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SUSAN JAMES
 
Pause gut - alles gut
Susan James
Vor ungefähr zehn Jahren tauchte in unseren Breiten eine gewisse Susan James auf und verzauberte mit dem Album "Fantastic Voyage" und einer anschließenden Tour. Bereits damals hatte die blonde Kalifornierin einige Tonträger im Eigenvertrieb herausgebracht und hartnäckig hielten sich Gerüchte, ein reicher Computer-Mogul habe als Sponsor Gefallen an ihrer Musik gefunden. Nicht dass sich das irgendwie auf die Musik ausgewirkt hätte: Susan spielte eine Art von Westcoast-Folk mit Pop-Elementen, den sie auf der CD noch mit einigen Instrumentals anreicherte. Danach wurde es still um Susan. Sie zog mit ihrem Mann, dem Produzenten Fulton Dingley, nach London, wo sie an neuem Material arbeitete, und dann weiter nach Frankreich, bevor sie sich dann aber entschloss, eine Babypause einzulegen - die dann im Folgenden allerdings bis heute anhielt. Erst jetzt legt sie nämlich mit "Highways Hearts Ghosts & Home" das "Nachfolge"-Album vor.
"Das stimmt - ich hatte in London ungefähr zehn Songs aufgenommen, die ich allerdings zur Seite legte, als ich Mutter wurde", erzählt Susan, "sie wurden nie veröffentlicht, aber wer weiß, ob sie nicht doch mal auftauchen werden. Ich habe allerdings in der Zwischenzeit so viele neue Songs geschrieben, dass ich nicht weiß, ob ich da noch mal drauf zurückgreifen werde. Nachdem wir damals London verlassen hatten, gingen wir nach Frankreich, weil Fulton dort eine EP und ein Album für Stereolab produzierte. Anschließend zogen wir zurück nach Kalifornien, wo ich ja herstamme. Ich wollte meine Zeit als Mutter genießen und auch mehr Lebenserfahrung sammeln um davon zehren zu können. Es war auch gut, die Zeit zur Reflektion darauf nutzen zu können, wo ich bis dahin gewesen war und wo ich hin wollte."

Was hat dann schließlich die neue Scheibe "ausgelöst"?

"Das waren Gespräche mit meinem guten Freund, Paul Lacques, der auch auf der ganzen Scheibe mitspielt. Er hat mich wirklich spüren lassen, dass ich nicht mehr tourte und aufnahm. Irgendwann habe ich nachgegeben und gesagt: 'Also gut, ich mache weiter, aber ich möchte, dass du mit mir spielst'. Er hat eine Band namens I See Hawks In LA, die so eine Art Country-Band ist. Ich fand dann die Idee spannend, eine existierende Band zu nehmen anstatt mir Musiker zu suchen, die noch nie miteinander gespielt hatten."

Aha! Deswegen hat also das neue Werk einen Country-Touch, den es so bei der "alten Susan" noch nicht gegeben hatte, oder?

"Ja, das Material hätte man ja auf eine beliebige Art und Weise aufbereiten können - aber es zu einer Gruppe von Musikern zu bringen erschien mir interessant. Und vom ersten Song an wusste ich, dass es die richtige Entscheidung war. Wir hatten auch viel Spaß miteinander."

Das stimmt wohl - denn das neue Werk klingt einheitlicher als Susans letztes.

"Genau, denn für jeden Song die Musiker auszuwechseln hätte es unbeständiger klingen lassen", ergänzt Susan, "ich habe ja manchmal ziemlich seltsame Ideen und wenn du die Solo-Versionen der Songs hörst, dann kannst du auch hören, dass wir in alle möglichen Richtungen hätten abdriften können. Da die Jungs die Songs als 'Country' interpretierten und spielten, mochte ich das und bin ihnen einfach gefolgt. Ach ja: Dann habe ich noch Gabe Witcher angerufen und ihn gebeten, ein paar Geigen-Tracks zu spielen. Und er hat einen sehr guten Job gemacht."

Auf dem neuen Album gibt es eine neue Version des Susan James-Klassikers "Sunken Waltz". Warum?

"Ich hatte immer das Gefühl, dass wir den Song beim ersten Mal nicht richtig hinbekommen haben. Ich wollte ihm immer schon eine neue Chance geben und jetzt, mit diesen Musikern hat es auch geklappt. Ich bin sehr zufrieden mit dem Ergebnis. Ich weiß ja, dass so was nicht üblich ist, aber ich wollte es halt mal versuchen." Das sollte ja kein Vorwurf sein. Ehrlich gesagt, wäre es ja auch gar nicht schlecht, wenn es so etwas öfter mal gäbe.

