schwierig. Basierend auf erdigen Indie-Grooves experimentieren die vier Protagonistinnen ziemlich freistilig und zuweilen psychedelisch angehaucht herum.
Die Tracks entstanden erkennbar nicht im heimischen Schlafzimmer, sondern im aktiven Miteinander vier recht unterschiedlicher Musikerinnen. Die Geschichte der Band ist dabei bereits recht lang, denn Warpaint entstand bereits vor sechs Jahren. "Wir begannen zwar vor sechs Jahren", erklärt Theresa, "aber da waren schon ein paar Pausen dabei und es drehte sich auch das Besetzungskarussell. Ich hatte zum Beispiel ein Kind während dieser Zeit. Es gab also lange Abschnitte, in denen wir nicht spielten und in denen wir uns auch darüber klar werden mussten, wie wir zum Beispiel neue Bandmitglieder einarbeiten könnten. So richtig ging es erst in 2007 los, denn da nahmen wir unsere erste EP auf und da begannen wir, regelmäßig live zu spielen - am Ende fast jede Woche. Wir haben seither auch unser Selbstverständnis als Live-Band erarbeitet." Und da hört man praktisch nur Gutes. Ist es so, dass der Sound der Band auf dem Debütalbum dem des Live-Acts Warpaint entspricht? "Also ich denke, wenn man das erste Mal etwas aufnimmt, dann ist es schwer herauszufinden, wie das abläuft und es ist dann doch recht schwierig herauszuarbeiten, wie man sich selbst sieht. Live und beim Proben ist das anders. Wir tendieren dazu, ziemlich laut und aggressiv zu spielen - und das ist dann eine ganz andere Sache. Der eigentliche Grund für diesen Unterschied ist aber, dass unsere Drummerin, Stella, erst drei Wochen vor den Aufnahmen zur CD zu uns gestoßen ist. Wir mussten also die Songs Stück für Stück aufnehmen - Drums und Bass zuerst, um ein Fundament zu haben -, damit Stella sich einarbeiten konnte. Sie arbeitet aber erstaunlich schnell und hat sich auch ordentlich eingebracht. Wir wollten schließlich nicht einfach jemanden haben, der für uns spielt, sondern jemand, der kreativ ist und auch zu unserer Vision beitragen kann. Ich denke aber, unsere nächste Scheibe wird mehr wie wir als Live-Band klingen."
Der Anker der Warpaint-Musik sind nicht Melodien, sondern eher rhythmische Aspekte und besonders in Bezug auf die Struktur der Stücke sind ihnen keine Experimente zu waghalsig. Welchen musikalischen Background gibt es bei Warpaint? "Ich begann im Alter von zehn allmählich Klavier zu spielen und später dann Gitarre. Ich komme aus einer musikalischen Familie, so dass das kein Problem war. Bei Jenny ist das anders und sie kam erst mit 18 oder 19 zur Musik und spielte dann Bass. Emily und ich waren zusammen im Kirchenchor und Emily machte sogar Musiktheater - nicht professionell, sondern um sich auszudrücken. Stella kommt aus einer Musiker-Familie." Wie schreibt man Musik wie jene von Warpaint? "Wir kommen zusammen und schauen, was geht", führt Theresa aus, "manchmal kommt jemand mit einem kompletten Song, der eine Struktur hat an. Die anderen fügen dann ihre Ideen hinzu. Ansonsten jammen wir zusammen und einigen uns auf Passagen, die uns gefallen und auf die wir aufbauen können. Wir überlegen uns dann, wohin wir diese Ideen führen könnten. Es kommt ja darauf an, was passiert - woher die Ideen kommen und welche Teile man wie zusammensetzt. Wichtig ist, der Sache Luft zu lassen und nichts zu erzwingen. Es ein sehr natürlicher und organischer Prozess, an dem wir alle gemeinsam beteiligt sind. Jeder von uns hat ein Viertel Anteil an allem was wir tun. Wir müssen uns aber am Ende alle einig sein. Es ist nicht so, dass einer bestimmt, wo es lang geht." Ist das auch der Grund, warum die Songs relativ lang sind? "Mag sein", zögert Theresa, "wir tragen alle zu den Stücken bei und es braucht seine Zeit, alle Ideen einzubauen - aber ich würde nicht sagen, dass unsere Songs zu lang sind. Das ist sowieso eine subjektive Sache - dem einen ist es zu lang, dem anderen nicht. Ich denke, dass unsere Songs genau richtig sind. Es hat immer auch mit der inneren Uhr zu tun. Nimm z.B. 