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JONNY
 
Alles nur Spaß!
Jonny
Norman Blake ist der Kopf von Teenage Fanclub, Euros Childs war der Vordenker von Gorky's Zygotic Mynci und seit einigen Jahren solo unterwegs. Brüder im Geiste sind sie schon lange, jetzt haben sie auch eine gemeinsame Band - Jonny. Auf ihrem selbstbetitelten Debütalbum huldigen die beiden ungeniert und ohne Gedanken an Genregrenzen zu verschwenden ihrer ganz persönlichen Lieblingsmusik - von harmoniesüchtigen Beach-Boys-Hommagen über albern-überdrehten Glam/Bubblegum-Pop bis zu herzergreifend melancholischen Piano-Stücken ist alles dabei. Als Teenage Fanclub Ende 2010 in Holland gastierten, schnappten wir uns Norman Blake für eine Weltpremiere: Das erste Jonny-Interview überhaupt!
GL.de: Franz Ferdinand sind in Amerika mal gefragt worden, wer von den vier Musikern denn nun Franz sei. Daher an dich die Frage: Wer ist Jonny?

Norman: Jonny existiert, er ist eine reale Person! Sowohl der Bandname als auch das Artwork des Albums gehen auf Joe Mann, einen befreundeten Künstler aus Glasgow, zurück. Ich habe ihn beim Schnitt eines kleinen Filmchens unterstützt, und als er es auf seiner Website veröffentlicht hat, hab ich mir seine Seite angeschaut und bin dabei über das Foto gestolpert, das jetzt unser Albumcover ist: fünf Typen, dies sich je einen Buchstaben von "J-O-N-N-Y" auf die nackten Oberkörper geschrieben haben. Ich fand das Bild ziemlich witzig. Euros war zufällig gerade da, weil wir zusammen Songs schreiben wollten, und als ich ihm das Bild zeigte, meinte er nur: Wäre es nicht witzig, wenn jemand seine Band Jonny nennen würde und das Foto als Cover benutzen würde? Wir beschlossen, unser Projekt Jonny zu taufen, und als wir Joe um Erlaubnis baten, das Foto benutzen zu dürfen, erzählte er uns, dass der auf dem Bild gemeinte Jonny derjenige war, der die Musik zu dem Film geschrieben hatte, bei dessen Schnitt ich assistiert hatte. Wir haben also im gleichen Moment unseren Bandnamen und unser Coverartwork gefunden!

GL.de: Im Presseinfo heißt es, dass ihr zwei Jahre an dieser Platte gearbeitet habt, allerdings hast du einen ersten Song des Projekts auf deiner Solotournee Ende 2007 gespielt...

Norman: Das Ganze entwickelte sich sehr langsam. Euros kam mich ab und zu besuchen und wir begannen, diese kleinen Songs zu schreiben - einfach so zum Spaß! In den letzten drei Jahren hat sich daraus dann etwas sehr Solides entwickelt. Zuerst haben wir Aufnahmen in meinem Heim gemacht, aber weil ich mit Paul Savage von Chemikal Underground und dem Chem-19-Studio befreundet bin, beschlossen wir, drei Tage dort zu buchen und so viele Songs wie möglich aufzunehmen. Zunächst wollten wir die Platte nur zu zweit plus Drumcomputer aufnehmen, aber in letzter Sekunde entschieden wir, dass es schöner sei, wenn wir noch einige echte Musiker einladen. Ich dachte sofort an Dave McGowan [den Teenage Fanclub-Multiinstrumentalisten] als Bassisten, und Stuart Kidd, der Drummer, der eine Zeit lang mit BMX Bandits gespielt hat, ist schon lange ein Fan von Euros' Kram und mag auch den Fanclub. Wir haben noch nicht einmal geprobt, sondern einfach drei Tage lang aufgenommen und dann noch ein paar Tage Mixing drangehängt. Es war alles sehr spontan, aber weil die beiden so ausgezeichnete Musiker sind, war das kein Problem.

GL.de: Der besondere Charme der Platte rührt in der Tat daher, dass Songs und Performance so klingen, als seien sie ohne jegliche Hintergedanken, einfach nur zum Spaß entstanden: zwei Freunde, die sich durch die Plattensammlung des jeweils anderen wühlen und sich von ihrer Lieblingsmusik inspirieren lassen!