Kommen wir nun aber mal zum Titel der Scheibe " Highways Hearts Ghosts & Home": Wofür steht der denn so?

"Der steht für meinen eigen, persönlichen Kampf mit dem Leben einer Musikerin auf Tour auf der einen Seite und dem Drang eine Familie und ein Privatleben zu haben auf der anderen. Mit den Geistern meine ich die Geister der Zeit, als die Leute noch zu Konzerten gegangen sind, einfach um gute Musik zu hören, egal ob sie die Band nun kannten oder nicht; was heute ja nicht mehr üblich zu sein scheint. Diese Geister drängen aufrechte Musiker auch heute noch dazu, zu spielen - auch wenn wir nicht für die Zeit, Energie und das Üben bezahlt werden. Diese Geister machen sich über uns lustig. Und natürlich geht es in dem Song 'Cold Moon On The Highway', aus dem diese Zeile stammt, um den Zustand des Musikbusiness. Ein Ende ist nicht abzusehen - und deswegen spielen diese Geister nun schon seit hundert Jahren. Das 'Home' also das 'Daheim' steht für jenen Ort, an dem man seine Wurzeln schlägt. Es ist die Umgebung, in der Du lebst. Es ist dieser Ort, wo man man selber sein kann, den man auch mag und um den man sich kümmern möchte."

Auf der Scheibe gibt es einen Song namens "Calling Mr. Zimmerman", in dem es sinngemäß heißt, dass Herr Zimmermann immer die richtigen Textzeilen parat habe. Da fragt es sich, welchen Herr Zimmermann aus welcher Phase Susan da meinen könnte.

"Also das ist schon ein ziemlich autobiographischer Song", gibt Susan zu, "und welchen Herrn Zimmermann ich anrufen würde? Ha, hah! Ich denke da an alles von '62 bis '69 oder sogar bis '97, denn 'Time Out Of Mind' war schon ein fantastisches Album. Aber eigentlich finden sich Juwelen im gesamten Oeuvre. Das ist so eine Phantasie von mir, Bob anzurufen und ihm einen Song von mir vorzuspielen und ihn zu fragen, ob der nicht eine Idee für diese eine spezielle Zeile hätte, die mir selbst nicht einfallen will."

Was ist denn so besonders an Topanga Canyon, der Heimat Susans?

"Nun vielleicht ist sie gar nicht so besonders", mutmaßt sie, "die Leute schreiben nur darüber und erheben das zu diesem coolen, magischen Ort. Aber ehrlich gesagt gibt es VIELE magische Orte überall auf der Welt. Es ist nur so, dass dieser Ort mir viel bedeutet. Ich bin hier geboren worden und - du weißt wie das ist - so etwas gräbt sich dann in dein System. Ich fühle mich hier lediglich unglaublich zu Hause. Ich verstehe diesen Ort und ich fühle mich hier kreativ und gelassen. Ich habe es ja an anderen Orten versucht - komme aber immer wieder auf diesen zurück."

Das neue Material ist poppiger als das Alte. Wie kommt's?

"Ich weiß nicht, ob es poppiger ist, aber es ist zugänglicher", schränkt Susan ein, "ich merkte selbst, dass ich in eine zu obskure Richtung abzudriften drohte, als ich 'Fantastic Voyage' machte - speziell wegen meiner seltsamen Instrumentals. Diese hätte ich - im Rückblick - nicht auf die CD packen sollen. Es ist sichtig, als Künstler zu experimentieren und die Grenzen auszuloten, aber man sollte darauf vorbereitet sein, einen Teil seines Publikums zu verlieren, wenn man das tut - einfach weil die Leute einen bestimmten Sound von Dir erwarten und es schwer nachvollziehen können, wenn man davon abweicht. Als ich mich ernsthaft mit dem neuen Album beschäftigte, ging es mir sehr viel starker um die Kommunikation und darum, Ideen auf eine zugängliche Art zu transportieren."

Wonach sucht die Songwriterin Susan James in einem Song?