'Undertow', der sich genau so richtig anfühlt - und nicht, weil er sechs Minuten lang ist. Er macht halt nur in dieser Form Sinn und man kann ihn nicht kürzen - für das Radio etwa." Wie passen die Texte da rein? "Wir singen zunächst mal, was uns gerade so einfällt. Wir müssen das dann ausformulieren. Emily und ich schreiben die meisten Texte dann in dem Sinne zusammen, als dass wir beide unsere Teile dazu beitragen. Welche Funktion die Texte haben, ist dabei schwer zu sagen. Manchmal erzählen sie eine Geschichte - im allgemeinen vervollständigen sie aber die Botschaft der Musik." Wie wichtig sind die Harmonie-Stimmen dabei? Diese sind bei den Warpaint-Songs sorgsam in die Struktur der Songs eingewoben. "Nun, wie gesagt, Emily und ich sangen ja vorher im Chor", erinnert Theresa, "es ist aber auch so, dass ich mag, wenn Stimmen unkonventionell ausgerichtet sind. Eine normale Harmonie mag ich eigentlich nicht so sehr. Genau wie bei unseren Akkorden, die auch immer etwas Ungewöhnliches haben müssen." Das gilt auch für die Melodien, nicht wahr? "Hm - ja, in der Tat. Ich weiß aber gar nicht so recht, was da eigentlich vorgeht. Es sind Dinge, die in unserem Kopf passieren. Ich kenne Musik technisch nicht so gut, um bewusst etwas tun zu können, um diesen oder jenen Effekt zu erreichen - es ist auch immer eine Menge Bauchgefühl dabei."
Warpaint
Was ist der wichtigste Aspekt bei der ganzen Sache? "Das Wichtigste ist das Gefühl, etwas erreicht zu haben, etwas zu erschaffen zu haben. Mir war es wichtig, mich ausdrücken und mich anderen mitteilen zu können. Hoffentlich gelingt es mir, damit, was ich tue, andere zu berühren - so, wie mich anderer Leute Kreationen berührt haben. Also in etwa in dem Sinne, jemandem Trost zu vermitteln durch irgendetwas, was wir ausgesagt haben. So entsteht die Verbindung zu anderen und das ist der wichtigste Grund, so etwas überhaupt zu machen - für mich jedenfalls." Was haben die Namen für Warpaint zu bedeuten? Es gibt auf "The Fool" zwar einen Song namens "Warpaint", aber keinen namens "The Fool". "'Warpaint' ist für uns ein sehr alter Song, der so viele Entwicklungsstadien durchlief, dass er für uns am Ende in der Summe unsere Band repräsentiert. Es ist fast so etwas wie die Geschichte unserer Band. Der Narr ist ein typischer Folklore-Charakter. Weißt du, wofür der steht?" Im esoterischen Sinne oder als Hofnarr? "Hm - den Hofnarr-Aspekt finde ich auch interessant, weil wir auch immer miteinander herumalbern. Das ist aber nicht der Grund, warum wir die Scheibe so genannt haben. Der Narr ist auch eine wichtige Tarot-Karte. Der Narr ist eine Art Held. Es geht darum, alle seine Möglichkeiten auszudrücken, man selbst zu sein. Und diese Aspekte sind für uns eben sehr wichtig. Es ist auch wichtig für den Kollaborationsprozess - ansonsten würden wir ja die ganze Zeit miteinander kämpfen. Der Narr ist also auch eine Figur des Ausgleiches." Interessant ist bei diesem Aspekt, dass es der - auf internen Ausgleich bedachten Band Warpaint gelingt, nach außen hin so viel Spannung zu erzeugen. Nicht alleine aus diesem Grund gehören Warpaint zu den interessanteren Bands unserer Zeit und werden allenthalben als nächstes großes Ding gehandelt.
Weitere Infos:
www.myspace.com/worldwartour
www.warpaintwarpaint.com
Interview: -Ullrich Maurer-
Fotos: -Pressefreigaben-
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Aktueller Tonträger:
The Fool
(Rough Trade Records/Beggars Group/Indigo)




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