Norman: Oh ja, ein wenig war das auch so! Die meisten Texte sind auch sehr schnell entstanden. Einige Stücke sind allerdings bereits zuvor von Euros fertiggestellte Songs, zum Beispiel "English Lady". Er hatte ihn noch nicht aufgenommen, aber ich kannte die Nummer und fragte ihn, ob wir ihn für unsere Platten verwenden könnten, weil ich den Song so mochte. Glücklicherweise war er damit einverstanden. Überhaupt war es eine Freude, mit ihm zusammenzuarbeiten, weil er so produktiv ist. Er hat ständig neue Ideen und deshalb fiel es uns sehr leicht, sehr schnell neue Songs zu schreiben. Das Stück "Gloria" auf der "Free EP" kam zum Beispiel zustande, weil wir irgendwie auf Gloria Estefan kamen und dachten, dass es doch lustig sei, einen Song aus der Perspektive eines Gloria Estefan-Fans zu schreiben. Im Handumdrehen war der Text dann auch schon fertig. Auch viele andere Stücke entstanden innerhalb von 20 Minuten. Das war genau das Gegenteil unserer sonstigen Herangehensweisen. Bei Teenage Fanclub verbringen wir schließlich in der Regel zwei Monate damit, eine Platte aufzunehmen, und auch Euros arbeitet an seinen Solo-Songs sehr lange. Das Schöne bei den Jonny-Aufnahmen war, dass es keinerlei Grenzen gab! Nimm nur ein Stück wie "Cave Dance" - wir können einfach alles aufnehmen, was uns in den Sinn kommt. Natürlich wollen wir, dass das Ergebnis gut ist, aber wir verkrampfen nicht dabei!

GL.de: Neben "Cave Dance" fällt vor allem auch "Wich Is Wich" aus dem Rahmen, auf dem ihr euch als Glam-Fans outet!

Norman: Ja, ich habe schon eine kleine Schwäche für Glam Rock, T. Rex zum Beispiel oder Roy Wood! Wir haben für einen kurzen Moment sogar daran gedacht, Roy Wood zu bitten, Jonny zu produzieren, denn wir sind große Fans von ihm und ELO. Wer weiß, vielleicht klappt das ja irgendwann in der Zukunft, denn ich bin mir sicher, dass es noch mehr Jonny-Platten geben wird. Sobald ich Euros das nächste Mal treffe, schreiben wir garantiert weitere Songs. Die Idee zum angesprochenen Song kam von Euros. Er fragte: "Wich wich is wich?" Ich dachte nur: "Gute Frage, lass uns einen Song dazu schreiben!"

GL.de: Bei "Continental" (von der "Free EP") hat man dagegen den Eindruck, dass ihr dort altbekannte Einflüsse ungenierter und direkter verarbeitet, als du das zum Beispiel auf einer Fanclub-Platte getan hättest.

Norman: Definitiv! Dieser Song wurde durch eine Vox Continental-Orgel, die im Studio herumstand, inspiriert. Meine erste Idee war, eine Nummer namens "Continental Breakfast" zu schreiben, der zunächst als Instrumental geplant war, sich dann aber zu einem Song übers Essen entwickelte. Die Musik entstand, indem wir einfach nach unseren Instrumenten griffen und zu spielen begannen. Er wurde praktisch geschrieben, während er aufgenommen wurde! Hätte es im Studio ein Banjo oder eine Tuba statt der Orgel gegeben, hätten wir wohl einfach die verwendet!

GL.de: Kaum ist die Platte in den Läden, geht ihr auch gemeinsam auf Tournee. Freust du dich darauf? Schließlich kommst du erst vier Wochen vorher von der letzten Teenage Fanclub-Tournee nach Hause...

Norman: Oh ja, ich freue mich sehr darauf, denn es wird eine ganz andere Erfahrung sein. Alles wird viel einfacher sein, denn zumindest den ersten Tourabschnitt bestreite ich nur mit Euros - eventuell mit einer Bandmaschine oder einem iPod für einige zusätzliche Spuren im Rücken. Das Ganze lässt sich also sehr einfach auf- und abbauen, es gibt wenig Aufwand. Natürlich erwarten wir kein großes Publikum, immerhin kennt niemand Jonny. Aber das ist nicht schlimm. Wir spielen für jeden - wer immer auch kommt! Vermutlich wird es ein wenig dauern, bis wir herausgefunden haben, was als Programm am besten funktioniert, aber darüber machen wir uns Gedanken, wenn wir uns einige Tage vor dem ersten Konzert zum Proben treffen. Im Moment ist geplant, dass wir einige abwegige Versionen von Fanclub- und Euros-Songs ins Set einbauen und wohl auch ein paar Coverversionen, sodass wir mehr als die zehn, zwölf Jonny-Songs in petto haben. Es ist allerdings auch nicht undenkbar, dass wir im weiteren Verlauf des Jahres noch einmal mit einer kompletten Band touren werden!

Weitere Infos:
www.turnstilemusic.net/label/jonny/
Interview: -Carsten Wohlfeld-
Foto: -Pressefreigabe-
Jonny
Aktueller Tonträger:
Jonny
(Pias/Rough Trade)




Jonny

 
 

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