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ESBEN AND THE WITCH
 
Keine Märchenstunde
Esben And The Witch
Der Name dieses ungewöhnlichen Trios aus Brighton ist einem skandinavischen Märchen entnommen - und zwar einem von dieser ganz düsteren Sorte, in dem es vor bösen Hexen und durchgeschnittenen Kehlen nur so wimmelt. Im Video zu ihrem "Marching Song" verfallen Rachel Davis und ihre beiden Mitstreiter vor der laufenden Kamera zusehends, so als würden sie von einer Krankheit zerfressen. Düster sind die verhallten, rumpelnde Indie-Drones der Self-Taught-Musikanten sowieso. Auf der Bühne treten Esben And The Witch vorwiegend ohne Beleuchtung in Erscheinung und hüllen sich zudem gerne in Kunstnebel. Titel wie "Warpath" oder "Lucia At The Precipice" klingen auch nicht gerade fröhlich und was "violette Schreie" sein mögen, mag man sich schon gar nicht mehr auszumalen. Dass die englische Presse das, was uns Esben And The Witch nun auf ihrem Debüt-Album präsentieren, nachdem sie im Sommer bereits als ungewöhnlicher Live-Act auf sich aufmerksam machten, als "Nightmare Pop" bezeichnen, wundert da schon nicht mehr.
Das ist aber alles kein Selbstzweck, wie uns Gitarrist Dan erklärt, denn bei Esben And The Witch hat alles einen philosophischen Unterbau. Nun ja, fast alles: "Ehrlich gesagt kennen wir uns mit Märchen gar nicht so besonders gut aus", gesteht Dan auf den Namen angesprochen, "wir fanden die Geschichte von Esben sehr interessant und mochten die Stimmung des Märchens. Letztlich gefiel uns aber vor allen Dingen der Klang des Namens. Uns war gar nicht bewusst, wie wichtig das für andere Leute ein Mal werden könnte, als wir uns den Namen gaben." Nicht nur der Name der Band ist ungewöhnlich, auch die Themen, die vorwiegend düstere oder doch zumindest ungewöhnliche Themen beleuchten, fallen aus dem Rahmen und was die Musik betrifft, so ist festzustellen, dass das, was die drei Musiker hier auf die Beine stellen, so nicht zu hören war, obwohl sie im allgemeinen der Düster-Ecke zugerechnet werden können. Und das ist als Kompliment gemeint. "Danke - so etwas hören wir gerne, denn es ist genau das, was wir auch möchten. Wir wollen auf jeden Fall nicht wie irgendjemand anderes klingen." Und wie gingen Esben And The Witch unter diesem Gesichtspunkt an die Sache ran? "Wir wollten von vorneherein Dinge machen, die neu und interessant sind - aber nicht des Selbstzweckes wegen, sondern weil wir so etwas selbst gerne hören wollten. Denn Musik zu machen ist auch immer ein wenig egoistisch. Man möchte etwas machen, auf das man stolz ist und das man auch mag."
Wenn man das Trio auf der Bühne sieht, hat man den Eindruck, dass sie ihre eigene Musik beim Spielen erforschen und entdecken - was auch dazu führt, dass sich die Sache live deutlich von dem unterscheidet, was auf der Konserve zu hören ist. "Das ist auch so beabsichtigt", räumt Dan ein, "denn wir improvisieren dann auch sehr viel. Wenn man die Musik auf diese unmittelbare Art erfährt, dann kommt nämlich auch der Instinkt hinzu. Insofern klingt unsere Musik auch anders als auf der Scheibe. Für uns ist das ein Segen, weil wir auch selbst lieber Bands sehen, die auf der Bühne anders klingen, als auf der Scheibe. Man hat dann ein einzigartiges Erlebnis als Zuhörer und das ist doch auch der Grund, warum die Leute Geld für so etwas ausgeben." Wie entsteht denn Musik wie jene von Esben And The Witch? Solche Songs kann man ja nicht gut auf der akustischen Gitarre auf der Bettkante komponieren. "Es ist eigentlich immer anders", beschreibt Dan den Prozess, "wir beginnen manchmal mit Textfetzen und manchmal mit zwei Akkorden auf dem Keyboard oder einem Riff auf der Gitarre. Das, was alle Songs allerdings gemeinsam haben, wenn es um den Prozess als solchen geht, ist, dass sie niemals enden, wie sie begonnen haben." Woher weiß man dann, dass man fertig ist? "Es ist nahezu unmöglich, einen Song wirklich fertig zu stellen - denn dann könnte man ja nichts mehr verändern, und das tut man dann ja doch - beim Live-Spielen. Wenn man aber zu dem Schluss kommt, dass man unter Berücksichtigung der Umstände und der anderen Songs das zu dem Zeitpunkt bestmögliche erreicht hat, dann ist es Zeit, den Song aufzunehmen." Was ist dann das, wonach Esben And The Witch in einem Song suchen? "Ein guter Song ist ein Song, bei dem man etwas fühlt und der eine emotionale Regung hervorruft. Es ist dabei egal, um welche Art von Emotion es geht - Hauptsache, da passiert etwas. Egal ob man den Song nun liebt oder hasst." Welche musikalischen Mittel haben Esben And The Witch zur Verfügung, ihr Ziel zu erreichen? "Das hängt von den Songs und von den Emotionen ab. Es gibt Songs die von den Vocals abhängen, andere von den Synthies oder gar den Drums. Man muss aber immer versuchen, alles einzusetzen, was man hat. Wenn jemand sagt, dass es ihm nur um die Texte oder nur um die Melodien geht, dann verkauft er sich doch unter Wert, oder? Ach ja: Die Dynamik ist dabei nicht außer Acht zu lassen, weil man so noch alles verstärken kann. Das ist sehr wichtig bei uns."
Esben And The Witch
Esben And The Witch entsprechen als Musiker so gar nicht dem Bild von Popstars, das man sich als Fan gemeinhin gerne so macht. So achten sie z.B. streng darauf, nichts konkretes von sich Preis zu geben - was bis zu dem Punkt führt, dass man sie auf der Bühne quasi gar nicht sehen kann, weil alles in Schatten, Nebel und Düsternis verschwindet. "Das ist tatsächlich etwas, was wir bewusst anstreben", gesteht Dan, "hauptsächlich deswegen, weil wir denken, dass es besser aussieht und eine Atmosphäre erzeugt, die wir ansonsten nicht erreichen können, weil man sich so automatisch mehr auf die Musik konzentriert. Und dann beschäftigen wir uns ja auch mit weniger leichten Themen."

