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SEESAW
 
Schaukelkurs
Seesaw
Sowas geht eigentlich nur in Deutschland: Eine Band "Schaukel" zu nennen, und damit durchzukommen. Da zeigt sich auch gleich das Dilemma, in welches man hierzulande kommt, wenn man mit der englischen Sprache herumlaboriert, ohne diese von Geburt mitbekommen zu haben: Man kann sich halt niemals ganz sicher sein. Zugegeben, es ist ja schon irgendwie fies, deutsche Bands immer wieder an dieser Frage festzumachen, denn die sprachbezogene Nörgelei funktioniert immer - in alle Richtungen. Der Grund, warum dieses Thema in diesem Zusammenhang überhaupt aufkommt, ist der, daß Seesaw - zumindest Teilweise - die eigenen, (typisch deutschen) Erlebnisse in (übrigens durchwegs passables) Englisch zu kleiden wissen. Das wiederum trotz durchaus poppiger Elemente, in z.T. gekonnter Songwriter Manier (z.B. auf dem heimlichen Hit der Platte "Smoke") und mit solider Gitarrenarbeit abgerundet. Das ist eines der Merkmale, die diese Band von anderen, gleichgearteten Unterfangen unterscheidet. Ein anderes ist schlicht und ergreifend, daß die Jungs überhaupt einen Plattenvertrag bekommen haben. Und das nach einer Zeit, nach der andere Bands sich schon längst wieder aufgelöst hätten.
"Da sagst Du was", meint Songschreiber und Gitarrero Lothar Müller, "das war gar nicht so einfach. Wir haben auch bereits eine selbstproduzierte CD namens 'Gas, Food, Lodging' herausgebracht. Des weiteren haben wir viel Live gespielt. Irgendwann haben wir dann den Gitarristen gewechselt (Oliver Rüge heißt der zweite Mann) und das war dann praktisch ein Neuanfang. Wir haben dann Demos produziert und schließlich einen Plattenvertrag bekommen."

Wie gesagt: Das hört sich sicherlich einfacher an, als es ist. Aufgenommen wurde das "richtige" Debut der Band, 'Blue Lava Style' in den Düsseldorfer Skyline-Studios mit durchaus namhaften Produzenten (O.L.A.F. Opal) eingespielt. Jedoch klingt das Ergebnis jetzt nicht wie eine Neuauflage von Liquido, sondern hat einen ganz eigenen Charme. Insofern fragt sich, was denn der Beitrag der Produzenten gewesen ist.

"Na ja, soundmäßig hatten wir schon ziemlich genaue Vorstellungen", meinte Lothar, "es ging da mehr um technische Aspekte." "Die haben uns mehr Selbst- bewußtsein gegeben", erklärt Bassist Christian Horn, "so haben wir uns Sachen getraut, die wir wohl ansonsten nicht gemacht hätten.

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Nimm z.B. das letzte Stück auf der Scheibe - "On Fire" - das hat Oliver geschrieben (Reich in dem Falle. Oliver Reich ist der Drummer und zweite Songschreiber der Band. Besagtes Stück ist eine elektronische Ballade). Das Stück fanden wir wunderschön und waren uns sicher, daß wir das zerstören würden, wenn wir das in einem anderen Stil spielten. Wenn jetzt nicht der Zuspruch von den Produzenten dagewesen wäre, dann hätten wir es aber auch mit Sicherheit nicht auf die Platte genommen."

Stichwort zweiter Songschreiber: Da gibt es eine gewisse Diskrepanz zwischen Story-Songs wie z.B. "Smoke", relativ eindeutigen Anspielungen ("Han Solo") und vergleichsweise interpretationsbedürftigen, assoziativen Tracks wie "One" oder "Empty".

"Das ist eben der verschiedene Ansatz", erklärt Lothar, "ich bin eher der Storyteller, der versucht, dem Song eine Geschichte zu geben, während Oliver eher assoziativ arbeitet. Ich denke aber, daß sich das ziemlich gut ergänzt."

Was bedeutet eigentlich der Titel der Scheibe, "Blue Lava Style".

"Eigentlich gar nichts", gibt Christian unumwunden zu. Da das in der Tat ein wenig wenig ist, ist er bereit, auf Nachfrage noch ein wenig auszuführen.

"Na ja, wir hatten halt nach einem schönen Titel gesucht. Und "Blue Lava Style" klingt ja auch gut. Außerdem gibt es keine blaue Lava - das ist schon mal ein Ansatzpunkt. Ansonsten kann sich jeder denken, was er will."

Das Artwork hat ähnlich tiefschürfende Bedeutung. Das Cover zeigt eine illustrativ überhöhte, idyllische Blumenwiese, die im krassen Gegensatz zu unserer technisierten, technokratischen Welt...

...aber vielleicht sollte man hier mal Halblang machen und einfach drauf hinweisen, daß "Blue Lava Style" ein zwar nicht weltbewegendes, aber (trotz zweier unterschiedlicher Songschreiber) bemerkenswert rundes Debut geworden ist. Welchen Tip haben die erfolgreichen Einsteiger denn nun für den hoffnungsvollen Nachwuchs?

"Was man auf keinen Fall machen sollte", meint Christian, "ist, einen Wahnsinnsbetrag in eine Demo-Produktion zu stecken. Am besten ist es, zwei, drei Stücke aufzunehmen, die so klingen, wie man sich selbst sieht. Wenn man 10.000 DM in eine eigene Produktion steckt, dann sind die auf jeden Fall weg, denn selbst wenn man einen Vertrag bekommt, muß man die Stücke nochmal aufnehmen, und das Geld ist dann futsch."

Interview: -Ullrich Maurer-
Fotos: -Pressefreigaben-
Seesaw
Aktueller Tonträger:
Blue Lava Style
(Double-T/Sony Music)


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