"Ich denke, das ist vollständig subjektiv, aber was sich im Laufe der Zeit für mich herausgestellt hat, ist, dass ein Song universell angenehm sein sollte. Seien es die Melodie, die Texte, die Akkordwechsel oder der Rhythmus. Es sollte Gefühle auslösen und in irgendeiner Weise Bezug zum Hörer haben. Es gibt da eine kleine Anekdote zum neuen Album: Ich unterhielt mich mit Ryan Uyate, der einige Songs mischte. Ryan arbeitete auch mit Tom Petty an dessen 'Mojo'-Album und erzählte diesem von meinen Plänen, nach zehn Jahren wieder eine neue Scheibe aufzunehmen und fragte nach einem Ratschlag seinerseits. Toms Antwort war dann, dass Ryan mir sagen sollte, dass ich einfach gute Songs schreiben solle. Damit hatte er natürlich recht - auch wenn es banal scheinen mag. Vergiss eine modische Produktion und schreib einfach gute Songs. Das ist es!"

Was hat Susan bei dem neuen Album gelernt?

"Ich denke, dass ich eine neue Ebene des Songschreibens erklommen habe und bin damit sehr glücklich", erklärt Susan, "ich habe auch herausgefunden, dass ich eine ganz gute Produzentin geworden bin - wenn ich natürlich auch eine ganze Menge Unterstützung von den Leuten um mich herum erhalten habe, was natürlich wichtig ist - was aber auch für das Leben als solches gilt, nicht wahr?" Ja, schon - aber dennoch produzieren deswegen längst nicht alle Songwriter ihre Musik selbst. Ganz im Gegenteil. "Also nachdem ich mit so exzellenten Tontechnikern zusammen arbeiten konnte - namentlich Fulton und Ryan -, habe ich mir das schon zugetraut. Ich habe ja auch eine gute Beziehung zu den Musikern und kann darauf vertrauen, dass sie ihr Bestes geben würden, ohne dass ich sie erst dazu verleiten musste. Und nachdem Joe Gastwirt das Album mastern würde, wusste ich, dass ich da eine magische Formel entdeckt hatte."

Susan James
Und wie produziert man ein Album als Musiker?

"Also ich hatte mir zunächst mal einen Zeitrahmen gesteckt - was sich als immens hilfreich erwies und mich auf Spur gehalten hatte. Am Ende ging es darum, dass ich die Entscheidungen getroffen habe, aber auch auf den Ratschlag anderer hörte - was wichtig war, denn oft machte deren Meinung mehr Sinn als meine. Ich denke, mein Konzept ist, das zu tun, was man mag, nicht zu starr zu arbeiten und offen für Veränderungen zu sein, die sich längs des Weges einstellen. Meist wird ein Song, den man auf diese Weise aufnimmt, der Anker des ganzen Albums."

Was inspiriert Susan heutzutage musikalisch?

"Heutzutage inspiriert mich das Songwriting allgemein - weißt du, dieses Streben nach dem einfachen Ding, dem guten Song. Ich habe auch wieder begonnen, an interessanten Gitarren-Instrumentals zu arbeiten. Ich bin froh diese Auszeit genommen zu haben, weil ich jetzt wieder vollkommen motiviert bin und die Freude wieder entdeckt habe, die ich empfand, als ich zum ersten Mal im Alter von acht Jahren eine Gitarre in die Hand nahm."

Und was war an der ganzen Sache für Susan persönlich am Wichtigsten?

"Also mir ist am wichtigsten, dass ich mich verständlich ausgedrückt habe und dass die Hörer hoffentlich etwas finden, das sie mögen. Die Sache ist nämlich die, dass du als Songwriter mit einer Idee beginnst, die du zunächst mal selber mögen musst und die du dann weiter entwickelst. Es ist schon besser, wenn diese Idee gut ist, weil es da draußen fast schon zu viel anderes gibt. Bei dieser Scheibe ist mir noch wichtig, dass sie eine Spur von Hoffnung enthält, denn ich wollte auf keinen Fall eine depressive Scheibe machen, weil es davon wahrlich schon genug gibt. Sogar rein Song wie 'Old Jug Song', in dem es in Verlust geht, ist auf seine Art auch hoffnungsvoll..."

Und wie geht es nun weiter? Wieder mit zehn Jahren Pause?

"Nein, ich habe Material für mindestens vier weitere Scheiben, die sich wie Jets auf der Startbahn aufgereiht haben. Darauf möchte ich schon mal hinweisen..."

Weitere Infos:
susanjamesmusic.com
www.myspace.com/susanjamesmusic
Interview: -Ullrich Maurer-
Fotos: -Pressefreigaben-
Susan James
Aktueller Tonträger:
Highways Ghosts Hearts & Home
(Taxim/H'art)




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