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RIALTO
 
Der Soundtrack für unser Leben
Rialto
Rialto ist eine relativ neue Band aus England, deren Musik einen Film-Charakter besitzt, da in den Texten Geschichten aus dem täglichen Leben erzählt werden, Geschichten über Beziehungsstreß, komische Typen, Semtex, und natürlich die Frage, ob die Freundin nun fremdgeht, da sie den ganzen Abend nicht an's Telefon geht, obwohl sie ja eigentlich zu Hause sein müßte - oder ist sie einfach nur müde und hat den Anrufbeantworter eingeschaltet?!? Fragen über Fragen, und einige konnte Sänger Louis letztens in Köln beantworten...
Rialto sind letztens von Eastwest Records zu China Records, das eher einem Indie-Label ähnelt, gewechselt - was war der Grund?!?
Louis: Bei Eastwest gab es einige personelle Veränderungen, und dieser neue Boss hat einige Bands, die er als zu unkonventionell betrachtete, erstmal rausgeschmissen. Ich dachte eigentlich, unsere Musik wäre sehr zugänglich, aber er hatte da wohl eine andere Meinung und meinte nur Bands wie z.B. Enya oder Simply Red behalten zu wollen. Aber, ich habe kürzlich erfahren, daß nun dieser Mensch wieder gefeuert wurde...

Bei einem Indie-Label sind natürlich die Freiheiten größer und man hat mehr Kontrolle. Habt ihr gerne alles unter eurer Kontrolle und war das auch der Grund dafür, warum ihr das Album selbst produziert habt?

Louis: Ja, wir sind in einem gewissen Sinne Control-Freaks. Die Sache mit China war die, daß wir erstmal gut mit dem Leuten auskamen, und da die Warner Musik Gruppe uns nicht weltweit verlieren wollte (Eastwest gehört zur Warner Gruppe), hat man uns China Records vorgeschlagen, die ja auch ihren Vertrieb über Warner abwickeln. Also haben wir zugesagt, und wir sind sehr zufrieden. Das Album haben wir selbst produziert, weil wir genau wußten, welchen Sound wir auf der Platte haben wollten, und dazu brauchen wir keinen Produzenten. Wir nehmen auch sehr viel zu Hause in unserem Heimstudio auf, und kennen uns daher auch mit dem ganzen technischen Kram aus.

Den eingefleischten Musik-Freaks dürfte bekannt sein, daß Sänger Louis und Gitarrist Jonny vor Rialto mit einer anderen Kombo namens Kinky Machine unterwegs waren, und auch schon hierzulande als Support für Elastica zu sehen waren. Kinky Machine's Musik war ähnlich, nur weniger Drama und dafür mehr Rock'n'Roll - fragen die Fans ab und zu mal nach den alten Songs?!?

Louis: Ja, und was vor allem komisch ist, hier in Deutschland fragen uns andauernd Leute nach Kinky Machine, und das, obwohl wir hier nie eine Platte veröffentlich haben! Das ist schon sehr erstaunlich. In England ist es ähnlich, obwohl Kinky Machine damals dort auch sehr "underground" waren...

Wenn man Kritiken über Rialto's Platte liest, fallen immer wieder die Namen Brian Wilson und Phil Spector - sind das im Groben eure Einflüsse?

Louis: Ja, das stimmt schon. Unser Gitarrist ist ein großer Brian Wilson Fan, und Phil Spector hatte auch einen großen Einfluß auf unseren Drum-Sound, denn wir haben ja zwei Drummer in der Band, um diesen bekannten "Wall-of-Sound" zu ermöglichen. Darüberhinaus hören wir natürlich noch viele andere Bands, und ich mag z.B. David Bowie, Cohen und auch einige Film-Musiker wie Morrichone oder Sakamoto. Wir wollen auch so einen Film-ähnlichen Sound in unseren Songs haben, was manchmal nicht so einfach umzusetzen ist. So haben wir z.B. sehr lange für "Untouchable" gebraucht, wohingegen "Monday Morning 5:19" sehr schnell fertig war.

Womit wir beim Thema Songwriting wären. Louis hat bis jetzt alle Songs selbst geschrieben, und da ist natürlich die Frage, ob die anderen auch Songs für die zukünftigen Platten schreiben werden?