Wenn man die Texte nicht erklärt bekommt, kann man sich als Zuhörer nie so ganz sicher sein, wovon Esben And The Witch überhaupt singen. Gehört das auch zur Philosophie? "Ja, gewiss", bestätigt Dan, "wir denken sogar, dass es sehr wichtig ist, nicht allzu transparent zu erscheinen, weil wir die Erfahrung des einzelnen mit unserer Musik nicht dadurch beflecken wollen, dass wir alles diktieren. Das meiste, was wir machen, basiert auch nicht auf persönlichen Erfahrungen, sondern ist durchsetzt mit Referenzen aus der Geschichte, Kunst, Literatur, Architektur und sogar Landschaften. Wir versuchen das alles zu zusammenzuführen. Das geht sogar bis zum exzessiven Einsatz bestimmter Wörter, um ein menschliches Gefühl zu erzeugen, den der Song ausmachen konnte. Das Wichtigste ist, dass alles recht interessant ist und wir geben den Leuten genügend Informationen, um selbst weiter machen zu können, Themen auszuloten, Ideen zu verfolgen oder selbst auf die Reise zu gehen." Es mag für eine Band wie Esben And The Witch vielleicht noch zu früh für diese Frage sein - aber wohin könnte die musikalische Reise in Zukunft führen? "Die Hauptsache für uns ist, auch weiterhin Musik zu erschaffen, auf die wir selbst stolz sein können. Es soll sich dabei nicht nur unsere Musik weiter entwickeln, sondern wir wollen uns auch selbst weiter entwickeln. Wir wollen uns dabei in keiner Weise limitieren - weder in Bezug auf Genres oder Ästhetiken. Aber es gibt einige Dinge, die wir gerne versuchen wollen, und das wären zum Beispiel Film-Soundtracks. Wir sind nämlich große Film- und Soundtrack Fans. Und dann würden wir gerne auch noch Musik für Kunst-Installationen machen. Denn das ist eine ganz andere Art, an die Sache heranzugehen, die einen auf eine ganz andere Weise herausfordert. Davon aber mal abgesehen, möchten wir so viele Shows wie nur irgendmöglich spielen und unsere Musik an so viele Menschen wie möglich herantragen und hoffen, dass sie sie mögen." Das muss jeder für sich entscheiden - aber wie Dan bereits andeutete: Egal kann einem die Musik von Esben And The Witch eigentlich nicht sein.

Weitere Infos:
www.esbenandthewitch.co.uk
www.myspace.com/esbenandthewitch
Interview: -Ullrich Maurer-
Fotos: -Pressefreigaben-
Esben And The Witch
Aktueller Tonträger:
Violet Cries
(Matador/Beggars Group/Indigo)




Esben And The Witch

 
 

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