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THE HUMAN LEAGUE
 
Kreativität ist alles!
The Human League
"Credo" heißt das Album, mit dem sich The Human League nach zehnjähriger Veröffentlichungsabstinenz nun wieder zurückmelden. Es ist ein Werk geworden, auf dem die Band, die zuletzt als reine Live-Band existiert hatte, Altbewährtes und Neues verschmelzen lässt und dabei eine fast schon überraschend gute Figur macht. Zugegeben, potenzielle Evergreens à la "Don't You Want Me" oder "The Lebanon" drängen sich beim ersten Hören nicht sofort auf, aber ähnlich wie die Pet Shop Boys sind The Human League eine Band, die ihre erfolgreichste kommerzielle Zeit hinter sich hat, aber immer noch genügend kreatives Potenzial besitzt, um so manche junge Band, die sich genau an dem Synth-Pop-Sound versucht, den Philip Oakey und die Seinen vor rund 30 Jahren mitinitiiert haben, das Fürchten zu lehren. Im Vorfeld der Tournee, die The Human League ab Mitte April nach Köln, Hamburg, Berlin und Leipzig führen wird, stand der sympathische Frontmann Gaesteliste.de unlängst Rede und Antwort.
GL.de: Philip, worin besteht für dich der Hauptunterschied zwischen dem Tun von The Human League heute und dem vor zehn Jahren, zu Zeiten eurer letzten Platte, "Secrets"?

Philip Oakey: Es ist heute viel arbeitsintensiver als früher. Das Musikbusiness hat sich ja stark gewandelt. Heute bringt dir jeder Job, den du machst, weniger Geld ein. Du musst also fortwährend eine Menge arbeiten. Außerdem leben wir inzwischen in Zeiten, in denen die Mehrheit der Leute ihre Musik in Form von Downloads erwirbt, das verändert alles. Inzwischen lohnt es sich zudem mehr, live aufzutreten, weil man inzwischen für Shows vernünftig entlohnt wird. Obwohl wir zuletzt damit beschäftigt waren, unsere neue Platte fertigzustellen, haben wir zeitgleich auch viel live gespielt. Wir absolvieren 50 oder 60 Auftritte pro Jahr. Wir arbeiten einfach sehr viel, allerdings können wir mehr von dieser Arbeit zu Hause erledigen als früher. Das neue Album haben wir ja zum Beispiel auch hier in Sheffield aufgenommen.

GL.de: Trotz eurer Pop-Erfolge habt ihr früher als ziemlich punkige Band gegolten, die mit ihrem Label stritt, mit Laissez-faire-Haltung an ihre Auftritte heranging und sich bisweilen herzlich wenig um ihr Publikum kümmerte...

Philip Oakey: Ja, aber vor etwas mehr als einem Jahrzehnt machte es plötzlich klick! Damals hatten wir gerade ein neues Management, und wir setzen uns zusammen und fragten uns: Wer hat uns gerettet? Die Antwort war einfach: Die Leute, die Tickets und Platten gekauft haben, auf denen "The Human League" steht! Das Business verlangt gewissermaßen danach, dass du mit jedem befreundet bist, dich auf Parties von Radiosendern sehen lässt oder dich zu Talkshows einladen lässt. Wir mögen nichts von alledem. Alles, was für uns zählt, ist unser Publikum - nicht diejenigen, die Freikarten bekommen haben, sondern die, die dafür gezahlt haben!

GL.de: Was dürfen wir von euren Deutschland-Konzerten im April erwarten. Viele neue Songs?

Philip Oakey: Momentan spielen wir lediglich zwei neue Stücke, denn gegen Ende des letzten Jahres waren wie so beschäftigt, dass für mehr noch keine Zeit blieb. Das Ganze ist aber sehr aufregend, weil wir uns dadurch auch noch einmal mit all unseren Alben auseinandergesetzt haben, während wir uns zuvor doch sehr stark auf den Kram der frühen 80er konzentriert hatten. Es hilft, wenn man auf der Bühne ein wenig Angst hat, wenn man nicht ganz sicher ist, ob man den Text auch wirklich weiß. Das erhält die Spannung!


GL.de: Gerade wenn du davon sprichst, dass ihr eure letzten Alben gewissermaßen neu entdeckt habt - hättest du rückblickend gerne mehr Platten gemacht?

Philip Oakey: Oh, absolut! Wir haben es zugelassen, dass uns persönliche und geschäftliche Dinge sowie eine gewisse Faulheit an der Arbeit gehindert haben. Rückblickend betrachtet hätten wir einfach alle zwei, drei Jahre eine Platte machen sollen. Ich würde sogar so weit gehen zu sagen, dass wir die Hilfe von professionellen Songwritern hätten in Anspruch nehmen sollen, um uns in den Jahren zu helfen, in denen wir selbst eine Schreibblockade hatten. Vielleicht liest es sich in unserer Biografie besser, dass wir das nicht getan haben, aber letztlich ist das Ganze ein Geschäft, und das muss laufen.

GL.de: Dennoch scheint ihr nicht mehr den Erfolgsdruck früherer Tage zu verspüren. Ist das Songwriting heute für dich weniger ein Geschäft als zuvor?

Philip Oakey: Es scheint so zu sein, dass ich dazu geboren wurde! Wenn ich morgens aufwache, habe ich oft ein Lied im Kopf, mit dem ich etwas anstellen will. Sobald ich es aus dem Kopf habe, ist es auch nicht mehr wichtig für mich, ob daraus ein Hit wird oder nicht. Es geht lediglich darum, das zu tun, was dir wichtig ist. Du musst kreativ sein! Das ist mehr wert als Geld!

Weitere Infos:
www.facebook.com/thehumanleague
Interview: -Simon Mahler-
Foto: -Spiros Politis-
The Human League
Aktueller Tonträger:
Credo
(Wall Of Sound/Rough Trade)




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