Rialto
Louis: Vielleicht werden auch mal Songs von den anderen aufgenommen. Ich meine, ich lehne nicht grundsätzlich ab, anderer Leute Songs zu singen, aber ich denke immer noch, man sollte, vor allem wenn man die Texte selbst schreibt, diese Lieder auch selbst singen, denn man sollte hinter jedem Wort stehen, was man von sich gibt, und das geht natürlich einfacher, wenn diese Worte von einem selbst sind. Meine Texte sind überwiegend wahre Geschichten aus meinem Leben - natürlich hier und da etwas mit dichterischer Freiheit ausgefüllt, aber es sind schon wahre Erlebnisse, die da geschildert werden. Natürlich schreibe ich auch viel über Freunde oder Bekannte, aber ich würde niemals deren Namen benutzen - aber die meisten wissen, daß sie gemeint sind.
Was ist denn eigentlich der Grund, warum Louis überhaupt Musiker geworden ist? Gibt es da irgendeine treibende Kraft?

Louis: Nun, ich denke, daß jeder, der in einer Band spielt, im Grunde erstmal bewundert werden will - so ist das auch bei mir! Außerdem denke ich, daß Musik die eindrucksvollste Kunstform ist, und die Musik hatte schon immer einen sehr großen Einfluß auf mein Leben. Daher hatte ich das Gefühl, daß ich auch Musik machen sollte, um anderen Leuten etwas zu geben. Ich mag die Idee, den Leuten etwas über ihr Leben zu sagen, und ich will den Leuten sozusagen einen Soundtrack für ihr Leben geben! Das ist so meine große Ambition, die ich für sehr lohnenswert halte! Wenn man eine Band startet, dann ist man praktisch in einer Art Gang, und wenn Du anfängst, Platten zu veröffentlichen, lädst Du die anderen Leute ein, an Deinem Leben teilzuhaben, und so werden die Fans zu einem Teil der Band.

Ein Teil einer Band ist mit Sicherheit auch die Presse - mag die englische Presse Rialto?

Louis: Ja, sie mögen uns. Natürlich kann die Presse auch manchmal sehr gemein sein, aber da haben Jonny und ich ja schon Erfahrung aus unseren Tagen mit Kinky Machine. Wir waren trotzdem sehr überrascht, daß sie uns von Anfang an gemocht haben.

Video-Clips sind ja heutztage auch sehr wichtig für Bands - was denkt Louis denn darüber?

Louis: Nun, es gibt einige gute Videos, wie z.B. "My Favourite Game" von den Cardigans - leider habe ich bis jetzt nur die zensierte Version gesehen. Aber ich denke, Videos können Dir nicht geben, was ein Song kann. Du erinnerst Dich vielleicht an bestimmte Szenen eines Videos, aber einen Song kannst Du "mitnehmen", Du hast ihn im Kopf wenn Du z.B. von der Schule kommst, oder unter der Dusche stehst. Ein Video kann so etwas nicht auslösen.

Nun zur abschließenden Frage, wen denn Louis gerne auf seiner Gästeliste haben möchte und warum?

Louis: Ich würde gerne Siouxsie von Siouxsie & The Banshees auf der Gästeliste haben. Ich habe sie letztens in einer TV-Show gesehen, wo sie neben Mel B. von den Spice Girls und einer von den All Saints eingeladen war, und Siouxsie hat die beiden anderen wie dumme Schulkids aussehen lassen, denn sie wirkte unheimlich interessant, klug und vor allem stand sie mit beiden Füßen auf dem Boden. Das war wirklich sehr beeindruckend.

Beeindruckend war auch das anschließende Konzert im recht gut gefüllten Kölner Prime Club. Die Songs waren natürlich live etwas rockiger als auf Platte, was aber auch nicht zu verachten war. Rialto werden 1999 auch wieder nach Deutschland kommen - wann genau wußte Louis noch nicht, da sie zwischendurch auch noch einige neue Songs aufnehmen wollen, auf die wir natürlich sehnlichst warten. Bis dahin gibt es ja noch das wunderbare "Rialto"-Album, das überall erhältlich sein dürfte.

Weitere Infos:
www.china.co.uk/china
Interview: -David Bluhm-
Fotos: -Pressefreigaben-

Aktueller Tonträger:
Rialto
(Eastwest)


Rialto

 
 

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